corona:lage II

Um mir ein Paar Schuhe zu kaufen fehlte mir in Graz einfach das Geld. Im Tag haben wir fünf Schilling Sold bekommen, dies reichte für einen Kinobesuch. In der Belgierkaserne gab es ein Soldatenkino. Mit den beschädigten Halbschuhen machte ich mich auf den Heimweg, von Ferndorf nach Politzen. Nach einer Viertelstunde kam es zum Desaster, beim rechten Schuh ist die vordere Hälfte der Schuhsohle weggebrochen. Der halbe Fuß hatte keine Schuhsohle unter der Fußsohle. Um den rechten Schuh wickelte ich ein Unterleibchen, um auf dem Schnee weiter zu laufen.

Während meiner Lehrjahre war ich im Winter zumeist in Halbschuhen unterwegs, auf dem Weg zur Arbeit, im Geschäft eine Notwendigkeit. Im ersten Lehrjahr hatte ich keinen Wintermantel, ein Hemd, einen Pullover, ein Sakko und dieses zumeist vorne offen. Die zweistündige Mittagspause in den Wintermonaten zu überbrücken war eine Herausforderung. Zeitweise schlenderte ich durch die Stadt, um dann über einem Kanalgitter die Hände und Füße aufzuwärmen. Gut gelaufen ist es, wenn ich im geheizten Speisesaal vom Kolpinghaus bei einer Suppe die Mittagszeit verbringen konnte. In den Wintermonaten ging es um das Durchtauchen, sehnsüchtig erwartete ich den Frühling. Es hat mit dem Verstreichen der Zeit zu tun, in den Lehrjahren und in der Pandemiezeit. Dasselbe Gefühl begleitet mich, die unangenehmen Situationen verstreichen langsamer, die Zeit welche eine Freude macht schneller.

Ein Begleiter das Jahr über war auf dem Bauernhof der Reimmichl Volkskalender. Für ein Geschenk besorgte ich den Kalender für 2021 und habe darin etwas geblättert. Gesucht habe ich nach der Erzählung von Reimmichl, vor einem Jahrzehnt bildete eine volkstümliche Geschichte von ihm einen Schwerpunkt im Kalender. Diese Geschichte war damals gerne dreißig Seiten lang. Das Vorlesen aus dem Reimmichlkalender im Familienkreis, an den Weihnacht- und Neujahrsfeiertagen, war eine Tradition auf dem Bauernhof. Im neuen Kalender gibt es zwei Geschichten von ihm, einmal zwei und einmal drei Seiten lang. Der Kalender zeigt sich in seinen Beiträgen aktuell, es gibt Corona Gedichte und Reportagen zum Tourismus in der Coronakrise.

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