VERZERRTE . GESICHT

 Um ein verzerrtes Gesicht zu erreichen machen die Menschen verschiedene Anstrengungen. Sie lassen dafür viele verschiedene Gesichtsmuskeln spielen, ein gutes Training für eine glatte Gesichtshaut. Wer die Nackenmuskeln überdehnt oder die Kiefermuskeln verspannt, bekommt Gesichtsschmerzen. Der Maler Piere Moda hat seinen Kopf weit zurückgelehnt, wurde dabei fotografiert und hat dann die Konturen mit  einem Filzstift nachgezeichnet. So entstand eine Serie von Selbstbildnissen.
Die Furcht vor dem eigenen Gesicht befällt einem am Morgen im Bad. Wer noch nicht ausgeschlafen ist wird durch den Blick in das eigene Gesicht wach. Jetzt gibt es nur einen Ausweg, in die Dunkelheit der Nacht zurückzukehren.
 
Flucht vor dem eigenem Gesicht.    
                         

26.8.05 07:43 verlinken / kommentieren

 

SIMULIERTE . MENSCH 
Im Computerzeitalter ist es möglich durch Simulation am PC auf viele praktische Experimente zu verzichten. Es genügt, dass die Daten in den Computer eingegeben werden und das Programm gestartet wird.  Die verschiedensten Situationen können am Computer simuliert werden. Dies kommt in der Entwicklung von Flugzeugen, Motoren, aber auch bei chemischen Experimenten zum Einsatz. Es ist daher nicht überraschend, dass die Kinderärzte für jedes Baby ein Computermodell anlegen. Dies macht es möglich, nach einem Zeitraum von drei Jahren vorauszusagen, wie groß das Kind einmal als Erwachsener sein wird. Nach mehreren Jahren  gibt es dann bereits Voraussagen an welchen Krankheiten dieser Mensch einmal leiden wird und auch das voraussichtliche Alter kann das Computerprogramm errechnen. Bald wird es genügen das Leben als Computermodell zu starten
Der simulierte Mensch.   
23.8.05 22:06 verlinken / 1 Kommentar / kommentieren

 

FALSCHE . GEDANKEN

 Wer jetzt das Krastal bei Villach besucht, kann die Skulpturen der diesjährigen Teilnehmer des Bildhauersymposium besichtigen. Besonders vielsagend ist der Titel der Skulptur der Südtirolerin Erika Inger, „Falsche Gedanken“. Bei dieser Arbeit stehen schwere Marmorblöcke auf dünnen Stahlstäben. Falsche Gedanken erheben sich mit Leichtigkeit und schleichen umher, um dann mit der ganzen Schwerkraft des Marmor jemanden zu erdrücken. Bei der Arbeit von Michael Kos „Wiedergutmachung“  werden die Sprünge der Marmorblöcke mit Stahldrähten vernäht. Hier wird ,wie in einem Krankenhaus, versucht, die Verletzungen welche wir der Natur zugefügt haben mit einer Wundnaht Wiedergutzumachen.
Morgen ist auch noch ein Tag.

19.8.05 11:24 verlinken / 2 Kommentare / kommentieren

HOCH . WASSER

 In diesem Herbst  kam es in weiten Teilen von Österreich zu sintflutartigen Regenfälle. Am schlimmsten waren die Vermurrungen und Verwüstungen in Vorarlberg. Jetzt, drei Monate danach, ist die Eisenbahn über den Arlberg noch immer unterbrochen. An der Wiederherstellung wird gearbeitet. Auch entlang einiger Flüsse gab es Überschwemmungen. Vorbei sind die Zeiten wo es neben dem Flussbett Überschwemmungsgebiete gab. In diesen Bereich war es völlig normal, dass die Flüsse von Zeit zu Zeit über die Ufer traten, ohne dabei Schaden anzurichten. Welche wertvolle Aufgabe Moorgebiete als  Regulator bei sintflutartigen Regenfällen haben, kann man beim Moor in der Nähe von Moeselstein beobachten. Vier  Wochen nach den letzten großen Regenfällen steht das Wasser im Schilf noch immer sehr hoch. Der durch das Moor führende Steg ist wieder begehbar. Wäre dieses Wasser direkt in die Gail geflossen, hätte es mehr Hochwasserschäden gegeben. Jahrzehntelang wurden Überschwemmungsgebiete und Moorgebiete trockengelegt, jetzt muss man nach jedem Hochwasser die Kellerräume trockenlegen.
 
Wir sitzen im Trockenen.

12.11.05 16:13 verlinken / 2 Kommentare / kommentieren

 

FRÜH . PENSION

Seit der Pensionsreform müssen wir alle länger arbeiten, um dann weniger Pension zu erhalten. Sogenannte Frühpensionisten werden jetzt argwöhnisch beobachtet. Vor allem dann, wenn sie gerade fünfzig Jahre alt sind oder auch darunter, unterstellt man ihnen gerne Arbeitsunwilligkeit. Manchmal ist es nicht ausgeschlossen, dass sich welche krank stellen. Unter den Frühpensionisten  befinden sich auch kleine Gewerbe- und Handelstreibende, die in ihrer Selbstständigkeit gescheitert sind. Sie sind nicht nur geschäftlich gescheitert, sondern auch körperlich, weil das Eine das Andere bewirkt . Für die kleinen Selbstständigen gibt es keinen Arbeitsinspektor oder Gesundheitstrainer. Die einzige Vorgabe ist, arbeiten um zu leben, auch wenn dabei die Gesundheit zu kurz kommt.
Oftmals trifft es zu, dass Kleinunternehmer bei Aufträgen für große Konzerne  oder als Subunternehmer den Geschäftsmethoden der Grossen unterlegen sind und finanziell und körperlich scheitern. Manche möchten noch gerne arbeiten, sie können es aber nicht mehr. Sie kommen dann in die Frühpension.
 
Von der Frühpension in die Depression.

12.8.05 07:48 verlinken / kommentieren

 

FEUER . STURM

 
Wer schon einmal von einem chinesischen Arzt oder Ärztin untersucht und behandelt wurde weis, dass die chinesische Medizin besonders auf den Fluss der Energien im Körper achtet und bei einer Blockade dieser Energieflüsse von Krankheit spricht. Auch mit den vier Elementen, Feuer, Wasser, Luft und Erde werden Krankheitsbilder beschrieben. Bei einer Untersuchung nach chinesischer Heilmethode fand die Ärztin, dass ich zuviel Feuer in mir habe. Diese Hitze verursache die Beschwerden. Mit Hilfe von Akupunktur könnte man die Hitze aus dem Körper ausleiten. Die Akupunkturnadeln wurden an folgenden Stellen angebracht: In der Kopfhaut, der Stirn, den Ohren, in der Bauchdecke,  im Unterarm und den Ober- und Unterschenkeln. Wenn ich die Muskeln anspannte schmerzten die Nadeln, es war wie im Fegefeuer. Nach zehn Behandlungen war das Feuer in mir noch nicht erloschen. Noch heute kämpfe ich mit dem Feuersturm in meinem Körper.
 
Der Feuersturm in mir.
 
  

10.8.05 17:07 verlinken / 4 Kommentare / kommentieren

 

STROM . FALLE

Was die Elektrizität, kurz gesagt der Strom, für eine Bedeutung im täglichen Leben hat merken wir immer dann, wenn er ausfällt und sei es nur für eine Stunde. In Möselstein ist am Samstagvormittag der Strom für eine Stunde unterbrochen gewesen und plötzlich war es in den Einkaufszentren dunkel. Dunkel im wörtlichem Sinne und auch im übertragenen Sinn, nichts war mehr möglich. In der Obst- und Fleischabteilung fielen die Waagen und Schneidmaschinen aus, die Türen konnten nicht mehr geschlossen werden und im Kassenbereich war für alle Kunden Stillstand und Endstation. Manche ließen die halbvollen Einkaufswagen stehen und verließen den Supermarkt. In einem Wohnblock war eine Frau in einem Lift eingeschlossen und musste händisch hochgekurbelt werden. Viele saßen plötzlich im WC in der Finsternis und der Schweinsbraten stand halb gebraten am Herd.
Der Stromausfall wurde zu einem öffentlichen Thema. Die Leute versammelten sich auf der Strasse und diskutierten über die Abhängigkeit vom Strom. Eine  geregelte Arbeit war ohne Strom  nicht möglich.
Der Mensch trägt sein Kraftwerk in sich, er versorgt sich selbst mit Energie. Zunehmend werden aus medizinischen und wissenschaftlichen Gründen in den Menschen Implantate eingesetzt die mit externer Energie versorgt werden müssen.
 
