corona:schmäh

Die Serviererin im Restaurant strahlte über unseren Besuch, allgemein trudeln die Gäste nur spärlich ein. Lange Zeit gab es in den Lokalitäten keine größeren Familienfeiern, wie Geburt, Erstkommunion, Geburtstage und Hochzeiten. Mit Schaudern denkt die Bedienung an den abrupten Schließungsbefehl zurück, von einer Stunde zur anderen musste der Gastbetrieb geschlossen werden. Am meisten fehlte ihr in den vergangenen Wochen der Plausch mit den Gästen, der kleine Schmäh während sie die Frittatensuppe und die Kärntnernudel serviert.

Abseits von unserem Bedürfnis nach Kommunikation frage ich mich, wie geht es den Vögeln, wenn wir ihnen den öffentlichen Raum wieder streitig machen? Über Wochen waren sie die Einzigen, welche sich zu jeder Tageszeit im Freien zu Wort gemeldet haben. In den nächsten Monaten werden die Vögel nicht mehr die Lauthochheit über den freien Raum haben, ihr Gesang wird wieder mit den Verkehrsgeräuschen von der Villacher Westtangente garniert sein.

Seit den Ausgangsbeschränkungen wird viel davon geredet, wie sehr man unter den fehlenden Kontakten mit anderen Menschen leidet und gelitten hat. Man war über Wochen mit den unmittelbaren Personen enger gebündelt, als manchem lieb war. Unter der Mehrheit, welche sich über die wiederhergestellte Freiheit freut, gibt es eine kleine Gruppe von Menschen, welche die wiedergewonnene Bewegungsfreiheit mit Argusaugen beobachtet. In dem Fall, wenn sie keinen Wert auf soziale Beziehungen legen, kein Interesse an den Mitmenschen haben. Solche, die sich mehr oder minder immer in der Selbstisolation, in der Selbstquarantäne befinden, weil sie sich selbst genügen. Diese haben sich während der Zeit, als nur vereinzelte Personen in der Getreidegasse unterwegs waren, sichtlich wohl gefühlt. Sie brauchten niemanden ausweichen und konnten ungehindert ihrer eigenen Spur folgen. Jene, welche unterwegs waren ähnelten ihnen. Plötzlich kommen ihnen in der Getreidegasse wieder eine Phalanx von Besuchern und Flaneuren entgegen.

covid-19/23

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