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Vor der mündliche Prüfung zur Lehrveranstaltung „Natur und Technik“ habe ich mir Sorgen gemacht, wie werde ich es schaffen, eine Fülle von Namen, Thesen und Jahreszahlen zu merken. Die Namen der involvierten Philosophen, deren Jahresdaten und Theorien zu merken. Dafür habe ich eine eigene Lernmethode entwickelt. Den umfangreichen Stoff habe ich mit meinen gedanklichen Erweiterungen in den PC eingetippt und ausgedruckt. Mit dieser schriftlichen Hilfe habe ich in freier Rede über den Stoff geredet, wobei mich bei den Namen, den Buchveröffentlichungen und Jahreszahlen die Zusammenfassung unterstützt hat. Als nächstes habe ich auf einem Blatt Papier nur noch Namen, Datum und dazu ein Stichwort geschrieben. Mit Unterstützung dieses Blattes habe ich für mich über den Stoff referiert und zu guter Letzt ist es ein kleiner Notizzettel gewesen, mit ein paar Namen und einigen Zahlen. Zu meinem Erstaunen hatte ich mir mit dieser schriftlichen Reduktionsmethode vieles eingeprägt. Ich kann von mir nicht behaupten, dass ich ein ausgeprägtes Personen- und Zahlengedächtnis habe. Dafür hatte ich wenig Interesse und habe es keinesfalls gefördert und trainiert. Beim mündlichen Prüfungsgespräch hat es wunderbar geklappt.

Schwindelzettel

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Die Altersweisheit äußert sich bei den Menschen auf verschiedene Weise. Bei vielen wäre diese noch verbesserungswürdig, die meisten könnten sich in der einen und anderen Sache noch weiterbilden. Es soll sehr zuträglich sein, wenn man im späteren Lebensalter mit ganz etwas Neuem beginnt. Als Beispiel, wer  keine Fremdsprache spricht, sich in einem Fremdsprachen Kurs einklinkt. Wer ein schlechtes  Zahlen- und Namengedächtnis hat, einen Kurs in Geschichte belegt.

Ich bin ein richtiger Namens- und Jahreszahlenmuffel. Selbst in der Berufszeit war es mir zu wider, Stammkunden mit dem Namen zu begrüßen. Den akademischen Grad hinzuzufügen hat bei mir Brechreiz ausgelöst. Über die tieferen Ursachen kann ich aus mir heraus nichts sagen.  Wahrscheinlich  dürfte dies etwas mit meiner Mentalität, meiner Herkunft,  mit meinem Charakter zu tun haben. In Österreich hat es in den 70er und 80er Jahren noch ein weitverbreitetes  Obrigkeitsdenken gegeben. Jeder Leiter, egal ob Sparkasse, Hotel, Spedition oder Schule hat darauf bestanden als Direktor angeredet zu werden. Bei einem akademischen Titel war es Pflicht diesen bei der Anrede zu verwenden. Wurde dabei etwas vertauscht, dann wurde man zumeist korrigiert. In mir steckte auch etwas anarchistisches, eine soziale Botschaft, dass wir alle gleich sind, ohne Unterschied der Rasse, der Herkunft und der Bildung. Für mich war es wichtig, dass die Menschen eine Herzensbildung hatten, dass sie offen ihre Meinung gesagt haben, dass ihre Aussagen und ihr Handeln identisch waren. Vor allem auch, dass sie gegenüber gebildeteren oder höhergestellten Personen ihre Meinung vertreten haben und nicht Vorgesetzten oder öffentlich tätigen Personen Honig um das Maul geschmiert haben. Noch schlimmer, dass man im kleinen Kreis, bei einer internen Sitzungen eines Gewerbevereins, sich darüber beklagt hat, dass die Gemeindeverwaltung oder die Sparkasse bei der Auftragsvergabe die heimischen Handwerksbetriebe und Handelsgeschäfte zu wenig berücksichtigt. Die Aufträge an Unternehmen in anderen Gemeinden vergeben. Gab es dann eine Gelegenheit für einen offenen Meinungsaustausch mit dem  Bürgermeister, wo er  für Wünsche, Kritik und Anregungen zur Verfügung stand, dann hat man dem Bürgermeister „schön getan. “ Man hat beteuert, dass alles in Ordnung ist, dass man keinerlei Kritik an der Gemeindeverwaltung üben will. In solchen Situationen war es mit meiner Solidarität mit den Kollegen vorbei, dies habe ich ihnen als Charakterschwäche angerechnet,  egal welchen akademischen Titel jemand hatte.

