restl:essen II

Keine Restln ließ eine Klagenfurter Dame vom Mittagsteller beim Sandwirt, Backhendl mit Kartoffelsalat, zurück. Vom Backhendl hatte sie zuletzt ein kleines Stück am Teller, vom Kartoffelsalat etwa zwei Esslöffel. Jedes ließ sie für sich in eine Plastikbox einpacken. Dies habe ich auch schon gemacht, bei zwei Scheiben Wienerschnitzel oder wenn mehrere Hendlteile übrig geblieben sind. Daraus kann ich mir  mit einem Stück Semmel zur Vesper ein Schnitzelburger zubereiten. Nach dem Motto unseres Nationalmythos, wir haben nichts zu verschenken, hat die Dame ein Glas Leitungswasser mit einem Löffel bestellt. Die restlichen Preiselbeeren, eine Zuspeise zum Wienerschnitzel, in das Glas geschüttet und sich daraus einen Preiselbeersaft zubereitet.

Passiert das Restlverwerten nur bei den Lebensmitteln in den Restaurants? Ich weiß von meinen Kontakten, dies gibt es auch in der Literatur. Manche Notizen fließen nicht in den aktuellen Text ein oder werden entfernt. Der penible Autor hebt diese Bruchstücke auf und verwendet sie bei passender Gelegenheit in einem anderen Text. Auf meinem PC habe ich einen Restlordner, wo ich Teile von zu lang geratenen Blogbeiträgen oder Passagen welche mir nicht gefallen haben, ablege. Manchmal springt ein Funke aus diesen Restln über und es entsteht ein neuer Blogbeitrag.

Den Anschnitt und das letzte Stück vom Brot bezeichnet man in der Umgangssprache Scherzl. Bei uns Schülern waren in der Internatszeit diese Scherzln sehr beliebt. Für die Schuljause konnten wir nach dem Frühstück, beim Ausgang vom Speisesaal, in den Brotkorb greifen und uns selbst bedienen. Kein Scherzl ist übrig geblieben, diese versprachen den doppelten Genuss.

Kein Scherz

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