… die Nachtwache.
Während der neunmonatigen Bundesheerzeit leistete die Verpflegung ihren Beitrag zur Verteidigungsbereitschaft. In der Belgierkaserne in Graz, mit etwa 700 Soldaten, funktionierte die Essenausgabe mit militärischer Disziplin. In zweier Reihen wurden wir von der Unterkunft zum Essen abkommandiert. Anfang der siebziger Jahre funktionierte die Essensausgabe genauso wie heute in einem Selbstbedienungsrestaurant. Als Panzerschütze entnahm ich in der Selbstbedienungsmeile das Essgeschirr und Besteck. Weiter ging es von einer Station zur nächsten, einen Schöpfer Suppe, einen Gupf Reis, zwei Fleischlaibchen und darüber einen Schöpfer Fleischsoße. Auf das Tablett kam noch eine kleine Schüssel grüner Salat und ein Kompott. Zurück ging es zum Essplatz, ein Biertisch mit den Bänken. Außer bei der Essenausgabe wurden die Grundwehrdiener in der Küche auch für andere Arbeiten eingesetzt. In der Großraumküche staunte ich über die Riesentöpfe, in die Zucker und Salz Säckeweise geleert wurden. Hilfsdienste beim Kochen leisteten Rekruten mit einer Ausbildung in der Gastronomie, andere Rekruten wurden zum Geschirrabwaschen verpflichtet. Geschirrspüler, welche diese Mengen an Geschirr bewältigen hätten können gab es Anfang der siebziger Jahre in der Belgierkaserne nicht. Wahrscheinlich wurden solche erst in späteren Dezennien erzeugt, auf jeden Fall waren die Rekruten die günstigere Anschaffung / Variante. Die Abwaschbecken hatten die Größe einer Standard Badewanne. Jeder Teller durchlief einen bestimmten Rhythmus. Der erste Abwäscher spülte den Hauptspeisenteller mit einem Wasserschlauch ab, der Nächste wischte in einer Lauge den Teller mit einem Wettex sauber, der dritte Abwäscher tauchte den Teller zum Klarspülen in ein Wasser und reichte es dem Nächsten zum Abtrocknen. Dieser Rhythmus hat sich bei mir eingeprägt, ich brause heute noch den Hauptspeisenteller zuerst mit Wasser ab und stelle ihn erst dann in den Geschirrspüler.
Als Schreiber im Gruppenkommando II, in der Glacisstraße in Graz, genossen wir ein bevorzugtes Frühstück. In der Belgierkaserne befand sich unsere Unterkunft im Dachgeschoss von einem Mannschaftsgebäude. Statt dem ansonsten üblichen Holzboden in der Unterkunft hatten wir in den Stuben einen Bodenbelag. Dieser war leichter zu reinigen und ersparte uns am Samstag viel Zeit. In unserer Unterkunft hatten wir kaum Besuch vom Offizier vom Tag und dösten ungestört durch die Nachtwache. Am Morgen holten wir das Frühstück, ohne uns anstellen zu müssen, aus der nahen Küche. Zum Frühstück gab es Knacker, sowie Fleischschmalz- Jagdwurst oder Leberwurst Konserven. Dazu gehörte auch eine Kanne Tee und genug Pimpfe. Auch nach dem Bundesheer fand ich Geschmack daran, statt einem Frühstücksei eine Dose Leberstreichwurst von Inzersdorfer zu verzehren.