Von der Stationsschwester…

…ein Salamibrot bekommen.

Manche sind in der digitalen Welt so versunken, dass sie die Zugfahrt nicht wahrnehmen. Dies erschwert es mit ihnen ein Gespräch anzuknüpfen.  Werden sie angesprochen, löst dies dieselbe Ablehnung wie zu Corona Zeiten aus. Spannend wird es sage ich, ich war so und so lange Buchhändler in Arnoldstein. Es kann sein, dass jemand aus dem Viererblock ein wenig über den Ort Arnoldstein Bescheid weiß oder Bekannte von ihnen im Ort wohnen. Im mittleren Drautal fährt der Zug hautnah an den Verladerampen vom Heraklithwerk in Ferndorf vorbei, wo seit Anfang des zweiten Jahrtausends viele der Werkshallen leerstehend. In der Jugendzeit führte mein täglicher Weg zum Bahnhof durch das Holzlager vom Werk und über allem thronte der Werkskran. Die Mischung aus ein paar dieser Konstellationen reicht für Gesprächsstoff bis in das Salzburgerische. Ein Brennpunkt auf der Fahrt nach Salzburg ist der Bahnhof Schwarzach / St. Veit. Einstmals war er für mich auf der Fahrt nach Bludenz der Umsteigebahnhof. Weiter ging es vorbei an Zell am See und Kitzbühel, bis die Bahn bei Wörgl durch das Inntal Richtung Innsbruck Fahrt aufnahm. Neuerdings werden die meisten Züge über den Bahnhof Salzburg geführt.

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Kriegsversehrte,

… welche ein Bein oder eine Hand im 2. Weltkrieg verloren haben.

In den letzten zehn Jahren, wo das Thema Barrierefreiheit hochgekocht ist, wäre es im Zuge einer Renovierung möglich gewesen, das Vier Sterne Hotel und Restaurant dementsprechend zu adaptieren. Auch das WC und die Rezeption ist für einen Gast mit Mobilitätseinschränkungen alleine nicht erreichbar. Der junge Ober war offen für ein Gespräch. Die Seniorchefin am Nebentisch, mit der Freundin bei einem Cappuccino, reagierte auf meine Anfrage ungehalten. Ob mir bewusst ist, was die Umgestaltung in Barrierefreiheit kostet und ob ich die angespannte finanzielle Lage im Hotelgewerbe kenne?  Diese Auffassung gibt es, warum sollten wir für eine kleine Minderheit einen solchen baulichen Aufwand betreiben? Vor allem, solange man selbst davon nicht betroffen ist. Dies ist kurzsichtig und entspringt der Hoffnung, so etwas werde ich nie brauchen. In diese missliche Situation werde ich nie kommen. Soweit ich mich erinnern kann, habe ich in den 60er Jahren in der Öffentlichkeit wenige Menschen mit einer Behinderung getroffen. Im Sommer manches Mal im Spittaler Schlosspark. In diesem Jahrzehnt gab es in der Berufswelt noch Kriegsversehrte, welche ein Bein oder eine Hand im 2. Weltkrieg verloren hatten. Sie fanden Beschäftigung als Nachtportier bei großen Firmen oder in der Gemeindeverwaltung.

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Am frühen Morgen…

…überkommt ihn der Brechreiz um das Gift loszuwerden.