Wir sitzen in der Stromfalle.

7.8.05 09:34 verlinken / 3 Kommentare / kommentieren

 

DIE . ANGST

 
Im Warmbad Villach bewegte sich eine Frau im Ozonbecken, mit beiden Händen an den Laufstangen festhaltend, von einer Massagedüse zur Nächsten. Die Wassertiefe beträgt 1.40 Meter. Sie konnte nicht schwimmen und hatte Angst im Wasser frei zu gehen. Jeder Schritt im Wasser ist ein Schritt gegen die Angst und viele kleine Schritte führen weg von der Angst. Der erste Schritt in die Angst ist auch der erste Schritt aus der Angst.
 
Die begehbare Angst.

4.8.05 21:35 verlinken / kommentieren

 

LEBEN . HEISST. HANDELN
 
Mit dem Motto, Leben heißt handeln, versuchen Greenpeace Aktivisten am Villacher Hauptplatz die Menschen über die Arbeit von Greenpeace zu informieren und neue Mitglieder zu werben. Das nach einigen Regentagen heute ein Tag mit viel Sonnenschein ist sieht man daran, dass einige Studentinnen auf den Schultern einen Sonnenbrand haben. Um 18 Uhr ist für die erste Partie der Werber Schluss, jetzt kommt die zweite Partie. Sie stellen sich den Leuten, welche von der Arbeit nach Hause eilen oder noch schnell einen Einkauf erledigen wollen in den Weg. Man sieht die unterschiedlichsten Menschen mit den verschiedensten Kleidern, aber fast niemanden ohne Handy. Das Handy ist heute ein Teil der Bekleidung. Ein Unterstandloser, welcher sich mit einer sechser Packung Bierdosen auf einer Bank gemütlich gemacht hat, kommt ohne Handy aus. Am Infostand von Greenpeace steht auf einem Plakat unter dem Zitat der Name Albert Camus. Als ich die Infodame frage, ob sie weis wer Albert Camus war, ist sie völlig unwissend. Sie kennt Camus nicht, noch hat sie ein Buch vom Literaturnobelpreisträger gelesen. Sie verspricht, wenn sie wieder zu Hause ist, dies nachzuholen. Ich empfehle ihr die Bücher „Der Fremde“ und „Die Pest“.
 
Handeln heißt auch, andere für ein Buch zu begeistern.    
2.8.05 19:20 verlinken / 2 Kommentare / kommentieren

 

BÄREN .  BRÜCKE II 

Ein Jahr nach der Eröffnung der Bärenbrücke über die Südautobahn ist bei den Naturfreunden der Bär los. Erstmals wurden auf der Bärenbrücke die Fußabdrücke von einem Braunbären entdeckt.

Wann kommt der nächste Bär.
 

ZER . STÖRT

 
Den größten Teil unseres  Leben befinden wir uns auf der Suche nach einem Lebenssinn. Worin liegt der Sinn unseres Leben? Jeder muss seinen Lebenssinn  bei sich, besser in sich suchen und nicht bei anderen Personen. Wenn einem der/die PartnerInn verlässt, verliert dann das Leben seinen Sinn?  Eine Trennung kann sehr schmerzen, aber es muss nicht bedeuten, dass das Leben zerstört ist. Eine Partnerschaft besteht, bei aller Zuneigung, aus zwei Teilen. Aus einem gemeinsamen Teil und einem ganz persönlichem Teil. Jeder sollte etwas für sich schaffen von dem er sagen kann, dies ist ein Großteil meines Lebens, meiner Persönlichkeit, die mir durch keine äußeren Einflüsse weggenommen werden kann. 
Wurde diese Vorsorge nicht getroffen, so ist dies eine persönliche Schuld. Einen Halt im Leben findet man in der Vergangenheit. Erlebnisse und Gefühle die man erlebt hat, kann einem niemand mehr wegnehmen. An diesen Erlebnissen kann man sich wieder aufrichten. Eine andere Möglichkeit für den Erhalt des Lebenssinn ist die Hoffnung auf die Zukunft. Der Gegenwart soll man keine große Bedeutung bei- messen. Wer es versäumt hat seinem Leben einen Sinn zu geben, kann dafür nicht jemand anderem die Schuld geben.
 
Das nächste Leben.  
 
 
 

14.7.05 12:03 verlinken / 3 Kommentare / kommentieren

 

TERROR . RAND
In den letzten Tagen ist eine Fülle von Berichten über die Sprengstoffanschläge auf die U-Bahn in London über die Bildschirme geflimmert und in den Tageszeitungen veröffentlicht worden. Im Internet gibt es live Bilder vom Tathergang und persönliche Schilderungen. Überall wird über die Urheber und die Folgen der Terroranschläge diskutiert.
Auch bei einem so spektakulärem Ereignis, wie den Terroranschlägen in London, können die Wahrnehmungen ganz verschieden sein. Die persönliche Wahrnehmung eines so furchtbaren Ereignisses bestimmt die persönliche Befindlichkeit und Situation. Ein bekanntes Ehepaar ist am Wochenende von einem London Aufenthalt nach Österreich zurückgekehrt. Ihre Aufmerksamkeit richtet sich auf die Mutter, die nach einem Schlaganfall in das Krankenhaus eingeliefert wurde. Die Terroranschläge waren für sie ein Randereignis.
Am Rande des Terrors.    
11.7.05 17:37 verlinken / 2 Kommentare / kommentieren

 

DIE . ALTEN

 
Zu oft reden wir „Alten“ die Welt schlecht und stellen die Zukunft hoffnungslos dar. Wir wollen, dass alles beim Alten bleibt, dann bleibt uns alles bekannt und auch unsere Vorteile bleiben beim Alten. Wir haben vergessen, dass wir 1968 aufgebrochen sind alles zu verändern, besonders alles was Alt war. Jetzt müssen wir den Jungen freie Hand lassen. Bleiben wir beim Alten, aber lassen wir Platz für das Neue. Die Jugend von heute wird schneller alt sein, als sie es heute glaubt.
 
Alles beim Alten.

10.7.05 21:06 verlinken / kommentieren

 

SCHI . LEHRER
 
Erstaunt zeigte sich die Rezeptzionistin eines Hotels in der Therme Loipersdorf als sie gefragt wurde, ob es möglich sei eine Schiausrüstung und einen Schilehrer  zu buchen. Über Nacht hatte es in der Thermenregion geschneit. Die Frau versuchte zu erklären, das diese Region  kein Schigebiet ist, die Umgebung bestehe nur aus Hügeln und es gibt keine Skilifte. Die Skigebiete liegen im Norden der Stermark. In der Thermenregion gäbe es kaum Schnee und er würde auch nicht für längere Zeit liegen bleiben. Für die nächsten Tage wäre es möglich einen Schwimmlehrer zu buchen.
 
Schwimmlehrer statt Schilehrer.
9.12.05 07:58 verlinken / kommentieren

 

BIO . GEDANKE

 
Manchmal wird vergessen wer für was zuständig ist. Dies zeigt ein Beipackzettel, der einer Vorratspackung Fleisch von einem Bio Bauern beigepackt war. Darauf war folgendes zu lesen: Mit diesem Vorratspaket haben sie Qualität vom Biobauer gekauft. Diesem Satz kann ich zustimmen. Dann wird mir ein schöner und erholsamer Sommer gewünscht, sowie viel Glück und Gesundheit. Sehr erfreulich.  Weiter steht geschrieben, wir möchten Ihnen diesmal ein paar Gedanken mit auf den Weg geben:
 
Suchen wir unser Licht
In unseren Gefühlen!
In ihnen liegt eine Wärme,
die viel Klarheit in sich schließt.  J. J.
 
Vielleicht sollten Biobauern einfach gesunde Produkte erzeugen und verkaufen, die Gedanken hole ich mir anders wo.
 
Der biologische Gedanke.

