UN:vergessen II

Es ist üblich, dass man auf der Trauerpate und bei einer Traueranzeige in der Tageszeitung schreibt: „Er ist unvergesslich“. Bei der Trauerpate kommt dieser Satz von den engsten Angehörigen, wo der Verstorbene eine Lücke im Familienverbund hinterlässt. Nach einer Todesanzeige von einer Firma wird der Verstorbene sehr schnell durch einen Neuen ersetzt. Der Nachfolger wird sich bemühen, neue Ideen und Pläne einzubringen, sodass nichts mehr an den Vorgänger erinnert. Manchmal erfährt man erst zwei oder drei Wochen später, dass ein Mensch verstorben ist, den man Jahre lang gut gekannt und gemeinsam schöne Abende verbracht hat. Irgendwann hat man sich aus den Augen verloren, obwohl man im selben Ort wohnt. Erkranken Leute, dann ziehen sie sich immer mehr zurück, zeigen sich nicht mehr im Alltag und sterben. In einem Fall denke ich an manche gemeinsame Jahreswechsel, wobei wir uns bei Hausmannskost und ein paar Getränken bestens unterhalten haben. Zur Stimmung beigetragen haben harmlose, aber wirksame Scherzartikel, wie Zauberwürmer, Blitzwatte und Knalleinlagen für Zigaretten. Den Abschluss bildete das Abschießen der Silvesterraketen.

Gemeinsam sind wir in das damals noch existierende, benachbarte Jugoslawien gefahren, wo sich die Raucher mit günstigen Zigaretten eindeckten. Zollfrei einführen durfte man drei Schachteln. Als Nichtraucher habe ich für die Raucher drei Schachteln mitgenommen. Gelohnt hat sich ein Ausflug, wenn man es schaffte mehrere Stangen Zigaretten zu schmuggeln. In den siebziger Jahren wurde an der jugoslawischen Grenze streng kontrolliert und beim Schmuggeln von Zigaretten oder Spirituosen drohte nicht nur eine Geldstrafe, sondern die Beschlagnahme des Autos. Damals waren die Zierpolster mit verschiedenen Motiven, wie Blumen, Pferde oder Katzen, Mode und man sah sie im Heckfenster eines jeden Autos. Ein Schmugglertrick bestand darin, die Zierpolster ohne Füllmaterial nach Jugoslawien mitzunehmen, um sie dann mit Zigaretten zu füllen und sie in das Heckfenster zu legen. So kam man durch jede Kofferraumkontrolle. Die VW Käfer waren dafür gut geeignet. Beatle.

7 Gedanken zu „UN:vergessen II

  1. Good evening, Schlagloch,
    sagt aber nicht trotzdem Jesus auch, daß wir die Toten
    ihre Toten begraben lassen sollen: ist nicht eher zu
    fragen, wie lange heute ein Arbeitsplatz noch die Sozia-
    lisation von l e b e n d e n Arbeitnehmern fördert,
    wenn diese in Pension gehen? Wären da zwei Tage nicht
    zu hoch gegriffen? Das war gewiß nicht immer so. Der
    Herr Oberstudienrat – „OStR“ (s. „Wikipedia“, ich ztitie-
    re als Mitarbeiter der deutschen „Wikipedia“) – blieb es
    wohl, bis vor kurzem noch, wenn er in die Pension
    ging, auf die er sich seit seiner Matura eingestellt hat-
    te. Gewann er nicht sogar durch sie? Dabei ist für
    Arbeitnehmer heute ein Alter über 49 Jahren „uner-
    wünscht“. Ich könnte scherzen: an die Zeit, als ich 50 Jah-
    re alt war, erinnere ich mich gar nicht mehr. Eine christliche
    „CPÖ“ warb bei den jüngsten Wahlen mit der Erman-
    nung, daß man mit 50 Jahren n o c h nicht zum „alten
    Eisen“ gehöre: eine – ebenfalls christliche? – „FPÖ“ mit
    der Einpeitschung von „Vorsorgeuntersuchungen“ für
    Wähler – ? – über 60 Jahren.
    Was … aber meint Thomas Bernhard, wenn er – so ne-
    benbei – bemerkt, ab einem Alter von 50 Jahren sei
    für uns alles nur mehr Wiederholung, Abklatsch einer
    Vergangenheit? Thomas Bernhard sagte das zu Sieg-
    fried Unseld: hier im Grazer Schauspielhaus, am „31.
    Okt. 2010“, nach „19.30 Uhr“, für dreimal „EUR 29,
    50“. Jeder kann das wohl nicht bezahlen. Viele junge
    Leute sah ich dort auch nicht.

  2. Moin Schlagloch 🙂
    Soso .. Zigarrettenschmuggeln 🙂 Das war wohl überall gleich beliebt 🙂
    Wir haben in jungen Jahren gar nichts Kriminelles darin gesehen.

