ROST:ansetzen II

Wer rastet der rostet, dies gilt auch für die Beweglichkeit der Gelenke. Vergleicht man den Körper mit der Karosserie eines Autos, so ist die Gefahr beim Älterwerden groß, dass man Rost ansetzt. Bei einem Auto kann man die Lackschäden jederzeit ausbessern, beim Nachlassen der Beweglichkeit hilft nur Training. Die Fachärzte sagen, dass man auch bei Schmerzen die Gymnastik fortsetzen soll, ansonsten würden sich die Gelenke versteifen. Genauso wie beim Auto rosten wir mit den Jahren von innen heraus und plötzlich bricht der Rost an verschiedenen Stellen nach außen durch. Drückt man auf bestimmte Stellen der „Karoserie„, dann schmerzt es. Es braucht immer mehr Schminke, wenn man äußerlich glänzen will. Wie beim Auto treten an der Haut „Roststellen“ auf, die, wie der beschädigte Lack, abgeschliffen werden und dann hofft man, dass sich die Haut erneuert.

Betrachtet man den Körper als ein Fortbewegungsmittel, dann gibt es für das menschliche Fahrwerk, wie für das Auto, eine Überprüfung. In Österreich nennt man dies Vorsorgeuntersuchung. Dabei ist der Ablauf ähnlich wie beim Ankaufstest eines Gebrauchtwagens. Man wird von allen Seiten begutachtet und dann gibt es einen Testbericht, dabei stellt es sich heraus, dass man von vielen Roststellen und Getriebeschäden bis jetzt nichts gewusst hat. Es verwundert einen, welche Arten von Beschwerden möglich sein können. Mit dem Austausch gibt es ein Problem, dabei wird man auf Grenzen stoßen, nicht was den Verstand betrifft. Verkündet der Facharzt als Resümee, dass man über einen altersbedingten Gesundheitszustand verfügt, ist dies die beste Diagnose. Im schlimmeren Fall heißt es, dass einen nur noch der „Rost“ zusammenhält. Über die Fahrtauglichkeit entscheidet jeder selbst, etwas dazu beitragen kann der Wille, er ist der Treibstoff des menschlichen Körpers. Dabei sollte man aufpassen, dass man rechtzeitig nachtankt. Ist der Wille nicht mehr vorhanden, dann können sich die Defekte schnell  ausbreiten.

Herr dein Wille geschehe.

TAGES:teller

Wer keine Wahl hat als zu Mittag in einer Kantine oder in einer Gastwirtschaft, in der Form eines Aboessen, zu speisen, kennt dafür die unterschiedlichsten Ausdrücke. Die Mittagsmenüs werden in Form eines Menüplan für eine Woche als Tagesgericht, Tageshit oder als Tagesteller angeboten. Von vielen Restaurant findet man den Menüplan für eine Woche im Internet. In meiner Internatszeit hing neben der Eingangstür zum Speisesaal, der ein renovierter Pferdestall war, ein Speiseplan. An einem Tisch saßen zwölf Zöglinge, nach Klassen gestaffelt und in alphabetischer Reihenfolge. Der Suppentopf, die Salatschüssel, der Beilagenteller und der Fleischteller wurden von einem Zögling zum Nächsten gereicht und jeder konnte sich bedienen. Zuerst bediente sich der Tischsenior. Bei den zwei Letzten konnte es vorkommen, dass nur mehr wenig am Teller lag.

Heute fällt mir die Kombination von Café und Restaurant auf. Die ursprünglich als Café geführten Lokale wollen zu Mittag bei den Hungrigen mitnaschen. Cafézeit ist am Vormittag und  wieder am Nachmittag. Meistens gibt es in den sogenannten „Kombilokalen“ einen Tagesteller, die Hauptspeise wahlweise mit Suppe oder mit Salat. Um die Mittagszeit kreuzen sich die Cappuccinotrinker mit den Tagestelleresser. Der Duft des Cappuccino vermischt sich mit den Gerüchen der Krautrollade. Das Lesen einer Tageszeitung, damit meine ich nicht die Kleinformate aus Österreich, sondern die überregionalen Zeitungen aus Deutschland und der Schweiz, ist meistens aus Platzgründen nicht mehr möglich. Für den Tagestelleresser kommt nur ein Kleinformat in Frage. Zwischen dem Verzehr von zwei Kartoffeln lässt sich eine Überschrift gut lesen.