7.7.05 09:42 verlinken / 7 Kommentare / kommentieren

 

ANGESAUGTE . KUH

 
Wer das Bild „Angesaugte Kuh“ von Maria Lassnig betrachtet wird in dem unförmigen Körper, mit einem dicken Filzstift gezeichnet, eine Kuh erkennen können.
Das Bild entstand im Jahre 1988. Ratlos werden manche die metallenen Ausstülpungen betrachten welche den Kühen aufgesetzt sind. Nur wer selbst auf einem Bauernhof aufgewachsen ist, wird darin den Stutzen einer Melkmaschine erkennen. Die Kuh ist reduziert auf das Abbild eines Euter mit zwei Stutzen einer Melkmaschine.
Maria Lassnig wurde 1919 in Kappel am Krappfeld im Kärntner Unterland, einer von der Landwirtschaft geprägten Landschaft, geboren. In ihrer Jugendzeit sind die Kühe noch mit der Hand gemolken worden. Während meiner Kindheit wurden die Kühe bei uns am Bauernhof von Hand gemolken. Ich saß als Kind während des Melken auf einem Melkschemel neben dem Vater und horchte seinen Geschichten zu. Als Schüler erzählte ich dem Vater was wir in der Schule gelernt haben. Nach der Installation einer elektrischen Melkanlage hörte man im Kuhstall nur mehr die Geräusche der stampfenden und saugenden Melkmaschine. Mit den Gesprächen während des Melken war es vorbei.
 
Der Melkautomat. 

12.8.05 21:16 verlinken / 3 Kommentare / kommentieren

 

CHINA . MADEN

 

Es vergeht kein Tag, an dem man nicht mit einer Meldung über die wirtschaftlichen Erfolge von China informiert wird. So erfährt man, dass im ersten Halbjahr dieses Jahres über 160 Millionen Paar Schuhe aus China in die EU importiert wurden oder dass  80 % der Spielwaren weltweit in China erzeugt werden und das China die höchsten Wachstumsraten der Welt hat. Oft aber werden dafür die Frauen, da Mädchen als Nachkommenschaft noch immer unbeliebt sind, ausgebeutet. Die unerwünschten Frauen ziehen vom Land in die Großstadt, in die sogenannten Sonderwirtschaftszonen und versuchen dort eine Arbeit zu finden. Diese Notlage wird selbst im kommunistischem China von den Industrieunternehmen ausgenützt und die Frauen als billige Arbeitskräfte eingestellt. Bei einer Arbeitszeit von zwölf Stunden täglich, an sieben Tagen die Woche, verdienen die Arbeiterinnen gerade mal € 45.—pro Monat.

 

Sucht man in einem Spielwarengeschäft nach einem passendem Geschenk, dann kann es passieren, dass die Begleitung ein Funkauto in die Hand nimmt und sagt „Made in China“. Ich verstehe, „heute schaue ich „Made in China“ . Ich frage zurück, „wie lange dauert die Fernsehsendung? Die Begleitung fragt, „welche Fernsehsendung?, ich sage „Made in China“.

 

Die Chinamaden im Kopf.

 

 

 

29.6.05 21:29

REISE . FIEBER

 

An den heißen Junitagen werden die Felswände des Dobratsch durch die intensiven Sonnenstrahlen aufgeheizt und der Lärm der hochtourigen Motorräder wird als Echo in das Tal zurückgeworfen. So wird die Stimmung in Moeselstein, wenn die Motorräder auf der B83 durch den Ort brausen, angeheizt. Den Motorrädern folgen mit Folgetonhorn die Einsatzwagen der Polizei. Bei einem Verkehrsunfall auf der A2 Autobahn heulen die Feuerwehrsirenen, dann kommen die Sirenen des Notarztwagen und des Rettungsautos. Jetzt ist Sommer in Moeselstein und man bekommt Reisefieber.

 

Wohin geht die Reise?

28.6.05 14:09

SPÄT . HERBST

 

Wer jetzt auf einer Bank in der Schütt sitzt und einen Blick auf die Bäume und Sträucher wirft sieht, dass die Eichenblätter erdbraun, ausgetrocknet und verdorrt sind. Im Sturzflug fliegen die Blätter von den Bäumen, um vom nächsten Windstoß aufgewirbelt zu werden. Am blassblauen Himmel fliegt ein Segelflieger lautlos den Dobratsch entlang. Auf der Wiese weiden drei Pferde. Ein Pferd kann sich nicht beruhigen, es wiehert immer wieder und hebt seinen Kopf. Vielleicht will es schon in den Stall? Der nächste Windstoß wirft die Mähne hoch, von der Ferne klingen Kuhglocken. Ein Mann läuft die Strasse entlang und kämpft dabei gegen seine Kilos und gegen das Alter. Die Sonne steht tief über dem Länderdreieck. Leise drehen sich die Räder der Fahrradfahrer und von der Autobahnbrücke hört man das Schlagen der Autoachsen. Der Verkehrsstrom reist nicht ab.

 

Der Lärm kennt keine Grenze.  

4.11.05 18:26

ZUKUNFT . ÖSTERREICH

Die Kaiserin Maria Theresia steht auf einem großen Betonsockel mit Zepter und Krone am Neuem Platz in Klagenfurt. Von einem Plakat mit rot-weis-roten Streifen auf einer Liftfasssäule strahlt der Bundeskanzler für die Zukunft Österreichs und auch für seine Eigene. Am Neuen Platz ist eine große Wäschespinne aufgebaut und die unter Sechsjährigen üben sich im Bangcamping  Springen. Fünf Minuten kosten vier Euro. Auf einer Sitzbank verabschiedet sich eine Generation mit einer Flasche Bier. Die Sandleer von Klagenfurt trinken sich in den Tod. Wo zwei junge Leute am Tisch sitzen, da liegen drei Handys. Wenn der Herkules den Lindwurm erschlagen wird und das Wörtherseemandl sein Fass öffnen wird, dann wird Klagenfurt in den Fluten des Wörthersee untergehen.

 

Zukunftsfest für Österreich.

22.6.05 21:11
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FÜNFZIG . JAHRE

 

Neben den offiziellen Feiern „Fünfzig Jahre 2. Republik  Österreich“, wo sich die regierenden Politiker oftmals selbst feiern, gibt es die „privaten Fünfziger“. Dies sind Frauen und Männer welche im Jahre 1955 , dem Jahr der Unterzeichnung des österreichischen Staatsvertrages geboren wurden. Ihnen kann man den Stolz ansehen, dass sie in einem „historischem Jahr“ geboren wurden, obwohl sie zur Erlangung der Unabhängigkeit nichts beigetragen haben. In die weitere Entwicklung des Staates waren sie voll eingebunden. So verlaufen die Fünfzigjahrfeiern ganz unterschiedlich.

 

Eines ist gewiss, dass der Staat mit den Jahren mehr Gewicht bekommt, während die Zeit der Fünfzigjährigen weniger wird. Viele Menschen leiden mit den Jahren an einem Zeitdefizit, obwohl sie weniger Aufgaben zu bewältigen haben. Meine Wünsche für die Fünfziger lauten, Zeit für die restlichen Dinge des Lebens und soviel Gesundheit wie zum Leben notwendig ist.

 

Gesunde Lebenszeit.  

19.6.05 22:05

DIGI . FOTO

 

Wer sich ein Jahrzehnt zurückerinnert weis, dass man bei einem Urlaub am Meer oder in den Bergen vom Urlaubsort Ansichtskarten an Verwandte und Freunde verschickt hat. Bei den Souvenirläden hat man die Kartenständer vor- und zurückgedreht und die schönsten Ansichtskarten ausgesucht. Entweder hat man laut oder leise für sich alle jene Leute aufgezählt, denen man eine Karte schicken will. So sah man die Urlauber im Gastgarten bei einem Getränk oder am Abend im Hotel beim Abendessen sitzen und dabei die Ansichtskarten schreiben.

Heute kann man beim Abendessen im Hotel beobachten, wie rundherum die Fotohandys gezückt werden und man sich gegenseitig fotografiert. Es wird so lange fotografiert, bis die Aufnahme allen gefällt, auch demjenigen, welcher fotografiert wurde. Heute ist alles wiederholbar, bis es keinen Spaß mehr macht. Das Foto wird als digitale Ansichtskarte versandt.

 

Das Ende der Spaßgesellschaft. 

