END . ZEIT

Oft  spricht man vom Ende der Zeiten, vom Endzeitalter. Viele glaubten zur Jahrtausendwende, dass dies das Ende der Menschheit sein werde oder ihr Ende einläuten werde. Ein Ende der Sehnsucht scheint sich abzuzeichnen. Wo sind die Zeiten, dass man nach jemandem Sehnsucht hatte, dass man eine Woche gewartet hat um jemandem zu sprechen. Vor lauter Sehnsucht gestorben ist oder sich gefreut hat jemandem am Abend wiederzusehen. Heute greift man bei der nächsten Gelegenheit zum Handy und telefoniert, und die Sehnsucht wird kleiner. Das Handy hat im wahrstem Sinne des Wortes das Ende der Sehnsucht eingeläutet. Wenn man täglich Schokolade isst, dann kann man sich auf keine Tafel Schokolade mehr freuen. Die Vorfreude kann sich nicht aufbauen. So zerstört das Handy die Sehnsucht am Wiedersehen.
 
Im Endzeitalter.      
 

 Kommentar(e)     

Gerhard (5.10.07 22:23)
Interessant, diese Beobachtung.
Aber: Schon bei den alten Griechen und natürlich auch danach gab es Beschwerden über die jeweils neue Generation: Zu genußsüchtig, zu oberflächlich etc. Folglich wiederholt sich diese Bewertung alle 20 Jahre und die Leute heutzutage müssten super-super-oberflächlich sein.Lieber Schlagloch: Ich frage mich dennoch, ob diese Beobachtung von Dir „stimmt“?!. Der heutigen Zeit sagt man nach, daß sie neben der Genußsucht Verfallenen auch aufmerksamere Menschen hervorbringe. Menschen, die zunehmend spirituell unterwegs snd und sich ums Allgemeinwohl kümmern. In irgendeiner Zeitschrift las ich sogar, daß die Zahl der ums Gemeinwohl bekümmerten und tätigen Menschen eigentlich schon die kritische Masse überschritten hätte. Folglich müsste es nur so regnen an Leuten, die sich im Kleinen und Großen um das Wohl der Menschheit kümmern.

Die Welt ist anders geworden: Früher schrieb man sich Briefe und unterlag vielleicht Täuschungen oder Illusionen. Heute kann man das durch direkten Kontakt schneller angehen und klären. Für alles gilt: Es gibt ein Für und Wieder.
Und Gefühle wie Sehnsucht oder etwa das Bedürfnis, Mutter zu werden, sterben nie aus. Ohne bestimmte Parameter gibt es kein Menschsein, denke ich.

Längerer Text, sorry.

weichensteller / Website (5.10.07 23:42)
Nach so vielen unfreiwillig mitgehörten Palawern am Handy: Sehnsucht nach Gesprächen von Antliz zu Antliz. Hoffnung, dass sich da manche Dummheit und Ignoranz aufklären würde.
***
Nach der mühsam erduldeten halben Stunde in Geräuschschrott und Massengehetze des modernsten Einkaufszentrums unserer Stadt: Sehnsucht nach Stille. Ich habe seither den ganzen Tag keine Musik mehr gehört.
schlagloch

Hallo Gerhard !

Es stimmt, dass sich die ältere Generation immer über die Lebensweise der jüngeren Generation beschwert . Mir ist heute der Widerstand der Jugend gegen die Älteren zu sanft, die Jungen sind konsumorientiert. Der Bestiz eines Handy ist ein Konsumschaden und die Meinungen sind von den Medien gesteuert.

Wenn auch mehr kommuniziert wird, so ist vieles nichtssagend. Im Internet ist tarnen und täuschen angesagt. Die meisten erwarten sich vom Partner Idoleigenschaften.

Gruss schlagloch.


Gerhard (8.10.07 13:41)
Hallo Schlagloch!
Es müsste wohl eine Untersuchung herhalten, wie es wirklich um die Jugend bestellt ist. Mir scheint, daß so manche den Konsumwahn nicht mitmachen, aber vielleicht sind sie kaum sichtbar?!
Merkwürdigerweise bin ich auch in den letzten Jahren auf den Konsumzug aufgestiegen, sicherlich auch Du. Und wir beide wurden zu einer Zeit groß, in der solche Sachen wie Konsum, Medien etc verpönt waren. Da galten „echte“ Werte etwas. Doch diese Werte wurden damals auch relativ unkritisch übernommen (Flower-Power-Zeit?!) und nicht sonderlich tief hinterfragt. Man verhielt sich halt auf bestimmte Weise und hielt die für „cool“. „Cool“ verwendete man da nicht, gabs noch nicht, aber die richtige Metapher fällt mir jetzt auch nicht mehr ein.

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