Frau Oberin bitte zahlen.

LEBEN:zeit

Wer zurückdenkt, weil sie/er schon einige Jahrzehnte hinter sich hat erkennt, weil früher denkt man darüber nicht nach, wie viel Sorgen und Leid die Zeit verursachen kann. Im ersten Drittel des Lebens, in den ersten dreißig Jahren, gibt es kein Zeitproblem, dort ist man agil. Im Vergleich mit älteren Mitmenschen kann man vieles in der halben Zeit erledigen. Man orientiert sich an Dingen die einem Spass machen, dafür ist keine Zeit zu schade oder zu kostbar, es gibt auch keinen ungünstigen Zeitpunkt. Geht es um Unterhaltung und Abwechslung, dann ist jede Tages- oder Nachtzeit recht. Dringende Vorhaben verlagert man in die nahe Zukunft, jetzt will man leben.
Den größten Ärger bereitet die Zeit im zweiten Drittel des Leben. Dort klammert man sich an den Erwerb von verschiedenen Konsumartikeln, man befürchtet den anderen hinterherzuhinken. Man hört von Dingen, welche man selbst noch nicht erlebt hat, die man aber auf keinen Fall versäumen will. Es kommt zu einem Zeitproblem, weil man das Berufliche und das Alltägliche nicht mehr in seiner Tageszeit unterbringen kann. Für manche Aktivitäten gibt es eine biologische Zeit, manche Unternehmungen lassen sich im Alter rein körperlich nicht mehr ausführen. Kommt in diesem Lebensabschnitt ein gesundheitliches Problem dazu, dann kann man zuschauen wie die Zeit den Berg hinab rinnt. Dabei vergeht dem Empfinden nach manchmal ein Jahrzent so schnell wie drei Jahre.

Es kommt der Zeitpunkt wo man sagt, ich schließe Friede mit der Zeit. Vieles, was man sich vorgenommen hat, hat man erreicht, über manches ist man erstaunt, dass man es erreicht hat. Man betrachtet jeden Tag als Geschenk, den man nicht ungenützt verstreichen lassen will, aber stellt auch keine Forderungen an ihn. Man freut sich, dass zu dem Erlebten das Eine und das Andere dazukommt. Man hat jetzt Zeit manches zu vertiefen, noch einmal nachzulesen und zu besuchen.

Plötzlich ändert man seine Einstellung zur Zeit. Die Zeit wird selbst verschiedene Handlungen und Entscheidungen verlangen. Man stellt sich nicht die Frage, was muss ich bis zu diesem Zeitpunkt machen, sondern denkt, mit der Zeit werden sich verschiedene Dinge selbst erledigen. Kein Kampf mehr mit der Zeit, kein hadern, weil einmal wird die Zeit ein Ende haben.

Leben auf Zeit.

NETZ:werk

Die „Kärntner Wirtschaft“, die Zeitung der Selbstständigen, berichtet öfters darüber, dass es im wirtschaftlichen Leben wichtig ist ein Netzwerk aufzubauen und sich dabei der neuen Medien zu bedienen. Wie weit können die sozialen Netzwerke, die PC Kenntnisse voraussetzen und viel Zeit beanspruchen, in schwierigen Situationen helfen? In manchen Altersgruppen herrscht Abneigung und Skepsis gegenüber diesen Netzwerken, sie halten sie für nutzlos, gefährlich für die Partnerschaft und für Zeitverschwendung. Sie schwören auf die realen menschlichen Kontakte in der Nachbarschaft, in der Verwandtschaft und im Verein. Was diese Verbindungen im Alltag leisten können, hängt stark von der Art der Herausforderung ab. Lebenssituationen wie Probleme in der Kindererziehung, Vorkommnisse im Berufsleben, Familienfeiern und das Auftreten von Erkrankungen, werden mit einem Ratschlag aus diesem sozialen Netz beantwortet.