 

17.6.05 10:26

 

KIRCH . SCHLAG
Im Schlagloch meiner Erinerungen gibt es einige Begebenheiten aus Kirchschlag i. d. Buckligen Welt. Die Burgruine Kirchschlag ist trotz eines kleinen Aufstieg, zwecks der schönen Aussicht, diese Mühe wert. Es bietet sich ein rundum Blick auf die Bucklige Welt mit den vielen Waldstücken, den weiten grünen Feldern auf den Leiten und dazwischen die Bauernhöfe, mit ihrem eigenen Stolz. Dazwischen wogen die Gedreitefelder im Wind und dahinter wölbt sich der nächste Buckel.
Alle fünf Jahre haben die Kirchschläger schwer an der Welt zu tragen, wenn sie bei den Kirchschlagerpassionsspielen für Christus das Kreuz tragen. Das Kreuz tragen ist nicht etwas Vergangenes oder Geschichte. Es wird heute nur totgeschwiegen, dass auch heute im Computerzeitalter jeder von uns sein Kreuz zu tragen hat. Man braucht nur in den Onlinetagebüchern zu lesen und trifft auf viele Blogger, welche an ihrem Leben leiden. Das Leiden ist stärker in der Welt anzutreffen als sonst einmal.
Einen ganzen Sommer spielt die Bevölkerung von Kirchschlag bei den Passionsspielen die Geschichte vom Leid, vom Hass, dem Neid und der Angst. Die Passion bleibt aber nicht im Leid festgefahren, zum Schluß kündet ein strahlendes Licht aus dem leeren Grab vom Frieden für den leidenden Menschen.
Das Kreuz tragen.  

14.6.05 21:03

 

ZE . HENT
Man spricht oft von der Macht der Politiker. In der heutigen Situation der Globalisierung, wo jeden Tag Firmen aus dem EU-Raum abwandern, muß man von der Machtlosigkeit der Politiker sprechen. Wenn sie Macht haben, dann wird ihnen diese Macht von den internationalen Konzernen zur Verfügung gestellt. Die Macht und der Einfluß verschiedener Adelsgeschlechter ist heute noch grösser als die eines Landeshauptmann. Wer das Burgenland besucht trifft überall auf die Schlösser und Besitzungen des Geschlecht der Esterhazy. In Lockenhaus ist es ebenso.
Wir sind heute von der Adelsherrschaft befreit, dafür aber die Leibeigenen des Staates. Früher mußte man einen Zehent (10 Prozent) von seinem Einkommen an die Gutsherrschaft abliefern, heute zahlen wir 30 bis 50 Prozent Einkommensteuer an den Staat. Der Einfluß des Landehauptmann von Burgenland ist geringer als der Einfluß der Esterhazy.
In einem Gasthof in Lockenhaus, wo vor kurzem auch der Landeshauptmann gespeist hat, kann man gut speisen. Die Sprache der Burgenländer hat einen schönen melodischen Klang.
Wohltat Zehent.

13.6.05 11:23

 

RAND . STEIN
Am Sonntagvormittag trifft man die Jugend beim Kirchgang, am Nachmittag liefern sich die Burschen auf der engen und kurvenreichen Landstrasse zwischen Zöbern und Krumbach mit ihren Sportwagen ein Strassenrennen. Die Autos sind schon lange bevor sie zu sehen sind, zu hören. Es ist wie das Grollen von Donner, die tiefen Bässe der Schlager bringen die Luft zum Vibrieren. Sie rasen mit ihren tiefliegenden Autos vorbei an den privaten Marterln, welche hier am Straßenrand an die Opfer des Straßenverkehrs erinnern.
„Hier mußte am 16. 10. 1970 das Mädchen  G. im Alter von dreizehn Jahren unschuldig ihr Leben lassen.“ Den Betonsockel schmückt ein Engel mit gefalteten Händen.
„Hier verunglückte am 26. 1. 1952 Herr J.A. “ Ein Sockel mit Kreuz.
Würde man an den Straßen für alle Verkehrstote Marternl aufstellen, könnte man sich die Randstein ersparen.
Am Straßenrand.

9.6.05 17:07

LICHT . BLICK
Ein Lichtblick im Kuralltag war das Gitarrenkonzert der Musikschule Scheiblingkirchen im Museumsdorf Krumbach für den Verein Lichtblick Krumbach. Sie musizierten für einen wohltätigen Zweck. Der Erlös aus dem Konzert kommt der Errichtung einer „Beschützten Werkstätte“ für Kinder & Erwachsene mit besonderem Förderungsbedarf zu gute. Gespiel wurden Kompositionen von Klassik bis Pop, von M. Langer bis G. Telemann. Das Gitarrenquartett bzw. -Quartett stand unter der Leitung von Renate Hofer. Bei manchen Musikstücken konnte man sich völlig entspannen und die Augen schließen. Der Alltag wurde ausgeblendet, der fand woanderst statt.
Berührend war auch die Geschichte von einer Mutter eines mongoliden Kindes, wie sie mit ihrem Mann beschlossen haben dem Verein beizutreten. Es war ein paar Tage vor Weihnachten, als sie sich entschlossen auf gegenseitige Geschenke zu verzichten und dafür dem Verein Lichtblick eine Geldspende zu überweisen. Sie gingen gemeinsam zur Bank und verbrachten danach einen gemütlichen, statt stressigen, Vorweihnachtsvormittag im Cafe beim Reden und Cafetrinken.
Ein Lichtblick.
 

7.6.05 08:15

VER . REISEN
In einem Kurhotel ist es unvermeidbar, dass unter den Kurgästen auch ältere und gebrechliche Menschen sind mit Gehhilfen, Krücken und im Rollstuhl. Bei einem Tischgespräch stellte sich die Frage, ob es erstrebenswert ist, so alt und gebrechlich zu werden oder ob es besser wäre mit vierzig oder fünfzig Jahren „gesund“ zu sterben?
Mein Einwand gegen den „gesunden Tod“ war, dass man  vieles erst in den späteren Jahren erlebt. Gerade das Verreisen können sich viele Menschen erst in späteren Jahren leisten, oft erst nach der Pensionierung. All diese, meistens interessanten und schönen Erfahrungen hätte man bei einem frühen Tod nicht machen können. Meine Frage ist, welche Auswirkungen würde das Fehlen dieser Erfahrungen nach dem Tod haben?
Erfahrungen und Erlebnisse für das Jenseits.
 

4.6.05 13:20

SELBST . SUCHT

Es ist eine unpersönliche Welt, in der ich das Gefühl habe, dass der Tod eines Freundes mir die Zeit stiehlt. Ich hatte für mich eine Woche vorgeplant, endlich hatte ich das Gefühl, dass ich einmal für mich persönlich ein wenig Zeit haben werde und dann erreicht mich die Nachricht, dass der Freund gestorben ist. Der Wochenplan ist hinfällig. Jemand, welchen ich gerade an diesem Tage anrufen wollte um mich zu erkundigen, welche Feste anlässlich von hundert Jahre Relativitätstheorie geplant sind?  Ich habe dann doch nicht angerufen, weil die Zeit schon fortgeschritten war und eine Fahrt zum Bahnhof bevorstand. Er hat gerne telefoniert und man weiß nie wie lange wir gesprochen hätten.

Heute würde ich mich gerne mit ihm sprechen, aber es ist leider zu spät. Jetzt ärgere ich mich darüber, dass ich persönlich zu kurz kommen könnte, er kann es nicht mehr.

Selbstsüchtig bis zum Tod.

LEBENS . CHANCE

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In diesen Tagen, der schönsten Zeit des Jahres, vor sechzig Jahren, wurde das Hitler-Regime besiegt und der zweite Weltkrieg fand sein Ende. Die Söhne und Töchter der NS-Generation kann man nicht für die Greultaten der Väter verantwortlich machen, man kann aber auch die Väter nicht von ihrer Schuld reinwaschen und freisprechen. Wie sehr diese Verbrechen beschönigt, bereinigt oder verdrängt werden, zeigte in diesen Tagen eine Aussage eines österreichischen Bundesrates, der die Frage, ob es im Dritten Reich Gaskammern gegeben hat, „prüfen lassen will“.
 
Es war nicht nur ein „gewöhnlicher Krieg“, es war ein Ausrotten und Verfolgen von ganzen Volksgruppen, dies waren nicht nur Juden, sondern alles was nicht „gesund“ war. Hier greift diese Ideologie nach den Menschen von heute. Man will den gestylten, perfekten und gesunden Menschen, für die Kranken und die Alten bereitet man die „Sterbepille“ vor. Aber kein Mensch ist vor dem Alter und einer Krankheit geschützt. Daher ist es heute so wichtig, dass man die Folgen der NS – Ideologie in Erinnerung bringt. Dies ist ein Aspekt, es gibt noch viele andere.
 
Eine Lebenschance für die Gebrechlichen, Kranken und Alten.

