…einer fiskalischen Jungfrau.
Es war meine erste Steuerprüfung und ich eine fiskalische Jungfrau. Ich musste die geschäftlichen Unterlagen der letzten Jahre bereitstellen. Das geplante Ausspannen wurde in die Zukunft verschoben, statt Entspannung stellte sich Anspannung ein. Die Steuerprüfung hängte damit zusammen, dass ich mein Geschäft erweitert und im selben Gebäude eine Wohnung bezogen hatte. Ein Schwerpunkt war, welche Bereiche vom Gebäude werden geschäftlich und welche privat genützt. Konsterniert war ich darüber, dass der Steuerprüfer darauf bestand sämtliche Räumlichkeiten, zu besichtigen, vom Heizkeller bis zur Dachluke. Seine persönliche Wahrnehmung entschied darüber, welche Räume geschäftlich und welche privat genützt wurden. Für die Abende beauftragte er mich diese und jene Belege für den nächsten Tag bereitzustellen, diese und jene Spesen herauszurechnen. Seine Mittagspause verbrachte der Finanzer in meiner Küche und bat um Erlaubnis die Übertragung der Weltcupabfahrt im Fernsehen anzusehen. Überrascht war er davon, dass ich Mitte der achtziger Jahre einen Schwarzweißfernseher benützte und keinen Farbfernseher hatte. Unspektakulär endete die Steuerprüfung. Alle Zahlen, welche der Prüfer auf einen kariertem Bogen Papier aufgeschrieben hatte, wurden zusammengezählt und dies ergab die Nachzahlung. Der Steuerprüfer bezeichnete die Nachzahlung als Taschengeld für den Staatshaushalt. Höre ich heutige vom Budgetdefizit, dann waren dies ein paar Opfergroschen.
Einen Farbfernseher habe ich Anfang der neunziger Jahre gekauft und bestimmt ein halbes Jahr dem Schwarzweißfernseher nachgetrauert. Mir waren die Schwarzweißbilder sympathischer, als alles in Farbe serviert zu bekommen. Den Schwarzweißfernseher habe ich einem Früh-Pensionisten geschenkt und in sein Haus nach Seltschach gebracht. Er empfing mich mit den Worten: „Jetzt kommt die Welt ins Haus“. Dieser Moment bleibt mir unausweichlich in Erinnerung.
