Treffpunkt…

… Weikhard Uhr.

Kurz vor Graz informierte mein Zugnachbar die Bekannten, dass er um soundso Uhr in Graz ankommen wird. Sollte er sich verspäten, würde er sie informieren. Mit der Zunahme der Reisegeschwindigkeit hat sich auch die Kommunikation entwickelt. Vor Jahrzehnten war es unmöglich seine Ankunft in Echtzeit bekanntzugeben. Eine Möglichkeit war, eine Woche davor über das Festnetztelefon seinen Besuch, mit der festgelegten Ankunftszeit, anzukündigen. Heute können wir jede Verspätung, sei es, weil man am Bahnhof eine Selchwurst ist, in Echtzeit weitergeben. Diese Echtzeitmitteilungen führen auch zu Problemen, dass fix zugesagte Verpflichtungen abgesagt werden.

Damit zu kämpfen hatte zum Jahresanfang eine Nichte, welche in der Pfarre St. Paul ob Ferndorf mit der Organisation der Sternsinger betraut war. Für den Besuch der Bewohner wurden mehrere Sternsinger Gruppen gebildet, drei Jugendliche als „Die Heiligen Drei Könige“ und ein Erwachsener als Begleiter. So ziehen sie zwischen Neujahr und Heiligen drei König von Haus zu haus. So erfreulich der Einsatz der Jugendlichen sich für die Sternsingeraktion darstellte, es kam zu Schwierigkeiten. Morgens, wenn sich die Teilnehmer beim Pfarrhof trafen klingelte das Handy: Dem einem Jugendlichen war am Morgen übel, ein anderer fuhr lieber mit der Mamma in das Einkaufszentrum, ein anderer möchte mit dem Freund in das Hallenbad gehen. Wie soll es gehen, wenn plötzlich mehrere der Heiligen drei Könige ausfallen? Diese kurzfristigen Absagen hat es vor Jahrzehnten nicht gegeben, wenn die Zusage beim Sternsingen der Jungschar mitzuwirken gegeben wurde, dann war man am Treffpunkt da.

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Jungfernfahrt…

..Koralmbahn.

Das Wetter meinte es an diesem Tag, Anfang Februar, mit den Reisenden nicht gut, wir fuhren durch eine Nebelsuppe, wenn auch mit hoher Geschwindigkeit. Zeitweise rasten wir durch einen Tunnel, wo die Sicht auch wegbleibt. Wie erlebt wohl der Nachbar den Geschwindigkeitswechsel, der wieder gerade zum Buch, Das Geheimnis der Pyramiden Energie, greift?  Wie passen die Einblicke in die Pyramidenrätsel, die spirituelle Welt der Ägypter mit der Hochgeschwindigkeit zusammen? Jetzt gebe ich mir einen innerlichen Ruck und spreche den Zugsnachbar an: „Wie er die ägyptische Kultur mit dem Hochgeschwindigkeitszug kombiniert, wo ich feststelle, dass es ihm nicht egal ist, mit welcher Geschwindigkeit der Zug gerade fährt.“

Es ist für ihn die Jungfernfahrt auf der Koralmstrecke.  Er habe sich zu Hause gefragt, wie er die in allen Köpfen grassierende Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h erleben wird. Dies ist ihm bei seiner Fahrt zu Bekannten nach Graz das Wichtigste. Auch von ihrer Seite gab es vorab die Aufgabe, ihnen zu berichten wie sich die Höchstgeschwindigkeit anfühlt. Ihm fehlt ein Vergleichsmuster. Er konnte sich nicht ganz so gut ausdrücken, wie ich es mit dem Beispiel beim Autofahren versucht habe. Die Empfindung von Schnell zu Stillstand konnte er mir nachvollziehen. Graz kennt er aus seiner Studentenzeit, beide haben wir darüber gerätselt, seit wann der Jakominiplatz für den privaten Autoverkehr gesperrt ist und nur mehr von den öffentlichen Verkehrsmitteln befahren wird.

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Am Topf…

…vom Amt hängen.

In der Fastenzeit bemühen sich Menschen aus verschiedenen Altersstufen neu zu orientieren. Wobei ich dabei altersmäßig einen Unterschied mache. In den Powerjahren fällt eine Neuorientierung leicht, da in dieser Zeitspanne nicht daran gezweifelt wird, was man sich in den Kopf gesetzt hat zu erreichen. Dies können Ziele jeder Art sein, ein weiterer Karriereschritt vom Automechaniker zum Leiter der Ersatzteilabteilung, vom Textilverkäufer zum Einkäufer der Herrenabteilung. Solche Beispiele finden sich überall, in der Gastronomie vom Kellner zum Saal Chef, jeder kann in seinem Leben nach solchen Beispielen suchen. Hierbei unterscheiden sich Kopf- von Handberufen nicht. Man beschließt sein eigener Chef zu werden, seine eigene Firma zu gründen. Ein Anstoß dazu kann sein, dass jemand seinen Job verliert. In Österreich gibt es auf dem Weg zur Selbstständigkeit Unterstützung vom Arbeitsmarktservice. Bei meiner Suche nach einem Betriebsnachfolger für das Papier- und Buchgeschäft erlebte ich, dass eine Anwärterin, welche den Laden pachten und weiterführen wollte, dafür die Unterstützung vom AMS bekommen hat. Die Behörde hat für die Schuhverkäuferin die wirtschaftliche Lage meines Handelsbetriebes durchleuchtet. Sie beraten bei der Abfassung des Pachtvertrages und welche Pacht angemessen wäre.

