IM:rausch

Sich einen „Rausch antrinken“, wie der Alkoholmissbrauch im Volksmund genannt wird, war früher auf dem Land etwas Normales und hat auch vieles entschuldigt. Oft ist es passiert, dass es im Rausch unter den Gasthausbesuchern zu einem Streit oder einer Rauferei gekommen ist. Es gab kaum eine Brauchtumsveranstaltung, sei es Kirchtag, Feuerwehrfest oder Faschingsball, wo es nicht eine Rauferei gegeben hat. Am nächsten Tag waren sich die Streitparteien  einig, es war eine besoffene Geschichte, der man nicht viel Bedeutung beigemessen hat. Von dem Einen und dem Anderen hat es geheißen, dass er, wenn er im Rausch heimkommt, seine Frau und seine Kinder schlägt. Auch dies hat man zu den entschuldbaren Vorkommnissen gezählt. Es hat genügt, wenn man es in der Kirche gebeichtet hat und der Pfarrer  einem in das Gewissen redete. 

Heute ist man vorsichtiger und überlegt sich, was man im Rausch macht. Bei einer sogenannten Wirtshausrauferei ist man schnell mit dem Paragrafen Körperverletzung und einer Schmerzens-geldforderung konfrontiert. Bei der Misshandlung von Frau oder Kind kommt es zu einem Verweis aus der Wohnung. Den Pfarrer, der einem in das Gewissen redet, muss man suchen.  In der Kirche diskutiert man über komplexe Glaubens- und Sozialfragen. Im Rausch wird der Blickwinkel enger und beim Überschreiten der Geleise bleibt man dort liegen. 

Böses Erwachen.

GEBURTS:tag

Der Geburtstag ist ein Termin, welcher von allen Menschen gefeiert wird. Für die Einen ist er ein Tag der Freude, Andere nehmen von ihrem Geburtstag kaum Notiz. Er wird jeden Tag millionenfach erlebt und gefeiert, für jeden von uns findet er jährlich statt.  Man kann sagen, über den Geburtstag zu reden oder zu schreiben ist banal, doch der Geburtstag birgt viel Sprengstoff in sich. In jungen Jahren hat man den Wunsch schnell älter zu werden, die große Liebe kennen zulernen oder einen besseren Job zu finden. Später will man die Jahre einbremsen. So sehr man sich dagegen stemmt, sie rollen immer weiter. Plötzlich stellt sich die Frage, wie viele schlechte und gute Entscheidungen hat es im Leben gegeben. Welche Entscheidung hat man versäumt, verschlafen oder wurde von jemandem anderem vereitelt. Was war die schlechteste Entscheidung, welche gehörte zu den besten Entscheidungen. Wie geht man mit jenen Entscheidungen um, welche man heute anders ausführen würde, wenn man könnte? Kann man Entscheidungen rückgängig machen. Braucht es heute, am Geburtstag, einen Kurswechsel, eine Kehrtwendung in meinem Leben. 

Meine Geburt in einem mitteleuropäischen Land in den fünfziger Jahren war ein Privileg, der große Krieg war vorbei, es gab genug zu Essen und die Entwicklungsaussichten waren gut. Wie anders und mühevoller wären die Lebensbedingungen gewesen, wenn ich in Rumänien, in Indien oder in Angola geboren worden wäre. Wer entscheidet über den Ort der Geburt und das weitere Leben. 

Die Nabelschnur. 

BLUMEN:meer

Die Erlebnisse auf dem Zöbernbachweg sind ganz verschieden. Vom Dorf kommt ein Storch, fliegt mit ausgebreiteten Flügeln über den Weg und lässt sich auf der  frisch gemähten Wiese nieder. Dort sind jetzt die Würmer und Schnecken leichter zu finden. Das Klappern in der Stille der Bachlandschaft  kommt von  den Nordic Walking Stöcken,  eine Gruppe von Kurgästen absolviert ihr Terraintraining. Die Lindenbäume blühen, eine Duftwolke breitet sich aus. Weiter bachabwärts duftet es nach  getrocknetem Heu. Manche Getreidefelder sind bei Wind so blau wie das Meer. Zwischen den Rapsstauden blüht eine Fülle von Kornblumen. In anderen Kornfeldern sind weiße Flächen, alles Margeriten. Am Rand des Weizenfeld steht eine Rehgeis mit ihren zwei Kitzen. Sie flüchtet vor den Radfahrern in das Innere des Weizenfeldes. Die Wildenten lassen sich von der Strömung treiben.  

