MILLSTATT:see II

Die  Vorstellungswelt, in der einzelne Berufs- oder Gesellschaftsgruppen leben, haben des öfteren mit der Wirklichkeit nichts mehr gemeinsam. Verschiedene Unternehmer übersehen, dass sie sich den Lebensstandard von gestern, heute nicht mehr leisten können. Die Aufträge im Betrieb lassen nach, aber nach außen will man keinen Schritt zurückmachen, dies lässt der eigene Stolz nicht zu. Die Generation fünfzig plus versucht mit  aller Kraft den Betrieb, der meistens ein Traditionsbetrieb ist,  zu erhalten. Es geht darum, den Betrieb noch zwei oder drei Jahre aufrecht zu erhalten, um dann in Pension zu gehen. Die älteren Selbstständigen empfinden es als persönliche Schande, wenn man Konkurs anmelden muss. Obwohl die Ursache oft nicht am mangelnden Einsatz, sondern an den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen liegt. Zum Scheitern trägt bei, wenn man als Subunternehmer vom Bauträger sein Geld für die geleistete Arbeit nicht bekommt. Dabei glauben Außenstehende, dass man gut verdient. Es gibt kein Arbeitslosengeld für Unternehmer.

Die  Verschuldung wird als persönliche Schuld gesehen und Schuld verlangt nach Buße. Am Vormittag hat der selbstständige Handwerksmeister in der Werkstatt gearbeitet, zum Mittagessen war er zu Hause und war am Nachmittag auf einer Baustelle. Am späten Abend ist die Frau von der Polizei verständigt worden, dass sich ihr Mann auf der Alpen Adria Autobahn vor einen rumänischen Sattelschlepper geworfen hat und tot ist. Sein Auto hat er am Pannenstreifen abgestellt.

Bekannt ist, dass er vor seinem Freitod zwei Briefe abgeschickt hat. Einen Brief an einen befreundeten Betrieb, sie sollen seine offenen Aufträge übernehmen und einen Abschiedsbrief an seine Frau. Beide Briefe wurden am nächsten Tag von der Post zugestellt.

Amen.

Zu Kommentar von Peter

Gerade die Selbststaendigen identifizieren sich stark mit dem Betrieb, >stuerzt< der Betrieb ab, koennen sie auch menschlich abstuerzen.

3 Gedanken zu „MILLSTATT:see II

  1. traurig ist das, und schade um den menschen.
    wir dürfen uns nicht so sehr mit der arbeit identifizieren, wir sind als erster mensch, und dann vater, geschäftsmann, handwerker oder was immer.
    wenn unser herz sosehr an der tätigkeit hängt bricht auch das herz wenn diese tätigkeit wegbricht, das sollte nicht sein!

  2. ich bin selbständig und mach das gerne was ich mach, weiß auch das es je enden kann da ich abhängig bin von den firmen deren produkte ich verkaufe.
    derzeit ist genau so ein fall eingetreten, einer meiner besten partner hat zahlungschwierigkeiten und ich könnte um tausende euros umfallen.
    da besinne ich mich sehr darum um was es wirklich im leben geht, und wie heute morgen, als ich rausging, die feuchte morgenluft roch und mir bewußt war das ich lebe, einfach so, fand ich es herrlich und schön, das ist mir wichtig und muß so bleiben, egal was passiert.

  3. Hallo Peter!

    Nicht jeder fühlt so wie du, dass es um „das Leben“ geht, so bitter es manchmal ist, wenn man einen Auftrag verliert oder wenn man für die Leistungen nicht bezahlt wird.

    Ich selbst habe bei geschäftlichen „Stichtagen“ sehr gehofft, dass die Aufträge erhalten bleiben.

    Gruss schlagloch.

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