abano:retro II

Ein Kuraufenthalt ist zumeist ein Entleerungsaufenthalt. Unter den Kurgästen befinden sich, mehr als sonst üblich, Alleinreisende. Viele alleinstehende ältere Frauen, in geringer Anzahl Männer älteren Semesters. Nicht alle haben zu Hause einen regelmäßigen Austausch mit anderen Menschen, einen Freundeskreis. Zumeist verweigern sich ältere Damen Männerbekanntschaften und wenn, dann ist es eine Cappuccinotrinkpartnerschaft. Eine Busreise ist für viele eine willkommene Gelegenheit sich mit den Mitreisenden, am Mittagstisch oder beim Flanieren in der Fußgängerzone von Abano auszutauschen. Zumeist greift man dabei auf die vielerlei Unpässlichkeiten, welche man im Laufe des Lebens erfahren hat, zurück. Begebenheiten aus dem Eheleben. Für zahllose der älteren allein lebenden Frauen war dies eine Zeit der Unterordnung. Dazumal war man den Launen und Willkürakten der Ehemänner ausgeliefert. Diese Erlebnisse werden immer wieder erzählt, diese lösen sich nicht wie eine Brausetablette im Wasser auf.

Eine Variante für die Zuhörer damit umzugehen besteht darin, die Vorfälle nicht zu nahe an sich herankommen lassen, die eigenen positiven Erlebnisse gegenüberstellen. Manches Mal bedarf es der Nachfrage, wann die Abläufe sich zugetragen haben um diese zeitlich zuordnen zu können. War dies vor dreißig, vor fünfzig oder vor sechzig Jahren.Damit  kann man die Erzählungen in einem gesellschaftlichen und geschichtlichen Kontext einordnen.

Ein wesentlicher Faktor beim Urlaub ist neben dem Essen das Wetter. Wir gehören zur Generation, welche sich beim Reisen schönes Wetter wünscht. Bei schlechtem Wetter trübt die Stimmung ein. Keine Allwettergeneration. Es freut mich, am Mittwochnachmittag auf der Terrasse vom Kloster San Daniele in Monte zu sitzen. Ich blicke auf den blumenübersäten Klostergarten.Davor habe ich in der Klosterkirche dem Stundengebet der Klosterschwestern gelauscht. Man hört sie beten und singen, aber man sieht sie nicht, sie sitzen in ihrem Chorgestühl in einem toten Winkel.

Zeitraffer

abano:retro I

Aus der Ebene rund um Abano erhebt sich der Monte Rossa ein Berg von etwa 180 Metern Höhe. Obwohl er nicht als richtiger Berg, sondern als Hügel wahrgenommen wird, erfordert er alle Kraft beim Aufstieg. Der Steig ist teilweise weggebrochen, die Holzstufen sind abgerutscht und viel Erdreich ausgeschwemmt. Er führt steil bergan und das Dickicht der Sträucher und Bäume trägt dazu bei, dass ich mich beim Aufstieg unwohl fühle. Eine kurze Zeit wähnte ich eine Wandergruppe hinter mir, aber dann wurden die Stimmen immer leiser. Diese umrundete den Berg, sie tscherfln rundherum. An diesem Nachmittag bleibe ich hier der einzige Wanderer. Am Gipfel angelangt zeigt sich ein großer Krater, dort stand bis vor einigen Monaten oder einem halben Jahr eine große Eiche. Auf der Schautafel mit den Erklärungen zur Natur und Fauna kann man sie noch sehen. Nach dem Vormittag im Thermalbad, bei 30 – 35 Grad, fühlt sich die Luft flauschig an. Der Frühling ist hier in voller Fahrt, wohin man schaut eine blühende Blumenpracht. Beim Gehen meinen Kopf klären, die Gedanken rein werden lassen. Die letzten Monate haben gezeigt, dass mit Ausdauer und Mut vieles möglich ist. Bei der Verleihung des Diplom zum Abschluss des SeniorLiberaleStudium, mit Auszeichnung, war mir die Freude im Gesicht abzulesen. Jetzt bin ich der zweite Absolvent, welcher den Universitätslehrgang abgeschlossen hat. Ein Beweis, dass Fantasie nichts Haltloses ist, ein Gegenbeweis für die allgemeine Aussage von den verrückten Künstlern. Ohne Freiheiten im Denken gäbe es auch keine Schlaglochtexte. Das Synonym Schlagloch ein Zufall?

