barcamp:nachlese II

Wie gefangen ich vom Blogcamp und vom Besuch des Kunsthauses Graz war, zeigte sich bei der Abreise am Bahnhof. Mit ungläubigem Staunen blickte ich auf den Monitor mit den Abfahrtszeiten, nirgends konnte ich die Zugverbindung nach Villach entdecken. Etwas Verzweiflung machte sich breit, als zum angegebenen Abfahrtstermin ein RJ angezeigt wurde der den Flughafen Wien als Ziel hatte. Wo ist mein Zug nach Villach, weder vorher noch später konnte ich eine Zugsverbindung  nach Villach entdecken. Bis ich für mich lokalisiere, dass es keine Direktverbindung gibt, sondern der RJ nach Wien ist auch mein Zug. Umsteigen in Bruck an der Mur, erst dann geht es direkt nach Villach. Ich war erleichtert.

In Judenburg herrscht leichtes Schneetreiben. Ich formuliere meine live Blogbarcampstichwörter in meinem Notes aus. Wie kann man Außenstehenden  das Wesen eines Barcamps erklären? Vielleicht so, wie den Unterschied zwischen dem gedruckten Brockhauslexikon und der freien Enzyklopädie Wikipedia. Beim Brockhaus gibt es eine installierte Redaktion und einen Wissenschaftsbeirat. Diese Erstellen die Schlagwörter mit den Inhalten, von einem Fachbeirat überprüft. Man kann sagen, der Eintrag gibt den derzeitigen Wissenstand wieder. Bei Wikipedia ist der Personenkreis welche mitarbeiten eigentlich unendlich. Jeder der sich befähigt glaubt, kann an den Einträgen mitarbeiten. Die Kontrolle  erfolgt durch Wissenswächter, die aber nicht unbedingt die fachliche Autorität wie die Redaktion beim Brockhaus haben. Ein Vorteil ist, die Einträge können sich dem geänderten Wissenstand schneller anpassen.

Zu den Risiken und Nebenwirkungen fragen sie Google.

barcamp:nachlese I

Wo und wann ist der beste Moment um über ein Barcamp zu schreiben? Sofort, während der Session, wobei schreiben übertrieben ist. Zumeist werden Stichwörter auf Facebook oder Twitter abgesetzt. Die ganz Flotten schaffen es auf einem Tablett mitzuschreiben. Mein Eindruck ist, dass sich in diesem Fall das gute alte Notizheft am besten bewährt. Wie weit kann man überhaupt zuhören und mitschreiben zugleich? Das Zuhören ist ein eigener Bereich, schon im kleinen Kreis heißt es, du hörst mir nicht zu! Wie ist es erst mit der Kultur des Zuhörens, wenn jeder während der Session sein Handy und Tablett bedient. Andersherum wollen die meisten Anwesenden  bei einer Session zu Wort kommen, da muss ich mich selber an der Nase nehmen. Wobei ich auch anderen gerne zuhöre. Bei der Zugfahrt nach Hause, von Graz nach Villach kommt mir der Verdacht, dass ich noch gerne bei vielen anderen Sitzungen teilgenommen hätte. Mein Schwerpunkt in Graz war das Blogcamp, dem ich treu geblieben bin. Gerne hätte ich auch bei anderen Themen zugehört. Junge Leute stehen einfach auf  und stellen ihre neuen Unternehmensideen und Erkenntnisse in den Raum.

Wir, sechzig plus, können uns oft schwer vorstellen, dass es ganz neue Ideen in der Wirtschaft und in der Kommunikation gibt, ganz anders als wir es kennen. Bestimmt treffen die jungen Menschen besser den Geschmack ihrer Generation, als wir dies könnten. Ich war über vierzig Jahre im Papierhandel, im Verkauf, tätig. Betrete ich heute in einer Stadt ein Papierfachgeschäft sehe ich, wie viel sich in der Gestaltung der Läden und in der Warenpräsentation in den letzten Jahren geändert hat. Auch beim Warenangebot, die klassischen Schreib- und Papierwaren findet man kaum noch an vorderster Stelle im Laden. Fast möchte ich meinen, das klassische Schreib-und Papierwarensortiment wird irgendwo im hinteren Teil des Geschäftes versteckt. Im Eingangsbereich gibt es zumeist Artikel die ohne jeden Nutzen sind, sogenannte Gagartikel. Versehen mit kreativen Sprüchen und Comics, auf Servietten, Blocks, Tassen, Dosen oder kleinen unnützen Beutel.  Das Entscheidende ist das Design, kreativ und innovativ muss es aussehen. Beim Einkaufsverhalten der Jugend spielt vor allem das Aussehen, der nötige Pep, eine Rolle. Viele der Jungen träumen von einem eigenen Designerbüro oder Kreativstudio. Egal ob man dort Küchengeräte, Möbel, Mode oder Schreibutensilien entwirft.

