russland:ukraine

Zurzeit weiß ich nicht wie ich mich verhalten soll, welche Zeitungen ich lesen und welche Nachrichten ich hören soll. Der Aufwecker morgens ist für uns die „Kleine Zeitung“, welche vor unserer Wohnungstür liegt. In den letzten zwei Jahren war vieles über Corona, Omikron Regeln, Intensivstationen, Pandemie und Lockdown zu lesen. Wir haben gehofft, dass dieses Jahr die Schlagzeilen der Zeitung wieder eine gewisse Normalität widerspiegeln. Die Titelschlagzeilen es wieder bunt gemischt treiben. Einmal eine Nachricht aus der Umgebung, ein Bericht über einen Zusammenschluss im Alpen Adria Raum oder eine neue Attraktion in Kärnten. Das Gegenteil ist eingetreten. Wochenweise wurde über die Entwicklung der Omikron Pandemie spekuliert, weil mehr als Spekulationen sind nicht möglich. Alle Prognosen der Virenforscher wurden in einen Topf geworfen, dann kräftig geschüttelt und wie bei Lotto „sechs aus 45“ statt Zahlen, Prognosen gezogen. Wie im Lotto, alles ist möglich. Von der Bundesregierung könnte man sagen dort wird gewürfelt, je nach Augenzahl, hoch oder nieder werden die Corona Maßnahmen verstärkt oder gelockert. Einstein hat einmal gesagt, Gott würfelt nicht, aber unsere Bundesregierung ist nicht Gott.

Ende Jänner begannen die Spekulationen darüber, wird es in Europa einen Krieg geben? Will Russland die Ukraine mit der es schon über Jahre in einem Kleinkrieg befindet, großflächig angreifen? Putin wurde zu einem Dämon hochstilisiert, wobei ich mich frage, wo war unsere bzw. die europäische Diplomatie. Eine Heerschar von hochbezahlten Diplomaten haben es die ganzen Jahre, seit dem Fall des sogenannten Eisernen Vorhanges nicht geschafft, ein Haus Europa zu schaffen. Gesprochen und geschrieben wurde oft und viel über das gemeinsame Haus Europa. Für mich gehört dazu auch Russland, der größte Staat Europas. Waren die Außenminister und die Diplomatenriege so vom Wohlstand verblendet, dass sie unter gemeinsam nur jene Staaten verstanden haben, welche in der Lage sind sich finanziell am Festgelage zu beteiligen? In allem haben wir es uns gut gehen lassen und darauf vertraut, dass das tolle Haus von der Nato geschützt wird.

eisenbahn:krippe

Die Generationen der 50er, 60er und 70er Jahre des 20. Jahrhunderts begleiten zumeist noch kirchliche Riten durch das Jahr. Zwei- bis dreimal besuche ich während der Weihnachtszeit die Eisenbahnerkrippe in der Nikolei Kirche in Villach und lasse mich auf das Weihnachtswunder ein. Eisenbahnerkrippe nenne ich sie, den Stall zu Bethlehem bildet ein offener Eisenbahnwaggon. Er steht auf einem Abstellgleis am Villacher Hauptbahnhof, im Hintergrund sind Teile vom Bahnhofsgebäude und die Türme der Stellwerke zu sehen. Auf der Rückwand der Dobratsch und der Mittagskogel. Im offenen Güterwaggon befinden sich das Jesuskind, Maria und Josef, sowie Kuh und Esel. Das faszinierende an der Krippe sind die vielen Figuren, verteilt auf dem Bahnhofsgelände, die alle dem Waggon zustreben. Jahr für Jahr werden es mehr. So gibt es eine Gruppe von Eisenbahner, die Arbeiter der Stadtverwaltung, eine Kindergartengruppe, Reisende am Bahnhofsgelände, Ministranten und Pfarrer. Neu hinzugekommen sind Menschen mit anderer Hautfarbe und arabischer Bekleidung, sowie Flüchtlinge. Bauern und Landarbeiter mit ihren Haustieren, eine Karawane von Kamelen und deren Begleiter. Die Figuren strahlen durch ihre typische Haltung und Bekleidung eine große Authentizität aus. Alle bewegen sich auf den offenen Eisenbahnwaggon zu, um dem Jesuskind zu huldigen. Nach christlichem Verständnis endet der Weihnachtskreis am 2. Februar zu Mariä Lichtmess. An diesem Tag werden die Krippen und die Weihnachtsdekorationen in den Kirchen weggeräumt.

