maria:sibylla:merian I

Vor ein paar Tagen habe ich eine Biografie über Maria Sybille Merian zu Ende gelesen. Ihr Leben in der zweiten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts hat mich fasziniert. Auch die Art wie dies von Barbara Beuys erzählt wurde. Bewusst hat Barbara Beuys ein Augenmerk daraufgelegt, wie sich Maria Merian, in einer von Männern bestimmten Welt, Gehör verschafft hat. Ihrem Können in der Malerei und ihren Erkenntnissen in der Forschung konnte sich die Riege der gebildeten Männer nicht entziehen. Es dürfte sich eine größere Anzahl von Frauen unter den Künstlern und Wissenschaftlern im Anbruch zur Neuzeit gegeben haben, als heute wahrgenommen werden. Vieles von ihnen dürfte nicht in die Archive und Bibliotheken gelangt sein. Noch besteht Hoffnung, dass manche Schriften, verfasst von Frauen aus frühen Jahrhunderten in verschiedenen Archivschachteln schlummern. Material, welches bis jetzt von Forschern achtlos beiseite gestellt wurde.

Sibylle Maia Merian hat sich seit dem dreizehnten Lebensjahr der Erforschung der Raupen gewidmet. Was wird aus den Puppen und Raupen und welche Stadien nehmen sie ein, bis aus ihnen ein Schmetterling, ein Vöglein entschlüpft, wie damals die Schmetterlinge bezeichnet wurden. Sie hat die Raupen in der Natur gesammelt und sie in Kartons isoliert. Dort mit den Pflanzen, worauf sie die Raupe gefunden hat, gefüttert. Dabei den Zusammenhang zwischen der Wirtpflanze und dem Überleben der Raupe erkannt. Alle Stadien der Entwicklung als begnadete Zeichnerin, Malerin und Kupferstecherin festgehalten. Ihre Erkenntnisse hat sie mit allen Details in Bildbänden veröffentlicht. Zu dieser Zeit hat der Mensch begonnen Fragen zu stellen, er begnügte sich nicht mehr damit, was in der Bibel über die Pflanzen und Tiere stand.

Bordano

fron:leichnam II

Vier Feldaltäre sind entlang des Weges errichtet worden. Ein Tisch, darüber eine weiße Decke mit gehäkelten Spitzen, brennende Kerzen, üppiger Blumenschmuck und ein Heiligenbild. Führt der Weg an einem landwirtschaftlichen Anwesen vorbei, dann wird der Altar von den Hausleuten hergerichtet. Es ist eine Ehre, wenn einer der vier Feldaltäre beim Haus steht. Dementsprechend sorgfältig und mit viel Liebe wird der Altar geschmückt. Große Birkenäste stecken rechts und links im Boden vom Feldaltar. Von diesen brechen die Kirchgänger nach dem Ende der Prozession ein paar Zweige ab und nehmen sie mit nach Hause. Dort werden sie hinter das Kreuz im Herrgottswinkel gesteckt.

Bei jedem Feldaltar wird Station gemacht und Gott angefleht, alle Früchte, Tiere und Menschen vor Unheil, Hagel und Blitz zu bewahren. Die Kirchenglocken beginnen zu läuten, die Ministranten schwenken das Weihrauchfass, der Pfarrer hebt die Monstranz mit dem Allerheiligsten und erteilt Gottessegen in alle vier Himmelsrichtungen.Singend und betend schreiten die Menschen von einem Altar zum Nächsten, loben den Schöpfer für seine Gaben. Wer hier mitgeht, kann sich der Inbrunst, mit der gesungen und gebetet wird, nicht entziehen. Bei den Gebeten und den Fürbitten kommen keinerlei Fragen und Zweifel auf. Sie kommen aus dem Herzen und richten sich an Christi Herzen, dazu braucht es kein Mobiltelefon. Danach kehrt die Prozession in die Pfarrkirche zu einem Abschlusssegen zurück.

Loblied

fron:leichnam I

Um Gottessegen für das Gedeihen von Obst, Getreide und anderen Feldfrüchten, aber auch um die Gesundheit der Haustiere, wird bei der Bittprozession am Fronleichnamstag gebetet. Eingeschlossen in die Bitten wird auch die Erhaltung der Gesundheit für die Bevölkerung. In den Landgemeinden strömen in den Morgenstunden des Fronleichnamstags die Menschen in Festtagstracht, Opa und Oma bis zu den Enkelkindern, zur Kirche. Begleitet vom Klang der Kirchenglocken ziehen die Kirchenbesucher aus der Kirche aus und formieren sich für die Prozession. An der Spitze die Männer mit dem Kruzifix und Fahnen mit religiösen Motiven, dahinter die Kinder und die Frauen. Dann die Musikkapelle, Abordnungen der Landjugend und der Feuerwehr, alle in Galauniform.