Wer über Wochen einen Bekannten auf einer geriatrischen Abteilung in einem Krankenhaus besucht, sieht sich mit viel Hinfälligkeit konfrontiert. An der Beleuchtung wird gespart um die menschlichen Wesen, welche zumeist im Bett dahindämmern, nicht zu blenden. Aus irgendeinem Krankenhausbett kommt immer ein leises, dann wieder lautes Röcheln, Atemgeräusche von lungengeschädigten Patienten. Dazu gesellt sich ein saugendes Geräusch mit dem ein Pfleger Flüssigkeiten aus der Lunge absaugt oder von einem Blasebalg, welcher die Matratze und den Patienten in Bewegung hält. Zumeist dösen die Patienten vor sich hin, eine Reaktion auf meinen Gruß beim Eintreten in das Krankenzimmer bleibt aus. In der Nähe vom Zimmerfenster entdecken meine Augen den Bekannten. Es gibt einen persönlichen Bereich, das Nachtkästchen mit einem ausziehbaren Tisch. Der Platz, wo sich der Kontakt mit der Außenwelt abspielt. Dort wird das Essen abgestellt, dort stapeln sich die Essensreste, welche wegen fehlenden Appetites übrigbleiben. Manche Plastikbox ist noch verschlossen, wird zur Seite geschoben, eventuell isst er den Nachtisch später. Später birgt die Gefahr, dass der Nachttisch vor dem Abendessen abserviert wird. In einem Gefäß kann ich nicht erkennen um welche Speise es sich handelt. Breikost, der Leberdiät geschuldet und den fehlenden Zähnen.  

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Die stärkere Blase…

…hat das Schachspiel entschieden.   

Beim Schachkurs war ich der Einzige wirkliche Anfänger und war damit gegenüber den restlichen Kursteilnehmern im Nachteil. In der Vorstellungsrunde wünschten sich die Meisten, dass sie ihre Kenntnisse auffrischen und vertiefen möchten. Einen heimlichen Vorteil gegenüber den anderen Kursteilnehmern witterte ich, als ein Film über den derzeit besten Schachspieler gezeigt wurde. Zum Film bemerkte der Schachtrainer, dass der Schachwunderknabe viele der bewährten Schachzüge bei der Eröffnung oder beim Endspiel außer Acht lasse und mit unerwarteten Zügen aufwarte. Magnus Carlsen sei kein Systemschachspieler, sondern ein Kreativschachspieler. Von dem Wort kreativ fühlte ich mich angesprochen und scheute mich nicht, mit völlig unberechenbaren Zügen aufzuwarten. Meine Kreativität zeigte beim Schachturnier bis jetzt noch nicht den erhofften Erfolg. Eine Überlegung habe ich für mich gefunden, auch bei eigenen Verlusten versuche ich so viele Figuren des Gegners wie möglich zu schlagen. Je weniger Schachfiguren am Brett sind, umso leichter habe ich den Überblick.

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Die Schiebetür vom…

…Untersuchungszimmer trennt mich von der Außenwelt.

Während meiner Selbstständigkeit kam es einmal zu Unstimmigkeiten mit einem Lehrling und der Lehrvertrag wurde aufgelöst. Gegen die Auflösung des Lehrvertrages haben sich die Eltern quergestellt, hatten aber gegen das Geständnis des Sohns keine ausreichende Entschuldigung. Als Spätfolgen traten bei mir Verdauungsbeschwerden auf. Es wurde eine eingehende Untersuchung notwendig. Der Hausarzt wünschte mir bei der Übergabe des Überweisungsscheines, Viel Glück!  Viel Glück für was? Eine Schwerpunktklinik für Magen- und Darm Beschwerden ist das Krankenhaus in St. Veit. Als medizinischer Laie kannte ich nur den harmlosen Schnupfen oder den tödlichen Krebs.

Als die Schiebetür vom Untersuchungszimmer hinter mir zufiel, fühlte ich mich von der Außenwelt getrennt. Alle Aufregungen und Sorgen der Vergangenheit und alle Pläne für die Zukunft waren aus dem Gedächtnis ausradiert. Das ganze Leben teilte sich in die Zeit vor der Einweisung in das Krankenhaus und in das Jetzt. Die Diagnose war eine heilbare Gastritis. Gut erinnern kann ich mich an den Tag nach der Untersuchung. Am Nachmittag besuchte ich das Café auf der Dachterrasse vom Krankenhaus und habe den wunderbaren Blick über die Stadt genossen. Am Nebentisch blickte ich in das offene Gesicht einer Patientin und über das Buch, welches ich am Tisch liegen hatte, sind wir in das Gespräch gekommen.

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