riesen:burger

Wer glaubt, dass er von der Werbung nicht erreicht wird oder sich vor Prospekten mit einem Aufkleber an seinem Briefkasten,  „Keine Werbung“, schützen kann, wird bald eines besseren belehrt. Findigen Werbeleuten sind diese Aufkleber ein Dorn im Auge und die Post hat eine neue Form der Prospektzustellung kreiert. Dieser Aufkleber und Andere mit einem ähnlichem Text werden mit dem „Kuvert“, darin befinden sich eine Fülle von verschiedenen Werbezettel, umgangen. Das „Kuvert“ wird einmal wöchentlich zugestellt und durch ein Sudoku Rätsel und der Verlosung einer Traumreise aufgepeppt. Wer möchte nicht eine Reise gewinnen und dabei verfliegt der Ärger, dass der Aufkleber „Keine Werbung“ missachtet wurde. So bleibt es nicht aus, dass man als Antiwerbungfreak in den Prospekten zu blättern beginnt. Es ist wie eine Reise in das Schlaraffenland. Im Räumungsverkauf gibt es auf alle lagernden Matratzen und Lattenroste minus 30 Prozent.  Auf die reduzierten Leuchten zusätzlich minus 30 Prozent. Das Beste kommt noch, minus 50 Prozent auf viele Ausstellungsstücke und überschüssige Lagerware. Das xxxl Möbelhaus ist auch bei den Rabatten xxxl.

Diese Angebote werden ständig aktualisiert und verlängert, wer ist dann noch bereit den vollen Preis zu bezahlen und gibt es diesen in den Möbelhäusern überhaupt noch? Ich möchte dazu anmerken, dass derjenige, welcher den normalen Preis zahlt nicht mehr normal ist. Durch diese ständigen Rabattaktionen wird der solid planende Kunde zu einem verrückten Kunden stigmatisiert. In solchem Ausmaß geht es in der Werbung weiter, wie minus 50 Prozent auf Einbauküchen bestimmter Marken und dazu noch einen Geschirrspüler gratis. Einen kleinen Depscher hat die Küche schon und hätte man nicht selbst einen Depscher, wenn man dieses Angebot ablehnen würde?

Beim Verzehr eines der günstigen Menüs die im Möbelhausrestaurant angeboten werden, könnte man darüber nachdenken, ob eine neue Küche mit 50 Prozent Rabatt Sinn macht, kochen muss man noch selbst. Aktuell gibt es: 2 Stk. Schweinsrückensteaks vom Grill mit zwei Beilagen um € 3.90 statt € 7.10  oder xxxl Riesen Burger um € 3.90 statt um € 7.90.  Auch das Frühstück wird zu einem günstigen Preis angeboten.

Wie viele Jahre wird es dauern, bis sich die  Küche amortisiert hat?  Beim Speisen im Möbelhausrestaurant käme der Fitnessefekt dazu, der Fußweg hin- und retour.

Fitness inklusive.

zeit:vergangen II

Auch bei der Erinnerung an die Verstorbenen vergeht die Zeit immer schneller. Der Nachbar ist damals so plötzlich gestorben, ein Herzversagen. Er war etwas zu dick, aber deshalb gleich ein Herzinfarkt? War dies vor zwei Jahren, nein, im Herbst sind es drei Jahre her, ich war damals gerade auf Kur. Gegen seinen Krebs hat der Schwager bis zuletzt gekämpft, er hat keine Behandlungsmethode verstreichen lassen. Die ganzen Möglichkeiten der Schulmedizin und zusätzlich Therapiestunden  bei einem Heilpraktiker. Ist dies sieben Jahre her, die Enkelin ist damals noch nicht in die Schule gegangen, dann sind es jetzt fünf Jahre her.

Wir versuchen uns mit Anhaltspunkten zu orientieren, wie lange das Sterbejahr zurückliegt. Wir zählen in unserer Erinnerung die Jahre seit dem Tod, des nicht bei uns sein. Bei den Eltern und den Großeltern gehen die Jahre manches Mal dreißig oder auch fünfzig Jahre zurück. Welche Bedeutung hat die Frage nach dem Todesjahre für die Verstorbenen? Hat die Zeitrechnung, wie wir sie hier auf der Erde kennen, für sie eine Bedeutung oder bleibt die Zeit mit dem Eintritt des Todes stehen, leben sie jetzt in der Ewigkeit ?

Bei berühmten Persönlichkeiten aus der Kultur, Politik und Sport feiern wir Gedenkjahre, man gedenkt als Beispiel des 250 Todestages eines Komponisten. Oft wird dem Verstorbenen ein ganzes Jahr, mit Konzerten und Buch Neuerscheinungen gewidmet. Wir wissen nicht, ob im Jenseits die Jahre weitergezählt werden und wie lange? Ab wann scheidet man aus der Liste aus oder beginnt alles wieder von vorne.

