VERGÄNG:lich

Bei den Schauspielerinnen und Schauspieler, in den Kreisen des europäischen Hochadels, kann man beobachten, dass alles getan wird, um „in Schönheit zu sterben“. Gemeint ist damit, dass alles versucht wird, um die Falten im Gesicht, am Hals und an den Armen im Alter zu verhindern. Weiters hält man in Adelskreisen an Traditionen und Ritualen festhält, die nur für diese Kreise Bedeutung haben. Vom Leben der Durchschnittsbürger sind sie weit entfernt und für diese sind die Illustriertenberichte eine willkommene Ablenkung von den Unzulänglichkeiten des eigenen Leben. Die Berichte über die aufwendigen Hochzeitsvorbereitungen, von Ronaldo & Irina, können für Tage darüber hinwegtrösten, dass man die Bekleidung für die Kinder und für sich beim C&A oder beim Vögele einkauft.

In manchem betrifft es die eigene Person, dass man „in Schönheit sterben will“. Man übergeht gesundheitliche Beschwerden und stellt sich gegenüber dem eigenen Körper taub, obwohl der Körper Warnsignale sendet, ändert man seine Lebensweise nicht. Man lebt in der Vorstellung, dass es kein Problem sei tonnenweise Papier zuzustellen, wie es viele Jahre üblich war. Plötzlich verursacht das Tragen der täglich benötigten Lebensmittel Probleme. Toleranter ist man zum Aussehen der Figur, dem Gesicht und den Haaren. Am Morgen sind beim Blick in den Spiegel die Falten der Nacht noch zu sehen, manche Falten lassen sich mit Schminke zudecken. Mit Geschick verteilt man die Haare so, dass die Kopfhaut bedeckt ist. Durch einen radikalen Schnitt könnte man sich eine Glatze zulegen, so wäre man alters- und geschlechtslos.

Den Alterungsprozess stellt man zuerst bei den Anderen fest, selbst bleibt man zeitlos schön. Es fällt schwer, die Vergänglichkeit des Körpers als Teil des Lebens zu sehen. Bei Fotos, die zwanzig Jahre zurückliegen, schwindelt man und denkt sich, ich habe mich nicht verändert. Ein Trost, den man sich selbst spendet.

Trostpflaster.

3 Gedanken zu „VERGÄNG:lich

  1. „Den Alterungsprozess stellt man zuerst bei den Anderen fest“. Das sehe ich ganz anders. Unlängst hätte ich die Möglichkeit gehabt, eine alte Freundin von mir zu besuchen, doch wollte ich mich so nicht präsentieren: Mit weniger Haaren auf dem Kopf, dicker, ungelenkiger usf.
    Jedenfalls weiß ich GENAU, wie alt ich bin und wie ich ausschaue.

  2. Ich halte dafür, daß „FACEBOOK“ zu verbieten ist: weil es die betagte Frau benachteiligt. Am Ende von Texten des „Johannesevangeliums“ steht, Jesus habe zu seinem Apostel Petrus gesagt, wenn er alt sei, werde er sich nicht mehr selbst gürten, sondern jemand anderer werde ihn gürten. Meines Erachtens ist diese Textstelle eine Fälschung. Denn eine solche Prophezeiung einer Gebrechlichkeit im Alter ist eine Grausamkeit. Trotzdem aber scheint mir im Augenblick am dringendsten, präzis zu erwägen, was Jesus seinem Apostel Petrus am Abend vor seinem Leiden mit dem Satz sagen will: wenn jemand gebadet ist, braucht er sich nur mehr die Füße zu waschen.

  3. Hallo Gerhard!

    Ich gehe großzügiger mit meinem Aussehen um und manchesmal höre ich, dass ich seit zwanzig Jahren immer gleich aussehe. Ob dies stimmt, ist fraglich.

    Gruss schlagloch.

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