rück:tritt II

Lässt sich zwischen einem Papst und einem Landeshauptmann eine Parallele herstellen? Beide sind Fürsten, der Kirchenfürst und der Landesfürst. Beide werden gewählt, der Eine von einer Elite, der Andere vom Volk. Der Eine auf Lebenszeit und unfehlbar, der Andere abwählbar und fehlbar. Der Sündenfall ist im Kärntnerparadies oftmals vorgekommen, durch die Schlange haben sie die Politiker und viele Wähler und Wählerinnen verführen lassen. Auch durch den Hochmut, die Überheblichkeit, sie wollten sein wie Gott. Sie waren geleitet von der Gier, von den möglichen Spekulationsgewinnen der Landesbank in den südosteuropäischen Ländern. Vom Machtbewusstsein,  für zwei Spiele der Fußballeuropameisterschaft wurde ein Stadion für ca. 30tausend Zuschauer gebaut. Dieses Stadion wird seitdem kaum benützt, weil kein Kärntner Fußballverein in der Bundesliga spielt. Für eine sechsseitige Expertise  eines Steuerberaters war man bereit zwölf Millionen Euro zu zahlen. Nach einem medialen Aufschrei gab es dafür einen „Patriotenrabatt“ von sechs Millionen Euro. Bei einem Gerichtsverfahren hat ein Gutachter festgestellt, dass diese Expertise maximal 300tausend Euro wert ist.

Ist man ehrlich, dann hat sich der Großteil der Kärntner an diese Verhältnisse gewöhnt. Die Aussagen, Ausreden und Versprechungen der Amtsinhaber hatten einen gewissen Unterhaltungswert.  Aber es gab Vorkommnisse, die bringen das Fass zum Überlaufen.

Aus dem Tagebuch, 28.2.13

rück:tritt l

Die Frau, mit zerzausten Haaren, vom mobilen Kiosk auf dem Villacher Hauptplatz reicht mir mit einer Serviette den letzten großen Bierbrezen. Kaiserbrezen wie Kaisersemmel und bekomme dazu eine warme Tasse Tee. Ich befinde mich auf dem Weg in ein Cafe zum Zeitungslesen. Seit ein paar Tagen weht der Föhn von Oberitalien. Die Winterkälte wurde gebrochen, jetzt abends ist es noch kühl. In den letzten Februartagen hat der Südwind die kalte Luft und den Bodennebel aus dem Villacher Becken vertrieben.Auf der Ladefläche eines Lkw, wenige Meter vom Kiosk entfernt, die zu einer Bühne umfunktioniert wurde, bestreitet der amtierende Landeshauptmann von Kärnten seine Abschlusskundgebung vor dem Wahlsonntag. Heute weiß noch niemand, wer in drei Tagen der neue Landeshauptmann sein wird.

Die Wahlrede ist vorbei, einige Leute stehen, mit Losen in der Hand, vor der Bühne. Zum Abschluss der Wahlkundgebung werden Geschenkkörbe verlost. Der Landeshauptmann erzählt Witze und nebenbei werden die Kärntner Schmankerln verlost. Ein heimisches Bier und Kärntner Brettljausen, dafür lohnt es sich länger auszuharren.

In Folge des Papstrücktrittes beginnen um 20 Uhr von allen Stadtpfarrkirchen die Glocken zu läuten. Die Wahlveranstaltung wird rasch zu Ende gebracht, der Landeshauptmann verschwindet von der Bühne und die Musik wird abgedreht. Die Kirchenglocken haben die Funktionäre der Landeshauptmannpartei erschreckt. Es sind Töne des Abschieds, in einer Umkehrung  könnte man sagen, die Sterbeglocken läuten. Läuten sie auch den politischen Abschied der Landeshauptmannpartei ein?  Müssen sie in Kärnten abdanken, wie der freiwillig zurückgetretene Papst?  Von sich aus verlassen Politiker nicht ihre Ämter, sie müssen von den Sesseln gestoßen werden. Dies liegt im Ermessen der Wähler, in drei Tagen haben sie dazu Gelegenheit.

Aus dem Tagebuch, 28.2.13

sepa:iban.bic III

Am nächsten Morgen regnete es und der Vater bot dem Einkäufer an, einen weiteren  Tag  am Bauernhof zu verbringen, was dieser gerne annahm. Niemand wäre auf die Idee gekommen, dafür etwas zu verlangen, dies war einfach Gastfreundschaft. Bei unserer großen Familie war es egal, ob eine Person mehr oder weniger beim Essen am Tisch saß. Mit dem Hinweis, er müsse in den Nachbarorten seiner Arbeit nachgehen, verabschiedete sich der Holzeinkäufer am dritten Tag. Der Vater wird von der Firma Bescheid bekommen, zwecks Liefertermin und eine Zusage für den guten Preis. Bei den vielen Kindern war das Geld am Bauernhof immer knapp, der Vater war guter Dinge.