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Vom Gardemädchen…

…einen Kuss ergattern.

Von meiner Zeit als Lehrling in der Papier- und Buchhandlung Petz in Spittal /Drau weiß ich, wie gerne Scherzartikel in den sechziger und siebziger Jahren zur Unterhaltung verwendet wurden. In der Faschingszeit wurden auf jedem Hausball und Gschnasfest von einigen Besuchern damit andere zum Narren gehalten.  Ein bekannter Großhändler für den Vertrieb von Saisonartikel, wie Faschingskostüme, Masken, Perücken, Requisiten und Scherzartikel, Krampus Masken, Lampions und Girlanden sowie Feuerwerk war die Firma ED. Witte in Wien.  Der Vertreter dieser Firma hat mit einer Postkarte seinen Besuch in der Papierhandlung ein paar Tage vorher angekündigt. Dem Vertreter stellte die erste Verkäuferin in einer Ecke im Verkaufsraum ein Stockerl zur Verfügung wo er sich, während er die neue Faschingskollektion präsentierte, zwischendurch niedersetzen konnte. Aus einem großen Koffer holte er Tablett für Tablett um das umfangreiche Kleinzeug zu zeigen. Angefangen mit Bärten zum Aufkleben, Gumminasen und Ohren, Faschingsbrillen, dazu der passende Brillantschmuck, die goldenen Ringe mit Edelsteinen besetzt und die Zigeunerohrringe. Keine Faschingsveranstaltung ohne Scherzartikel, echte Hingucker waren Hundehäufchen und Erbrochenes.  Für Gekreische unter den Damen sorgte der blutende Daumen oder das abgetrennte Ohrwaschel. Als Hauptspeise wurden täuschend echt wirkende Eierspeise oder ein paar heiße Frankfurter aus Kunststoff serviert. Dazu wurde ein Glas Bier heller Freude serviert, mit dem Vorteil, dass es nie leer wurde. Wer das Bier auf das Gesicht des Tischnachbarn zielte, wurde dafür nicht bestraft. Ein sexy Girl verbarg sich in einem Etui und wer danach neugierig war und daran zog, für den schnappte die Mausefalle zu.  

 

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Die Zauberwürmer…

…haben die Lust am Bier verdorben.

Den Einkauf im Lebensmittelmarkt beendete ein Cappuccino im angrenzenden Café. Auf dem Tisch steht ein Taferl: Hausgemachter Heringssalat reich garniert, mit frischgebackenem Gebäck. Urplötzlich werde ich mit einer Schleuder aus der Weihnachtszeit hinauskatapultiert und lande in der närrischen Zeit, im Fasching. Auf hartem Boden aufgeschlagen.  In einer Schublade in der Wohnung gibt es noch ein paar Weihnacht Kekse, diese sind Überlebenskünstler und haben bis jetzt nicht den Weg in den Magen gefunden, sie haben etwas an Verführung eingebüßt. Nicht nur aus der unmittelbaren Weihnachtszeit vertrieben, auch um einige Jahrzehnte zurückversetzt.  Weder zu Weihnachten, noch zu Silvester hat es üppige Weihnachtsmenü gegeben. In Kärnten gab es die hausgemachten Selchwürstel mit Sauerkraut oder eine Dose Ölsardinen. Dazu einem heißen Pfefferminztee mit etwas Schnaps, schmackhaft, weil nicht alltäglich. Die Möglichkeit Weihnachten und Silvester in einem Hotel zu verbringen gab es Jahrzehnte später. Zu speziellen Anlässen, zu den Brauchtumshöhepunkten, wie Ostern oder Kirchtag, wurde ich von der Resi zum Essen eingeladen.

Zu Silvester gab es bei ihr auf der Drauland den selbstgemachten Heringssalat. Mein Beitrag zur Silvesterrunde war einige Scherzartikel, welche die Tischrunde in Staunen oder in Aufruhr versetzte. Es waren die Jahre vor der medialen Bespassung, wo Knallzünder und Knalleinlagen für Zigaretten Heiterkeitsstürme auslösten. Zu den harmlosen, aber ekelerregenden Scherzartikel gehörten die Zauberwürmer, die manchen leidenschaftlichen Biertrinker die Lust am Bier verdorben haben. Für erstaunte Augen sorgte die Blitzwatte im Aschenbecher und die Knallerbsen am Boden, welche bei jedem Schritt explodierten oder ein Käsebrot mit einer Scheibe Emmentaler aus Plastik. Im Fasching gehörte der Besuch des Hausballes im Waldcafé in der Waldsiedlung bei Frau Wedam dazu.