SELBST:ständig

In den letzten zehn Jahren mußte ich erleben, dass manche Kollegen ihr Geschäft wegen rückläufigen Umsatz oder bei Erreichung des Pensionsalter zugesperrt haben. Es fand sich kein Nachfolger, auch den Kindern wollte man es nicht zumuten, dass sie das Geschäft weiterführen. Viele soziale Selbstverständlichkeiten die für die Arbeitnehmer gelten, eine geregelte Arbeitszeit, Krankenstand, ein Mindestlohn und Urlaubsanspruch, gelten für den Selbstständigen nicht. Hat ein Berufsgenosse seinen Laden geschlossen,weil für ihn im Handelsalltag kein Platz mehr war, so hat mich dies geschmerzt, als sei jemand aus dem Freundeskreis gestorben. Anderseits zögern manche Mitstreiter, obwohl der Umsatz weniger wird, den Betrieb aufzugeben, weil sie sich den Kunden gegenüber verpflichtet fühlen. Im Verkauf kommt es öfters dazu als Lückenbüßer einzuspringen, weil von den Kunden beim Einkauf in der Stadt etwas vergessen wurde. Manche haben ihr  ganzes Leben dem Geschäft gewidmet, auf Hobbys verzichtet und fürchten jetzt den Schritt in die Pensionierung, dies wäre ein Gang in einen unbekannten Raum. So bleibt man lieber im Geschäft, dort ist alles vertraut.

Vor kurzem ist ein zweiundachtzigjähriger Kaufmann in Pension gegangen und hat bei einer kleinen Feier zu seinen Mitarbeitern gesagt: „Er möchte jetzt sein Leben genießen“.

Sag zum Abschied leise servus.

16 Gedanken zu „SELBST:ständig

  1. Grüss Gott Schlagloch,

    so hab ich das noch gar nie betrachtet. Ich beneidete diese Menschen eher um den Umstand, dass sie ihr eigener Herr sind.

    Liebe Grüsse//Erika

  2. Hallo Erika!

    Erreicht man als Selbstständiger ein Durchschnittseinkommen und muss sich nicht dauernd Sorgen um den Umsatz machen, dann hat dieser Beruf auch seine Vorteile. Einer dieser Vorteile ist, „sein eigener Herr zu sein“, zumindest dem Gefühl nach. In Wahrheit ist die Kundschaft der „eingentliche Herr“ bei einem Unternehmen, egal ob Handels- oder Gewerbebetrieb. Da kann es vorkommen, dass, hat die Kundschaft private Vorbehalte gegen den Unternehmer, dies auch auf den Betrieb auswirkt.

    Gruss schlagloch.

  3. Hallo Schlagloch,
    einer unserer häufigen Fehler ist, so denke ich, daß wir zulange an etwas kleben bleiben.

    Gruß
    Gerhard

  4. „Die Arbeit ist mein Leben“! Ab welchem Alter lässt man los, vor allem wenn es einigermaßen gut läuft? In jedem Geschäft/Firma steckt soviel Herzblut und Persönlichkeit, dass die individuelle Antwort für Außenstehende wohl nie nachvollziehbar ist – egal ob man früher oder später „aufgibt“.

    Als Selbständiger hat man die Wahl – wie gesagt wenn es gut läuft, geschäftlich und körperlich/geistig – wann man sich zurückziehen möchte. Als Unselbständiger muss man mit einem bestimmten Alter jedenfalls servus sagen. Manche freuen sich darauf und manche bauen sich nach der Dienstzeit ein neues Betätigungsfeld auf.

    LG Isabella.

  5. Hallo Isabella!

    Bei den Klein- und Mittelbetrieben ist es oft so, dass die Firma und der Firmeninhaber „eine Person“ bilden. Gibt man den Betrieb ab, wäre es so, als müßte man seine Füße abgeben. Ein Unselbstständiger kann besser planen, es gibt „Fixzeiten“, ein Selbstständiger kann von wirtschaftlichen Ereignissen „überrollt“ werden.

    Gruss schlagloch.

  6. Hallo Gerhard!

    Wie schwer wir loslassen können merkt man, wenn man mit der Wohnung übersiedelt oder sein Büro aufgeben muß. Jedes Stück nimmt man in die Hand und von keinem Stück will man sich trennen, obwohl man es schon lange nicht mehr gebraucht hat. Dabei sagt man, wir sind eine „Wegwerfgesellschaft“.