Am Sonntag besuchten wir mit dem Vater, Vota, den Gottesdienst in der Pfarrkirche. Die Mutter,  Muata,  und die  Schwester bereiteten das Mittagessen vor. Nach der heiligen Messe standen am Kirchenplatz die  Bauern aus der Nachbarschaft  beisammen. Bald kam die Rede auf den Holzeinkäufer Fredl, der im ganzen Gemeindegebiet unterwegs war. Ein Bauer wusste zu berichten, dass er einmal für ein Oberkärntner Sägewerk tätig gewesen ist, aber jetzt dort nicht mehr beschäftigt war. Auf keinen Fall war er berechtigt für das Sägewerk Holzeinkäufe zu tätigen. Dem Fredl ging es nur  darum, auf einem Bauernhof ein paar Tage gut zu essen und zu schlafen und so seine Zeit zu verbringen. Die Bauern hatten eine Mords Hetz, als ihnen bewusst wurde,  dass sie auf diesen Schmäh hereingefallen sind. Niemand dachte daran, den „falschen“ Holzeinkäufer bei der Polizei anzuzeigen oder ihn zu verfolgen. Ein Esser mehr oder weniger hat bei niemandem einen Schaden angerichtet. Heute, da alles an das Tageslicht kam, gab es für alle etwas zum Lachen.

Betrüger und Kriminelle hat es immer schon gegeben, vielleicht waren sie früher nur liebenswerter und nicht so auf das Geld bedacht.

Brettljausn.

sepa:iban.bic II

Anfang März, nach der Schneeschmelze, beginnt man am Bauernhof die Felder und Äcker von Laub und allerlei Geäst zu reinigen. An manchen Stellen werden auch die Sträucher zwischen den Wiesen zurückgeschnitten und vorhandene Holzzäune instandgesetzt. Die Schäden, welche der Schnee über den Winter verursacht hat beseitigt. Mit den Vorbereitungen für das Ackern beginnen, den Mist ausführen und streuen.  In den Hanglagen wurde vor dem Pflügen am unteren Ackerrand ein Pflugschar breit, die Erde mit einer Schaufel ausgehoben. Diese Erde wurde mit einem Karren an den oberen Ackerrand gebracht und dort abgeladen. Ansonsten wäre beim Pflügen jedes Mal ein Pflugschar breit Erde in der Wiese gelandet und nach Jahren hätte diese Erde am oberen Ackerrand gefehlt. Auf  unserem Bergbauernhof wurde der Pflug von zwei Pferden gezogen. Wir hatten ein Norikerpferd und das zweite Pferd wurde vom Nachbarn ausgeborgt. Bereits als Volksschulkinder haben wir die Pferde geführt, sind ihnen „vorgegangen“,  der Vater hat den Pflug geführt. Wir mussten dabei achtgeben, dass ein Pferd in der letzten Furche gegangen ist und das andere am Ackerboden. Wir hatten Mühe, nicht unter die Hufe der großen und schweren Zugpferde zu geraten. Der schwierigste Moment war das Wenden der Pferde am Ackerrand, manchmal zusätzlich erschwert, dass nicht viel Platz zur Verfügung stand. Nach dem Sähen des Getreides wurde die Saat mit der Egge eingeeggt, dafür genügte der Norikerhengst.  Dabei das Pferd zu führen war ein Kinderspiel.

An einem Nachmittag näherte sich uns bei den Aufräumarbeiten am Feld ein Herr in der Kleidung eines Försters. Grüne Kniekerbockerhosen, einen grünen Lodenjanker, festes Schuhwerk. Im Gesicht einen Bart und auf dem Kopf einen Försterhut. Er fragte uns Kinder nach dem Vater, dieser war aber auswärts  im Holzschlag. Der älteste Bruder, schon als Erbe für den Bauernhof bestimmt, fragte nach, um was es geht. Der fremde Herr stellte sich als Holzeinkäufer eines Oberkärntner Sägewerkes vor.  Er sei auf der Suche nach Eichen und er habe hier Laubwald, wir nannten es das Mösel, einige Eichen gesehen. Er könnte,  dank der  starken Nachfrage, einen sehr guten Preis zahlen. Der Bruder, welcher die  landwirtschaftliche Fachschule Stiegerhof besuchte machte sich bereit den Holzeinkäufer zu begleiten und ihm unseren, auf den Feldern verstreuten,  Eichenbestand zu zeigen. Am späten Nachmittag, rechtzeitig zur Stallarbeit, die Kühe füttern und melken, kehrten der Bruder und der Holzeinkäufer in das Bauernhaus zurück. In der Küche, wo gekocht, gegessen, Radio gehört, gelesen, gestrickt und wir unsere Schulaufgaben machten wurde der Besucher zu einer Bauernjause eingeladen. Die Mutter stellte dem Holzeinkäufer eine kräftige Jause auf den Tisch mit Speck, Hauswürstel, Käse, Most und Brot, wo der Förster kräftig zulangte. Der größere Bruder war von der Zusage, dass die Eichen zu diesem Preis aufgekauft werden, begeistert.  Die Eichen würden wir selbst fällen, da der Vater zeitweise bei anderen Bauern das Holzfällen besorgte. Wir größeren Kinder erledigten die Stallarbeit und als wir damit fertig waren, war auch der Vater  zuhause. Dieser unterhielt sich in der Küche mit dem Holzeinkäufer. Es war bereits dunkel und der Holzeinkäufer, der zu Fuß unterwegs war, durfte auf dem Diwan, welcher in einer Ecke der Küche stand, übernachten. Er hätte am nächsten Tag in der Nachbarschaft auch Bäume zu besichtigen und für seine Firma einzukaufen. Wir Kinder gingen zu Bett.

Guter Preis.