LAUB:reise

LaubreiseZum Österreichpavillon kommt man auf dem Biennalegelände in Venedig zuletzt. Dieses Jahr hat man den Pavillon um einen Container erweitert, dort wird die Installation „Laubreise“ von Franziska und Lois Weinberger präsentiert. Diese Installation ist ein Komposthaufen in Quaderform von gepresstem Laub, Gras und Zweigen, der langsam verrottet. Betritt man den Container, so wird man von einem Pilzgeruch empfangen. Ich kenne diesen Geruch von meiner Arbeit am Bauernhof, wenn das Laub, „die Streb“, für die Kühe zusammengerochen wurde. Am Boden quillt aus dem Quader Jauche hervor, wie aus einem Misthaufen. Es ist ein Prozess der Vergänglichkeit, der durch das südliche Klima, Hitze und Feuchtigkeit, beschleunigt wird. Vielleicht steht die „Laubreise“ für die Frage, wohin die Reise unserer Umwelt, unserer Natur geht. Was passiert, wenn alles verrottet, und wir in unserer Jauche, einer unappetitlichen, stinkenden Flüssigkeit stehen.

Im Herbst haben wir am Bauernhof an schönen Tagen mit dem Zusammenrechen vom Laub, der Streb, begonnen. Das Laub wurde mit einem Strebwagen, die Seitenwände bestanden aus geflochtenen Weiden, in den Heustadel geführt. Das Laub wurde zum Einstreuen der Kühe verwendet. So hatten sie auf dem Steinboden ein weiches Nachtlager. Zuerst wurde die alte Streb auf den Misthaufen gebracht und dann mit dem Ruckkorb die frische Streb hereingebracht. Die Streb hatte diesen modrigen Geruch, dem ich bei der „Laubreise“ auf der Biennale begegnet bin. Im Frühjahr wurde der Mist mit dem Strebwagen auf die Felder gebracht und die Jauche, welche sich über den Winter gebildet hat, direkt auf die Felder geleitet.

Zeitreise.

3 Gedanken zu „LAUB:reise

  1. Manche sagen: Laß den Mist der Vergangenheit ruhen. Er ist so gut wie nicht mehr existent… da er einer Person widerfahren ist, die es so nicht mehr gibt.

  2. Hallo Gerhard!

    Zum Wort “ Mist“ gibt es einige Volksweisheiten. „Auf Mist gebaut“, soll heisen, dass das Vorhaben vergänglich ist. „Den Mist unter den Teppich kehren“, soll heisen, dass früher oder später die Untaten an das Licht kommen werden. „Auf fremden Mist gewachsen“, soll heisen, dass die Idee nicht von einem selbst stammt.

    Nicht jeden Mist der Vergangenheit kann man ruhen lassen, denn früher oder später wird die Jauche unter dem Teppich hervorkommen.

    Gruss schlagloch.

  3. Pingback: bild:frei | Schlagloch

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