HEIL:ung

Wir haben oft ein unangenehmes Gefühl, wenn wir einem Behinderten begegnen, weil wir nicht wissen, wie wir uns verhalten sollen. Wir schwanken zwischen zu viel an Aufmerksamkeit oder zu wenig. Das rechte Mass zu finden ist schwierig. Man weicht einer Begegnung mit einem Behinderten aus, wenn es vorhersehbar ist. Manche Arten von Behinderung lassen sich gut verstecken oder werden von der Familie versteckt. Sichtbare Behinderungen, wie Beschwerden beim Bewegungsapparat, beim Sprechen oder Schäden an der Haut sind leichter zu erkennen. Die meisten Behinderten bemühen sich den Alltag so normal wie möglich zu gestalten, verlangen keine besonderen Rücksichten oder den Verzicht auf Herausforderung. Die größte Enttäuschung für sie dürfte sein, wenn man ihnen weniger zutraut, als den Gesunden oder sie für geistig behindert hält.

 

Kommt man selbst in die Situation, dass man vorübergehend mit einer Behinderung leben muss, sei es eine Verletzung oder Bruch eines Armes oder Beines, dann erkennt man, welche Schwierigkeiten sich bei der Bewältigung einfacher alltäglicher Verrichtungen auftun. Es bedarf vieles Training um eine Hand oder Finger zu ersetzten. Erleidet man eine Verletzung im Gesicht, sieht man sich den Blicken der Menschen auf der Straße und am Arbeitsplatz ausgesetzt. Falsch wäre es, sich für eine Weile zu verstecken, manchmal lässt es auch der Beruf nicht zu. Man erfährt dabei nicht nur Situationen des ausgesetzt sein, sondern auch Blicke der Anteilnahme, des Mitgefühl und der Wertschätzung. Gute Wünsche für eine baldige Besserung mit der Hoffnung, dass man bald voll einsatzfähig sein wird.

 

Persönlich ist es ein gutes Gefühl, wenn man am eigenen Körper erleben kann, dass es einen Gesundungsprozess gibt, dass man geheilt wird. Geheilt werden im weitesten Sinn, heil werden an Körper und Seele. Waren die Heiligen überglückliche Leute, vollkommene Leute. Sie haben für ihre Heilwerdung kämpfen müssen und sind oft missverstanden worden.

 

Geheilt.   

 

SELBST:wert

Was ist ein Mensch wert? Man zögert diese Frage zu stellen, dieser Gedanke macht  Angst. Von welchem Wert spricht man, von einem wirtschaftlichen oder  ideellen Wert. Von dem Nutzen den ein Mensch im Rahmen einer Beziehung hat, wie lassen sich Gefühle und Unterstützung in Euro bewerten? Eltern sprechen davon, wie viel ein Kind kostet, wie viel ist mir mein Kind wert. Dazu gibt es wirtschaftliche Berechnungen, was ein Kind im Durchschnitt bis zum achtzehnten Lebensjahr kostet. Errechnet sich für den Staat der Wert eines Menschen aus dem, was er im Laufe seines Lebens an Steuern abliefert? Umgekehrt, gibt es einen Minuswert, wenn im Laufe des Lebens viele Sozialleistungen in Anspruch genommen werden und eine lange Rente bezahlt wird.

 

Gehören die freiwilligen Leistungen in einem Verein, bei einer Hilfsorganisation oder für die Nachbarschaft zum Wert eines Menschen? Wo liegt der Wert von Menschen, die es nicht schaffen im Leistungswettbewerb mitzuhalten? Womit sollen sich Senioren beschäftigen, damit sie nicht an Selbstwert verlieren. Manche entdecken ein Hobby, entwickeln einen eigenen Stil in der Malerei. Täglich ein Bild zu malen hat für sie den größten Wert. Von der Familie heißt es, dies sind Farbspielereien ohne größeren künstlerischen und finanziellen Wert. Der Wert des Malens liegt in der Beschäftigung gegen die Langeweile und Einsamkeit. Jeder soll seinen Wert selbst erkennen.

