rail:jet II

Es gilt die Beobachtungen im Waggon aufzuschreiben und ich kann zu aussagestarken Charakteren einen Beruf oder eine Lebenssituation erfinden. Dafür genügt ein Blick auf seine Lektüre oder ihre Arbeitsutensilien. Seit der exzessiven Benützung des Smartphones ist eine neue Informationsquelle dazugekommen. Jeder weiß, wie laut sich die meisten Leute am Handy unterhalten. Einerseits rücksichtslos gegenüber den Mitreisenden, anderseits breitet man ohne Schamgefühl seine privaten Vorhaben, aber auch Vorlieben, vor den Nachbarn aus. Dabei wird kein Bereich ausgespart, die Probleme mit den Kindern, dem Ehepartner und den Kollegen. Öffentlich werden auch  die Vorlieben im Bett. Kann ich einen Blick auf den Bildschirm des Nachbarn machen,  ergibt dies einen Anknüpfungspunkt für ein Gespräch.

Ist es eine Täuschung, wenn ich feststelle, dass vor Jahrzehnten während der Bahnfahrt zwischen den Reisenden mehr miteinander gesprochen wurde? Teilweise wird viel geredet, aber mit Personen die sich nicht im Zugabteil befinden. Eine Ausnahme bilden Menschen, welche sich an einem Vierer Tisch gegenübersitzen. Dies erleichtert die Aufnahme eines Gespräches. Mein Eindruck ist, den meisten Menschen ist es angenehm, wenn sie angesprochen werden. Sei es, um mich zu erkundigen wohin sie reisen, aus welchem Anlass. Ob sich die Angesprochenen auf ein Gespräch einlassen wollen, ergibt sich zumeist aus der Antwort. Ein kurzes Gespräch entspannt die Atmosphäre und es ist besser, als wenn man sich drei oder fünf Stunden anschweigt. Zudem glaube ich, dass Leute, welche bewusst eine längere Zugfahrt gebucht haben, anstatt mit dem Privatauto zu fahren, zumeist umgängliche Personen sind. Die eventuell eine kurze Bekanntschaft einplanen oder damit rechnen. Die Schüler und die Berufstätigen welche den Zug benützen sind eine eigene Gruppe, für sie bedeutet Bahnfahren einfach ein Muss.

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