Fruchtbringend

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Bei der Lehrveranstaltung „Natur und Technik“ wurde der Mensch unter anderem auch durch sein Bewusstsein von seiner Sterblichkeit definiert. Wir unterscheiden zwischen Vergangenheit und Zukunft und können uns im Spiegel selbst erkennen. Martin Heidegger sagt, „der Mensch ist weltbildend und das Tier, welches über oben genannte Fähigkeiten nicht verfügt, ist weltarm. Der Mensch kennt die Langweile, das Tier die Benommenheit. Das Tier sei getrieben, immer ruhelos auf der Suche nach Nahrung und Fortpflanzung. Der Mensch könne über sein „nichts tun“ entscheiden.“  Ich halte dagegen, dass sich auch Tiere dem Nichtstun hingeben, der Muse, auf jeden Fall Katzen.

In der Fachliteratur gibt es das oft zitierte Beispiel von Jakob von Uexküll. Er hat einer Biene eine Tasse Honig vorgesetzt und als diese gierig mit ihrem Rüssel am Honig saugt, den Hinterleib entfernt. Die Biene hat davon unbeeindruckt weitergesaugt, der Honig ist aus dem Hinterleib geflossen. Ein Beispiel, um die stumpfe „Verfressenheit“ bei den Tieren zu beweisen. Mein Einwand war, dass auch wir sehr Essens orientiert sind. Es gibt Berichte über Todeskandidaten, die kurz vor ihrer Hinrichtung ihr Lieblingsgericht bestellt und verzehrt haben. Welchen Sinn macht ein Festmahl im Angesicht des Todes?  Ich habe natürlich nicht das Recht, der ich, Gott sei gedankt, nie in einer ähnlichen Situation war, darüber zu befinden. Ähnliches wird von den Rauchern über ihre letzte Zigarette berichtet.

Wie kam Heidegger zu dem Ergebnis, dass die Tiere weltarm und die Mensch weltbildend sind?

Letzten Endes.

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Die TV-Sendung war zu zwei Drittel vorbei, da wurde im Fernsehen ein Steinmarder gezeigt, ein Einzelner, sie sind Einzelgänger. Als dieses Tier mit seinem  buschigen Schwanz zwischen den Steinblöcken herum hüpft, springt die Katze Undine vom Sofa auf, rennt zum Fernseher und setzt sich davor. Dann hüpft sie auf das Podest des Fernsehers und beginnt am Bildschirm mit der Pfote zu kratzen. Der Steinmarder verschwindet langsam aus dem Bild, zuletzt der Schweif, da guckt die Undine hinter den Fernseher, dann wieder nach vorne. Sie wechselt auf die andere Seite vom Bildschirm und blickt dort hinter den Fernseher. Es war klar zu erkennen, dass sie zuerst versucht hat den Steinmarder zu fangen und als er aus dem Bildschirm verschwunden ist, suchte sie ihn hinter dem Fernseher. Dieses Verhalten konnte ich  eindeutig zuordnen. Ergänzend muss ich noch erzählen, dass Undine schon des öfteren bei Naturdokumentationen zum Fernseher gelaufen ist und mit den Tieren am Bildschirm spielen oder sie wahrscheinlich jagen wollte. Nicht bei allen Tieren, sondern ihrer natürlichen Jagdbeute.

Ich überlege mir, wie ist dieses Verhalten zu beurteilen. Undine ist keine Rassekatze, sondern als Mischling  auf einem Bauernhof geboren. Am Bildschirm nach Beute zu jagen gehört nicht zu den natürlichen Jagdinstinkten.  Auch nicht, nachdem der Schweif vom Steinmarder als letztes langsam vom Bildschirm verschwunden ist, mit dem Kopf hinter den Fernseher zu blicken. Für sie war es logisch, dass hier der Steinmarder auftaucht. Nach diesem Vorfall meine ich, dass man der Katze ein räumliches Denken zugestehen muss.

Hinter den Dingen.