Über schlagloch

Er hat es sich zur Aufgabe gemacht mehrmals die Woche eine kleine Studie zu verfassen und teilt dies per Weblog „schlagloch“ einer stetig wachsenden Internetgemeinde mit. Einzelne Leser treten auf der Internetplattform mit ihm auch in eine Diskussion über das Geschriebene ein. Vom Deutschen Literaturarchiv Marbach werden ausgewählte Online-Publikationen, so auch das Blog „schlagloch“ auf der Plattform Literatur-im-Netz langzeitarchiviert. Einige „Schlaglöcher„ hat er materialisiert und zu Büchern gemacht: Zeitenwandel (2009); Die Beobachtungen (2011); Bruchstellen (2015).

buch:handel I

Über die Zukunft des Buchhandels wird nicht nur unter Buchhändlern diskutiert, manches Mal erreicht es auch die allgemeine Öffentlichkeit. Dafür gibt es publikumsaffine Termine, wie Weihnachten. Weihnachten ist traditionell die Hochsaison für den Buchhandel, passende Bücher gibt es idealerweise für jeden. Es gibt kaum  Hobbys, bestimmte Interessen und Vorlieben, die nicht in einem Buch behandelt werden. Es bleiben nur Analphabeten übrig, welchen man kein Buch schenken kann und für diese gibt es Bildbände. Außerdem lassen sich Bücher leicht besorgen und ob ihres Formats gut in Geschenkpapier verpacken. Selbst für Anfänger beim Geschenksverpacken. Ein Buch zu verschenken ehrt auch den Verschenker. Wir verbinden mit einem Buch, handelt es sich nicht um das Telefonbuch oder einen Versandhauskatalog, immer noch ein Kulturgut, welches es zu erhalten gilt.

Lob gibt es für Wohnungsbesitzer, wenn es in ihren Wohnräumen zumindest einen kleinen Schrank oder ein paar Regale gibt, wo einige Bücher stehen. Bei lesefaulen Bewohnern findet man zumindest einige Fotobände, Kochbücher und Lexika. Dies sind oft die Weihnachtsgeschenkbücher, welche sich hier versammeln.

Zusätzlich zu Weihnachten gibt es andere Termine, wo die Buchhändler versuchen am Konsum mitzunaschen. Neuerdings beim Valentinstag, der lange eine Domäne der Blumenhändler und Bonbonverkäufer war. Es gibt zu diesem Anlass eigene Aktionspakete von Verlagen. Spruchbüchlein, die sich vortrefflich für Liebende und Verliebte eignen, mit Texten und Bildern, die das Herz zerfließen lassen. Im Alltag manchen Kuss und Umarmung ersetzen. Für diesen Anlass greifen die Verlage tief in ihr Werbeetat und legen eigenes Dekorationsmaterial auf. Während meiner Buchhandelslehre war in unseren Breiten der Valentinstag kaum bekannt.

Neuland

handke:handschrift III

Von der Obsession Peter Handke zu seinen Notizbüchern habe ich erst in den letzten Jahren erfahren. Dessen ungeachtet gibt es von mir Tagebücher in unterschiedlichen Formaten seit dem Jahre 1975. Seit den 1990er Jahren verwende ich die flexiblen Moleskinnotizhefte in A6, wo ich die ansehnliche Zahl von Zweihundert erreicht habe. Dabei handelt es sich um handschriftliche Einträge. Seit zehn Jahren versehe ich manche Eintragungen mit einem Hinweis “W”, wenn ich eine Beobachtung, einen Gedanken für einen Anstoß zu einem  Blogbeitrag nütze. Dies macht das Wiederauffinden leichter und bietet einen Anreiz zum Schreiben. Hätte Peter Handke eine Affinität zum Internet könnte ich mir vorstellen, dass er ein Weblog führen würde. Seit kurzem gibt es Handke online. Es gibt das Paradoxon, dass die Germanisten mit viel Trara die Digitalisierung von Handkes Bücher und seiner Tagebücher betreiben, er aber das Digitale ablehnt. Weiterlesen