Schlaglochslalom

wirt:schaftlich II

Es rumort und phantasiert in ihm, seine Thesen zur Welt, zur Menschheit sind krude Ideen, aus zu vielen Büchern? Der landläufigen Meinung nach passt dies nicht zu einem Kaufmann. Gustiert wird eine herzeigbare Kultur, zu deren Genuss man sich schön machen kann, Aufführungen im Schauspielhaus oder im Kongresshaus. Er überrascht alle, als er sein kreatives Chaos durch strukturelles Wissen erweiterte. Seine kreativen Ideen und Texte einer wissenschaftlichen Ordnung, in eine universitäre Ordnung einbringt. Die Regeln für das Verfassen einer Seminararbeit einhält, auf vorhergehende Kenntnisse stufenweise aufbaut. Sich nicht mit dem Zuhören zufrieden gibt, es in bewertbare Texte gießt. Er gibt sich zurückhaltend und bezeichnet sich auf keinen Fall als wissend, im Gegenteil, er weiß noch deutlicher, wie wenig er weiß. Ein hinein schnuppern in eine andere Welt, ein Orientierungslauf.

Eine andere Ebene ist die Formulierungsgabe. Für ihn bedeutet Denken hinter einer gefalteten Stirn nichts abgeschlossenes, sondern einen fortlaufenden Prozess. Dieser kann sich beim Schreiben ständig entwickeln, fortwährend, wo es nicht darum geht recht zu behalten. Wo niemand recht hat, wo eines passiert, die verschiedenen Sichtweisen und Aussagen stellt man nebeneinander. Daraus kann jeder wählen was ihm weiterhilft oder zwei Sachen zu einer neuen Erkenntnis zusammenführen. Ein Erkenntnisstand zum jetzigen Zeitpunkt, in drei Monaten kann dieser anders aussehen.

Notizhefte

wirt:schaftlich I

Im privaten Leben gehört die Frage, ist diese Anschaffung wirtschaftlich oder kann dieser Mensch gut wirtschaften, zu den alltäglichen Abwägungen. Damit befindet man sich in guter Gesellschaft, auch auf Regierungsebene darüber diskutiert wird, welche wirtschaftlichen Kompetenzen hat der neue Bundeskanzler? Können seine neuen Minister in ihren Ressorts gut haushalten? Welche ökonomischen Maßnahmen werden vom Nationalrat beschlossen, um Österreich aus der wirtschaftlichen Rezension zu führen?

Was sind die Kriterien für einen wirtschaftlichen Menschen, was macht einen Menschen zu einem sparsamen Menschen? Jeder trägt seine Vorstellung von einem kaufmännischen Menschen in sich. Zumeist lösen wir uns nicht von unseren eigenen Vorstellungen oder sind es Vorurteile. Unsere Vorstellungen sind nichts anderes als eine Kopie von dem, was wir sind. Dabei halten wir unseren Weg zum Ziel, als für den einzigen Weg und übersehen dabei, dass ein Ort von mehreren Seiten erreichbar ist. Da wirkt das Festhalten an einer Straße engstirnig, das Gegenteil von weitläufig. Oft wird erfolgreich mit einem rücksichtslosen oder verhärteten Charakter gleichgesetzt. Dabei ist man mit der Vermutung schnell bei der Hand, dass jemand der kein kühler Rechner ist, keinen Betrieb, sei es ein Hafnerbetrieb oder ein Textilhandel wirtschaftlich führen kann. Ist es passiert, über mehrere Jahrzehnte einen Kleinbetrieb zu führen, ohne Sturheit oder Härte, dann sieht man darin die Ausnahme von der Regel. Im kleinen Ausmaß erfolgreich war, ohne seine Persönlichkeit zu verstellen.

Begeistert sich ein Wirtschaftstreibender für Kunstausstellungen und Bücher, dann steht diese Person außerhalb, ist nicht normal, normal im Sinne des Stammtisches. Für Kleinunternehmer nicht üblich,eigentlich komisch. Zudem schreibt er auch für eine Regionalzeitung, merkwürdig. Seine Fantasie ist überbordend, etwas außer Rand und Band. Zu den Kuriositäten zählt die Befruchtung lokaler kaufmännischer Vereine.

Kuriositätenkabinett