20:prozent

Ein Büroartikelhersteller macht damit Reklame, dass man durch die neue Hebelmechanik bei den Ordnern, beim Ablegen der Papiere um zwanzig Prozent schneller ist. Eine aufschlussreiche Studie wäre, wie viel Zeit ein durchschnittlicher Mensch mit dem Einordnen von Schriftstücken verbringt. Für Leute, welche in der in der Verwaltung, im Büro, arbeiten, wird dies von Interesse sein. Ich frage mich, welchen Vorteil wir aus dieser 20-prozentigen Zeitersparnis haben. Ist dies schon ein menschlicher Fortschritt, wenn etwas schneller geht. Die Beschleunigung im Herstellungsbereich hat einerseits zu einer Überproduktion geführt, anderseits zu einer Verbilligung der Waren. Die Beschleunigung am Arbeitsplatz, im Straßenverkehr oder in der Freizeit, hat auch dazu geführt, dass viele überfordert, nervös und depressiv sind. Die stärkste Beschleunigung haben wir in der Fortbewegung. Hat man früher Besorgungen in der Stadt, die zehn Kilometer weit entfernt war, zu Fuß erledigt, so geschieht dies heute mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Auto. Haben wir jetzt deshalb mehr Zeit? Eher weniger, weil wir uns neue Aufgaben aufgeladen haben. Genauso wenig trägt die so gewonnene Zeit zu unserem Glück bei. Die meisten beklagen sich darüber, dass sie zu wenig Zeit haben.

 

Mit Antritt der Pension schmilzt die Zeit wie ein Eiswürfel auf der Hand dahin. Der Verlust der Zeit schmerzt genauso, wie sich der Eiswürfel kalt anfühlt.

 

Entschleunigung.

 

8 Gedanken zu „20:prozent

  1. Recht hast Du, Schlagloch!

    Und: Ich habe schon länger einen Gedanken, der sagt:
    Mach eine Verrichtung in hektischer, kraftraubender Weise und setze dagegen eine Verichtung, die bewußt, gezielt, achtsam, wie eine Melodie ausgeführt wird. Und meine Vermutung ist die, das die 2te Version garnicht langsamer ist, allein schon dadurch, daß man sich danach nicht erst mal erholen muß.

    Ganz abgesehen davon hat uns die allgemeine Beschleunigung nur Zeit geraubt. Das Gefühl, die Zeit vergehe schnell, entsteht vornehmlich wohl dadurch, daß wir nichts mehr mit Bewußtsein tun, sondern eher wie Hamster im Laufrad agieren. Dadurch verinnt die Zeit wie im Nu. Achtsamkeit.

    Gruß
    Gerhard

  2. Hallo Gerhard!

    Ein Sprichwort sagt: Wenn du etwas schnell machen willst, dann mache es langsam. Daran ist etwas wahres, wie du es auch beschreibst.

    Gruss schlagloch.

  3. Hallo Schlagloch!
    Ja, das sag ich doch schon lange: „Entschleunigung“!
    Hat man für sich selbst die Entschleunigung erreicht, wird man Probleme im Zusammentreffen mit Anderen bekommen, weil deren Zeit immer noch auf vollen Touren läuft,….und genau „das“ reibt sich dann aneinander,….und ergibt Streitereien.
    Ich bin darauf gekommen, weil es immer Steit hier zu Hause gibt, wenn Jörg von der Arbeit nach Hause kommt, und ich bin zu dem Schluß gekommen, dass er die Zeit, von draußen mit nach Hause bringt, wo meine „entschleunigte“ Zeit ist, die dann aufeinander prallen,…..
    …..und umgekehrt geht es mir genauso. Gehe ich „raus“ kommen die Leute nicht mit mir zurecht, weil sie viel zu „schnell“ sind. Das hießt nicht, dass ich langsam denke, im Gegenteil, ich bewege mich halt nur „bewußt“ langsamer, was eh schon schwer genug fällt, wenn alle um einen herum sich tot hetzen.
    Ja, da fällt man auf und wird belächelt…Is´mir aber egal,….ich lächle zurück,…und bedaure die Leute, die sich so hetzen lassen…..
    Liebe Grüße
    Grey Owl

  4. Lieber Schlagloch,

    Die größte Angst vieler Menschen ist es, Zeit zu haben, die sie nicht wieder füllen können,alles wird schneller, rastloser, fluchtähnlicher. Das scheint nicht der Einzelne zu sein, dem ich begegne sondern eher eine kollektive Sache. Und es wird immer schneller und unsere Sehnsucht nach Ruhe und Rast immer größer. Ein ziemlicher Teufelskreis, der durch solche Beiträge zumindest für minuten angenehmst durchbrochen wird.
    danke
    elisabeth

  5. Hallo GryOwl!

    Das größte Problem entsteht, wenn Beschleunigung und Entschleunigung aufeinandertreffen. Ich habe nach einem Krankenhausaufenthalt von drei Tagen die Hektik, welche auf den Strasse und auf den Plätzen der Stadt geherrscht hat, nicht ertragen können.

    Gruss schlagloch.

  6. Hallo Elisabeth!

    Wir streben immer mehr danach, auch die Ruhezeiten mit Aktivitäten zu füllen und vermissen dann die Ruhe. Fragwürdig.

    Gruss schlagloch.

  7. Hallo Schlagloch
    Ja, die liebe Zeit.
    Mit der Pflege meiner Schwiegereltern erleben wir eine Zeit, die uns nicht von Pontius nach Pilatus hetzen lässt.
    Wir sind viel zu Hause, Freizeitmäßig findet selten etwas statt, weil wir keine Vertretung haben … und bemerken langsam, das damit auch eine „erzwungene Entschleunigung“ stattfindet, die uns durchaus angenehm ist 😉
    Liebe Grüße 😉

  8. Hallo Schlafmütze!

    Wenn man die „erzwungene“ Entschleunigung akzeptieren kann, dann erspart man sich viel Unzufrriedenheit.

    Gruss schlagloch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.