Jetzt kommt das Herzstück des Umzuges, der Himmel, ein Baldachin mit vier Stangen und getragen von den Mitgliedern des Pfarrgemeinderates. Unter dem Himmel der Pfarrer in prächtigem Ornat und in den Händen trägt er das Allerheiligste, die Monstranz mit dem Leib Christi. Begleitet von den Ministranten. Hinter dem Himmel folgt der Kirchenchor und danach, gestaffelt nach Rangordnung, die Männer. Vorneweg der Bürgermeister mit den Gemeinderäten, die Lehrerschaft und der Gemeindearzt, Unternehmer, Kaufleute und Bauern. In dieser Formation zieht man in einem Umkreis von zwei bis drei Kilometer, zumeist auf Feldwegen, durch landwirtschaftliche Anbauflächen.

Glockenblume

senior:sensor II

Die Entrüstung, über die Möglichkeit in Wirtshäusern zu rauchen, ist in der österreichischen Bevölkerung groß. Der Unmut richtet sich gegen die Politiker, weil sie einmal für ein totales Rauchverbot in allen öffentlichen Lokalen eintreten, dann wieder nicht. Die als umwelt- und naturbewußt heranwachsenden Jugendlichen beginnen heute wieder vermehrt zu rauchen.Teilweise in einem Alter, wo der Körper noch wächst und sich entwickelt. Ritzt oder raucht der beste Freund oder Freundin, dann macht man es ihnen gleich. Der Zuspruch und das Vorbild der Eltern wird von dem des besten Freund oder der Freundin abgelöst. In vielen Fällen macht man sich Sorgen, weil man etwas verbessern will. Dabei zerbricht man sich den Kopf darüber, was könnten sich die jungen Leute wünschen. Selbst vertraut man auf seinen guten Geschmack, hat aber Zweifel daran, ob man mit dem Geschenk den Geschmack der Enkel trifft.

Bei den Kinderbüchern gab es bekannte Titel, die man kaum noch in einer Buchhandlung findet. Spontan fallen mir Die Raube Nimmersatt, Unsere drei Stanisläuse und Die Hochreiterkiner ein. Ein Longseller sind die „Was ist Was“ Bücher aus dem Tessloff Verlag. Diese Wissensreihe war bei den jungen Lesern schon in meinen Buchhandelslehrjahren beliebt. Sie fehlten auch nicht bei der Buchausstellung in der Hauptschule Winklern im Mölltal. In den sechziger Jahren waren sie noch in schwarz/weiß, und händisch illustriert, heute sind sie bunt und interaktiv. Der erste Band der „Was ist Was“ Reihe trägt immer noch den selben Titel, Unsere Erde der blaue Planet.

Geschmacksnerven

senior:sensor I

Im Verhalten der jungen Generation sieht man nur die problematischen Seiten. Den jugendlichen Besuchern hält man vor, dass sie sich nicht mehr auf die Art und Weise unterhalten, wie man es selbst gepflogen hat. Dies war ein Gespräch im Kreis von Freunden. Heute passiert es oftmals so, man trifft sich auf der Bushaltestelle, in der Bahnhofshalle oder bei einer Familienfeier und jeder zückt sein Handy. Es wird mit irgendjemanden irgendwo gechattet, es hat sich aufgehört den Mund zu gebrauchen. Die Sprechwerkzeuge sind obsolet geworden, die neuen Sprachwerkzeuge sind die tippenden Finger auf dem Smartphon. Es hat den Anschein, dass die kleinen Sensoren am Smartphon geschaffen für die junge Generation sind. Die älteren Semester haben ein Problem mit ihren rheumatischen Fingern und dem eingeschränkten Sehvermögen eine SMS-Nachricht am Handy abzusenden. Die Kommunikation von früher hat sich verändert.

Der Trend, sich in die Haut der Unterarme zu ritzen, hat sich unter den Jugendlichen fast unbemerkt verbreitet. Betrachtete man dieses Verhalten früher als eine seelische Störung, so ist es momentan in, sich zu ritzen. Verbreitet ist es vor allem unter den weiblichen Teenagern. Vielleicht doch ein Signal an die bedarfsorientierten Eltern um mehr Aufmerksamkeit, ein Zeichen für ein Aufmerksamkeitsdefizit.

Berufsorientiert