Stillschweigen und Verneinung herrscht bei Situationen die selten auftreten und nur Einzelne betreffen. Es ist die Ausnahme, wenn in der Bekanntschaft jemand seinen Betrieb schließt oder einen Übernehmer gefunden hat. Niemand fragt nach, wie dieser Prozess abläuft, welche Maßnahmen und Schritte, meistens ist es eine Fülle von Schritten, gesetzt werden müssen. Wo es Reibungspunkte und Hindernisse zwischen dem Übergeber und dem Übernehmer gibt. Man schweigt diesen Prozess tot, weil man darüber zu wenig Bescheid weiß. Man glaubt, dass dies ähnlich abläuft, als wenn jemand seinen Job in einer Autowerkstatt oder in einem Tischlereibetrieb aufgibt. Ein halbes Jahr dauert die Einschulung bevor jemand in einer Schuhfabrik am Fertigungsband arbeiten darf. Niemand kennt die Qualen die auftreten, dass alles, was man  im Betrieb persönlich genützt hat, offengelegt werden muß und von einem Tag auf den Nächsten von anderen benützt wird. Es liegt sozusagen jemand anderer im eigenen Bett.

Die einzige Frage die gestellt wird gilt dem Danach, was man  mit der freien Zeit machen wird. Für die Zeit, wo man den Betrieb noch besitzt und Stück für Stück loslassen muss, interessiert sich niemand. In manchen Situationen bleibt man allein.

Nicht fassbar.

TODES:zone

Nähert sich der Sterbetag von einem Familienangehörigen, so wie jetzt vom Vater, dann denke ich darüber nach, wo er sein wird und wie er jetzt „leben“ wird? Könnte er sich dazu äußern, dann wüsste ich, wie ich voraussichtlich einmal „leben“ werde. In den Berichten über Nahtoderfahrungen liest man, dass man im Sterben in ein Stadium des Wohlfühlen kommt, obwohl mir die Tatsache, dass die Sterbenden die Umgebung wahrnehmen, sehr irdisch vorkommt. In der Bibel gibt es sehr viele Stellen über das Jenseits, und für alle Auserwählten wird es himmlisch sein. Da ich es in diesen Tagen nicht schaffe sein Grab zu besuchen, so benütze ich die Mittagspause um in der Kirche eine Kerze anzuzünden und ein“ Vater Unser“ zu beten. Der Vater war ein gläubiger Mensch, wenn es möglich war hat er an den Sonntagen die Heilige Messe besucht. Im Sommer konnte es durchaus passieren, dass bei Schönwetter die Heuernte wichtiger war. Er hat eine Zeit lang als Mesner in der Pfarre Dienst versehen.

Um das Einkommen vom Bergbauernhof etwas aufzubessern, hat er als Grabmacher gearbeitet, im Volksmund als „Totengräber“. Es war eine anstrengende Arbeit, mit Pickel und Schaufel, händisch ein Grab auszuschaufeln. Erschwerend waren die Bedingungen bei Regen oder im Winter, wo die oberste Erdschicht gefroren war. Ich habe ihm auf den Friedhof eine Jause, Speck und Käse, sowie eine Flasche Most, gebracht. Ob der Vater durch diese Arbeit, die er solange durchgeführt hat, bis sie ihm körperlich zu schwer geworden ist, dem Tod nähergekommen ist, sozusagen mit dem Tod Frieden geschlossen hat, weiß ich nicht. Man sagt von Menschen, die viel mit Sterbenden oder Toten zu tun haben, wie die Ärzte oder die Bestatter, dass sie nicht über den Tod sprechen wollen. Bei schrecklichen Erlebnissen verwenden wir das Wort „Todesangst“, so befinden wir uns Zeit unseres Lebens in der Todeszone.

Absprungbasis.