Materie + Geist zwei Gesichter…

Wenn die moderne Naturwissenschaft den Menschen nur als eine physikalische und mechanische Maschine sieht, so ist dies für Hans Jonas ein absurdes Menschen- und Weltbild. Für ihn ist beim Menschen nicht alles mechanisch erklärbar. Der Mensch ist mehr als ein physikalisches und mechanisches Sein. Beides würde, alles was den Menschen auch ausmacht, Bewusstsein, Gefühl, Freiheit, Trauer,  Freude u. v. a.  abschaffen. Hans Jonas folgert, dass auch außerhalb der menschlichen Natur Phänomene wie Bewusstsein und Freiheit enthalten bzw. möglich sind. Im Menschen schlägt die Natur die Augen auf. „Vielleicht ist in einem richtig verstandenen Sinne der Mensch doch das Maß aller Dinge -nicht durch die Gesetzgebung seiner Vernunft- aber durch das Paradigma seiner psychophysischen Totalität, die das Maximum uns bekannter, konkreter ontologischer Vollständigkeit darstellt, von dem aus die Klassen des Seins durch fortschreitende ontologische Abzüge bis zum Minimum der bloßen Elementar-Materie reduktiv bestimmt werden.“[1]Die Materie trägt für Hans Jonas die Möglichkeit in sich, dass Bewusstsein und Freiheit entsteht. Das Geistige ist auch in der Materie enthalten, auch die Natur hat Zwecke. Er nimmt an, dass der Gewinn für das Verstehen des Organischen, im Verstehen für das Menschliche liegt. 

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Die Wahrheit…

Im dritten Jahrtausend nach Christus müssen die Hüter des echten Christentums ihren alleinigen Wahrheitsanspruch religiosa vera massiv verteidigen. Seit der Aufklärung wird dieser alleinige Wahrheitsanspruch von vielen Seiten in Frage gestellt, durch andere Thesen ersetzt. Zuerst durch die Philosophen der Aufklärung, wie René Descartes und Gottfried Wilhelm Leibniz, durch Kant und in der Neuzeit durch die Naturwissenschaften mit der Planetenlehre und der Evolutionstheorie. Josef Kardinal Ratzinger fragte als Präfekt der Glaubenskongregation zu Beginn seines Essays, Der angezweifelte Wahrheitsanspruch[1]:  „…ob der Begriff Wahrheit sinnvollerweise überhaupt auf die Religion angewandt werden könne, mit anderen Worten, ob es dem Menschen gegeben ist, die eigentliche Wahrheit über Gott und die göttlichen Dinge zu erkennen?“[2]

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Das wir leben…

Martin Heidegger sieht in seinem Werk Sein und Zeit den Menschen als hineingeworfen in die Welt. „Darüber hinaus aber verleiht das Bild vom Wurfe, dem Ganzen der so begonnenen Existenz eine Qualität des Dynamischen. (…) Es gibt Vergangenheit und Zukunft, woher wir kommen und wohin wir eilen, und die Gegenwart ist nur der Augenblick der Erkenntnis selber…“[1]  Dazu merkt Hans Jonas an, wenn es ein hineingeworfen gibt, „was ist der Wurf ohne den Werfer und ohne einen Ort woher.“ [2]Die gnostische Geworfenheit ist meinem Denken nach eine humanere Vorstellung, als die Vorstellung des Existenzialismus, die Absurdität des Daseins oder des Nihilismus, die Nichtigkeit alles Seienden.

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lebenssinn lll

 Ist “Sinn” verbunden mit den im Leben verfolgten Aktivitäten und Zielen?

Die Frage nach dem Sinn im Leben stellen sich wohl die meisten erstmals, wenn sie die schulische oder betriebliche Ausbildung abgeschlossen haben und in die Arbeitswelt hineinwachsen. Soweit ich die Diskussionen in der Familie miterlebe geht es heute den jüngeren Arbeitnehmern auch darum, dass sie eine sinnstiftende Beschäftigung ausüben. Bevorzugt wird eine Arbeit, welche für die Gesellschaft einen Mehrwert bringt. Eine leistungsgerechte Entlohnung allein genügt nicht, sie wollen mit ihrem Job ein sinnvolles und kreatives Leben führen können. Ein Versprechen der neuen Arbeitswelt ist, dass die gleichbleibenden, die stupiden Arbeiten von Robotern und von Automaten erledigt werden. Während meiner Arbeit am Montageband der Damenschuhfabrik Gabor in den siebziger Jahren war dies für mich nicht der Fall. Das Fließband hat uns das Arbeitstempo vorgegeben. Am Montageband habe ich auf die halbfertigen Schuhe, mit Unterstützung einer Maschine, im Accord die Absätze geschraubt.  Absatzschrauber, war die Berufsbezeichnung. In einem Achtstundentag habe ich etwa zweitausendachthundert Stück Absätze verschraubt, Tag für Tag. Als sinnstiftende Tätigkeit habe ich diese Arbeit nicht erlebt.

