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In der ersten Jahreshälfte nimmt man es mit dem Verstreichen der Monate nicht allzu genau. Die ersten Monate des Jahres genießt man wie eine Juxpartie. Dabei spielen auch die verschiedenen Feste eine Rolle. In diese Zeit fallen der Valentinstag und der Fasching, zu jedem Anlass wird gefeiert. Der Villacherfasching wird als fünfte Jahreszeit gesehen, man hat gleich zu Beginn des Jahres eine ideelle Verlängerung eingebaut. Feiert Ostern, das Frühlingsfest, verbunden mit einem Spaziergang in die erwachte Natur. Weis in der westlichen, säkularisierten Welt überhaupt noch wer, dass Ostern einen starken Bezug zur Bibel hat? Dabei geht es um Tod und Auferstehung, nicht um Tod und Auferstehung einer fernen geschichtlichen Person, sondern um den eigenen Tod und Auferstehung. Eine Metapher für unseren Wunsch für ein Leben danach. Was bleibt bei den Menschen haften, Karfreitag und Ostermontag? Karfreitag, arbeitsfrei für die Protestanten und der Ostermontag ein Feiertag für alle. Eine Ausnahme gibt es bei unserem Nachbarland Italien, wo der Ostermontag  und Pfingstmontag kein bezahlter Feiertag ist. In Slowenien gibt es sonderbarerweise gesetzlich anerkannte und nicht anerkannte Feiertage. Der Ostermontag und Maria Himmelfahrt ist ein gesetzlich nicht anerkannter Feiertag. Dies besagt, dass Schulen, die Verwaltung und viele Geschäfte geschlossen halten.

Zugänglicher sind die meisten Menschen, wenn in der Märzsonne der Schnee schmilzt und sich die Schneeglöckchen zeigen. Bei der ungestümen Entfaltung der Natur spürt niemand wie die Monate der ersten Jahreshälfte vorüberziehen. Dem Glücklichen schlägt keine Stunde. Nach dem Frühlingssturm  der Gefühle tauchen wir ein in den Sommer. In der gleißenden Sonne wird manches kritischer betrachtet. Das helle Licht macht die Kontraste sichtbar, leuchtet die Untiefen aus. Die intensiven Sonnenstrahlen brennen sich in die Pflanzen, die Häuser und die Menschen ein. Die Tag- und Nachtgleiche bedeutet einen Wendepunkt. Die Sonnwendfeuer lodern auf den Bergen und das Herzfeuer brennt unter freiem Himmel.

Rally

ver:gessen

Bei der Fahrt mit dem Fahrrad zum Drauradweg fuhr ich lange Zeit an einem desolaten Haus vorbei. Die Fassadenfarbe war längst verblasst, an unzähligen Stellen löste sich der Verputz von der Mauer, die eingeschlagenen Fensterscheiben wurden durch Holzbretter ersetzt. Aus der kaputten Dachrinne floss das Regenwasser über die Hauswand, die Grünflächen rund um das Gebäude verwilderten. Das kleine Vordach über der Eingangstür befand sich in Schieflage, an einem Ende hing es noch an einem Eisenwinkel.

Die Bewohnerin des Hauses, eine Dame von über neunzig Jahren befand sich nach einem angeblichen medizinischen Kunstfehler, seit über einem Jahrzehnt in der Geriatrie des Landeskrankenhauses. Das Haus dümpelte, weil sanierungsbedürftig, von niemandem begehrt, vor sich hin. Bei den Verlautbarungen in der Völkendorfer Kirche habe ich erfahren, dass die Besitzerin verstorben sei. Es verging kein Monat, ein Bagger rückte an und machte das Haus dem Erdboden gleich. Nach einem Jahr breitet sich über das ganze Grundstück eine grüne Wiese aus. Nichts erinnert daran, dass hier einmal eine Stadtvilla gestanden ist. Wer aufmerksam durch die Millesistraße flaniert sieht an der Betonsäule beim Gartenzaun, wo vormals das Gartentor befestigt war, die Hausklingel mit dem Namen der Besitzerin.

Übersehen.

meer:emotion

Von welchen Empfindungen werde ich erfasst, spaziere ich von der St. Georgskirche, die über den Dächern von Piran thront, den Wanderweg hinunter in die Bucht von Fiesa? Dabei lohnt es sich an verschiedenen Stellen inne zuhalten, zu verweilen. Einen Moment oder eine gefühlte Ewigkeit auf das Ufer mit seinen Felsblöcken zu schauen, auf die Vor- und Rückwärtsbewegungen der Wellen. In Fiesa kommt man dem Meer ganz nahe, es lässt den Wanderer an jeder seiner Regungen teilhaben. Wie viel Entspannung tut einem gut, als Vorbereitung auf das Ewige Leben im Schlagloch der Erinnerungen.

Das Meer drängt nicht zur Eile. Es läuft nicht davon, es rinnt nicht aus, obwohl es dazu die Möglichkeit hätte. Es ist mit der Erde nicht fest verbunden. Anders als die Gräser, die Sträucher und die Bäume, die mit den Wurzeln tief in der Erde verwachsen sind. Das Wasser könnte überall hinfließen und erst recht von einer Kugel müsste das Wasser abtropfen. In einem Strom in den Weltraum abfließen. Schüttet man eine Kanne Wasser auf einem Schotterweg aus, dann bahnt es sich eine Rinne, auf der es abfließt. Wird ein Wasserkübel auf einem Holzboden ausgeleert, dann verschwindet es urplötzlich in einem Spalt, der vormals nicht hier war.