2.5.05 20:31 verlinken / kommentieren

 

WÖRTER . SEEfficeffice“ />
 
Drei Tage  vor dem GTI -Treffen in Maria Wörth am Wörthersee blicke ich vom Hang in Auen bei Schiefling über den Wörthersee. Auf der gegenüberliegenden Seite durchschneidet die Wörtherseeautobahn wie ein überdimensionaler Betonträger die Nordseite und endet bei der Wörtherseeraststation. Das schönste Geräusch ist das Geräusch des fahrenden Zuges auf der Südbahn nach Triest. Schon hört man das Aufheulen der Motorräder auf der Süduferstrasse. Dazwischen das Zwitschern der Vögel in den Bäumen. In ein paar Wochen wird es im Geräusch der sprechenden Urlauber untergehen.
 
In einer Amadeus Buchfiliale wurde der Gedichtband „Der Wörtersee“ von Robert Gernhardt bei den Wanderführern vom Wörthersee eingereiht.
 
Vom Wörthersee zum Wörtersee.        
4.5.05 19:14 verlinken / kommentieren

 

BLOG . GEBURTSTAG

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Teilhard de Chardin hat die These aufgestellt, dass das Universum aus einem Gedanken und einem Willen entstanden ist und diesen Zeugungsakt nennt er Gott. Dieser These kann ich mich gut anschließen, so ist alles von diesem Urgedanken durchdrungen, alle Lebewesen, alle Pflanzen und alle festen Stoffe. Wir kommen bei unserer Geburt aus diesem Gedanken und Willen und kehren nach unserem Tod wieder dort zurück. Kardinal Schönborn sagte anlässlich des Todes von Papst Johannes Paul II : „ Wir können hoffen und glauben, dass er auferstehen wird.
 
Schon wenn ein Surfer täglich auf dieses Weblog zugreift, dann leben meine Gedanken weiter fort. Dies ist ein Gedanke zu meinem

2. BLOGGEBURTSTAG.

Laut Nedstetbasic  besuchen monatlich zirka  achthundert Surfer die Startseite dieses Weblog, laut interner 20six Statistik sind es ca. dreitausend Zugriffe.
 
Ein Weiterleben im Blog.
 

7.5.05 07:55 verlinken / 1 Kommentar(e) / kommentieren

 

TAG . GEDANKE

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Der US – Computerpionier  Joseph Weizenbaum sagte über das Internet:

 

„Das Ganze ist ein riesiger Misthaufen, der Perlen enthält.“

 

Wo sind die Perlen?

11.5.05 20:26 verlinken / 2 Kommentar(e) / kommentieren

 

HERZ . RHYTMUS

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Wer sich zur Vorbeugung gegen körperliche Beschwerden oder zur Heilung von Krankheiten in einem Kurhaus befindet oder wie man heute sagt in einem Wellnesthotel weiß, dass dies nicht bedeutet das es keine  Termine  und keine Uhrzeit mehr gibt. Wer ansonsten im Alltag einen lockeren Umgang mit der Zeit hat muss jetzt erleben, dass Pünktlichkeit, Termine und Zeit eine große Rolle spielen. Die Zeitmessung, bei der man mit Sonnenaufgang und Sonnenuntergang das Auskommen gefunden hat, sind lange vorbei.
 
In der Zeit um Jahrzehnte zurückversetzt fühlt man sich im Kneippkurhaus der Barmherzigen Brüder in Schärding. Die Uhrzeit wird dort von großen runden Uhren angezeigt, wie sie früher  in den Schalterhallen der Bahnhöfe zu sehen waren.  Die Uhren haben keinen Sekundenzeiger und sie strahlen den Hauch der zwanziger Jahre aus.  Beim Warmlaufen der Füße nach den Kneippanwendungen  in der Wandelhalle bekommt man das Gefühl, dass hier die Zeit stehen geblieben ist.
 
Ein anderes Zeitklima herrscht in der Rheumasonderkrankenanstalt in Baden bei Wien. Die Wanduhren sind allgegenwärtig und es ist unmöglich den Blick vom Boden zu heben, ohne das einem nicht eine moderne Uhr anblickt. Der Sekundenzeiger verkörpert unsere hektische und nervöse Zeit. Wer hier ausgeglichen ankommt wird durch die allgegenwärtigen Uhren und die zuckenden und ruckenden Sekundenzeiger nervös und gestresst. Die Atmosphäre des Hauses und der Umgangston der Therapeuten ist sachlich und nüchtern, der Stil der neunziger Jahre. Hier ist Gesundheit eine Abfolge von richtigen Bewegungen.  Der Mensch eine defekte Maschine und Krankheit eine heilbare Sache im Sekundentakt.
 
Im Kurhotel in Bad Schönau muss man lange suchen um eine Wanduhr zu finden. Dies ist der erste Schritt um die Termine und Probleme des Alltags zu vergessen. Man befindet sich in einem Haus mit Weite, mit wohltuenden Farbtönen in orange, gelb und braun. Hier kehrt man nach einigen Tagen Aufenthalt zur Zeit des Herzens, zum eigenen Herzrhythmus zurück, die ursprünglichste Form er Zeitnehmung. Eine Zeitnehmung welche jeder  in sich trägt. Hier kann jeder zu seinem Herzrhythmus zurückfinden. Dies wollen alle  Kurgäste, welche in  dieser hektischen und lauten Zeit außer Atem gekommen sind. Den eigenen Rhythmus für Körper und Seele bei einem Kuraufenthalt wiederfinden.
 
Im Rhythmus des Herzens. 

14.5.05 07:50 verlinken / 3 Kommentar(e) / kommentieren

 

GOTT . SEI . DANK

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Während der Zeit vor, bei und nach der Papstwahl hat es auch von Sonntagschristen viele Äußerungen zum Amt des Papstes und zur katholischen Kirche gegeben. Die wenigsten äußerten sich zu Glaubensfragen, auch Katholiken nicht, weil diese hinter den Fragen der kirchlichen Karriere oder den persönlichen Auftritten von Kardinälen im Fernsehen zurückstehen. Die Spekulationen um den neuen Papst hatten auch bei den Feiertagschristen eingesetzt und wenn die Favoriten in den Zeitungen abgebildet waren, die Weißen und die Schwarzen, dann haben sich viele Leute gewundert, dass es Kardinäle der schwarzen Hautfarbe gibt. Für sie ist das Christentum eine europäische Angelegenheit. Ihnen ist nicht bekannt, dass zweidrittel der Christen in den 3. Welt Ländern leben. Nach der Papstwahl konnte man erleichterte Ausrufe hören: „Gott sei Dank, kein schwarzer Papst“.
 
Ein Weißer Gott.     

16.5.05 14:56 verlinken / kommentieren

 

PAPST . KATZENfficeffice“ />
 
Bei den vielen Berichten über den neuen Papst Benedikt XVI ist eine Meldung kaum beachtet worden, dass mit dem Papst auch zwei Katzen in die Papstgemächer des Vatikan einziehen. Ratzinger hatte als Kardinal zwei Wohnungskatzen, die Namen sind nicht bekannt und diese sind ebenso wie die deutsche Haushälterin, eine Musikprofessorin, mit Ratzinger umgezogen. Die Haushälterin hat auch die Funktion einer Tischdame für gehobene Tischgespräche. Ratzinger ist bekannt für seine theologische Strenge, aber diese beiden Umstände verleihen ihn in meinen Augen menschliche Züge. Es ist an der Zeit den Papst als einen ganz gewöhnlichen Menschen zu sehen und in ihm nicht nur ein unfehlbares und unnahbares Wesen.
 
Vielleicht verliert in den nächsten Jahrzehnten auch Gott etwas von seiner Unnahbarkeit und bekommt menschliche Züge. Vor allem würde ich dem lieben Gott eine Frau wünschen, weil wenn er erkannt hat, dass Adam eine Frau braucht und daher Eva erschaffen hat, dann müsste dies auch für Ihn gelten.
 
Eine liebe Frau für den lieben Gott.
19.5.05 15:30 verlinken / 2 Kommentar(e) / kommentieren

 

KUNST . WEG 
Auf die Frage des Journalisten Peter Seewald: „Wie viele Wege es insgesamt zu Gott gibt“, antwortete Kardinal Ratzinger, jetzt Papst Benedikt XVI folgendes: „Es gibt so viele Wege wie es Menschen gibt.“ Diese Antwort  findet sich in dem Buch „Salz der Erde“, ISBN 3453-879422, ein Gespräch zwischen Joseph Kardinal Ratzinger und Peter Seewald über Christentum und katholische Kirche im neuen Jahrtausend.
 
