tisch:gespräch I

Wer es schon probiert hat zu den sogenannten Feiertagen in einem Restaurant, dabei ist nicht an ein drei Sterne Restaurant gedacht, sondern an ein gut bürgerliches, einen Tisch zu reservieren, der muss zumeist mit einer Absage rechnen. Wir sind wie Lemminge, von denen man sagt sie treten in Schwärmen auf. So wird es auch wieder zum Pfingstwochenende geschehen. Besuchen Menschen ein Restaurant, dann meistens zu denselben heiligen, bürgerlichen und festlichen Zeiten. Bei einem Anruf kommt es zu verschiedenen Modalitäten: Die einen verbinden von der Rezeption zum Restaurantleiter, andere fragen gleich wie viele Personen kommen werden und ob man schon weiß was man Zuspeisen wünscht? Heute ist es nicht der Termin um 12 Uhr Mittag welcher schon besetzt ist, sondern Termine ab 13 Uhr. Das Wochenend- und Festtagsverhalten hat sich verändert.  Man steigt am Sonntag nicht um 7 Uhr aus dem Bett, sondern genießt es an Sonn- und Feiertagen länger zu dösen. Dieses Verhalten geht damit einher, dass nur ein Bruchteil von früher eine Sonntagsmesse besucht. Unabhängig welcher Religion man angehört. Einst war man früh hell wach, hat gefrühstückt und freute sich dabei schon auf das Mittagessen nach dem Kirchgang. Heute gibt es den umgekehrten Trend. Man steht am späten Vormittag auf und begibt sich in ein Cafe, welches bis um 14 Uhr Frühstück anbietet. Dort wird kräftig zugelangt.

Die vornehmere Gesellschaftsschicht  konsumiert das Frühstück und das Mittagessen in Einem. Weit verbreitet ist der Brunch. Nach der Qualität des Restaurants gibt es dabei unterschiedlichen Preislevel. Für Gäste mit geringem Appetit, solche die sehr figurenbewusst sind, wird der Brunch zu einem Defizitgeschäft. Wer keine üppigere Portion verträgt, der ist bei einem herkömmlichen Menü bestens aufgehoben.

herz:weh

In der Diskussion um die Flüchtlingsströme werden wir darauf aufmerksam gemacht, dass wir alle dieselben Menschen sind. Auch weil es sich zum Teil um Menschen mit einer anderen Hautfarbe handelt. Durch ihre Adern fließt dasselbe rote Blut. In unserer aufgeklärten Welt ist dieses Wissen heute eine Selbstverständlichkeit. Die Vorstellungen von den Schwarzen oder Negern waren in meiner Kindheit, welche ich im Drautal verbracht habe, noch eine andere. Als Kind flößte mir jede dunkle Person Angst ein. Dazu wurden in den Bilderbüchern gruselige Geschichten von den Wilden im Urwald verbreitet. Am Bauernhof gab es den  Bauernkalender und den Reimmichlkalender, wo über die wilden Völker im tiefsten Afrika berichtet wurde. Diese würden Menschen skalpieren und verspeisen, salopp ausgedrückt, Menschenfresser. In der Lehrzeit habe ich den einen oder anderen Neger in Spittal an der Drau gesehen. Damals konnte ich mir nicht vorstellen, dass das Blut der Neger rot sei, wo die Hautfarbe schwarz war.

Im Dezember 1967 kam die Nachricht aus Kapstadt, dass der Arzt Christian Barnard das Herz einer 25- jährigen Frau einem 54-jährigen Mann eingepflanzt hat. Ich weiß nicht, was bei mir die größere Verunsicherung ausgelöst hat, ein Herz zu verpflanzen oder, dass das Herz einer jungen Frau in der Brust eines alten Mannes schlägt? Im Herzen sah man dazumal den Sitz der menschlichen Gefühle, sein Wesen. In meiner Fantasie stellte ich mir vor, der Mann mit dem neuen Herzen fühlt und denkt jetzt ganz anders, so wie die verstorbene junge Frau. Stimmungen und Gefühlslage hat man zu dieser Zeit im Herzen angesiedelt. Wessen Gefühle trägt er nach der Transplantation, ist er noch er selbst?

Noch heute zweifle ich ob unsere Gefühle nur ein Produkt unseres Gehirns sind, gekoppelt an unser Wissen. Warum leiden viele Menschen unter Herzschmerzen, wenn sie eine Enttäuschung erleben oder einen geliebten Menschen durch den Tod verlieren. Es gibt Volksweisheiten die auf die besondere Stellung des Herzens hinweisen: Er hat sein Herz verschenkt oder er spricht mit dem Herzen. Er ist ein herzlicher Mensch oder er ist an gebrochenen Herzen gestorben.

