corona:friedhof

Den Verlust von menschlichen Kontakten in Lockdownzeiten beklagte eine Seminarteilnehmerin, da der Besuch zu den Nachbarinnen eingeschränkt war. Zudem waren alle Museen und Kinos geschlossen, ebenso ein beliebtes Caféhaus, wo sie sich mit Frauen aus dem Bezirk getroffen hat. Davor war sie zwei- bis dreimal die Woche am Nachmittag dort, hat ein wenig in den Illustrierten und Zeitungen gelesen und sich darüber gefreut, wenn sie der einen oder anderen Bekannten begegnet ist. Auch bei sonstigen Aktivitäten herrschte Funkstille, Schaufensterbummel, Seniorennachmittag, selbst der Spaziergang im Park war untersagt. Ohne einen wichtigen Grund durfte man in Wien während des Lockdowns das Haus nicht verlassen. Um die Einschränkungen bei den Bewegungsmöglichkeiten auszuhebeln hat sie täglich das Grab ihres Mannes am Friedhof besucht. Ein Friedhofsbesuch gehörte zu den erlaubten Aktivitäten. Der Friedhof war für sie Caféhaus und Stadtpark Ersatz. Ihre Urgroßeltern waren in Sörg  zu Hause. Mir hat sie auf dem Weg vom Speisesaal zum Fürstenzimmer ein Kärntner Lied vorgesungen: In da Mölltolleitn, in da Sunneseitn durt is mei Dirndl daham…

In den letzten Monaten waren kaum Reisen mit dem Flugzeug möglich. Dies stützt sich auf  eigene Beobachtungen. Über Stunden ist kein einziges Flugzeug am Himmel vom Villacher Becken zu sehen. Fast haben wir uns schon daran gewöhnt, trotzdem mache ich hin und wieder meine Lebensgefährtin auf diesen Umstand aufmerksam. Vor über einem Jahr war es umgekehrt, der Himmel war mit Kondensstreifen zugepflastert. Auch an wolkenlosen Tagen war der Himmel nicht wirklich wolkenlos, denn aus der Fülle von Kondensstreifen bildeten sich kleine Wolkengruppen. Aus dem Tagebuch…

Flieg, Brüderlein flieg.

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