Eine schönere und freiere Antwort habe ich noch nirgends gelesen und gehört. Vielleicht befreit Kardinal Ratzinger, jetzt Papst Benedikt XVI, die Gläubigen von den Zwängen und Ritualen die ihnen durch die Institution Kirche über die Jahrhunderte auferlegt worden sind.
 
Zur Kunst sagt Ratzinger: „Kunst ist mit der Wissenschaft die höchste Gabe, die Gott dem Menschen gegeben hat.“
 
Der Kunst die Freiheit.
 
  
21.5.05 07:46 verlinken / kommentieren

 

ZER . STÖRUNG

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In den letzten Wochen gab es viele Berichte über das Kriegsende vor sechzig Jahren. Damit verbunden waren die Absichtserklärungen der europäischen Politiker die demokratischen Spielregeln zu beachten und miteinander friedlich umzugehen. Wenn man genau hinsieht, dann wird die Wahrheit bzw. die Realität von den Politikern hinter schönen Worten verborgen. So haben sich die europäischen Staaten verpflichtet  drei Prozent des Staatshaushaltes für Entwicklungshilfe zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig geben die Staaten zehn Prozent für die Rüstung aus. Das bedeutet, dass man dreimal soviel für die Zerstörung ausgibt, als für die friedvolle Entwicklung. Die ganze Wahrheit ist, dass die meisten Staaten nur ein Prozent für die Entwicklungshilfe zur Verfügung stellen und damit zehnmal mehr für die Zerstörung.
 
Eine gestörte Welt.

23.5.05 17:10 verlinken / 2 Kommentar(e) / kommentieren

 

DIE . ALTEN

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Zu oft reden wir „Alten“ die Welt schlecht und stellen die Zukunft hoffnungslos dar. Wir wollen, dass alles beim Alten bleibt, dann bleibt uns alles bekannt und auch unsere Vorteile bleiben beim Alten. Wir haben vergessen, dass wir 1968 aufgebrochen sind alles zu verändern, besonders alles was Alt war. Jetzt müssen wir den Jungen freie Hand lassen. Bleiben wir beim Alten, aber lassen wir Platz für das Neue. Die Jugend von heute wird schneller alt sein, als sie es heute glaubt.
 
Alles beim Alten.

24.5.05 18:17 verlinken / kommentieren

 

DACHAU . BRIEF III

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Konzentrationslager Dachau 3K, den 29. 1. 1945 , Gef.-Nr. 946..
Liebe Familie!
Die herzlichsten Grüße an Euch alle. Bin soweit gesund, was ich auch von Euch Dasselbe hoffe. Habe beide Briefe von Euch erhalten, vom 19. 12. und vom 5. 1. Es hat mich sehr gefreut ein liebes Schreiben von der Heimat zu bekommen.
Ich hoffe, daß Du meine Briefe wohl erhalten wirst. Das Du solange keine Schreiben von mir erhalten hast, ist darauf zurück zuführen, weil wir am 3. Dezember und erst wieder am 31.12. schreiben durften. Pakete habe ich bis jetzt alle zehn Stück bekommen und hoffe, daß Du nicht vergessen hast auf mich. Ein Zuschuß gibt sehr viel aus, überhaupt im Winter, wenn es sehr kalt ist. Kleider darfst mir keine schicken. Hoffe, daß Du noch welche Pakete aufgegeben hast vor der Sperre. Für weiterhin wird Dir schon die Frau P. Bescheid sagen. O. schreib viele Neuigkeiten und lange Briefe. Was sagt F.? Wie hast Du mit dem Vieh?, behalte nur alles was Du kannst. Hoffe, dass wir den Winter glücklich übertauchen und das wir uns doch noch Wiedersehen. Wenn Du noch was auf der Post anbringst, nütze es nur aus. Es freut mich, daß A. bei der Post Stellung bekommen hat und das jemand in der Nähe ist. Also O. sei nur rechtbehilflich der Mutter und klein H. auch brav sein, dann wird alles gut, wenn ich nach Hause kommen sollte. Schreibt mir auch wo V. und A. sind, hoffentlich wohl noch am Leben. Heute weiß man nicht, was der morgige Tag bringt. Ich lasse auch alle Beide herzlich grüßen und schreibe ihnen, daß sie trachten sollen sich durchzuschlagen. Ich grüße auch alle meine Nachbarn, Verwandte und Be­kannte, grüße auch an alle Frontsoldaten. Liebe T., sei nur stark, mag kommen was will. Hoffe, daß einst auch für uns zwei die Sonne scheinen wird. Also viele tausend Grüße nochmals von Eurem Vater.

Schicke bitte Knoblauch und Zwiebel.

27.4.05 07:55 verlinken / kommentieren

DACHAU . BRIEF II

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Dachau 3K, den 31.12. 1944; Gef. Nr. 946..

Liebe Familie !

Die herzlichsten Grüße noch im alten Jahr sendet Euch allen euer Vater und wünscht allen ein Prosit Neujahr. Ich bin soweit gesund, was ich auch von euch dasselbe hoffe. Ich gebe bekannt, dass ich die Pakete mit großer Freude bekommen habe und zwar ein großes und zwei kleine, acht Tage vor Weihnachten. Gestern, am 30.12. ein großes Paket, wo die Ohrenschützer beigelegt waren und in gutem Zustand erhalten. Meine Lieben, ich war sehr erfreut über alles was ihr mir geschickt habt. Ich grüße auch den Tabakpflanzer T. und seine Familie und wünsche allen einen guten 45ziger und noch eine bessere Ernte in diesem Jahr. Ich bedanke mich für seine Spende. Liebe T., Kleider braucht ihr mir keine schicken, wenn ich was brauche werde ich schon schreiben. Am liebsten sehe ich Brot, auf das dürft Ihr wohl nicht vergessen. Wenn es dir möglich ist, wenigstens alle vierzehn Tage ein Laib Brot.
Das letzte Schreiben habe ich am 5. 12. erhalten, warte sehr schwer auf die nächste Post. Wie habt ihr die Weihnachtsfeiertage zugebracht? Waren die Söhne auf Fronturlaub oder sind Ihr allein gewesen? Auch wir haben einen Baum gehabt, aber viel schöner wäre es doch bei Euch zu Hause. Grüße auch I. und L. , wünsche Ihnen alles Gute.  Sage Ihm er soll auch M. schön grüßen und das er immer so billigen Kauf gemacht hat, kann er sich wohl mit einem Pims und eine Pappenschmiere an uns erinnern. Die Imker sollen den Anerkennungszins in Natura bezahlen. Wenn du Honig bekommst, schickt in einer Bierflasche, vielleicht hat F. einen Sacharin übrig. Vergesst nicht ein paar Knollen Zwiebel und Knoblauch. Feuersteine sind auch im Laden, leg sie auch bei. Liebe O. ich gratuliere Dir alles gute zu deinem Geburtstag, sei brav wie bisher.
Liebe T. mach Dir keine großen Gedanken, tröste dich damit, wenn ich nicht hier wäre, wäre ich auch nicht bei Dir zu Hause. Was macht klein H., fest Schlittenfahren. Viele tausend Bussi aus der Ferne, ich warte auf eine baldige Antwort, die besten Grüße an Euch allen, Bekannte wie Verwandte.