handke:handschrift II

Peter Handke dienten in den siebziger und achtziger Jahren die orangen Spiralblocks in A7 oder in A6, von der Firma Ursus,  als Notizhefte. Als Papierhändler in Arnoldstein habe ich diese Spiralblocks in den Größen, SP 1 – SP 4, verkauft. Handke schreibt seine Manuskripte mit Bleistift. Diese Texte werden dann von einer berufenen Person, welche seiner Handschrift lesen kann, auf einem PC abgetippt. Danach wird der Text von Handke überprüft und Korrekturen angebracht. Dieses Spiel setzt sich einige Male fort, bis es zu der Buchveröffentlichung kommt.

Die handgeschriebenen Tagebücher, Tagehefte und Notizbücher der Autoren sind die Glanzstücke in den Literaturarchiven. Darin finden sich Aufzeichnungen zum Alltäglichen oder Einträge zu Romanentwürfen, Aufsätzen und Essay. Einstmals erfolgte die Niederschrift der Romane mit der Hand, später war das Tippen auf der Schreibmaschine, im Zweifingersystem, üblich. Das i-Tüpfchen für die Literaturarchive sind die Originalmanuskripte mit den handschriftlichen Korrekturen. Dazu kommt der handschriftliche Briefwechsel zwischen Autor und Verleger oder Lektor und Autor. Nicht jeder verfügt über eine leserliche Handschrift. Vor einigen Jahrzehnten hat es in den Zeugnissen die Note Äußere Form gegeben, damit wurde die Leserlichkeit der Handschrift bewertet. Zu den nostalgischen Noten zählt auch die Note für Gutes Benehmen. Diese zwei Beurteilungen würden heute einen Sturm der Entrüstung bei den Eltern und Schülern auslösen. Aus den Grundschulen will man das Erlernen die Schreibschrift verbannen.

Im Exil

handke:handschrift I

Kein Jahr vergeht, indem man nicht im Zusammenhang mit der Entwicklung des Internet ein Jubiläum feiert. Verschiedene Rückblicke inszeniert, so lange gibt es diese und jene Suchmaschine, seit diesem Zeitpunkt werden SMS und Email verschickt oder das Erstellen einer Webseite mit einer Gratissoftware ist für jeden möglich. Das Handy und der Laptop haben Kultstatus erreicht. Handschriftliches bestaunt man nur noch in Bibliotheken und Literaturmuseen. In einer Lehrveranstaltung, anlässlich des halbrunden Geburtstages des Weltschriftstellers Peter Handke, wurde in den Vorlesungen auf die Bedeutung der Notizhefte im Schaffen von Peter Handke hingewiesen. Philologen und Germanisten haben beobachtet, dass Handke zuerst begleitend zum Schreiben an einem Buch Notizen gemacht hat. Nach dem Jahre 1976 veränderte er sein Verhalten, die Eintragungen in die Notizbücher werden in der Absicht geschrieben, diese Zeilen als eigenständige Texte zu veröffentlichen. Ein Konglomerat aus Gehörtem, Gelesenem, Erlebtem und Beobachteten. In einem nochmaligen Prozess werden Orte und Namen verfremdet.

Täglich werden von Handke Notizen gemacht. In einem Zitat drückt er das Obsessive des Tagebuchs führen aus: Ich muss mit mir allein sein, es braucht keine andere Existenz. In den Notizbüchern kommuniziert er mit seinen Mitmenschen, Tieren und mit sich selbst. Für die Germanisten sind die Notizbücher eine Fundgrube, lassen sich doch darin der Entstehungsprozess seiner Bücher nachverfolgen, Wörter und ganze Textstellen tauchen darin auf. Diese Notizhefte werden durch die eingefügten Fotos, Zeichnungen, Fundstücke von der Natur oder auch durch eine gelöste Fahrkarte, einmalig.

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