    Manchmal ist man wirklich bestürzt, wenn wir die Zeitung aufschlagen und wir darin uns gut bekannte Namen mit schwarzem Rand erblicken. Und dann geht man die Namen der Angehörigen durch und denkt vielleicht an die ein oder andere Begebenheit.
    Unvergessen.
    Dann schneiden wir die Anzeige aus und legen sie zu den anderen. Und nach einigen Jahren kramen wir in der Schachtel und halten die Anzeige wieder in den Händen. Und dann lassen wir unsere Gedanken wieder zurück in die Vergangenheit schweifen und merken, das dieser Mensch, der uns schon vor so langer Zeit verlassen hat, noch immer „da“ ist, mit allem, was wir von ihm wußten und kannten.
    Unvergessen.
    Grüßli 🙂

    Was ist eine „Trauerpate“?

  3. Aber trotzdem: die Zigarette soll doch dem Kaiser
    Napoleon III. zu verdanken sein. „B. B.“ spricht
    gestern am Abend – „08.11.2010, 19:37“ – auf dem
    „Gästebuch der Stadt Graz – Rathaus“ (ich klickte
    die Zeilen vor weniger als einer Stunde an, sie wa-
    ren noch nicht gelöscht) von Frankreich als dem
    „konservativsten unter allen Ländern unseres Pla-
    neten“. Seit welchem Jahr u.Z. – genau – gilt das?
    Und weshalb?

  4. Hallo Schlafmuetze!

    Es stimmt, dass, wenn wir uns an eine Begebenheit mit dem Verstorbenen erinnern, dieser soszusagen noch immer. oder wieder da ist. Manche Eintraege von mir sind solche „Erinnerungen“. Eine Trauerpate ist eine Traueranzeige, wird an die Verwandten und Bekannten ausgeteilt oder zugeschickt .

    Gruss schlagloch.

  5. Vergessen oder unauffindbar sind die Urgroßeltern oder gar die Ururgroßeltern. Eins ist sicher: Sie müssen gelebt haben! Aber wie und wer waren sie? Was haben sie gedacht, was waren ihre Eigenarten?
    Bekannt ist nichts und das gründlich! Ledglich zwei Bilder der Urgroßeltern existieren noch, immerhin.
    Alles verschüttet gegangen in der Vergangenheit.

  6. Hallo Gerhard!

    Wie ich gerade in dem Buch „Je aelter desto besser “ von Ernst Poeppel gelesen habe, braucht es die Erinnerungen, durch Erzaehlungen von den Gross- bzw. Urgrosseltern und die Weitergabe an die Kinder und Enkel usw. So koennen wir ein Alter von 300 Jahren erreichen. Heute kommt dazu die Weitergabe von Erinnerungen im Internet, die Dauer ist noch ungewiss.

    Gruss schlagloch.

  7. Good evening,
    1.
    habe ich aber trotzdem zur wohl immer ernsteren Ange-
    legenheit des Rauchens meine andernorts gestellte Frage
    zu wiederholen: könnten nicht Mitarbeiter von Ambulanz-
    diensten – „Johanniter“ und „Rotes Kreuz“ und „Samari-
    ter-Bund“ und „Malteser“ und „Grünes Kreuz“ – sich als
    Nichtraucherbrigade konstituieren? – Das „Grüne Kreuz“
    nennt eine Adresse in Graz. Als spätestes Gründungs-
    jahr kann ich „2006“ bestätigen. Angaben für die Ein-
    richtung des „Grünen Kreuzes“ variieren an verschiede-
    nen Adressen, wie ich vor weniger als einer Stunde nach-
    prüfte.
    2.
    Nachzudenken versuche ich seit geraumer Zeit, ob ich
    dem Blog „Schlagloch“ nicht per Post antworten soll. Ein
    Grund, der mich zögern ließ, ist eine Diskussion, die ich
    in der Steiermark seit geraumer Zeit gegen mehrere Sei-
    ten hin über den Engel G a b r i e l führe: ist es nicht blas-
    phemisch, Gabriel zu einem „Schutzpatron“ der Postzu-
    steller und der „Fernmeldetruppe des deutschen Heeres“
    machen zu wollen? S. „Wikipedia“: ich zitiere als Mitar-
    beiter; in dem Artikel findet sich meines Erachtens leider
    sehr viel Irrtümliches. Aber: kann das hier von der Steier-
    mark aus angesichts der so tiefen Kluft, die sie von Kärn-
    ten trennt, überhaupt gefragt werden? Von der Steier-
    mark als Land der Berge – Sausal, Poßruck, Radelberg,
    Koralm – aus: nach Kärnten als Land der Täler – Wolfs-
    berg, St. Paul, Klagenfurt, Friesach – hin? Eine große Un-
    terscheidung – welche im „Alten Testament“ angesprochen
    ist – ist doch jene zwischen Gott als „Gott der Berge“ und
    Gott als „Gott der Ebene“.

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