FLEISCH:weihe

Beim Fasten und an der Fastenzeit beteilige ich mich nur sporadisch. Aus gesundheitlichen oder gewichtsmäßigen Gründen überhaupt nicht. Verwunderung löst die Auffassung meines Hausarztes aus, dass die Gailtaler etwas höhere Blutfette haben können, bedingt durch den Gailtalerspeck und die Sasaka. Ich weis nicht, wann ich das letzte Mal ein Sasakabrot gegessen habe. In unserem Haushalt gibt es keine Sasaka, ab und zu ein Stück Gailtalerspeck.  lch habe den Eindruck, dass gerade solche Menschen fasten, die es eigentlich nicht nötig haben. Es gibt verschiedene Ansätze zum Fasten. Das Fasten als Teilen, das heißt, mit jemandem der schwächer und ärmer ist zu teilen, diesen zu unterstützen. In der Bibel hat Jesus vierzig Tage lange gefastet. Dabei ging es um das Fasten als Reinigung der Seele und der Gedanken, um Klärung des persönlichen Weges. So betrachtet könnte auch das Bloggen zum Fasten gehören, zur Reinigung der Gedanken. Aber auch zum Gegenteil, zur Sucht, wenn man zuviel im Internet surft. Fasten kann auch Verzicht auf einen Genuss sein, wie Süßigkeiten, Rauchen oder Alkohol. Ob man dadurch ein besserer Mensch wird, wenn man ein paar Wochen auf Süßspeisen, Alkohol, Fernsehen oder das Internet verzichtet? Das größere Opfer scheint mir, für die Mitmenschen etwas zu tun, Zeit zu schenken, eine Unterstützung zu leisten.

 

Die Fastenzeit nähert sich dem Ende und es stehen noch zwei kirchliche Fasttage bevor, der Karfreitag und der Karsamstag. Beim Karsamstag scheiden sich in Kärnten die Meinungen darüber, wie lange man am Karsamstag fasten soll, bis Mittag oder bis zum Abend? Am Karsamstag gibt es hier den Brauch der Fleischweihen. Mit den geweihten Lebensmitteln wird eine Osterjause zubereitet und am späten Nachmittag oder am Abend des Karsamstages gegessen. Jedes Tal, jede Ortschaft, jede Bauernfamilie hat ihr eigenes Rezept, ihre eigene Art, die Osterjause zu servieren. Eine Besonderheit ist, dass zu den Fleischwaren, gekochter Schinken, gekochter Speck, gekochte Würstel und gekochte Eier, ein Kärntner Reindling, ein gefüllter Kuchen serviert wird. Am Karsamstag halten die Einkaufszentren in Kärnten  am Nachmittag geschlossen, um den MitarbeiternInnen die Teilnahme an der Fleischweihe zu ermöglichen. Das Brauchtum ist stärker als der Profit.

 

Fastenzeit.

9 Gedanken zu „FLEISCH:weihe

  1. Lieber Franz und Hallo Schlagloch

    es ist jetzt an der Zeit mich zu outen.
    Weshalb ich Deinen Blog so gerne lese, ist nicht nur, weil ich deine Art zu schreiben mag. Der literarische Wert ist nicht der, der mein herz berührt, sondern die Inhalte.
    Egal.
    Aber gleichzeitig bist Du in irgendeiner Weise Sprachrohr für meine Kindheit, die ich immer in Kärnten verbracht hab, weil meine mama aus Villach stammt.

    Und erst jetzt (so langsam ticke ich nämlich) erst jetzt als ich das Sasakabrot gelesen habe, ists mir aufgegangen: Du, der Du in Kärnten bist, erinnerst mich einfach an meine kindheit.

    So banal wie berührend.

    Und den Reindling, den wir zuhaus mit Butter essen,
    und die Klachlsuppn, die nicht einmal von Dir erwähnt wurde,
    all das deckst Du ab mit Deinem Blog als Schlagloch,

    über das man fährt, aber nie ganz unbemerkt.
    Danke.

    elisabeth

    P.S: Inhaltlich kann ich jetzt gar nix sagen, so baff min ich

  2. Hallo Elisabeth!

    Dass deine Wurzeln in Kärnten liegen, habe ich vermutet. Warum?. Ich habe angenommen, dass du in oder in der Umgebung von Arnoldstein aufgewachsen bist, also Villach.

    Verlässt man seinen Heimatort, Land, dann schaut man oft mit verklärten Augen zurück, besonders auf die Kindheit. Ich hoffe, dass ich in meinen kurzen Texten Kärnten nicht verkläre. Man sollte jeden Ort, jedes Land, in den Text einsetzen können.