25.4.05 10:47 verlinken / 4 Kommentare / kommentieren
DACHAU . BRIEF Ifficeffice“ />

Konzentrationslager Dachau 3K, den 30. 9. 1944 , Gef.Nr. 946..
Meine liebe Frau und Kinder!
Ich bin gesund und es geht mir gut, was ich auch von Euch dasselbe hoffe. Habe Euer Schreiben mit großer Freude erhalten. Das Paket wird wohl später kommen. Dieser Brief ist der Dritte, den ich Euch schreibe. Die Neuigkeiten haben mich sehr erfreut, dass im Betrieb auch diese Herrn einrüc­ken müssen. V. und T. helft der Mutter die schweren Arbeiten fertig zu machen, bevor Ihr einrückt.
Liebe Mutter und O., Kopf hoch, nicht verzagen, alles hat ein Ende, es kommt bald ein Wiedersehen. Gott gib, dass wir uns alle wieder zusammenfinden werden.
Was das Vieh betrifft, mach was Du glaubst, ist eine Kuh trächtig? Behalte die beste Kuh, mit einer wirst schon fertig werden. Im Winter wenn es kalt wird, gib sie zu der H. hinüber. Für mich macht Euch keine Sorgen, schaut nur, dass Ihr fortkommt. Es wäre recht jede Woche einen Laib Brot, bis zu zwei Kilogramm, ohne Begleitschein zu befördern. Das nächste mal schickt mir die Weste oder den Pullover, dann Mitte Oktober könnt ihr mir 60 Rm schicken. Der Freund kann sicher einwenig Eigenbautabak entbehren und mir zu­kommen lassen. Sacharin wäre auch recht, wenn Du nicht schon beigelegt hast, mit den Lebensmittel wird es auch sehr schwer sein. Wenn keine Zusatzkarten sind, kannst du den Verwandten keine Lebensmittel mehr geben und aushelfen. Man muss auf sich selbst schauen.
O. schreib recht viel und fleißig Neuigkeiten. Wenn V. Einrücken sollte, dann musst Du nach ihm eine Unterstützung beziehen. Solange sie nicht kommt, gehe nur zum Herrn P. einkaufen auf Kredit, wir werden schon bezahlen.
Viele herzliche Grüße an Euch alle, Mutter, V., T., O. und meine liebste kleine H. Ich komme bald wieder. Die besten Grüße auch an alle Verwandten und Bekannten, an meine Arbeits- und Schlafkollegen, besonders an W . Sag ihm er soll das Zeug vom Holzschlag heimbringen. Mit Grüssen Vater.

22.4.05 13:07 verlinken / kommentieren
KZ – DACHAU . HAFTfficeffice“ />

Dr. A. Walzl schildert in einem Artikel welche Bedeutung das KZ Dachau innerhalb der NS-Vernichtungsmaschinerie hatte und welche Bedeutung für Österreich und für Kärnten:
Das KZ Dachau hat für Österreich schon 1938 seine Wichtigkeit bekommen. Da hat die NS-Herrschaft in Österreich, somit auch in Kärnten, mit umfangreichen Verhaftungsaktionen bei den Funktionären des Ständestaates, den Spitzen der Vaterländischen Front, bei den jüdischen Mitbürgern und dann alle Funktionäre der Sozialdemokratischen und Kommunistischen Partei von denen man gewusst hat, begonnen. Somit war Dachau schon im Mai 1938 zum Bersten voll, so dass ein Teil der verhafteten Österreicher in andere KZ, wie Buchenwald, weitertransportiert wurden. In den folgenden Jahren sind sehr viele Kärntner nach Dachau gekommen die von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) unter dem Verdacht der Partisanenbegünstigung, des Hörens von Feindsendern oder wegen regimekritischer Äußerungen festgenommen worden sind. Andere Gründe für Verhaftungen waren die Hilfe für Verhaftete, die vermutete Mitwirkung bei Propagandaaktionen gegen das NS-System, vermutete oder wirkliche Mitwirkung bei Sabotageakten. Die Gestapo hatte Machtbefugnisse die weit über jene der Gerichte hinausgegangen sind. In vielen Fällen hat die Gestapo die Verhafteten nicht an die Gerichte zur Rechtssprechung abgegeben, sondern auf Grund des Schutzhaftgesetzes direkt in die KZ eingewiesen. Nach dem Hitlerattentat vom 20. Juli 1944 haben wiederum umfangreiche Verhaftungsaktionen eingesetzt und eine dieser Aktionen, die sogenannte Aktion „Gitter“ hat alle einstigen sozialdemokratischen  und kommunistischen Funktionäre erfasst.

Die Lebens- und Arbeitsbedingungen im KZ Dachau waren unterschiedlich.
Es hing vom Zufall ab in welchen Block man kam, in welches Arbeitskommando und im Bedarfsfall in welches Krankenrevier. So konnte der eine überleben andere hatten die Möglichkeit zum Überleben nicht. Die Ernährungssituation war katastrophal. Die Erfahrung des totalen Ausgeliefertseins ist sicher eine der schrecklichsten menschlichen Erfahrungen, welche man auch im KZ Dachau machen musste.

20.4.05 09:02 verlinken / 7 Kommentare / kommentieren
FUCHZG JOAHRfficeffice“ />

Fuchzg Joahr späta hot
a gebüldeta öltara Herr
gmant, dos de heitige
Jugend an Orbatsdienst
brauchat, so wia untan
Hitla.

Sechzg Joahr späta hom
de Hitlaonhänga behauptat,
dos von de Nazis kane Judn
in Viehwaggons in de KZs
vaschickt san woarn.
Se hom gsogt, dos noch
im vierevirzga Joahr
jidische Fraun in Pelzmäntl
im Speisewogn gsessn san
und noch Amerika ausgreist san…

FÜNFZIG JAHRE

Fünfzig Jahre später hat
ein gebildeter älterer Herr
gesagt, dass die heutige
Jugend einen Arbeitsdienst
brauchen würde, so wie zu
Zeiten vom Hitler.

Sechzig Jahre später haben
Hitleranhänger behauptet,
dass von den Nazis keine Juden
in Viehwaggon in die KZs
verschickt wurden.
Sie haben gesagt, dass noch
im Vierundvierziger Jahr
Jüdische Frauen in Pelzmäntel
gehüllt im Speisewaggon gesessen sind
und nach Amerika ausgereist sind…

19.4.05 18:43 verlinken / 3 Kommentare / kommentieren

KZ – DACHAU . BESUCH

14. 5. 1993fficeffice“ />
 
Nachdem ich am Vortag eine Mustermesse in Salzburg besucht habe, fahre ich heute, am 14. 5. 1993 von Salzburg  nach Dachau. Am meisten fürchte  ich den Verkehr im Raume München, welcher dann  geringer als erwartet ist. Um elf Uhr treffe ich am Parkplatz vom Konzentrationslager Dachau ein . Die Zufahrt ist genau beschildert. Ich bin überwältigt von der Größe des Areals und den unüberwindbaren Lagermauern. Das Gelände war abgesichert durch einen  Wassergraben, Stacheldrahtverhau, Stacheldraht unter Strom, Betonmauern und Wachtürmen. Ich stehe am Appellplatz  wo sich viele Schicksale der Inhaftierten entschieden haben.

Das Konzentrationslager wurde auf dem Gelände einer ehemaligen Pulverfabrik im Jahre 1933 errichtet. In der Amtssprache der Nationalsozialisten diente es für Sozialisten, Kommunisten, Zigeuner, Priester und Juden als „Anhaltelager“.  Nach der Machtübernahme durch Hitler  wurden die Juden gleich zu Feinden erklärt, enteignet, aus allen Ämtern verdrängt und ohne Gerichtsverhandlung hier inhaftiert. Die Propaganda der Lagerleitung lobte die guten Aufenthaltsbedingungen  im Lager,  die Verpflegung, die Arbeitsbedingungen und die medizinische Betreuung. Die wirklichen Zuständen im Lager waren ein Widerspruch wie Tag und Nacht. Der Lageralltag bestand aus minimaler Verpflegung, Schwerstarbeit und medizinischen Versuchen an den Inhaftierten. Die Schautafel in der Eingangshalle mit allen KZ in Europa und deren Außenlager  vergesse ich nicht. Hunderte von Lagern überzogen Mitteleuropa wie ein Hautausschlag bis in den Süden nach Kärnten.

Zirka 35.000 Menschen fanden in Dachau den Tod, weitere zigtausend  wurden zur Vergasung in andere Konzentrationslager verschickt. Die Toten, sei es durch Erschöpfung, Krankheit, Hunger und Erschießungen wurden im Krematorium verbrannt. Für diese Ziegelöfen wurden Baubewilligungsverfahren abgewickelt und die Firmen mussten über die Kapazität der Verbrennungsöfen vor Baubeginn Auskunft geben. Für die als Brausebad getarnte Gaskammer wurde auch eine Baubewilligung eingeholt. Vor der Verwendung der Gaskammer  kam das Kriegsende. Je länger der Krieg dauerte umso schlechter wurden die Haftbedingungen. In den Eingangstüren der Baracken stand der Spruch „Arbeit macht frei“ . In dreißig Baracken wo Platz für fünf- bis sechstausend Menschen war, wurden bis zu dreißigtausend Menschen zusammengepfercht.

