Kochen…

…die Buchstabensuppe.

Eine besondere Aufgabe kam dem Tischsenior, ein Schüler der Oberstufe, zu. Dieser sorgte bei den Schülern der Unterstufe für gute Tischmanieren. Er wachte darüber, dass jeder die gleiche Portion vom Vorlagenteller bekam und nicht jemand leer ausging. Es war Usus, dass jede Woche die Reihenfolge, wer mit dem Entnehmen der Speisen begann, gewechselt wurde. Einmal im Uhrzeigersinn, dann gegen den Uhrzeiger. Die Suppe wurde in einem großen Topf serviert und von jedem in seinen Teller geschöpft. Die Stücke vom Rinds- oder Schweinebraten lagen auf einem großen Servierteller, ebenso das Kartoffelpüree oder der Reis. Den grünen Salat gab es in einer voluminösen Salatschüssel. Vor dem Essen erhoben wir uns nach dem Klingelton von den Bänken zum Tischgebet. Bevor es im Speisesaal nicht mucks Mäuschen still war stimmte der Präfekt das Gebet nicht an. Dauerte dies zulange, wurde für den späten Nachmittag ein Fernsehverbot ausgesprochen. Nach dem Tischgebet setze ein Dammbruch ein und es wurde im Speisesaal ziemlich laut. Bei gegenseitiger Rücksichtnahme erhielt der Letzte dieselbe Portion wie der Erste. Die Mahlzeit wurde durch ein gemeinsames Gebet beendet. Kam ich mittags vom Schultrakt in den Schlossinnenhof erschnupperte ich mit der Nase, welche Kost gibt es heute?

Am Sonntag wurden wir zum Frühstück mit Kakao und einem Rosinenzopf verwöhnt, zu Mittag mit Schweinsbraten. Davor die Buchstabensuppe, und wer schaffte es zuerst seinen Namen auf den Tellerrand zu schreiben? Eine häufige Beilage war das Kartoffelpüree und dazu einen Schöpfer Fleischsoße. Nur sonntags gab es eine Nachmittagsjause, Pfefferminztee und dazu ein Wurstbrot.  Zum Abendessen einen Teller Vanillesoße mit einer Buchtel. Der Sonntag war ein Tag der Freude und der Montag ein beliebter Tag für eine Schularbeit.

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