freizeit:messe I

Die Händler von Küchengeräten sind Verkaufsgenies.Sie verteilen großzügig Kostproben von sogenannten Universalküchenmaschinen. Als männlicher Begleiter hat man das Gefühl, die Küchenarbeit erledigt sich mit einer Universalküchenmaschine ganz von selbst. Zumeist können diese aus den Küchenabfällen die schmackhaftesten Säfte herstellen. Findet die Messe in einer geschenksschwangeren Zeit wie Ostern, Muttertag oder nähert sich ein Geburtstag, so wird man als Mann schnell vom Nutzen des Küchengerätes überzeugt. Dagegen hilft nur ein entschiedenes Veto der Frau. Viel Ausstellungsfläche nehmen die Reinigungshilfen für den Haushalt und für das Eigenheim ein. Es gibt eine Fülle von neuen Reinigungs- und Waschmittel, welche das Bad noch sauberer und die Wäsche noch weiser werden lassen. Dabei fühlt sich ein Großteil der begleitenden Ehemänner angesprochen. Heute ist es Usus, dass sich die Männer an der Hausarbeit beteiligen. Vielfach übernehmen sie die Reinigungsarbeiten im Außenbereich, rund um das Haus, aber auch im Wohnbereich.Dabei träumt man von einem Kärcher, der nach Aussage des Verkäufers bei richtiger Verwendung, vom Vorplatz bis zum Reinigen der Wohnzimmerfenster für alles verwendet werden kann. Im Handumdrehen, versteht sich.

Spannend wird es bei einem Allzweckreinigungsgerät, welches sich zum Staubsaugen und zum Bodenaufwischen eignet. Weiteres zum Reinigen der Teppiche und der Polstermöbel verwendet werden kann. Sich danach in Sekundenschnelle in ein Fensterputzgerät verwandelt, mit dem man auch Bäderfliesen zum Glänzen bringt. Wie die seriöse und  attraktive  Dame  erklärt, verwendet sie dieses Gerät bei sich zu Hause und weiß wovon sie spricht. Von Beruf war sie Gastwirtin und täglich mit sehr viel Schmutz konfrontiert. Seit ihrer Pensionierung unterstützt sie aushilfsweise diese Herstellerfirma, weil sie von dem Produkt überzeugt ist. Jeden der Anwesenden hat sie herzlich eingeladen ihre Wohnung zu besuchen, um sich von der Wirksamkeit des Allzweckreinigungsgerätes zu überzeugen. Auf dem Messestand zeigte die pensionierte Gastwirtin an einer Glasscheibe und an einem Stück Fliesenboden, wie mühelos sich die Reinigungsarbeiten im Haushalt gestalten. Sie versprach einen Tag Zeitersparnis pro Woche, was die Sauberhaltung der Wohnung betrifft.Diesen Tag weis jede Frau besser und schöner zu verbringen, als sich mit den herkömmlichen Reinigungsutensilien zu plagen. Jede Frau sollte jetzt die Gelegenheit wahr nehmen und das Gerät ausprobieren.

Alles scheint mühelos zu gelingen. Eine tolle Maschine, wäre da nicht der stolze Preis, der sich bei über zweitausend Euro bewegt. Der Preis sollte für niemanden ein Hindernis sein, jetzt und heute gibt es einen Messerabatt. Der Messepreis beläuft sich auf eine optische Zahl von knapp unter zweitausend Euro. Bezahlung erst bei Lieferung. Dies ist ein großer Vertrauensbeweis, weil man vom Äußeren als solide Kundschaft eingeschätzt wird. Nach Meinung der Gastwirtin gehören Menschen, welche auf eine sauber aufgeräumte Wohnung Wert legen, zu den vertrauenswürdigen Personen. Bei der Auslieferung wären noch drei Stück lagernd und wir könnten in einer Woche die stolzen Besitzer eines Allzweckreinigungsgerätes sein.

Oma wäscht mit Omo.

familien:messe

Wer im Handel gearbeitet und im Verkauf tätig war, weiß um die Tricks der Verkäufer auf Warenmessen. Ein beliebter Ort um Verkaufsstudien zu betreiben sind die Frühjahrs- und  Herbstmessen. Manches Mal stehen sie unter einem bestimmten Motto, wie Familienmesse, Brauchtumsmesse oder Häuslbauermesse. Damit wird versucht ein bestimmtes Publikum anzusprechen. Bei einer so umfassenden Bezeichnung wie Familienmesse deutet alles darauf  hin, dass es für jeden in der Familie etwas zum Schauen, zum Ausprobieren und zum Kaufen gibt. Zumeist verbringt man einen Tag mit der ganzen Familie, mit dem Opa, der Mama und dem kindergartenpflichtigen Kind auf dem Ausstellungsgelände. Es ist ein Ersatz für einen gemeinsamen Spaziergang oder für einen Verwandtenbesuch. Das SMS am Handy verspricht, wir treffen uns bei der Familienmesse in der Halle B. Eventuell hat man sich auch mit Freunden aus der Nachbarschaft verabredet. Die Möglichkeit man könnte sich in einer der Messehallen über den Weg laufen schließt man keinesfalls aus. So ist es üblich, dass man mit einem Auge die Messestände entlangstreicht und mit dem anderen Auge die entgegenkommenden Messebesucher observiert. An einer Hand hält man den Nachwuchs fest, bei dem Trubel könnte er schnell Abhandenkommen. In der Meute der Messebesucher würde er sich nicht mehr zurechtfinden. Von Vorteil ist, wenn er bereits seinen ganzen Namen kennt, also Vornamen und Familiennamen. Somit besteht bei Verlust die Wahrscheinlichkeit, dass er von einer der bildhübschen Messehostessen aufgegriffen und zum Informationstand gebracht wird: „Die Eltern von Erich Farbenfroh sollen zum Informationsstand kommen“, verhindert das Schlimmste. Ganz ungetrübt verläuft der Rest des Messtages dann nicht mehr.

