egger:marterl I

Bei einer Radtour rund um den Faaker See mache ich eine Pause beim Egger Marterl. Laut Wikipedia ist es eines der meist fotografierten Marterln Österreichs. Dieser Platz, mit Blick auf den Faakersee und den Mittagskogel ist seit Jahrzehnten ein Fotopunkt für die Touristen. Vor Jahren wurde das Marterl renoviert, der alte Baum gefällt und ein Neuer gepflanzt. Auf dem Rastplatz wurden Blumeninseln angelegt und das Umland behübscht. Kärnten wird in diesen Jahren großflächig von einer Behübschungswelle überzogen. Dem Trend entsprechend wurde beim Bildstock ein groß dimensionierter Bilderrahmen errichtet um den Besuchern, zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Auto, die Auswahl des Bildausschnittes zu erleichtern. Eine Fotohilfe für die eiligen Touristen. Hinter dem Bilderrahmen wurden Holz Stumpen aufgestellt, damit der Fotograf einen erhöhten Blickwinkel einnehmen kann. Der Bildstock ist auch ein beliebtes Motiv für Ansichtskarten, einmal mit dem Faakersee und Mittagskogel, dann ohne See und Mittagskogel, ein andermal bei Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang. Beliebt ist das Faakerseemarterl, wie es volkstümlich genannt wird, auch als Wintermotiv. Tief verschneit, wie es einmal war. Dieses Motiv eignet sich wunderbar für Weihnachtskarten und Weihnachtsbilletts. Auf diesen ist das Marterl mit dem dazugehörigen Baum vor der Renovierung zu sehen.

Die Holzbank rund um den Baum und der Schatten sind so einladend, dass ich vom Fahrrad absteige und mich auf der Bank niederlasse. Den Blick zu den Karawanken gerichtet sehe ich Teile vom türkisfarbenen Faakersee, die Insel im See und den pyramidenförmig aufragenden Mittagskogel. Nach dem Niedersitzen strömt der Duft der Lindenblüten in die Nase. Abseits vom Straßenverkehr höre ich das Summen der Bienen und das Surren der Fliegen. Ein Hahn meldet sich um die Mittagszeit zu Wort und kräht mehrmals mit kräftiger Stimme, um seine Bräute um sich zu scharren. Die Temperaturen haben während des Vormittages zugelegt und ich spüre eine Stimmung, wie ich es in meiner Kindheit erlebt habe. Bei der Heuernte wurde auf der Wiese, unter einem schattigen Baum, eine Wolldecke ausgebreitet. Dort habe ich auf meinen jüngsten Bruder, wenige Monate alt, acht gegeben. Ab und zu hörte ich von den Erwachsenen einzelne Worte, welche zwischen ihnen bei der Arbeit gewechselt wurden. Um mich das Summen der Bienen, das Surren der Fliegen. Hin und wieder setzte sich eine Fliege auf die Nase meines kleinen Bruders. Vom Hof hörte ich das Krähen des Hahnes, im Geäst des Baumes ein aufgeregtes Zwitschern oder ein kurzes Pfeifen der Vögel.

Sommerlich

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