manner:schnitten II

Bei der Weiterfahrt zeigt die Betreuerin auf die Hungerburg am Berg. Diese ist seit kurzem mit einer Zahnradbahn erreichbar. Im Zillertal erwartet sie neben viel Musik auch das Kecksfest. Ich zähle die vielen Feste in Kärnten auf: Honig-, Speck-, und Gulaschfest. Käse-, Salami-, und Hendlfest. Der Villacher Kirchtag und der Villacher Fasching ist den Sitznachbarn aus dem Fernsehen bekannt. Die Jüngste wippt und zuckt mit der Musik aus den Kopfhörern mit. Die korpulente Frau bekommt von der Sitznachbarin die Freizeitrevue zum Anschauen und erkennt das Prinzenpaar auf dem Titelblatt sofort. In der Zeitschrift sucht sie nach ihrem Horoskop und liest es der Begleitperson laut vor: „Kommende Woche gibt es Probleme in der Liebe und dies könnte bei ihr schlaflose Nächte verursachen“. Allgemeine Zustimmung, dies sei bedenklich, der Herr grinst. Sie bittet die Betreuerin, sie möge sie auf das WC begleiten.

Der Herr hat alle Mannerschnitten verspeist und er nimmt noch einen Schluck vom Eistee. Ich biete ihm eine bunte Zeitungsbeilage zum Durchblättern an, daraufhin entnimmt er seiner Einkaufstüte eine zerflederte Ausgabe der Tiroler Tageszeitung. Nur diese Zeitung sei das Wahre, ihn interessiert besonders der Sport. Er deutet auf das Foto auf der Titelseite, er kenne die Personen, Merkel und Putin. Inzwischen ist die korpulente Frau mit der Betreuerin vom WC zurückgekommen. Sogleich erklärt sie ihrer Sitznachbarin, dies war jetzt aber knapp. Was raus muss, muss raus, ansonsten bekommt man nur Bauchweh.

Die Schützlinge fragen die Betreuerin immer wieder, bei welcher Station sie aussteigen müssen. Den Fahrschein haben sie griffbereit und warten gespannt auf den Schaffner. Nach der Durchsage, in wenigen Minuten erreichen wir Jenbach in Tirol, nehmen sie ihr Gebäck und streben dem Ausgang zu. In diesem Moment erscheint der Schaffner zur Fahrscheinkontrolle und mit einem Lächeln strecken sie ihm ihre Fahrscheine entgegen.

Nach welchen Kriterien richtet sich bei Seneca ein glückliches Leben? Was bedeuten diese für in ihrer Entwicklung eingeschränkte Menschen? Sind sie in ihrer Art glücklich, wie könnten wir ihr Glück beurteilen? Andersherum, warum sollten wir ihr Dasein bedauern?

 

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