Zeitenwandel

fenster:tage I

Vor dem Jahreswechsel ertappen sich viele dabei, dass sie einen Blick auf den neuen Kalender werfen und dabei nach den Feiertagen Ausschau halten. In welchem Monat wird im nächsten Jahr Ostern gefeiert? Auf welchen Wochentag fällt der 1. Mai und der 26. Oktober, beide Tage sind in Österreich gesetzliche Feiertage. Soll man für das Wochenende zu Christi Himmelfahrt oder Fronleichnam schon einen Kurzurlaub an die obere Adria einplanen? Gute Ratschläge, um diese Fenstertage optimal zu nützen, gibt es zumeist zu Jahresbeginn von der Regionalzeitung. Manche schauen schon zu Beginn des Jahres nach den Weihnachtsfeiertagen. Lässt sich dort unter Einbeziehung von ein paar Tagen Zeitausgleich vierzehn Tage Urlaub machen? Diese Spekulationen sind vor allem für die arbeitende Bevölkerung, in kleinem Rahmen auch für die Schüler, spannend. Können im Frühsommer die schulfreien Tage für einen Familienausflug nach Grado oder Caorle  genützt werden?

Die Inhaber von kleinen Handelsgeschäften müssen die schwierige Entscheidung, ob sie an einem Fenstertag geschlossen halten oder nicht, treffen. Letzten Endes wird man sich doch dazu entschließen das Geschäft aufzusperren, weil man die üble Nachrede fürchtet. Hat er es nicht notwendig zwischen dem Feiertag und dem Sonntag aufzusperren, wohl schon genug verdient?  Klappt es hier im Ort nicht, dann fahren wir in Zukunft gleich in die Stadt zum Einkaufen!  Dieser Satz, dann fahren wir in Zukunft gleich in die Stadt zum Einkaufen, hängt wie ein Damoklesschwert über die kleinen Handelsbetriebe im Umland der Draustadt. Als ob in der Stadt alles besser und günstiger wäre, von freundlicher nicht zu reden. In den Megamärkten der Stadt sind die Menschen aus den Umlandgemeinden ein namenloser Brei. Bei dem Versuch eine Information zu bekommen stößt man auf gestresste und rastlos beschäftigte Verkäufer.  Für sie ist jede Frage nur ein Hindernis, dass sie beim Nachfüllen der Waren bremst. Zuvorkommenheit, keine Ahnung. Eine Ausnahme bilden die kleineren Nahverkehrsläden in den Stadtvierteln. Dort reagieren die Verkäuferinnen auf Kunden, welche bei ihnen öfter einkaufen, mit einem Lächeln auf den Lippen. Im ländlichen Bereich ist der Kunde für den Verkäufer eine Persönlichkeit, mit einem menschlichen Hintergrund. Beim Verkaufen wird nach verschiedenen Vorkommnissen gefragt oder von der Kundschaft eine Auskunft eingeholt. Als kleiner Handelstreibender erfährt man die Wertschätzung von einzelnen Kunden, wenn sie nicht wegen jeder sogenannten Kleinigkeit in die Stadt fahren müssen.

Megamarkt

auto:technik II

Als Mitfahrer in einem Auto oder Autobus zeigt sich, wie groß das Vertrauen anderen Menschen gegenüber ist. Ob man bereit ist einem fremden Menschen zu vertrauen. Für mich ist es keine Überwindung in einen öffentlichen Nahverkehrs- oder Reisebus einzusteigen und mich den Fahrkünsten  des Chauffeurs anzuvertrauen. Ich denke, ein Berufskraftfahrer hat das nötige Verantwortungsgefühl und auch die Routine um seine Fahrgäste sicher an den Zielort zu bringen. Etwas Unvorhersehbares beim Autofahren kann einem selbst, genauso wie dem Buschauffeur passieren. Unter den Bekannten gibt es einige, welche sich grundsätzlich weigern in einen Reisebus oder in ein Taxi einzusteigen. Sie fahren auch mit niemandem aus dem Freundeskreis mit, sie verlassen sich nur auf ihre eigenen Fahrkünste. Alle anderen Straßenteilnehmer halten sie für schlechte Autofahrer. Vielleicht wirft diese Einstellung eine schlechte Sicht auf ihre Verhaltensweise.

Die elektronische Zentralverriegelung ist eine andere Bequemlichkeit, mit der uns die moderne Autotechnik seit langem verwöhnt. Es gibt Autofahrer, die von dieser  Errungenschaft der Automobilindustrie nicht überzeugt sind. Dies habe ich in einer Klagenfurter Tiefgarage, nach dem Abstellen meines Autos und dem Drücken der Zentralverriegelung, erlebt. Ich sah, wie nebenan ein Autofahrer jede Türe bei seinem Fahrzeug kontrollierte, ob sie versperrt war. Zusätzlich überprüfte er alle Autoscheiben ob sie geschlossen waren. Er muss meinen verwunderten Blick bemerkt haben und erklärte von sich aus: Er gehöre noch zur alten Schule und vertraue der elektronischen Zentralverriegelung nicht voll. Vor kurzem habe er in der Zeitung gelesen, dass es Autodiebe gibt, welche in den Parkhäuser versuchen mit Störsendern die Zentralverriegelung außer Kraft zu setzten, um danach das Auto zu entwenden. Diesem Treiben versuche er vorzubeugen.

Weitere technische Innovationen wie die elektronische Klimaanlage, die Servolenkung und die Bremskraftverstärker, sowie die Berganfahrtshilfe und der Spurassistent, eingebaut auch bei Mittelklasseautos,  erleichtern uns allen heute das Autofahren.

Fahrtüchtig