Danach kann man sich wieder unbeschwert den Angeboten der Firmen zuwenden. Die aufmerksamen Standverkäufer deuten jeden Blick, welchen man auf ihr Produkt wirft. Sie finden schnell die passende Einstiegsdroge für ein Verkaufsgespräch. Um einen zu überreden einen Schritt in die Verkaufskoje zu wagen und ihnen die nächsten drei Minuten zuzuhören. Im besten Fall für den Verkäufer die Jacke zu probieren oder auf den Matratzen einmal Probe liegen.

Klobürste.

zweite:wahl

Für einen Laien ist ein belangloser Fabrikationsfehler bei einem Damenschuh kaum zu erkennen, er befindet sich im Blind Date. Lesen wir in heimischen Zeitungen und Zeitschriften Berichte über Staaten, welche sich außerhalb Europas befinden, sind wir in einem ähnlichen Blindflug. Zur Erklärung nenne ich zwei Staaten, die Türkei und Afghanistan. Die meisten Meldungen in den heimischen Zeitungen stammen dazu zumeist von internationalen Nachrichtenagenturen. Sie  werden nach dem Gutdünken des hiesigen Redakteurs zusammengestoppelt. Dies sind Nachrichten und Informationen aus zweiter Hand, im ungünstigen Fall von Journalisten zweiter Wahl. Selten befinden sich Korrespondenten direkt vor Ort und wenn, dann begibt man sich zumeist in das staatliche Pressezentrum. Dort empfängt man die Communiqués. Innerhalb von ein paar Tagen können keine Kontakte zu Informanten aufgebaut werden. Zusätzlich handelt es sich um andere Kulturen, wir blicken mit unseren europäischen Augen auf diese Welt. Mit einem anderen Geschichtsverständnis und einem lückenhaften Geschichtswissen.

In den Weltmetropolen einen der zahlreichen Wochenmärkte zu besuchen ist ebenso ein journalistisches Mittel zweiter Wahl. Dort wird dem nächsten vorbeihastenden Marktbesucher das Mikrofon unter die Nase gehalten und er um seine Meinung gefragt. Gibt es keinen Markt in der Nähe, so genügt auch eine Straßenbahnhaltestelle. Ein Mittel Erster Wahl, um in die Mentalität eines fremden Volkes einzutauchen ist, seine Schriftsteller zu lesen. Beim Lesen öffnet sich zweierlei, zum Ersten die Herzen der Bewohner, zum Zweiten das Verständnis beim Lesenden.

Galsan Tschinag

werbe:monster

Wie wird heute effektvolle Werbung gemacht? Die Meisten denken zuallererst an Einschaltungen in den Zeitungen und im Fernsehen. Diese Werbung wird zumeist nur noch von der älteren Generation wahrgenommen. Für viele von der jüngeren Generation spielt sich die Werbung zuallererst im Internet ab. Wer bei Google nach verschiedenen Themen oder einer Auskunft sucht, bekommt dazu die passenden Werbeangebote eingespielt. Mit der Zeit gewöhnt man sich daran. Trotzdem ist es für mich ein Ärgernis, dass ich ständig darauf hingewiesen werde, welche Urlaubsangebote oder aktuellen Bücher es gibt. Im wesentlichen gibt es keinen kostenlosen Internetdienst, keine Information und keine kostenlose Apps, welche nicht mit Werbung verknüpft ist. Dies gilt auch für die kostenlosen Zeitungsseiten und Zeitschriften im Internet.Von den Sportlern kennen wir, egal ob Motor- oder Skisport, dass jeder Zentimeter der Sportbekleidung mit Werbeaufklebern zugepflastert ist.

Die Werbemonster, welche im freien Feld neben den Autobahnen in Slowenien stehen sind für mich ein Schandfleck. Dort wird für den nächsten Baumarkt und Möbelhaus geworben. Ich weiß nicht, wie hoch die Entschädigung für den Bauern ist? Ob es sich lohnt, dass ein solches Werbemonster im Feld steht ?, für das Landschaftsbild ist es auf keinen Fall ein Gewinn. Im wesentlichen ist heute Landschaft eine wirtschaftliche Angelegenheit, welche sich in Euro und Aktienkursen ausdrücken lässt. Noch hässlicher als die im freien Feld stehenden Plakatwände wirken die übergroßen digitalen Werbeanzeigen auf Gebäuden in den Innenstädten. Eine historische Altstadt kann man damit in Misskredit bringen. Das vielfarbige Flimmern und das wechselnde Werbebild zieht die Aufmerksamkeit auf sich, auch wenn man sich dagegen wehrt. Dies zum Nachteil der geschichtlichen Besonderheiten der Gebäude. Schnell ist man mit dem Urteil bei der Hand, die Innenstädte gleichen einander, weil man von den Reklametafeln ausgeht.

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