In der Leiten ist im dunkelgrünen Gras ein ockerbrauner  Erdweg, ein Rundkurs mit vielen Kurven. Hier liefern sich junge Burschen mit ihren Motocross Maschinen ein endlos Rennen. Das Heulen der Motoren schwillt auf und ab. Auf dem Radweg kommt ein Quad Bice daher und die Beifahrer geben dem Fahrer verbal Gas: „Nieda mit dem Rodfohrer, nieda mit dem Olten.“ 

Die Hauseinfahrt.     

PENSIONS:beitrag

Ein Dauerbrenner in Österreich ist die Diskussion über die Höhe der Pensionsbeiträge und das Pensionsantrittsalter. Vieles, was vor zwanzig oder dreißig Jahren von den Politikern den WählerInnen versprochen wurde, lässt sich heute nicht mehr einhalten. Mit neuen Argumenten versucht man auf der einen Seite die Menschen davon zu überzeugen, dass die Pensionen gesichert sind und auf der anderen Seite versucht man die Menschen davon zu überzeugen, dass es gut ist länger zu arbeiten und höhere Beiträge zu zahlen. Verstanden werden diese Argumente von den Leuten im Vorpensionsalter nicht. Sie können nicht verstehen, welchen Sinn es macht, wenn sie bis fünfundsechzig Jahre arbeiten sollen, während es für die Jugendlichen an Arbeitsplätzen mangelt. 

Es ist eine Zweiklassen Pensionsgesellschaft entstanden. In den staatsnahen Betrieben wurden im Zuge von Rationalisierungsmassnahmen die Arbeiter und Angestellten auf Kosten der Allgemeinheit in Frühpension geschickt und dadurch die Staatsbetriebe entlastet. Diese Möglichkeit zur  Personalbereinigung gibt es für kleinere Betriebe oder Selbstständige nicht. In diesen Wirtschaftsbereichen finden sich viele, die trotz gesundheitlicher Beschwerden ihrer Arbeit nachgehen, mit wenigen Zukunftsperspektiven. 

Das  Ende.

VITAL:saft

Beim Betreten der Apotheke in Möselstein ist die Apothekerin damit beschäftigt die Vitrine mit Buerlecithin Flaschen, ein Saft zur Vitalitätssteigerung, aufzufüllen. Dieser Verjüngungssaft wird gerne von den Kindern als Geschenk für die Mutter oder die Oma zum Geburtstag gekauft. Man beruhigt damit sein Gewissen, man hat damit die Vitalität und die Gesundheit der Mama oder der Oma gefördert. Die heutigen Seniorinnen fühlen sich durch dieses Geschenk manchmal gekränkt, da sie voll fit sind. 

Bei einem Besuch nach dem Geburtstag konnte ich feststellen, dass die Flasche Buerlecithin noch verschlossen in der Küchenkredenz stand, mit noch zwei weiteren Flaschen. Diese hatte die Mutter von meinen Geschwistern bekommen. Sie sagte zu mir:  „ Sie wird den Saft einnehmen, wenn sie wirklich alt sein wird, wenn sie über achtzig sein wird. Jetzt ist sie noch zu jung dafür. Ich soll die Flasche Buerlecithin  wieder mitnehmen, mir würde der Vitalsaft bestimmt gut tun. Ich müsste in meinem Beruf viel arbeiten und könnte eine Vitaminspritze gebrauchen.“ 

Vitalsaft für Junge.