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Prekär ist der Besuch in den Restaurant, die zwischen der alten Stadtmauer und dem Strand in Umag angesiedelt sind. In den Konoba, Trattoria finden sich in der Vorsaison um die Mittagszeit kaum Gäste. Ich sehe pro Restaurant mit großer Terrasse vier bis sechs Leute die ein Gericht essen. Dabei  spazieren zumeist drei Ober zwischen Terrasse und Lokal hin und her und bestimmt sind sie zu zweit in der Küche. Wir gelangen am Ufer von einer Terrasse in die Nächste und auf jeder Terrasse wird man eingeladen sich  hinzusetzen und die Speisekarte zu lesen. Für jemanden, der mit Gästen im Fremdenverkehr zu tun hatte, ein bedrückendes Bild. In der Hauptsaison werden die Restaurants mehr Zuspruch haben, aber die Anzahl der Lokale bieten ein vieles mehr an Sitzplätzen, was an Gästen möglich ist. Dazu kommen noch die Gaststätten in der zweiten Reihe, in der Fußgeher Zone. Es ist unmöglich überall einzukehren, man bekommt Herzweh und man leidet mit jedem einzelnen mit.  Als pensionierter Papierkrämer weiß man, wie einem Selbständigen zumute ist, wenn die Kundschaft vorbeigeht oder ausbleibt.

Besser sind die Umstände für die Mitarbeiter in den großen Hotels, für sie gibt es regelmäßig den Lohn, vorausgesetzt das Hotel ist gut gebucht.

Strandpromenade.

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Existenznöte plagen oftmals die in einer Reihe aufgefädelten Souvenirläden und Boutiquen in den Flanierstraßen von Badeorten am Meer. Die Shops für Schuhe, Parfum, Bademoden und Sportbekleidung hoffen auf das Geschäft mit den Urlaubern. Die Einwohnerzahl der heimischen Bevölkerung ist gering und diese kauft zumeist in einem günstigen Supermarktzentrum ein. Für die hochpreisigen Designerwaren ist ihr Einkommen auch zu gering. Dabei denke ich an die Badeorte an der Küste von Istrien. So wundert es mich nicht, spaziere ich durch das Zentrum von Portoroz und werfe einen Blick in ein Geschäftslokal, dass das Verkaufspersonal den PC benützt um im Internet zu surfen. Sich mit dem Handy beschäftigt um die neuesten Emails, SMS, die Post auf Facebook und Whats- App zu lesen. Vereinzelt betritt jemand einen Laden, zumeist sind es Frauen, die sich für die Mode interessieren, zum Schauen und so den Nachmittag zwischen Mittagessen und Cafepause zu vertreiben. Wohin im Berufsalltag die ständige Verfügbarkeit des mobilen Internets führen wird, da habe ich meine Bedenken. Es verführt dazu, dass man den Laden vernachlässigt, die notwendigen Arbeiten liegen bleiben. Die digitalen Netzwerke verleiten dazu, sich Spielen und sozialen Internetforen zu widmen und sich keine Gedanken darüber zu machen, welche Initiativen zur Verkaufsförderung beitragen könnten.

Ich finde auch den Zustand, der durch die offene Ladentür einsehbar ist, dass der Verkäufer am Handy oder am Laptop surft und nicht im Geschäft präsent ist, nicht animierend dieses Geschäft zu betreten. Aus meiner Berufszeit weiß ich, dass meine oder die Aufmerksamkeit der anderen Verkäufer darauf gerichtet war, etwas im Laden zu verbessern, neu zu arrangieren oder Ordnung zu machen. Wir waren auf der Suche nach Arbeit und nicht nach Müßiggang.

Wie Sand am Meer.

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Kann man es schaffen, dass man sich in der Rente von den alten Berufsinteressen trennt? Bei einem Bummel durch einen Ort oder einer Stadt schmerzt es mich, wenn wieder ein Lokal leer steht und das Schaufenster mit Plakaten oder ausgebleichtem Packpapier zu gepickt ist. Es sieht auch nicht attraktiv aus. Abgesehen vom Optischen kommen mir die Gedanken, wie wird es dem Geschäftsinhaber gehen, wie steht es um seine Finanzlage? Hat er noch Schulden aus dem Geschäft und wird er diese über Jahre aus seinem neuen Broterwerb begleichen müssen? Vielleicht hat er einstmals von einem gut florierenden Laden mit schicken Sachen geträumt? Jetzt teilt er das Schicksal vieler kleiner Ladeninhaber, dass ihre Lebens- bzw. finanzielle Situation um vieles schlechter ist, als vor ihrer Selbstständigkeit.

Bei Neueröffnungen von Boutiquen überlege ich mir, gerade wenn sie mit Glamour aufgesperrt wurden, wie lange werden sie Bestand haben und wie lange wird ihr finanzieller Atem reichen. Ich denke darüber nach, was schieflaufen könnte. Aus meiner langjährigen Berufserfahrung weiß ich, wie schnell man in die roten Zahlen rutschen kann. Anderseits wünsche ich den neuen Inhabern viel Erfolg und behalte meine Bedenken für mich. Ich bewundere den Mut und die Unbekümmertheit der Neueinsteiger. Mit dem heutigen Wissen sehe ich vieles kritischer, zumeist die Gefahren welche auf die Jungunternehmer lauern. Dabei wäre es auch für mich ohne einen gesunden Optimismus nicht möglich gewesen, die Selbstständigkeit über Jahrzehnte durchzuziehen. Wahrscheinlich haben andere Kollegen auch des Öfteren den möglichen Absturz gesehen, den ich aber umgangen bin. Ohne den Wagemut der Jungen wäre es um den Fortbestand unserer Wirtschaft schlecht bestellt. Wir Ruheständler begnügen uns damit die Vorteile zu beziehen und sind risikoarm geworden, stützen uns auf sichere Aktivitäten. Ohne Risikobereitschaft und Wagemut wäre unser jetziger Lebensstandard nicht vorstellbar.

