KUR:haus IV

Nach den Kneippanwendungen gehe ich in der Wandelhalle des Kneipp-Kurhauses in Schärding auf dem roten Teppich auf und ab um die Füße warm zu laufen.  Dabei blicke ich auf den, nach zwei Regentagen, angeschwollen und schmutzigen Inn. Für die Dauer des Kuraufenthaltes verkörpert er für mich den Fluss des Lebens. Der Inn fragt nicht welchen Zweck sein Fließen hat, welche Aufgaben auf ihn warten. Er weis auch nicht wohin er fließt. Wir verhalten uns anders, wir stellen den ganzen Tag über Fragen. Die Fragerei lässt keine geordnete Arbeit zu, sie verhindert, dass man den Fragen Anderer zuhört. Manche werden auch in der Nacht ihre Fragen nicht los, die offenen Fragen lassen keinen Schlaf zu. Im Allgemeinen lobt man die Fragesteller, aber es gibt ein Übermaß an Fragen. An der Beantwortung der Fragen:  „Wozu und warum leben wir, wohin gehen wir und was ist der Sinn unseres Leben“,  scheitert man.

Als Krönung der Schöpfung bemühen wir uns diese Fragen zu erörtern. Wir sind das einzige Lebewesen, dass die Chance hat, diese komplexen Fragen zu beantworten. Die Ungewissheit in diesen Fragen ist  geeignet die Schulter- und Nackenmuskeln zu verspannen, die Fragen sind Ballast für den Schulterbereich. In der Kur befinden sich Menschen, die sich diese Fragen gestellt haben und sich von den Massagen, den Nackengüssen und – wickel Linderung versprechen. Im Innersten erwarten sie sich eine Antwort auf diese Fragen. Nach der Linderung der körperlichen Beschwerden werden die Fragen wieder kommen.  

Im Kneippkurhaus gibt es im Erdgeschoss einen Gang mit vielen Türen, die alle  kein Türschild haben, sie führen in die Hauskapelle. Dort, so wird es versprochen, findet sich für alle diese Fragen eine Antwort. Es gibt auch eine Antwort  auf die Frage: „Nach dem Leben nach dem Tod“.

Alle fragen.

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