Menschen aus allen Teilen der Welt besuchen das ehemalige Konzentrationslager. Einige fotografieren und filmen, andere sind gleichgültig, andere nachdenklich und manche brechen in Tränen aus. Ich fotografiere  mit dem Gefühl, ich störe damit die Totenruhe dieser gequälten und zu Tode geschundenen Menschen. Die Fotos sind  für  jene gedacht welche behaupten es hätte keine Konzentrationslager gegeben. Ich gehe in die Andachtsstätten der jüdischen, katholischen und evangelischen Religionsgemeinschaften. Gedenken ist mir zuwenig, man muss Widerstand leisten gegen das neu aufkommende nationalsozialistische Gedankengut und gegen die Verharmlosung der Verbrechen in der NS-Zeit. Die Lagerinsassen vom KZ Dachau wurden am 29.4.1945 von den Amerikanern befreit.

Gerne hätte ich die Altstadt von Dachau besucht und die Ausstellung von der „Deutschen Malerkolonie“, aber der Tag ist schon zu weit fortgeschritten. An der Einfahrt zu Dachau steht : „Es grüßt sie das 1200jährige Dachau“.

17.4.05 19:14 verlinken / 4 Kommentare / kommentieren
GUMMI . CAMILLA
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Ich hatte in meinen Jugendjahren im Winter bei bitterer Kälte und viel Schnee kein ordentliches Schuhwerk. Dies bedeutete mit Halbschuhen eine dreiviertel Stunde von Zuhause zum Bahnhof zu gehen, sodass die Zehen halb gefroren waren. Jetzt frage ich mich warum braucht ein Mensch, wie es jetzt von Camilla anlässlich ihrer Hochzeit mit Prinz Charles berichtet wurde, 400 (vierhundert) Paar Gummistiefel. Diese  Stückzahlen werden auch auf  ihre andere Garderobe zutreffen.Während meiner Bundesheerzeit in Graz hatte ich zum Ausgehen ein paar „Sonntagsschuhe“ aus Plastik. Im letzten Monat der Militärzeit, im November, sind die Sohlen entzwei gebrochen. Ich hatte nicht soviel Geld um mir ein paar neue Schuhe zu kaufen. Es war zum Glück nicht sehr kalt und ich wurde beim Ausgehen nur nass an den Füssen. Endgültig zu Bruch gingen die Schuhe, als ich vom Bundesheer entlassen, vom Bahnhof zu Fuß nach Politzen ging. Dabei brachen die vorderen Stücke der Schuhe weg, so dass die Vorderfüße  aus den Schuhen in den Schnee ragten.

Viele Bewohner in den Oststaaten würden sich  wenigstens ein paar ordentliche  Schuhe  für den Winter oder für die Regentage wünschen. Bei uns wird im Fernsehen viele Stunden von der Hochzeit zwischen Prinz Charles und Camilla berichtet.

Opium für das Volk.

14.4.05 14:51 verlinken / 4 Kommentare / kommentieren

SELBST  .  HYPNOSE

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Auf Grund einer Woche fast völliger Fernsehabstinenz bin ich der Suggestion der Bilder, von den Begräbnisfeierlichkeiten für Papst Johannes Paul II, entkommen. Die Persönlichkeit und das Charisma des Papstes hat sicherlich dazu beigetragen, dass so viele Menschen an seinem Begräbnis teilgenommen haben. Kaum dürfte dazu seine Auslegung der Bibel und der Dogmen beigetragen haben, eher schon das Gesetz der Masse, die Massensuggestion. Wo viele Menschen sich versammeln, an einem Ereignis teilnehmen, da wollen viele andere auch dabei sein. Ähnlich verhält es sich mit der großen Liste der „trauernden“ Staats- und Regierungschef. Keiner wollte  in dieser „Hitliste der Trauernden“ fehlen.

Die Aussagen des verstorbenen Papstes zu vielen Problemen und Schwächen der Welt können nur ein Sirup, ein Konzentrat sein, welches erst in der Interpretation und Durchführung durch andere Menschen wirken können. So sind auch die Bibeltexte ein Sirup, ein Konzentrat,  welche ihre Wirkung erst durch die Anwendung des Menschen entfalten können. Es gibt vor allem jenen Hoffnung, die verzweifelt sind und keine Hoffnung durch andere Menschen erfahren, eine Art von Selbsthypnose. Gott braucht sich nie zu beweisen, ob er hilft oder nicht hilft.

Wenn ich Gott bei der Suche nach einem Arbeitsplatz um Hilfe bitte, dann kann ich diese Bitte um Hilfe nie bei ihm einfordern, auch dann nicht, wenn ich keinen Arbeitsplatz finde. Die Bitte an Gott ist sozusagen eine psychische Hilfe, ein Ort des Trostes, nicht mehr und nicht weniger.

Manchmal hat man den Eindruck, dass die Hierarchie der katholischen Kirche diese Ausbreitung des Sirup, des Konzentrat behindert.

Bibeltexte zur Selbsthypnose.

11.4.05 19:20 verlinken / kommentieren

KATZEN . MENSCH

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Zu meinem Blogbeitrag KATZEN . TREUE  hat  KatzenMensch von sich  folgende Geschichte erzählt. KatzenMensch schreibt:

„ Ich würde sagen übernatürlich sind Katzen schon, sie haben wirklich einen sechsten Sinn. Ich war etwa fünf Jahre alt und habe  mich im Schlaf verschluckt , keine Luft mehr bekommen und war kurz vor dem Ersticken. Meine Katze Gina, die bei mir geschlafen ist, hat gemerkt was mit mir los ist und ist zu meinem Vater in das Wohnzimmer gelaufen und hat miaut. Sie ist immer wieder in mein Zimmer zurück und wieder in das Wohnzimmer, so wurde mein Vater aufmerksam. Wenn damals Gina nicht gewesen wäre, dann könnte ich diesen Text hier nicht schreiben, ich wäre dann schon tot.
Also wie gesagt, Katzen sind etwas besonderes. Auch wir Menschen haben übernatürliche Fähigkeiten. Meine Gina, jetzt vierzehn Jahre alt, wäre vor einem Monat fast gestorben. Normalerweise kommt sie, wenn sie von mir gerufen wird, sofort. Aber diesmal kam nur ein ganz schwaches Miauen. Ich hob Gina auf meinen Arm, ihre Augen schlossen sich und es war schon soweit, das sie stirbt. Mir kamen die Tränen und ich sagte zu ihr, du darfst mich jetzt noch nicht verlassen. Nach etwa dreißig Minuten ging es ihr wieder besser, jetzt ist sie fast wieder die Alte, nur noch etwas schwach. Jetzt frage ich mich, hat sie neue Kräfte mobilisiert um für mich am Leben zu bleiben oder habe ich ihr neue Kraft gegeben ? Für mich war diese Situation übernatürlich genug. „

Natürlich das Übernatürliche.

8.4.05 10:59 verlinken / kommentieren

DIE . KARTÄUSERIN

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Alles hätte anders kommen können, dann wäre der Roman von Pierre Peju nicht geschrieben worden und ich hätte den Roman nicht lesen müssen, lesen können. Es ist gekommen wie es hatte sein müssen. Der Buchhändler Vollard  verspätet sich bei der Abfahrt  mit seinem Auto, die Mutter Therese verspätet sich bei der Abholung ihres Kindes Eva von der Schule. Eva steht allein im Regen am Gehsteig und läuft unkontrolliert auf die Strasse und Vollard kommt in diesem Moment mit seinem Auto. Eva wird vom Auto erfasst und auf den Gehsteig geschleudert. Für den Buchhändler und Buchliebhaber Vollard ist damit die Zeit vorbei,  „sich in den Buchseiten zu verlieren“.  Therese kommt „vom Fahren um zu fahren“ zurück und findet ihre Tochter im Krankenhaus wieder. Vollard findet die Möglichkeit bei den Besuchen im Krankenhaus „sich von sich selbst zu befreien“. Therese befindet sich noch immer in der Situation, dass sie „bloß hatte sie absolut keine Ahnung was sie wollte“. Eva bleibt stumm und Vollard  wandert im Grande Chartreuse, „um die gefährliche Energie loszuwerden“. Dann kommt „die entsetzliche Weihnachtszeit „ und noch einmal nimmt das Leben von Vollard, Therese und Eva eine Wendung wie es kommen musste, aber es hätte auch ganz anders kommen können.

( Die kleine Kartäuserin, Pierre Peju, Piper Verlag, ISBN 3492-046193)

Lesen, lesen.

5.4.05 12:29 verlinken / kommentieren