    Auch beim PC ist es so, anstatt etwas zu löschen, kauft man sich neuen Speicherplatz.

    Gruss schlagloch.

  7. Da spricht man von Schnelllebigkeit, dem immer schneller werdenden Wandel… kaum jemand nimmt den darin immer heftiger werdenen Überlebenskampf wahr, ob nun als Selbständiger oder als Lohnabhängiger.

    Aber: Die Gedanken sind frei…

    Gruß
    Petros

  8. Hallo Petros!

    Hat man heute einen Trendartikel im Geschäft, dann kann er in drei Monaten schon wieder out sein, oder noch früher…

    Ähnlich verhält es sich auch im Web, ein Blog zu führen ist ja schon antik.

    Gruss schlagloch.

  9. Selbstständig sein heißt frei sein
    aber auch frei von Hilfe
    wenn man krank, bedürftig
    oder gar arm wird.
    Ein hoher Preis,
    den ich jedoch immer
    bereit wäre zu zahlen.
    Den Mutigen belohnt das Leben
    in allen Krisen.
    liebe Grüße
    elisabeth

  10. Da ist auch eine Menge Gewohnheit mit dabei….
    Meine Eltern lebten auch nur für ihr Geschäft, backen, verkaufen. Sogar zu DDR-Zeiten waren wir so was wie privat,….es hieß damals „Kommission“., und was haben sie jetzt davon? Kriegen die Mindestrente, haben immer nur gearbeitet….und tun es noch, wie Du schon in Deinem Beitrag beschreibst….sie können einfach nicht anders….stehen jeden Tag auf, laufen wie ein Urhwerk und die „Arbeit“ ist immer noch das Wichtigste für sie, auch, wenn sie heute nicht mehr backen…..
    Liebe Grüße
    Grey Owl

  11. Hallo Elisabeth!

    Du hast, was dir wichtig ist, die Freiheit und den Mut, sehr schön dargestellt. Ob das Leben immer die Mutigen belohnt, das ist die Frage.

    Gruss schlagloch.

  12. Hallo GreyOwl!

    Auch in Österreich ist es so, dass die meisten Selbstständigen nur die Mindestrente bekommen, trotz der vielen Arbeitsstunden. Deshalb verweigern auch viele Jungen die Betriebsnachfolge. „Kommission“, ein mehrdeutiges Wort.

    Gruss schlagloch.

  13. Grüss Gott Schlagloch,

    dass die Umgebung und die potenziellen Kunden die wahre Herrschaft ist, das ist irgendwie an mir vorbeigegangen. Aber jetzt wo du es sagst muss ich dir beipflichten. So hat doch tatsächlich alles die berühmten zwei Seiten.
    Die Arbeit nicht loslassen können tun fast alle. Es ist ein schwerwiegender Schritt, auch im Krankheitsfall. Wenn du es schwarz auf weiss hast, dass du zu nichts mehr taugst. Wenn du da keine verständnisvolle Umgebung hast
    drehst du durch und fällst der Depression anheim.

    Liebe Grüsse//Erika

  14. Ich bin ja nun auch seit Mai 09 selbständig, aber ich habe es mir nicht gerade ausgesucht und habe lange gezögert. Viel Arbeit und leben kann ich davon nicht, aber was soll ich sonst machen? Jünger werde ich leider auch nicht… An meine Rente denke ich überhaupt nicht, sonst müßte ich verzweifeln. Das ist der Preis für einen Beruf, der viel Idealismus verlangt und geringe Konsum-Ansprüche. Aber was soll’s – die Menschen in Haiti sind schlimmer dran. Ich hab einen Mann mit „krisensicherem“ Arbeitsplatz und ein Dach über dem Kopf.
    Lieben Gruß Windrider

  15. Hallo Erika!

    Wird man krank und möchte trotzdem weiterearbeiten, ist es bestimmt besonders schwer mit der Arbeit aufzuhören. Ich glaube, dass viele, je schwerer ihnen die Arbeit fällt, sich umso mehr an ihrer Aufgabe festklammern.

    Gruss schlagloch.

  16. Hallo Windrider!

    Die sogenannte Einpersonenfirma ist manchmal ein Ausweg aus der Arbeitslosigkeit. Es wird, wie du schreibst, viel Idealismus verlangt.

    Bei solchen Katastrophen wie in Haiti wird gerne von der „Führung“ argumentiert, seht liebes Volk, euch geht es gut.

    Gruss schlagloch.

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