    Zu meinem Schreibstil gab es im Jänner in meinem Blog eine Diskussion, hier der Link.

    Anlässlich des Besuches von Obama in Europa, gab es in der „Kleinen Zeitung“ einen Bericht von einem Hotelmanager in Washington, er stammt aus Arnoldstein. Auf die Frage, ob er Heimweh hat, sagte er: „Er hat immer eine Sasaka und Gailtalerspeck im Kühlschrank.“

    Gruss schlagloch.

  3. Hallo Schlagloch!
    Ha, ich habe in meinem ganzen Leben noch nie gefastet, immer gegesses, was mir schmeckt. Aber nun,…leider,….aus gesundheitlichen Gründen habe ich so meine Probleme mit einigen Lebensmitteln, und jetzt, wie´s scheint, sogar noch mit Fleisch, was ich aber erst noch rauskriegen muss, denn der Artzt zuckt auch nur mit den Schultern…..
    Deshalb,…..ich versage mir nichts, weil ich eh schon wenig esssen kann.

    Man wird bestimmt kein besserer Mensch, wenn man diese auferlegten Pflichten erfüllt, und ein paar Wochen fastet.
    …und sowas wie „Fastenzeit“,…..kennt hier keiner, und würde wahrscheinlich auch nicht eingehalten.
    Liebe Grüße
    Grey Owl

  4. Hallo Schlagloch ..
    Fleischweihe ? Gibt es bei uns gar nicht. Bin aber erfreut zu lesen, das der Profit einmal nicht vorrangig ist.
    Den Karsamstag verbinde ich mit der Osternachtsmesse, weil sie mich immer wieder berührt, wenn ich an ihr teilnehme.
    Gefastet habe ich noch nie. Es gab ( und gibt vielleicht immer noch) eine Aktion von der evangelischen Kirche in BRD – vielleicht auch in anderen Ländern -, die sich „7 Wochen ohne“ nannte (nennt).
    Das habe ich früher öfter mitgemacht und mir dabei Dinge vorgenommen wie: Ruhe bewahren, wenn die Kinder sich weigern das Spielzeug aufzuräumen. Oder: Jeden Tag ganz bewußt 15 Minuten mit meinem Mann sprechen ohne durch andere Dinge wie Fernsehen usw. abgelenkt zu sein. Oder: Jeden Tag den Kindern eine Geschichte vorlesen.
    Ein besserer Mensch werden war wohl nicht das Ziel, aber schon Änderungen im Umgang mit anderen herbeizuführen.
    Das ist ja nicht der schlechteste Gedanke 🙂
    Liebe Grüße 🙂

  5. Bei „Bräuchen“ habe ich mittlerweile ungute Gefühle. Wenn ein Brauch wirklich Gutes bewahrt, ja dann mag es schön und richtig sein, ihn weiterzuführen. Oder wenn er positiv an alte Zeiten bindet, wo vieles unkomplizierter war und „die Gemeinschaft“ bindender und segensreich war.
    Aber zuletzt kommt eher das andere Gefühl auf – überkommen, verstaubt, lähmend.

    Gruß
    Gerhard

  6. Hallo Schlagloch,
    aufgewachsen bin ich nicht dort, nur die Sommer hab ich am Faakersee verbracht.
    Aber meine Mutter hat ihre Wurzeln dort und vielleicht ist es das was mich hinzieht.
    Wirklich ja nicht nur in Deinen Arnoldsteiner Grenzlandblog..
    Gut daß Du mich sein läßt.
    Dem Link werd ich folgen.
    Liebe Grüße
    elisabeth

  7. @ Hallo GryOwl!

    Oft wird von denen, die schon Opfer bringen müssen, noch mehr Opfer, Einschränkungen verlangt.

    @ Hallo Schlafmütze!

    Früher war die „Fleischweihe“ in Kärnten ein Teil der Osternachtsmesse, der Auferstehungsfeier. Jetzt gibt es die Fleischweihen seperat am Karsamstagnachmitag. Manche kommen nur zu der Fleischweihe…

    Gruss schlagloch.

  8. Hallo Gerhard!

    Wahrscheinlich steigt und fällt die Verbindung zum Brauchtum, ob man im ländlichen oder im städtischen Bereich aufgewachsen ist, und lebt. Manches mal ist Brauchtum nur eine Touristenattraktion.

    Gruss schlagloch.

  9. Pingback: | Schlagloch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.