Über Jahrzehnte definierte sich Villach als Eisenbahnerstadt, als Eisenbahnknoten mit Verwaltungsstellen der ÖBB. Hier kreuzt sich die Eisenbahnstrecke welche von Salzburg kommt mit der Strecke aus Wien. Weiter geht es nach Venedig, Rom bis nach Neapel und in die andere Richtung nach Laibach, Rijeka bis nach Istanbul.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern eine stimmungsvolle Weihnachtszeit !

schöpfer:macht

Könnten wir einen unbefangenen Blick von außerhalb auf unseren Körper machen, mit dem Blick eines Außerirdischen, dann würden wir erkennen wie zerbrechlich dieser ist. Diese Sicht auf unseren Körper wäre vergleichbar mit den Erfahrungen die Astronauten gemacht haben. Kehrten sie von einer Mondumkreisung oder von der Raumstation Mir zurück zur Erde, erzählten sie von einer bläulich gefärbten Kugel, die Erde. Sie waren erschüttert von der Einsamkeit und der Gebrechlichkeit der Erde im Universum. Manche Astronauten hätten der Erde am liebsten einen Mantel umgehängt, um sie vor kosmischer Kälte oder einer Infektion durch Weltraumviren zu schützen. Dabei sind es die Raumfahrer, welche sich in einer unvorstellbar verletzlichen Situation befinden. Zu zweit oder zu dritt in einer Raumkapsel im weiten All, beim kleinsten Missgeschick könnten sie verloren sein. Vielleicht stärkt dies ihre Vorstellung, dass hinter dem Zusammenspiel der einzelnen Gestirne und Planeten eine Schöpfermacht steht.

Abseits sozialer Strukturen empfinden wir im Allgemeinen ähnlich. Wir vermuten für unseren Körper, für die Erde, für das Universum eine Schöpfermacht. Nur herbeigesehnt, um in der Zerbrechlichkeit nicht allein zu sein? Zum Anderem hängt es von der eigenen Stabilität ab, ob man sich auf das Wahrnehmbare verlässt. Dem Zweifel, einmal könnte die Phase der Ausgewogenheit vorbei sein, keinen Platz einräumt. Das Leben als ein ständiges Wechselspiel zwischen Wohlfühlphase und Problemphase deuten. Es ist ein Vorteil wenn man über einen stabilen Körper verfügt, dem man einiges zumuten kann und der einiges abfedert. Es geht uns allen so, dass wir über unserem sozialen Gefüge hinaus eine schützende Hand wünschen. Wie stark jeder diese fürsorgliche Hand annimmt und sich auf diese einlässt, ist seine persönliche Entscheidung. Ist da jemand?

digital:amme

Während eines Aufenthaltes im Hotel oder bei einem Besuch einer Jungfamilie erlebt man, dass das Smartphone oder Tablett bei Kleinkindern als digitale Amme dient. Heute die ideale Kinderbetreuung. Beim Abendessen verlangt das einjährige Mädchen vehement nach dem Smartphone, es liegt mehrfach in Griffweite auf dem Familientisch. Es gibt nicht Ruhe, bevor es nicht eingeschaltet wird. Das Mädchen starrt auf das Display des Handys, während die Mutter mit einem Kaffeelöffel versucht einen Brei in den Mund des Kindes zu stopfen. Das Kleinkind hat den Mund halb offen, bemüht sich aber nicht nach dem Brei zu schnappen, den Löffel abzuschlecken. So eingenommen ist es von den Figuren und Bildern auf dem Bildschirm. Der Versuch das Smartphone zu entfernen, endet jedes Mal mit einem Zornesausbruch.

Vor kurzem mahnte eine Kinderärztin in einer Zeitung, Kleinkindern unter zwei Jahren ein Smartphone zur Beschäftigung zu überlassen. Ein digitales Gerät kann kein Ersatz für eine spielerische Beschäftigung mit dem Kleinkind sein. Die Realität ist in den Jungfamilien und im öffentlichen Raum eine andere. Welche Folgen dieser frühe Konsum von digitalen Medien für die Wahrnehmung der Realität und der sozialen Kommunikation in späteren Jahren einmal haben wird, bleibt offen. Ich bin froh darüber, dass in meiner Kindheit Bilderbücher, Märchenbücher und Kinderbücher die wichtigsten Quellen zur Beschäftigung und Unterhaltung waren.

Kartoffelbrei

früh:geburt

Zu den Auswirkungen des übermäßigen Internet- oder Handykonsum gibt es viele Studien, Zeitungsartikel und Bücher, unübersehbar. Was den Internet- und Handykonsum betrifft, befindet sich die Generation über sechzig in einer glücklichen Lage. Sie befindet sich in der Gnade der frühen Geburt.  In Zusammenhang mit den Kriegs Greul im Zweiten Weltkrieg spricht man von unserer Generation von der Gnade der späten Geburt. Durch die extensive Internet- und Handybenützung und damit folgende Entwicklungsschäden im Kindesalter oder digitales Suchtverhalten, haben die vor den siebziger Jahren Geborenen das Glück der frühen Geburt. Wir waren schon erwachsen und sind dem Überkonsum des Handy und Internet entgangen. In einer entscheidenden Entwicklungsphase, im Kleinkindalter, wurden wir noch nicht von einer digitalen Amme betreut.

Mit Autos zum Aufziehen, Teddybären, Holztraktor und Bilderbücher wurde versucht unsere Aufmerksamkeit und Stillverhalten zu erwirken. Ältere Geschwister haben Märchen vorgelesen. Zum Büldl schauen genügte ein alter Bauernkalender oder Reimmichlkalender vom verflossenen Jahr. Teilweise waren sie schon mit einem Bleistift oder Buntstiften vom älteren Bruder vollgekritzelt. Um einzelne Blätter zu zerreißen und später um einzelne Bilder herauszuschneiden waren sie immer noch zu gebrauchen.

Märchenkubus