Für das Anhaften des Wassers auf der Erdoberfläche gibt es eine physikalische Erklärung, wir wissen um die Erdanziehungskraft. Wir haben eine physikalische Antwort aber keine Emotionale. Ähnliches erleben wir bei anderen physikalischen oder technischen Fragen. Wir brauchen mehr emotionale Antworten statt nüchterne Physik und Technik. Die Biologie ist dem Emotionalen schon näher. Manchen natürlichen Dingen fühlen wir uns gefühlsmäßig verbunden, ich denke an Feuer und Wasser, den Mond und den Sternen.

Vernunft

literatur:archiv II

Kommt das Nachlassmaterial in die Hände von Archivaren, so sind diese zumeist von der Fülle der Hinterlassenschaft überfordert. Sie sind gezwungen nach besten Wissen und Gewissen, zum Teil auch aus eigenem Gutdünken, sich von verschiedenen Archivalien zu trennen, Kassation. Auch die ausgeschiedenen Papiere werden im Register vermerkt. Während des Nachmittages stellt mein Verstand die Frage, wie schaffe ich die Brücke? Hier diskutieren wir darüber, wie verändert neues Archivmaterial den Blick auf die Vergangenheit, gleichzeitig tobt in anderen Städten der Terror und es passiert ein Mord. Anderswo sind Menschen von Hunger und Jobverlust bedroht, wir diskutieren über die Farbe der Archivschachtel. In Linz befindet sich Österreichs größte Kirche, der Mariendom. Im Ausland, aber auch unter Österreichern sind der Stephansdom und der Salzburgerdom bekannter.

Symptomatisch wie unwirtlich die Zustände in Archiven sein können, war auch das Wetter während der Symposiumstage. Es gab einen Wintereinbruch. Die Berge um Linz, für Kärntner sind es Hügel, waren mit frischem Schnee bedeckt, zwischendurch gab es in der Stadt wildes Schneetreiben. Bei der abendlichen Stadtführung herrschte an der Donau und am Hauptplatz ein eisiger Wind. So sitze ich danach dankbar in der Kaiser Königlichen Hofbäckerei zum Aufwärmen. Meinem Gefühl nach der einzige warme Ort in der Stadt und zudem ein Cafe der alten Wiener Tradition mit einem historischem Ambiente. Zum Cappuccino gönne ich mir ein Stück Linzertorte. Innerhalb weniger Minuten wird die Bedienung, in diesem Altwienerambiente kann man das Fräulein sagen, nach einer kleinformatigen Tageszeitung gefragt. Zu ihrem Bedauern wurde dieses Massenblatt heute nicht zugestellt. Ein Stammkunde  greift nach einer Ersatzzeitung und trennt dort die Sportseite mit dem Bericht über eine Motorradveranstaltung heraus, trotz des Protestes des Fräuleins. Seine Begründung war einfach und genial, er sammelt Fotos von Motorrädern. Seine Motorik war etwas eingeschränkt und dies verschaffte ihm eine gewisse Freiheit, die wir nie in Anspruch nehmen würden. So ungeniert verhalten sich nur Kinder, wenn sie nicht vorher gebändigt wurden, oder sogenannte eingeschränkte Personen, um keine Diskriminierung aufkommen zu lassen.

Provenienz.

handy:manie II

An der Festtafel bleiben die gesetzteren Jahrgänge zurück, welche ein Gesprächsthema mehr haben, die Handymanie der Enkelgeneration und wo dies hinführen wird? So verläuft die Unterhaltung nicht beim üblichen Austausch der Familienneuigkeiten, über Geburten und Todesfälle. Es wird spannend, geht es um Nachrichten von weit entfernten Verwandten. Hierbei gibt es manches Mal nur Vermutungen, man hat von diesen schon lange nichts mehr gehört, er oder sie wird doch nicht verstorben sein?

Viele Jugendliche träumen davon, nach dem Abschluss einer Fachhochschule einen Job in der Internetbranche zu finden. Bevorzugte Arbeitgeber wären Microsoft und Google. In der Maturaklasse einer HTL programmierten Schüler eine Handyapp, mit der automatisch, in unregelmäßigen Abständen, an die Großeltern nette Grüße verschickt werden: „Einen schönen Sonntag, einen lustigen Fernsehabend oder wir haben Euch lieb“. Im Stundentakt wird man vom Smartphone aufgefordert die bestehenden Apps zu aktualisieren und neue zu installieren. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Immer mehr Jungunternehmer glauben, dass gerade ihre App der Menschheit gefehlt hat. Neue Appsvorschläge für Kärnten:  Eine Wetterapp mit nur Schönwetter, erstellt vom Tourismusverband. Eine Apps für Wanderungen, erstellt vom Club der Motorradfahrer. Eine Apps für das Privatradio Antenne Kärnten, erstellt vom Staatsrundfunk ORF. Neuerdings wird das Smartphone zum Fitnesscoach und Taschendoktor. Die Zeitschrift Computerbild veröffentlicht im Web täglich neue Apps für Handys mit Google oder Android Software.

Die Orte, wo das Handy verwendet wird, kennen keine Grenzen mehr. In Konzert- und Kinosälen wird noch darauf hingewiesen, die Handys auszuschalten. Diese Aufforderung bräuchte es auch bei der Sonntagsmesse. In der Stiftskirche Ossiach hat eine Dame mittleren Alters während der Festmesse mehrere SMS beantwortet, gerade so, als würde sie sich das Haar aus der Stirne streichen. Wohl kaum eine Nachricht Gottes, wahrscheinlich war es eine Freundin. Was den Jogger mit dem Handy am Ohr aus der St. Georgskirche am Faakersee hat stürmen lassen, weiß ich nicht. War es ein Anruf Gottes, wahrscheinlicher ist, es war ein Laufkollege. Wie wäre es mit dem Programmieren einer Gottesapp .

Fortschritt