TELFON:zelle

Gegenstände und Einrichtungen die für uns heute selbstverständlich sind und den Alltag bestimmen, waren vor einigen Jahrzehnten nicht selbstverständlich. Nicht jedes Haus oder Wohnung hatte einen Telefonanschluss. Es war ein Fortschritt, dass von der Post auch in kleineren Ortschaften so genannte Telefonzellen errichtet wurden. Von diesen öffentlichen Telefonzellen aus konnte man am Wochenende mit Bekannten Telefongespräche führen und war nicht an die Öffnungszeiten der Postämter gebunden. Es war möglich im Notfall einen Arzt, Polizei, Rettung, Feuerwehr oder Tierarzt  zu verständigen. Die Telefonzelle bildete einen Treffpunkt für die Jugend, sie ersetzte oft einen Bildstock oder Wegkreuz. Für die Ortschaft bedeute eine Telefonzelle den Einzug der modernen Zeit. Am Samstagabend ist  es zu Wartezeiten bei der Telefonzelle gekommen, weil manche lange mit ihrer Freundin oder ihrem Freund in der Stadt telefoniert haben. Man hielt die Tür der Telefonzelle geschlossen, sodass niemand die Möglichkeit hatte mitzuhören. In Möselstein wurde von den Flüchtlingen aus Bosnien und Kroatien,  welche aus ihrer Heimat wegen dem Jugoslawienkrieg geflüchtet sind, viel von den öffentlichen Telefonzellen aus telefoniert. 

Heute sind in vielen Orten die Telefonzellen verschwunden, sie wurden abmontiert, weil sie nicht mehr benützt werden. Das Handy hat sich überall verbreitet. Es gibt keine privaten Gespräche mehr. Auf öffentlichen Plätzen, in Cafes oder Schwimmbädern wird für jeden hörbar telefoniert. Es gibt keine Tabuzonen mehr. 

Nicht privat.   

4 Gedanken zu „TELFON:zelle

  1. …und es gibt immer noch Menschen, die keinen Telefonanschluss haben, die nun am Wochenende kein Gespräch mehr mit der Verwandschaft führen können, und Flüchtlingen sind ganz von der Heimat abgeschnitten, und der Notruf ist auch nicht mehr möglich… für diese Menschen.

  2. Hallo Schlagloch,
    in Künstlerkreisen war früher das Schreiben von Briefen, oft mehrmals täglich, üblich. So gab es doch recht zeitnahe Verbindung und auch (genügend) tiefen Austausch.
    Man kann jedes Medium so nutzen oder auch anders.

  3. Hallo Petros!
    Wir vergessen oft, dass sich unsere Wahrnehmung an unserer westlichen Welt orientiert, dabei ist dies nur ein kleiner Teil der ganzen Welt. Deine „Beobachtung“ geht über den Westen hinaus.
    Gruss schlagloch.

  4. Hallo Gerhard!

    Das Briefschreiben war eine sehr persönliche Angelegenheit und nicht öffentlich. Noch heute gibt es das Briefgeheimniss. Der Trendforscher A. Reiter sagt, in Zukunft wird es „handyfreie Naherholungsgebiete“ geben.

    Gruss schlagloch.

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