 

Wertvoll.               

WINTER : 2008

Nach der Ankündigung in den Nachrichten, dass in den nächsten Tagen in Südkärnten ergiebige Schneefälle zu erwarten sind, äußern manche Kunden die Befürchtung, dass die Schneefälle das Ausmaß wie im Film „The Day After Tomorrow“ erreichen könnten. In diesem Katastrophenfilm kam es nach einem Temperatursturz im Atlantischen Ozean zu einer riesigen Flutwelle und die nördliche Halbkugel versank innerhalb weniger Wochen unter einer Hundertmeter dicken Schneedecke. Alles vereiste bei antarktischen Minusgraden innerhalb von Tagen. Der Klimatologe Jack Hall, welcher die westlichen Regierungen vor dieser Klimakatastrophe gewarnt hatte, begibt sich auf den Weg nach New York um seinen Sohn Sam aus den Schneemassen zu retten. Viele sahen in dem Film die Wettervorhersage für den Winter 2008.

 

Bitte einen Eislutscher.

MARIA:empfängnis

Ob zwischen dem Straßennamen Mariahilfergürtel in Wien und der Bitte, „Maria Hilf“ ein Zusammenhang besteht, weiß ich nicht. An jedem Samstag versammelt sich am Straßenrand vom Mariahilfergürtel, in der Nähe vom Westbahnhof,  in der Früh eine Gruppe von etwa zwanzig Menschen um gegen die Abtreibung zu protestieren. Die Gruppe setzt sich aus jüngeren und älteren Männern und Frauen zusammen. Ein junger, schlanker Mann hält ein lebensgroßes Marienbild. Maria in einen blauen Mantel gehüllt, mit einem Glorienschein und einem Rosenkranz in den Händen. Die Frauen zeigen vor ihrem Unterleib vergrößerte Fotos von Ungeborenen in der dritten, neunten und zwölften Schwangerschaftswoche. Verstärkt durch ein Megaphon beten sie den Rosenkranz und singen Marienlieder. Ist die Ampel auf rot geschaltet und die Autos werden für eine Minute angehalten, dann kann man ihre Gebete gut hören . Bei grün gehen die Gebete im Autolärm unter. Aus der Nähe beobachten drei Polizisten das Geschehen.

 

Das Wunschkind.         

DRAUTAL:fenster

In der Vorweihnachtszeit finden in den Ortschaften, in den Tälern von Kärnten, die traditionellen Kunsthandwerkausstellungen und Adventbasare statt. Diese Initiativen gehen vom Seniorenbund, den Frauen der Pfarre oder der Trachtengruppe aus. Dort zeigen und verkaufen die heimischen Hobbykünstler ihre Arbeiten. Bei der Kunstausstellung „Drautalfenster“ wurden von einer kreativen Frau alte Teppiche, Kleider, Jacken usw. zu Umhängetaschen verarbeitet. Diese Ausstellungen unterscheiden sich wesentlich vom Weihnachtsmarkt oder Christkindlmarkt in der Stadt, wo zum Großteil industriell gefertigte und importierte Waren angeboten werden.

 

Auf keinen Fall fehlen bei diesen Kunstwerkausstellungen die selbst gebastelten Krippen. Eine besondere Begabung hat die Lobabäuerin, sie formt aus Maisfedern die Krippenfiguren. Die ausgesuchten Maisfedern werden in das Wasser getaucht und dann geformt, sie behalten beim Trocknen die Form bei. Der Stall wird vom Mann hergestellt. Ein Lob der Einfachheit, eine Anleitung zum glücklichen Leben liefert sie beim Verkauf einer Krippe dazu. Sie spricht von der Freude die sie beim Modellieren der Figuren hat, vom Zufriedensein, wenn man ein schönes Hobby gefunden hat. Nicht das Geld sei für sie entscheidend, sondern dass der Käufer seine Freude an der Krippe hat.

 

Der göttliche Funke.