stolper:stein II

Geht man zu den Weihnachtsfeiertagen am Riviera Casino vorbei, dann blinkt, schimmert und glitzert es in allen Farben. Kunstflammen lodern seitlich vom Eingang empor, die Bilder an der Fassade wechseln in schneller Folge, Feuer und Eis, Sonne und Mond.

Nach den Weihnachtsfeiertagen lösen die Wünsche für viel Glück und ein gutes neues Jahr, in allen Sprachen  die Bilder ab. Diese Wünsche passen zum Image eines Casinos, ist es doch ein materialisierter Glückstempel. Alle die auf das Casino zustreben erhoffen sich Glück, viel Erfolg beim Spielen. Sie sehen im  Geld die Voraussetzung für Glück, welches man kaufen kann. Wer hat nicht schon davon geträumt, so glücklich zu sein wie die Reichen. Immer schon vertraute man darauf, dass man in der Silvesternacht mehr Glück hat als an anderen Tagen. Im neuen Jahr vermögend aufwacht und nicht mit einem Silvesterkater. Am ersten Januar nicht der selbe arme Hascher ist, wie vor dem Silvester. Für viele Betriebe in der Unterhaltungs- und Tourismusindustrie sind die Weihnachten ein Stolperstein auf dem Weg zu den Silvesterpartys. Eine umsatzschwache Zeit, durch die man durchtauchen muss.

Die Zuschreibung Stolperstein für Weihnachten hat eine sprichwörtliche Bedeutung. Für die einen ist es ein Fest welches an das Gewissen appelliert, für andere ein Stolperstein, der auf den nahenden Jahreswechsel hinweist.

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ALLEN LESERINNEN und LESERN viele glückliche STUNDEN im JAHR 2017!

stolper:stein I

Zwischen den Fahrbahnen befindet sich ein Grünstreifen, der das Wort Grünstreifen verdient. Er hat die Breite eines Gehsteiges, bepflanzt mit hochstämmigen und bodenstämmigen Palmen, dazwischen in Kegelform zugeschnittene Buchsbäumchen. Geht man die Straße in Portoroz entlang hat man das Empfinden, die Buchsbäumchen haben die Form eines Christbaumes. So verändert die Jahreszeit unsere Wahrnehmung, wir sehen, was wir empfinden.

Die Türen zum Spielcasino waren am 24. Dezember geöffnet und einzelne Spieler in der Halle zu erkennen. Welches Glück erwartet man sich am Heiligen Abend? Wo die menschliche Wärme ausbleibt hofft man auf die heimelige Atmosphäre des Spielcasinos. Wie viel Tradition und Kindheitserinnerung braucht es zu Weihnachten, welche Sehnsucht wird in uns wach? Wir Alpenbewohner weisen gerne darauf hin, dass es zu Weihnachten immer Schnee gegeben hat. Immer, darin sind sich alle einig. Bei dem Wort Schnee denkt man nicht an fünf Zentimeter wie wir es heute kennen, wenn es überhaupt noch Schnee gibt, sondern man meint wenigstens kniehoch Schnee.

Vielleicht verschenkt die Weihnachtsfrau hinter dem Tresen einen längeren Blick als sonst. In diesem langgezogenen Blick will man etwas erkennen, was man sich seit einigen Wochen sehnlichst gewünscht hat, ein wenig Zuwendung. Jetzt geht er in Erfüllung, im letzten Augenblick. Weihnachtswünsche werden wahr, süßer die Glocken nie klingen. Es ist keine Zufälligkeit, wenn sich viele Singles schnell und intensiv während der Weihnachtszeit verlieben. Die Wochen vor Weihnachten gehören zu den empfindsamsten Jahreszeiten, alles ist möglich. Zumeist ein wenig in Nebel gehüllt, der himmelhochjauchzende und der zu tiefstbetrübte Augenblick.

Engelhaar.

kater:bob

Auf dem Bahnhofsvorplatz, auf dem Gemüsemarkt und in der Fußgängerzone, beim Flanieren stößt man in Wien immer wieder auf Straßenmusikanten, Straßenmaler oder einfach Menschen ohne festes Einkommen. Sie versuchen, wie auch in anderen europäischen Großstädten, von den vorbeieilenden Touristen, Stadtbewohner und Marktbesucher etwas zu erbetteln. Außer den Straßenmusikanten hocken die Bettler zumeist am Boden auf einer Decke, die Ärmsten von ihnen auf einem Stück alten Karton. Neben sich ein Rucksack und ein Schlafsack, wo sich ihre Habseligkeiten befinden. In der kalten Zeit noch eine Thermoskanne mit Tee. Auffallend ist in den letzten Jahren, dass zumeist ein Hund mit eingezogenem Kopf und Schweif neben ihnen ruht. In Fressweite steht ein Futternapf mit etwas Tierfutter und eine Schüssel mit Wasser. Der Hund wirkt als Hingucker und erregt zumeist größeres Mitleid als der bettelnde Besitzer. Unter den Sozialhilfeempfänger hat es sich herumgesprochen, dass ein unterversorgtes Tier mehr an die Herzen der Menschen rührt, als ein hilfsbedürftiger Mensch. Auf einer Tafel wird um eine Spende für den Kauf von Tiernahrung geworben. Die Geldspenden dürften sich wohl das Herrl und der Hund teilen.

Das Betteln als Doppelback hat seinen Ursprung in London, wo der Straßengeiger James Bowen, welcher zusammen mit seinem Kater Bob musizierte, überregionale Bekanntheit erlangte. Gemeinsam sind sie vor einer U-Bahnstation aufgetreten und haben die Gabenfreude der Passanten mobilisiert.

Inzwischen hat James Bowen über seine Erlebnisse auf der Straße einige Bücher veröffentlicht. Unter anderem Ein Geschenk von Bob  und Wie Bob die Welt sieht. Die Bücher wurden zu Bestseller und ein Buch wurde  verfilmt. Inzwischen dürfte James Bowen und sein Kater Bob das Obdachlosenheim verlassen und es nicht mehr nötig haben als Straßenmusiker, bei jedem Wetter, in London auf der Straße zu stehen. In dieser Erfolgsgeschichte dürfte die Ursache dafür liegen, dass sich viele Vagabunden, der leichteren Handhabung mit einem Hund, auf die Marktplätze begeben.

Weihnachtsgeschenk.