Herzzentrum.

alles:neu

Die Pharmaindustrie hat für jedes Gebrechen im Alter, für jedes Wewechen eine Pille. Um mit diesen die Standardwerte der Weltgesundheitsorganisation, sei es beim Blutdruck, den Zucker- und Cholesterinwerten, wie sie für Dreißigjährige festgelegt wurden, zu erreichen. Kaufmännische Ambitionen haben auch die Verkäufer von Brillen und Hörgeräten. In regelmäßigen Abständen werben die Hersteller von Hörgeräten in den Zeitungen für unsichtbare Hörgeräte und bieten zumeist einen kostenlosen Test des Hörvermögens an. Hinter den ideellen medizinischen Gründen steckt eine hintergründige Verkaufsabsicht. Bekommt man vom Partner zu hören, du hörst schlecht oder du hörst mir nicht zu, ist man besser beraten sich in die Praxis eines Hals-Nasen- und Ohrenarztes zu begeben. Dort erfährt man erhellendes. Im Alter ist es normal, dass man bestimmte Frequenzen nicht mehr so gut hört. Zumeist sind davon die extrem tiefen oder die extrem hohen Tonfrequenzen betroffen. Dieser Ausfall sei Normalität und es macht wenig Sinn, sich deswegen ein Hörgerät anzuschaffen.

In den Hörstudios wird man dagegen versuchen ein Hörgerät zu verkaufen. Mich wundert es nicht, dass ich manches Mal die Partnerin nicht verstehe, weil bei mir besteht bei den hohen Tönen ein Defizit. Von den Frauen ist bekannt, dass sie, schaffen sie etwas an, in einer höheren Stimmlage reden. Die höhere weibliche Stimmlage ist ein Attribut an unsere Evolution. Die Mutterrolle verlangt, bei Gefahr die Nachkommen zu warnen, Alarm zu schlagen. Manche Forderungen erreichen mich von niemanden, da sie zumeist in erhobener Stimmlage ausgesprochen werden. Kein Nachteil ohne Vorteil.

Alles hinhören.

asyl:land II

Ich vermute Europa ist kein typisches Einwanderungsland. Nach meinem Ermessen ist die Situation in den USA oder Australien eine andere. Dorthin haben sich seit der Staatsgründung Menschen aus allen fünf Kontinenten auf den Weg in eine neue Heimat gemacht. So bunt gemischt ist dort auch die Bevölkerung und zumeist sind nur leistungswillige Menschen dahin ausgewandert. Hierzulande habe ich teilweise das Bauchgefühl, die Flüchtlinge suchen ein soziales Auffangbecken. Von den Migranten wird derjenige Staat in Europa bevorzugt, der die besten Sozialleistungen bietet. Wie lange kann das soziale Netz vergrößert werden, ohne dass es reißt. Reißt es, dann betrifft es auch diejenigen, welche in das System eingezahlt haben. Viele Fragen. Meinem Dafürhalten gibt es dazu keine ehrlichen Antworten, die einen dramatisieren und die anderen verharmlosen.

Zu schaden kommen die Bürger, von denen man jeden Euro gnadenlos einfordert. Aber niemals wird er dreimal umdreht, bevor er wieder ausgegeben wird. Von Regierungsseite ist man an fundierten Untersuchungen, mit welchen Zeitabläufen man bei der Integration rechnen muss, wo es Probleme geben wird,gar nicht interessiert. Es fehlt auch an Klarheit, wie weit es möglich ist, dass verschiedene Religionen und Kulturen nebeneinander existieren. Ohne das versucht wird den anderen mit Gewalt zu missionieren oder in der anderen Religion das Böse, den Satan zu sehen.

Mitteleuropa ist ein reicher Staatenbund. Aber wie viele Menschen können wir in Europa ernähren und wie vielen eine wirkliche Perspektive geben? Unter anderem leidet Europa unter der Auslagerung der Warenproduktion, aber auch dem Rückgang der Landwirtschaft. Man hört, dass einige EU-Staaten, darunter auch große Volkswirtschaften, nur durch die Tag-und Nachtschichten der Notenpresse und dem Aufkauf der Schuldenpapieren am Leben erhalten werden.

Euroland abgebrannt.

asyl:land

In den letzten Monaten ist viel über die Flüchtlingskrise und die Integration der Asylanten diskutiert worden und ein Ende ist nicht absehbar. Dazu tragen auch die Flüchtlinge durch neue Straftaten bei. Im Krisengebiet Naher Osten gibt es weiterhin keinen Frieden, für die verschiedenen Bürgerkriege keine Lösungen. Immer wieder bilden sich neue Rebellen- und Terrorgruppen, die einmal für das Volk und dann wieder gegen das Volk zu Felde ziehen. Sie werden von den Machthabern als Terroristen verfolgt, so dreht sich die Spirale der Gewalt stetig weiter. Manches Mal habe ich den Eindruck, dass hehre Worte am zahnlosen Konferenztisch der EU in Brüssel kaum etwas an der Situation verändern.

Es kommt erst dann zu Verhandlungen, wenn sich eine der Kriegsparteien durch massiven Waffeneinsatz einen Vorteil erkämpft, soll man sagen ermordet hat. Jetzt sind sie eventuell zu Gesprächen bereit, ansonsten werden die Konflikte weiter am Köcheln gehalten. In der Europäischen Union erleben wir einen weiteren Zuzug von Asylanten aus dem Nahen Osten und aus Nordafrika. Hierbei ist der Überblick verloren gegangen, wer Asyl benötigt, wer Asyl berechtigt ist und wo sich diejenigen gerade befinden, deren Asylantrag abgelehnt wurde. Ich erkenne es an, dass Flüchtlinge versorgt und untergebracht werden müssen. Gibt es eine Chance diese in unsere Gesellschaft zu integrieren? Die größeren Wanderbewegungen in Europa waren eine Verschiebung zwischen den einzelnen europäischen Völkern.

Völkerwanderung.