schweine:bucht I

Mit einem Sprung, den mir viele ob meiner Leibesfülle nicht zutrauen würden, lande ich auf der Mauer, die das Wochenmarktgelände zum Drau-Ufer hin abstützt. Dabei hat es sich gezeigt, dass es ein Vorteil war, dass ich in den letzten Monaten abgespeckt habe. In wenigen Minuten öffnet der Wochenmarkt seine Pforten. Die Marktfahrer haben seit den frühen Morgenstunden ihre Verkaufsstände in der Markthalle und am Freigelände aufgefüllt. Das Angebot besteht aus saisonalem Gemüse, Küchenkräuter, Schnäpse, Liköre, Brot und Käse. Ein Großteil der Anbieter sind Bauern, die ihre Produkte direkt vermarkten. Für das nahende Osterfest verkaufen sie Schinken und Selchwürste aus Schweinefleisch, sowie Hühnereier. Die wichtigsten Zutaten für die Kärntner Osterjause.

Mit meinen Schweinsaugen verschaffe ich mir einen Überblick, mache einen Blick nach rechts und nach links und gebe mit meinem Rüssel das Signal zur Aktion „Schweinebucht“. Ein ganzes Heer von Schweinen, die sich bis jetzt auf dem Radweg still verhalten haben, kein einziger Grunzer war zu hören, kreisen das Marktgelände ein. Ihre Aufgabe ist es, die Straßen und die Gassen zum Udo Jürgen Platz, wo der Wochenmarkt stattfindet, zu blockieren. Zu verhindern, dass der Markt von Hausfrauen, Rentnern und anderen Käufern besucht werden kann. Wie ich, das Schwein Rosamunde, von meinem Beobachterposten aus sehen kann, reagieren die Verkäufer  mit offenem Mund und Kopfschütteln als sie merken, dass sie von Schweinen umzingelt werden. Die Ratlosigkeit kann ich in ihren Gesichtern ablesen. Das anfängliche Schweinechaos löst sich auf und alle Eintrittsmöglichkeiten in das Marktgelände sind von uns besetzt. Die ersten Besucher, welche sich dem Marktgelände nähern, werden von meinen Artgenossen am Weitergehen gehindert und machen kehrt. Zufrieden stoße ich einen Grunzer aus…

Fortsetzung folgt…

2 Gedanken zu „schweine:bucht I

  1. Hallo Gerhard!

    Eigentlich entspricht unser Verhalten gegenüber den Schweinen nicht ihrer Intelligenz. Wie überhaupt auch vielen anderen Tieren gegenüber. Dies ist wahrscheinlich unser nächstes größeres Vergehen, nach unserem Verhalten gegenüber den Mitmenschen. Wir sind als Menschen sehr unvollkommen, dies ist zumindest eine Entschuldigung.
    In der Geschichte , Teil 2 und 3 folgt, steckt auch etwas Ironie, ich hoffe es.

    Gruss schlagloch.

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