Trauerjahre.

zeit:vergangen

Den Ausspruch,  wie die Zeit vergeht,  hört man besonders oft in der zweiten Hälfte des Jahres. Kommt der Herbst, dann werden die Beschwerden und das Bedauern darüber, dass die Zeit so schnell vergeht immer intensiver. Den meisten Nachdruck bekommt der Zeitverlust mit der Feststellung: „Um Gottes Willen, in drei Monaten ist wieder Weihnachten“. Mit dem Weihnachtstermin ist für die meisten Menschen das Jahr vorbei. Am 31. Dezember, dem Silvestertag, befindet man sich ja mit einem Fuß im neuen Jahr. Kalendermäßig verweilt man noch für einige Stunden in diesem Jahr, aber mit den Gedanken befindet man sich auf jeden Fall schon im neuen Jahr. Eigentlich sind die letzten Stunden im alten Jahr nur lästig, die man schnell hinter sich bringen will, damit das neue Jahr beginnt. In das neue Jahr setzt man viele Hoffnungen. Die Stunden vom Silvesterabend bis zum Neujahrsmorgen sieht man auf jeden Fall als den Beginn des neuen Jahres.

Manches Mal kann man sich heute nicht mehr erinnern, wie man die letzten Weihnachten verbracht hat. Mit wem man Weihnachten gefeiert hat, wer zu Besuch gewesen ist und  die Geschenke, keine Spur? Plötzlich tauchen Bruchstücke von Erinnerungen auf. Hat man sich nicht im Park Café mit einer Kursteilnehmerin getroffen und ausführlich über die Hektik der letzten Tage gesprochen, war dies vor einem Jahr oder ist es  schon drei Jahre her?  Das Geschenk, die feschen warmen Winterstiefel, ja die sind bestimmt von den letzten Weihnachten. Bei den Älteren, bei denen dem Gefühl nach die Zeit noch schneller vergeht, vergessen oft auch vieles. An das Geschenk, welches man als dreizehnjähriges Mädchen bekommen hat, eine rosarote Strickweste, an diese erinnert man sich noch genau. Das Geschenk vor drei Jahren, zu lange her. War dies ein Buch oder ein Gutschein für die Fußpflege. Ganz unsicher wird sie, wenn sie sich überlegt, ob sie diesen Gutschein schon eingelöst hat oder hat sie ihn irgendwo verlegt. Es vergeht nur eine kurze Zeit und sie fängt den Gutschein zum Suchen an, es könnte ja sein. Einmal hat man gemeinsam einen Weihnachtsurlaub am Meer verbracht, an diesen erinnert sie sich noch ganz genau. Dort  herrschte zu Weihnachten ein schönes und warmes Wetter. Die Erinnerung daran ist so wach, als wäre es gestern gewesen, und dies soll schon wieder fünf Jahre her sein?  Schade, dass dies schon so lange her ist.

Traumurlaub.

geist:unter

Man fragt sich oft, was macht den Geist oder konkreter, was macht einen geistigen Menschen aus? Bei einer Beurteilung wird jeder von sich ein höheres Urteil abgeben. Das geistige Vermögen schätzt man danach ein, was man in der Schule und im Beruf erreicht hat. Bei den Schulzeugnissen stellt sich die Frage, sind sie ein Gradmesser für das Niveau eines Menschen? Besteht nicht die Möglichkeit, dass sich Fähigkeiten abseits von Schulnoten entwickelt haben? Im Berufsleben kommt viel Wissen und geistige Wendigkeit hinzu, heute sprich man vom lebenslangen Lernen. Dazu ist es notwendig, dass man von diesen Angeboten Gebrauch macht und nicht dem Irrtum unterliegt, dass einmal lernen genügt. Viele glauben sie schaffen neue Herausforderungen, wie den Sprung in die Selbstständigkeit, ohne Unterstützung. Ich konnte erleben, wie anregend ein gemeinsames Wochenende für Kleinunternehmer, veranstaltetet vom Wirtschaftsförderungsinstitut, sein kann.

Scheidet man aus dem Arbeitsleben aus, dann erhält auch der Wille zur Fortbildung  einen Knick. Am Lautesten werden Computerkurse für Senioren und Seniorinnen beworben. Die  Zukunft schätzt den Umgang mit dem Computer, ein Computerkurs hat den Stellenwert einer Lebensverlängerung. Dabei können viele Senioren mit den  zahlreichen Funktionen am PC, mit  der Vielfalt des Internet  nichts anfangen. Mit dem Ausscheiden aus der Erwerbstätigkeit verliert man viele Aufgaben und geistige Herausforderungen, es kann sich eine neue geistige Situation ergeben. Geht das geistige  Gegenüber verloren und versteckt sich hinter den sieben Bergen, bei den sieben Zwergen, erwartet einem das Niemandsland der geistigen Herausforderung. In der Werbung wird das Rentenalter mit Reisen und Speisen gleichgesetzt, mit den bequemen Dingen im Leben. Bei den Ausflügen wird man nahe an die Sehenswürdigkeiten herangefahren, so bleibt die körperliche Anstrengung auf niederem Niveau, nach jeder Besichtigung gibt es eine Pause und eine Jause.