Jungunternehmer.

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Hat man ein Handelsgeschäft betrieben weiß man, wie schwer das Überleben für die kleinen Fachgeschäfte geworden ist. Sie haben eine wichtige Funktion für den Fremdenverkehr, sie bilden eine willkommene Abwechslung für die schaufensterbummelnden Gäste in der Fußgeher Zone der Innenstadt. Um vieles ärmer wären die Flanierstraßen in den Städten, wenn es nicht die kleinen, bunten Geschäften gäbe. Nicht nur die Filialen der großen Handelsketten, egal ob Schuh- oder Kleidermode, weil diese sind an allen Orten der Welt gleich. Dazu kommen in den kleineren Räumlichkeiten die Kebab, Snacks- und Pizzastuben. Bei den Bäckereien gibt es den Boom, das Backwarenangebot mit einer Imbissecke zu kombinieren und sich dadurch über Wasser zu halten. Das Geschäft, welches sich finanziell lohnt, machen die Einkaufszentren am Stadtrand.

Wenn ich durch die Fußgängerzone flaniere, bleibt es bei mir nicht beim Genuss, es holt mich die Kaufmannsvergangenheit ein. Ich stelle Überlegungen an, ob sich das Geschäft rentiert, es dem Inhaber ermöglicht ein erträgliches Auskommen zu haben. Oft sehe ich weit und breit keine Kundschaft und ein Monat ist gleich vorbei. Dann sind Zahlungen verschiedener Art fällig, allen voran die Geschäftsmiete, der Lohn für eine Angestellte und andere Abgaben, sowie die Kosten für den Wareneinsatz. Ist dies alles beglichen, dann kann es schon einmal vorkommen, dass für einem selbst weniger übrigbleibt, als der Lohn für die Angestellte beträgt. Eine eigene kaufmännische Mentalität stelle ich bei den sich stark vermehrenden Fastfood Lokalen fest, die sich in immer kürzeren Abständen in einer Straße ansiedeln. Im Lokal sind mehrere Familienangehörige anwesend, die mitarbeiten und versorgt werden müssen, nur die Kundschaft gibt es vereinzelt. Sie setzen vielfach auf die Touristen, die aber in den Hotels mit Halbpension gut versorgt sind. Während des Frühstückbuffets kann ich beobachten, zumeist obliegt diese Aufgabe den Frauen, wie in die Handtasche belegte Brote und Obst verschwinden. So wird für den Snack tagsüber vorgesorgt, aus der Hotelküche.

Zuträger.

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Vor einem Antiquitätengeschäft, in der Fußgängerzone von Abano, stehen neben der Eingangstüre zwei steinerne Löwen. Diese beiden Löwen sollen die Aufmerksamkeit der vorbeieilenden Menschen auf die Schaufenster lenken. Beim Flanieren kann ich beobachten, wie ein English Setter, einen der Löwen anbellt, vielleicht will er sein Revier verteidigen. Er lässt sich auch durch die Zurufe seines Frauerl nicht von seiner Hundepflicht abbringen. Erst als sie an der Leine zieht, lässt er vom fremden Artgenossen ab. Der Löwe blickt unbeeindruckt auf die vorbeiströmenden Menschen, wahrscheinlich wird er auch des Öfteren von Hunden angepinkelt. Das vergebliche Kläffen des Hundes erinnert mich an die Bemühungen des durchschnittlichen Bürgers, wenn er sich gegen Missstände in der Politik, gegen ökologischen Verwerfungen, der Erschließung von neuen Straßen oder gegen Spekulationen an der Börse zur Wehr setzt.

In den Seitenstraßen von Abano sind die leeren Geschäftsflächen nicht zu übersehen. Im Innenstadtbereich werden neue Wohnanlagen errichtet, wo im Erdgeschoß Geschäftslokale geplant sind. Wer hier was mieten wird und in welcher Branche darüber gibt es nur Spekulationen. Auch darüber, warum dieses und jenes Geschäft schließen musste, welches vor einem Jahr noch geöffnet war. In Abano soll es zirka neunzig Hotels geben, die Meisten mit mehreren Stockwerken und von großer Ausdehnung. Dabei bellen viele auch gegen einen steinernen Löwen, weil sie nicht wissen, welche Überlebenschance sie haben, manche sind nicht in der Lage die notwendigen Adaptierungen durchzuführen. Diese verbluten innerlich, sie hätten dringend eine Blutkonserve, eine Renovierungsspritze notwendig. Eines der schönsten und wahrscheinlich auch ältesten Hotels von Abano, das Grand Hotel Orologio, liegt im Dornröschenschlaf. Die Fensterbalken sind verschlossen und die Zufahrt ist abgesperrt, es steht in einem Park von beachtlicher Größe. Auch in diesem Kurort erweist sich das Überangebot an Gästebetten, auf den ersten Blick, für die Kurgäste als Vorteil. Alle Hotels bieten Thermenpakete mit vielen Vergünstigungen oder verbilligte Wochenpakete von Sonntag bis Donnerstag, an. Diese Angebote laufen über einige Jahre gut und dann fehlt es den Eigentümern an den Rücklagen für die notwendigen Reparaturen. Die Reisebusunternehmen offerieren einen Aufenthalt in Abano in der Nebensaison, inklusive der Busfahrt, zu  Spezialpreisen an. Der Frühling und der Spätherbst sind die besten Jahreszeiten für die Senioren, nicht zu heiß und nicht zu kalt.

PensionistenThermalOrt.