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Zu den möglichen Freiheiten des Web ein  Beispiel aus der Entwicklung des Straßenverkehrs. Bald nach Beginn des 20.Jahrhundert hat der Autoverkehr in den Städten stark zugenommen. Schnell hat man festgestellt, dass es ohne Verkehrsregeln kein Auskommen ist, dies führt zu Unfällen und Personenschaden. Selbst heute in der freien Welt, in der man sich von jeglichen Fesseln befreit hat, würde es niemanden einfallen, die Verkehrsregeln abzuschaffen und den Autoverkehr in die Freiheit zu entlassen. Selbst die kräftigsten Stimmen für die Freiheit fürchten sich vor diesem Schritt. Verbirgt sich dahinter unsere Unmündigkeit mit einer solchen unbegrenzten Freiheit umzugehen? Wahrscheinlich wäre dann jeder Autofahrer und Fußgänger in Sorge um sein Leben. Sein Leben wäre jedem lieber als alle Freiheiten.

In der Bahnhofstraße der Draustadt gibt es ein Verkehrsexperiment, es nennt sich Share Space Zone. Eine Straßenzone, wo alle Verkehrsteilnehmer, ob Fußgeher, Radfahrer oder Autofahrer dieselben Rechte haben. Trotzdem hat man nicht auf höhere Fußgeherübergänge und auf die Abgrenzung der Gehsteige durch Alupfosten verzichtet. So wird es notwendig sein, auch im Internet gewisse Regeln einzuführen. Zur Sicherheit jedes einzelnen Internetbenutzers, die Regeln müssen ja nicht von oben diktiert sein, sondern könnten von den Benützern selbst erstellt werden.

Vogelfrei

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Welche Voraussetzungen braucht es  zum Abschalten, zum Entspannen?  In einem vorhergehenden Beitrag wurde darüber diskutiert, dass wir ein Zuviel an Informationen, an Bildern und an Unterhaltung genießen, wir uns ein Zuviel an Arbeit aufladen. In Österreich gibt es ein Urteil des Obersten Verfassungsgerichtshof, dass der Arbeitgeber von den Angestellten erwarten kann, dass sie im Krankenstand verschiedene Arbeiten am PC und im Internet erledigen. Soweit, es nicht den Genesungsprozess gefährdet.

Dieses Urteil wirft einige Fragen auf. Wer entscheidet welche Arbeiten den Heilungsprozess gefährden? Müssen diese Arbeiten in einer bestimmten Zeit erledigt werden oder ist es dem Krankenstandler selbst überlassen wie er sich die Zeit einteilt. Dahinter steht eine neue Frage, wie groß ist der Zeitraum, dass der Firma kein Schaden zugefügt wird? Hier zeigt  sich einmal mehr die Triebkraft des Fortschritts, der Technik. Der Mensch ist nicht mehr der Herr der Technik, der Modernen Entwicklungen, sondern die Technik hat sich  verselbstständigt. Wir können die Technik noch ein wenig beeinflussen, dass bedeutet Gesetze und Vorschriften einführen, die den Gebrauch regeln. Viele werden sagen, dies ist das Ende der Internetfreiheit. Oft wird hier verlangt, dass es für das Internet keine Regeln und keine Barrieren geben soll.  Alles und jedes soll möglich sein. So sehen wir an obigem Beispiel, wie weit die ständige Verfügbarkeit des Internet führen kann.

Stechuhr.

rück:tritt II

Lässt sich zwischen einem Papst und einem Landeshauptmann eine Parallele herstellen? Beide sind Fürsten, der Kirchenfürst und der Landesfürst. Beide werden gewählt, der Eine von einer Elite, der Andere vom Volk. Der Eine auf Lebenszeit und unfehlbar, der Andere abwählbar und fehlbar. Der Sündenfall ist im Kärntnerparadies oftmals vorgekommen, durch die Schlange haben sie die Politiker und viele Wähler und Wählerinnen verführen lassen. Auch durch den Hochmut, die Überheblichkeit, sie wollten sein wie Gott. Sie waren geleitet von der Gier, von den möglichen Spekulationsgewinnen der Landesbank in den südosteuropäischen Ländern. Vom Machtbewusstsein,  für zwei Spiele der Fußballeuropameisterschaft wurde ein Stadion für ca. 30tausend Zuschauer gebaut. Dieses Stadion wird seitdem kaum benützt, weil kein Kärntner Fußballverein in der Bundesliga spielt. Für eine sechsseitige Expertise  eines Steuerberaters war man bereit zwölf Millionen Euro zu zahlen. Nach einem medialen Aufschrei gab es dafür einen „Patriotenrabatt“ von sechs Millionen Euro. Bei einem Gerichtsverfahren hat ein Gutachter festgestellt, dass diese Expertise maximal 300tausend Euro wert ist.

Ist man ehrlich, dann hat sich der Großteil der Kärntner an diese Verhältnisse gewöhnt. Die Aussagen, Ausreden und Versprechungen der Amtsinhaber hatten einen gewissen Unterhaltungswert.  Aber es gab Vorkommnisse, die bringen das Fass zum Überlaufen.

Aus dem Tagebuch, 28.2.13

rück:tritt l

Die Frau, mit zerzausten Haaren, vom mobilen Kiosk auf dem Villacher Hauptplatz reicht mir mit einer Serviette den letzten großen Bierbrezen. Kaiserbrezen wie Kaisersemmel und bekomme dazu eine warme Tasse Tee. Ich befinde mich auf dem Weg in ein Cafe zum Zeitungslesen. Seit ein paar Tagen weht der Föhn von Oberitalien. Die Winterkälte wurde gebrochen, jetzt abends ist es noch kühl. In den letzten Februartagen hat der Südwind die kalte Luft und den Bodennebel aus dem Villacher Becken vertrieben.Auf der Ladefläche eines Lkw, wenige Meter vom Kiosk entfernt, die zu einer Bühne umfunktioniert wurde, bestreitet der amtierende Landeshauptmann von Kärnten seine Abschlusskundgebung vor dem Wahlsonntag. Heute weiß noch niemand, wer in drei Tagen der neue Landeshauptmann sein wird.

Die Wahlrede ist vorbei, einige Leute stehen, mit Losen in der Hand, vor der Bühne. Zum Abschluss der Wahlkundgebung werden Geschenkkörbe verlost. Der Landeshauptmann erzählt Witze und nebenbei werden die Kärntner Schmankerln verlost. Ein heimisches Bier und Kärntner Brettljausen, dafür lohnt es sich länger auszuharren.

In Folge des Papstrücktrittes beginnen um 20 Uhr von allen Stadtpfarrkirchen die Glocken zu läuten. Die Wahlveranstaltung wird rasch zu Ende gebracht, der Landeshauptmann verschwindet von der Bühne und die Musik wird abgedreht. Die Kirchenglocken haben die Funktionäre der Landeshauptmannpartei erschreckt. Es sind Töne des Abschieds, in einer Umkehrung  könnte man sagen, die Sterbeglocken läuten. Läuten sie auch den politischen Abschied der Landeshauptmannpartei ein?  Müssen sie in Kärnten abdanken, wie der freiwillig zurückgetretene Papst?  Von sich aus verlassen Politiker nicht ihre Ämter, sie müssen von den Sesseln gestoßen werden. Dies liegt im Ermessen der Wähler, in drei Tagen haben sie dazu Gelegenheit.

Aus dem Tagebuch, 28.2.13