6.Mai 1976 abends…

… acht Uhr und neunundfünfzig Minuten.

Das Erdbeben vom 6. Mai 1976, dessen Epizentrum in Friaul lag, war auch in Arnoldstein zu spüren. Ich erlebte die Erdstöße nicht als Rütteln, wie man gemein hin annimmt, sondern wie einen starken Seegang. In der Wohnküche saß ich beim Esstisch auf einem Stuhl und plötzlich wurde der Stuhl von einer Welle erfasst und in die Höhe gehoben. Für einen Moment glaubte ich, ich würde mit dem Kopf am Plafond anstoßen, dann senkte sich der Stuhl wieder. Erst danach, es war abends, acht Uhr und neunundfünfzig Minuten, vernahm ich ein Bersten und Knirschen und einzelne Dachziegel fielen vom Nachbarhaus auf die Straße. In Friaul starben bei dem Erdbeben fast tausende Menschen.

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Die Selbstsicherheit…

...hat einen Knick.

Das Notrufsystem vom „Roten Kreuz“ erfreut sich bei den österreichischen Senioren großer Beliebtheit. Sie scheuen die monatliche Abogebühr nicht, um im Notfall, sei es Übelkeit, Sturz oder ein Schwächeanfall den Notruf zu betätigen und damit einen Rettungseinsatz auszulösen. Die Reichweite des Notfallsystem ist auf den Wohnungsbereich beschränkt, es braucht eine Basisstation in der Wohnung. Wichtig ist, dass das Armband mit dem roten Knopf Tag und Nacht am Arm getragen wird. Die Senioren tragen das Armband wie einen Schmuck, wie einen zweiten Ehering. Sie haben sich mit der Notrufzentrale des roten Kreuzes vermählt. Im späten Alter noch eine innige Verbindung eingehen, welche aber weniger mit Liebesgefühlen als mehr mit Angstgefühlen verbunden ist.  Es hat etwas mit dem Verschwinden der Gangsicherheit zu tun, dass es bei einem Sturz sofort Hilfe kommt. Eine letzte innige Bindung vor dem Lebensende verbunden mit dem Wunsch dadurch länger zu leben. Ein Sturz im hohen Alter gehört zu den tragischen Unfällen. Neben den möglichen körperlichen Verletzungen fühlt sich die Psyche überfordert. Die Selbstsicherheit hat einen Knick bekommen, das Vertrauen in die eigenen Füße ist erschüttert. Wer bereits in einem Verkehrsunfall verwickelt war weiß um die Selbstüberwindung wieder in ein Auto einzusteigen.

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Gibt es dafür…

In den letzten Jahren habe ich die Erfahrung gemacht, wie schnell Vorhaben zerschlagen werden, wenn es mit der Gesundheit, der körperlichen Kraft zu Ende geht. Anderseits verlieren eigene Wünsche an Bedeutung, wenn man jemandem zur Seite steht und diese Person im Lebensalltag unterstützt. Es bleibt, die Freude im Leben an kleinen Begebenheiten zu erfahren. Kein Vergleich zu früher, wurde man an einer Reise gehindert, weil erkrankt oder etwas Wichtiges ist dazwischengekommen. In diesem Fall sah man darin einen Aufschub für ein paar Monate, dann können wir die Reise nachholen.

Vom Lebensende her gedacht erscheint mir die Aufregung, als ich damals zum Bundesheer einrückte, über die gestohlene Lebenszeit als überreizt. Der Wehrdienst dauerte einst neun Monate. Die Gedanken drehten sich darum, wieviel sinnvolles hätte ich in diesen Monaten im Beruf leisten können. Denke ich jetzt auf mein Leben zurück, dann erinnere ich mich an Zeiten die ich sorglos mit Spaß und Unsinn verbracht habe, vielleicht macht dies das Leben aus.   

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Die letzten Jahre…

…wann?

Befreie ich mich von der Leier, dass sich heute die Vorkommnisse überschlagen und dass ich darunter begraben werde, ist der Gedanke, was könnte ich im letzten Lebensdrittel machen erlaubt?  Radikaler ist die Frage, was würde mir vor meinem Ableben leidtun, dass ich es versäumt habe? Von welchen Aktivitäten würde ich sagen schade, dass ich dies und jenes nicht gemacht habe? Eine herausfordernde Frage, der man sich stellen sollte. Vielleicht gibt es noch die Möglichkeit, wenn es die körperlichen und geistigen Fähigkeiten erlauben, dass das Eine und das Andere noch umgesetzt werden kann. Interessant wäre in Anlehnung an Reiseführer, diese zehn Sehenswürdigkeiten muss man in Weimar oder in Nürnberg gesehen haben, eine solche Liste für jene Dinge aufzustellen, welche man in seinem Leben noch machen möchte. Manche Reiseschriftsteller gehen einen großen Schritt weiter und empfehlen diese 101 Dinge sollten sie in München gesehen haben. Eine solche Togo Liste getraue ich mir nicht zu erstellen. Diese Anzahl an unerledigten Bedürfnissen würde mir Angst machen. Dabei käme mir der Gedanke, wie willst du dies noch schaffen? Im Inneren bewahre ich ein paar Vorhaben welche ich in den nächsten Jahren, ob dies meine letzten Jahre sein werden, umsetzen möchte. Wann die letzten Jahre anbrechen oder schon angebrochen sind, überlasse ich einem Mächtigeren. Darüber zu rätseln steht mir zweifelnden Gläubigen nicht an, die Entscheidung fällt ein viel Größerer.

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Herzgesundheit…

…Herzverpflanzung

Jeder ältere Mensch hat seine körperlichen Schwachstellen, dies können die Wirbelsäule, die Lunge, die Galle oder der Herzmuskel sein. Es ist undenkbar, dass wenn jemand fünfzig Jahre einen Beruf ausübt, dass es davon keine Abnützungen gibt. Wer als Papier- und Buchhändler gearbeitet hat, wo ein Blatt Papier so leicht wie eine Feder ist, kann dabei keine körperliche Anstrengung erlebt haben? Wer ein Paket Druckerpapier in die Hand nimmt, fünfhundert Blatt in A4, spürt etwas vom Gewicht. Dazu im Überkarton mit fünf Paketen, dann können diese je nach körperlicher Verfassung ganz schön schwer sein. Dabei war in dem Jahrzehnt, als das Kopierpapier die Hart Post abgelöst hat, im Überkarton zehn Pakete verpackt und wurden aus arbeitsrechtlichen Gründen geteilt. Alles für die Herzgesundheit! Es gibt kein zweites menschliches Organ, um welches sich mehr Mythen ranken, als um das Herz. Begleitet von Sprichwörtern, ich habe mein Herz verloren, mein allerliebstes Herzbinkerl, vor Schreck ist mir das Herz in die Hose gerutscht oder und gleich, fast stehengeblieben. Groß war die Aufregung und sensationell die Berichterstattung, als Prof. Christian Barnard im Jahre 1967  in Kapstadt die erste Herzverpflanzung durchführte.  Ist dies noch derselbe Mensch, wird mit dem Herz auch das Gemüt, die Seele des anderen Menschen eingepflanzt? Viele Spekulationen wurden aufgestellt.

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