Die Ursachen und Umstände für das Alleinsein sind vielfältig. Die einen genügen sich selbst, kommen ohne den Kontakt zu anderen Menschen aus. Sie sehen in den Mitmenschen ein Ärgernis, für sie bedeuten soziale Kontakte einen unnötigen Arbeitsaufwand. Sie erkennen nicht, wie sie menschlich verarmen. Andere schaffen es trotz verschiedener Versuche nicht, Kontakte zu anderen Menschen herzustellen, einen Freundeskreis aufzubauen. Sie verstecken sich hinter verschiedenen Aktivitäten, oft ist es der Beruf. Sie haben nicht den Mut, ihre Einsamkeit einzugestehen, würden aber dadurch viel ehrliche Zuwendung erfahren. Anderen ist die Einsamkeit peinlich, man will niemandem zur Last fallen. Im Alter besteht die Gefahr zu vereinsamen, wenn ein Partner stirbt und die Verwandtschaft weit verstreut ist. Man war ganz dem Partner zugewandt, und plötzlich steht man vor dem Nichts, vor dem großen Loch im Leben. Die Kinder sind oft nicht erreichbar, sie haben woanders ihr Leben aufgebaut. Vielen Alleinstehenden jeden Alters fehlt der Mut, neue Kontakte und Verbindungen mit anderen Menschen zu knüpfen. Mit dem Alter wird es immer schwieriger, und es gibt Rückschläge. So zieht man sich an den Festtagen in seine Wohnung oder sein Haus zurück und ist froh, wenn die Feiertage vorbei sind. Man weicht der Frage, wo man Weihnachten oder Silvester feiern wird, aus. Man hat kein strahlendes Gesicht, wenn man an Weihnachten oder Silvester denkt.
Jetzt, nach den Feiertagen, kann man mit Nachbarn oder Verkäuferinnen wieder über Belangloses reden: über das Wetter, die Autofahrer und die neuen Minister, ohne dabei auf seine persönliche Lebenssituation angesprochen zu werden.
Diesen und andere Texte von mir findet man in der Broschüre “Gott im Wort“. Erhältlich in der Dompfarrei in Klagenfurt.