Die Fahrt in die Pensionsjahre gleicht einer Reise in die Wüste, wo man Gefahr läuft körperlich und geistig zu verdursten. Wissen und geistige Elastizität waren  im Berufsalltag selbstverständlich, mit dem Pensionsalter gehen sie verloren. Die größere Katastrophe ist, wenn sich die Räder vom Lebensgefährt im Sand eingraben und das Gefährt für immer in einer Dünne verschwindet.

Sandsturm.

suizid:todsünde III

Beim Einschlafen denke ich an das Erlebnis im Intercity Zug, besonders beschäftigt mich der Zuruf der etwa dreißigjährigen Frau, dass ich für sie beten soll. Ich bin keine überzeugte Christin und zweifle daran, dass ein Gebet anderen Menschen in schwierigen Situationen helfen kann. Um über die stärkende Wirkung von Gebet  und die Einstellung der Kirche zum Selbstmord  mehr zu erfahren wende ich mich an Dr. Peter Deibler, Stadtpfarrer in Klagenfurt. An einem Nachmittag besuche ich ihn im Pfarrhaus und bei einer Tasse Kaffee ergibt sich folgendes Gespräch:

 Glauben Sie, Herr Deibler, dass religiöse Menschen psychisch gesünder sind, dass  Gebete, Rituale und Gesänge eine heilende Wirkung auf die Psyche haben und einen Selbstmord verhindern können?  Kennen Sie solche Erfahrungen von anderen Menschen und wie ist Ihre eigene Erfahrung?

D: Ich kenne und kannte viele verzweifelte Menschen, die gesagt haben, ohne Glauben hätten sie ihre menschlichen Krisen nicht durchgestanden. Dabei gibt es die unterschiedlichsten Ursachen, wie Geldprobleme, Familienstreitigkeiten, Krankheit und Einsamkeit. Ich habe es oft von unglücklichen Ehefrauen gehört, dass sie ihren gewalttätig, alkoholisierten Mann, deshalb nicht verlassen haben, weil sie es als Gottes Auftrag verstanden haben, auszuharren. Ich selbst halte mich für relativ furchtlos und bin darauf eingestellt, Herausforderungen zu begegnen, da mich Gott auf meinen Weg begleitet.

Wie würden Sie einen Selbstmordversuch oder Selbstmord beurteilen?  Als momentanen „Aussetzer“ oder als stufenweisen Prozess, der langsam im Menschen reift und wo man langsam hineinschlittert?

D: Dazu möchte ich grundsätzlich sagen: Es gibt ja nicht DEN Suizid. Es gibt Verzweiflungstaten, Krankheiten und Ausweglosigkeit.

Ist es vorgekommen, dass sich jemand an Sie, als Seelsorger, gewandt hat  und seine Selbstmordabsicht geäußert hat? 

D: Nein, Absichten hat mir noch keiner gesagt, doch einmal. Ich erinnere mich jetzt, dass ich mit einem Lehrerkollegen vereinbart habe, bevor für ihn das Leben unerträglich wird, bevor er keinen anderen Ausweg sieht als sich vor die U-Bahn zu werfen,  soll er mich anrufen. Als letzten Anker, zu einem Gespräch. So eine Begegnung muss das damals gewesen sein.

Was sagen Sie als Seelsorger bei der Beerdigung eines Selbstmörders zu den verzweifelten Angehörigen? Bezeichnen Sie die Tat als menschliche Verirrung,  eine Verwirrung  der menschlichen Gefühle?

D: Bei einer Beerdigung rede ich nie über die Todesursache, sondern immer zum Trost der Angehörigen. Voriges Jahr in Villach hat eine Mutter den Schuss gehört, mit dem sich ihr erwachsener Sohn hinter der Zimmertür erschossen hat. Es war Liebeskummer, wahrscheinlich provoziert von der jungen Dame. Aber in Schuldzuweisungen finden Menschen keinen Trost. Es geht darum, das Unfassbare zu ertragen und auszuhalten, durch Beistand und Mitgefühl.

Wie ist die offizielle Haltung der katholischen Kirche zu den Selbstmördern? Begehen sie eine Todsünde? 

D: Die offizielle Haltung der Kirche? Angehörige und Betroffene sind besonders bedauernswert. Stirbt ein Mensch im Alter oder an einer Krankheit, so können das die Angehörigen leichter annehmen, weil es einen, für sie verständlichen Grund gibt.

Der Weltkatechismus (1857RP17)  definiert Todsünde so: Damit eine Tat eine Todsünde ist, müssen gleichzeitig drei Bedingungen erfüllt sein: Eine Todsünde ist jene Sünde, die eine schwerwiegende Materie zum Gegenstand hat und die dazu mit vollem Bewusstsein und bedachter Zustimmung begangen wird. Beim Suizid kann angenommen werden, dass die Freiwilligkeit und Lageabschätzung kaum gegeben sind. Ausweglosigkeit und Hilflosigkeit sind gerade das Gegenteil von Freiheit.