MOZART:kugeln

Im Sommer erschweren es einem die vielen Besucher, Salzburg mit den Fahrrad zu erkunden. Es ist vorteilhaft, wenn man die meistbesuchte Straße der Stadt, die Getreidegasse, auslässt. Obwohl ich das Notizbuch und einen Kugelschreiber schreibbereit in der Gesäßtasche habe, schaut es so aus, als ob ich nichts neues entdecken könnte. So setze ich mich auf dem Residenzplatz im Freien, beim Café Demel, nieder und bestelle einen Cappuccino. In der Sommerhitze ziehen immer wieder Gruppen von Touristen mit ihrem Stadtführer vorbei. Alle schwitzen in der Mittagssonne, einige schützen sich mit einem Regenschirm davor. Wenn die Einzelnen vorbeigehen, dann kommt man zu dem Schluss, dass alle Amerikaner übergewichtig sind. Am Nebentisch wird nach einer Torte, bei einer Milchallergie, verlangt. Diesen Wunsch kann die ehemalige K. u. K. Hofbäckerei erfüllen. Ein junger Mann verteilt an die Caféhausbesucher Heiligenbilder: „Christkönig kommt Ende November“. Junge Paare marschieren mit Einkaufstaschen von Zara und Tommy Hilfinger vorbei.

Danach fahre ich über den Kapitelplatz, der von einer neuen Skulptur geprägt wird,  eine große goldene Kugel und darauf steht ein kleiner Mann, der fragend und orientierungslos in die Welt schaut,  weiter zu dem weniger frequentierten Kajetanerplatz. Dort entdecke ich vor einem Souvenirgeschäft einen Plakatständer mit dem Hinweis : „Letzte Möglichkeit vor der Autobahn, 18 Stück Mozartkugeln um € 4.95“. Ich frage mich, was diese Tafel in einer verkehrsberuhigten Zone in der Innenstadt, soll? Die nächste Auffahrt zur Autobahn liegt am Stadtrand, weit von diesem Platz entfernt. Der berühmteste Salzburger der hier lebte war der Barockmaler Sylvester Bauer. Für ihn gibt es an einer Hausmauer eine Gedenktafel. W. A. Mozart ist allgegenwärtig und hat in jeder Gasse gelebt. Jetzt lebt er weiter als Mitbringsel in Form von Mozartkugeln. Noch schnell besorgt, bevor man die Stadt über die Autobahn verlässt. Mozarttaler.

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