Im fortgeschrittenen Alter, die bevorzugte Zeit wo nach dem Sinn des eigenen Lebens gefragt wird, ist es bei der Rückschau wesentlich, wie man zu seinen Aktivitäten im Leben steht. Welche Ziele man erreicht hat und welche Erfolge man feiern durfte. Wobei ich dem materiellen Erfolg nicht an die oberste Stelle stellen möchte. Es gibt wesentlichere Kriterien, dass man eine Tätigkeit aus sinnstiftender Überzeugung, aus moralischer Notwendigkeit und emotionaler Hingabe umgesetzt hat.

Ein wesentliches Sinnerlebnis war die vierzigjährige Tätigkeit als Papier- und Buchhändler mit eigenem Geschäft in Arnoldstein. Die Bevölkerung, speziell die Schuljugend, hatte damit ein Angebot an Papierwaren und Büchern, welches für eine Marktgemeinde nicht selbstverständlich ist. Die Papier- und Buchhandlung besteht seit meiner Pensionierung weiter. Bei zufälligen Begegnungen mit früheren Kunden bekomme ich anerkennende Rückmeldungen für meine Kaufmannszeit in Arnoldstein. Damit verlängert sich die von mir als sinnvolle erlebte Selbstständigkeit bis in den Ruhestand hinein.

LV: Sinn der Welt, Sinn des Lebens, Universität Salzburg, Prof. Clemens Sedmak

lebenssinn II

Vernünftig über die Frage nach dem Sinn des Lebens unterhalten?

Mit mehreren Personen sich rational, der Vernunft gehorchend, über den Sinn des Lebens zu unterhalten kann außerhalb einer philosophischen Gesprächsrunde sehr verwirrend werden. Jeder wird aus seiner Berufs- und Lebenswelt emotional seine Lebenserfahrungen einbringen. Entscheidend dürfte sein, welche weltanschaulichen, religiösen oder politischen Positionen die beteiligten Personen einnehmen. Bei einem fiktiven Gespräch zwischen einem Atheisten und einem Christen ist anzunehmen, dass die Sinnoptionen weit auseinanderliegen. Der Atheist wird die Frage nach dem Sinn des Lebens in seinem Wirken und in seinen Handlungen im Diesseits sehen. Der Christ, versteht er sich als wahrer Christ, wird den Sinn des Lebens darin sehen, nach den zehn Geboten zu leben, um für seine Seele das ewige Leben zu erlangen. In Pfarr- und Kurheimen gibt es noch die Lichtbildervorträge von Weltreisenden. Erdachter Sinndiskurs zwischen einem Weltenbummler und Workaholic. Der Weltenbummler sieht den Sinn im Leben im Unterwegs sein und die dafür notwendigen Arbeitseinheiten als ein Mittel zum Zweck. Der Workaholic erlebt die Arbeit rund um die Uhr als sinnerfüllend und bedauert die notwendigen Unterbrechungen für Essen und Schlafen.

„Beim sonntäglichen Wirtshausstammtisch der Bauern und der Unternehmer sind auch die Eigenheimbesitzer geduldet. Wer handwerkliches Geschick beim Hausbauen zeigt und es zu mehreren Häusern bringt, wird für seinen Fleiß gerühmt. Für jemanden der Geschichten schreibt zeigt man wenig Verständnis. Die wenigsten im Dorf können sich darunter etwas vorstellen“.[1] […] „Was macht Sinn: Drei Häuser zu bauen oder drei Bücher zu veröffentlichen“? [2]


[1] Seite 25, Bruchstellen, Franz Supersberger, Verlag Bod, 2015 

[2] Ebenda

LV: Sinn der Welt, Sinn des Lebens, Universität Salzburg, Prof. Clemens Sedmak