ver:gessen I

Seit Jahren gingen wir sonntags an einem Haus in der Milesiestraße vorbei und rätselten darüber, ob es möglich ist, dass in diesen Haus noch jemand wohnt? Wenn, dann wahrscheinlich eine ältere Pension, eine alleinstehende Frau, deren Mann verstorben ist, wie es hier bei einigen Villen der Fall ist. Wobei es den Witwen, ob ihres Alters, nicht mehr möglich ist die großen Gärten zu betreuen. Auch kleine Reparaturen am Haus werden vernachlässigt. Zumeist reicht die Witwenrente nicht aus, um einen Hausbesorger zu engagieren oder einen Handwerker zu bezahlen. Diese Generation Frauen war bei den Kindern zu Hause und hatte kein eigenes Einkommen. Die Nachkommen sind schon lange ausgezogen und haben ihren Lebensmittelpunkt in einer anderen Stadt. Bei manchen kommt es zwischen den Eltern und den erwachsenen Kindern zu Streitigkeiten. Niemand ist bereit in das Elternhaus heimzukommen. Die Kinder sehen die Liegenschaft als eine gut dotierte Geldreserve, die sie einmal verkaufen können.

Inzwischen haben wir erfahren, dass die Witwe seit Jahren auf der Geriatrie in LKH Villach Tag und Nacht gepflegt wird. Das Haus musste gegen Willkürakte gesichert werden. Alle Türen und Fenster sind jetzt zugenagelt. Der Strom unterbunden und der Garten eine willkommene Schuttablagerung. Vor einigen Monaten ist die Frau im LKH verstorben und jetzt hat ein Bagger das Haus abgebrochen. Es wurde alles eingeebnet und begrünt. Wahrscheinlich wird es nicht lange dauern und hier steht eine Tafel: Grundstück zu verkaufen. An der Grundgrenze steht noch der Betonpfosten wo die Gartentür einschnappte. Dort erinnert die Taste für die Hausklingel an die Frau. Man kann auf die Klingel drücken, aber niemand meldet sich.

Abgemeldet

post:it

Von Menschen aus unterschiedlichen Bevölkerungsschichten wird das Internet und das Smartphone auf das heftigste verteufelt. Das Handy wird als das Böse gesehen, ein Schleichweg, auf dem der Satan in die Welt gekommen ist. Andere behaupten keine Minute ohne diese neuen Kommunikationsmittel verbringen zu können. Vor dem Internetzeitalter, welches gerade den fünfundzwanzigsten Geburtstag gefeiert hat, gab es schon die Post-it, die kleinen selbstklebenden gelben Zettel. Eine Zeitlang hat man diese über jedem Bürotisch, auf jedem Garderobeschrank und auf jeder Kühlschranktür gesehen. Auf dem Frühstücksteller und auf dem Armaturenbrett klebten täglich ein Post-it, mit verschiedenen Aufforderungen zum Tag. Alles, was man in den nächsten Stunden erledigen sollte. Hätte es sie nicht gegeben, dann hätte man wohl vieles vergessen. Ab und zu gab es auf den gelben Zetteln auch eine persönliche Nachricht, dass man geliebt wird und sich auf die Rückkehr freut.

Es wirkt schon etwas antiquiert, als eine Villacher Apotheke auf ihrem Schaufenster mit vielen Post-it Zettel das Wort Stress formte. Mit vielen Hinweisen, was alles Druck auslösen könnte. Darunter Kurioses und Einmaliges. Zum Einen was Stress verursacht, zum Anderen was eigentlich Glücksgefühle auslösen müsste. Eine kleine, feine Auswahl: Mit Alex in das Kino gehen. Der Geburtstag vom Onkel. Pillen kaufen. Antigelsen-Spray besorgen. Strafzettel einzahlen. Wohnung putzen. Urlaub buchen. Auch hier fehlt nicht der Hinweis auf den Antistresskiller, Dr. Schreibers Kraftquelle. Stressfrei, statt für € 17.95 um € 15.95 in der Apotheke zu erwerben.

Pillen kaufen

furz:verbot

Eine Alternative um Istrien ohne Privatauto zu erkunden, sind die öffentlichen Verkehrsmittel. Vornehmlich die Busverbindungen. An der Küste verkehren die Busse an Wochen- und Sonntagen in  viertel- bis halbstündigen Intervallen. Zwischen den meist verstreut liegenden Orten im Hinterland sind die Verbindungen spärlicher. Oft findet man an den Haltestellen keine Fahrpläne und weiß nicht, wann der nächste Bus fährt. Nähern sich Einheimische der Bushaltestelle, ist dies ein sicheres Zeichen dafür, dass bald ein Autobus vorbeikommen wird. Bei der Fahrt in einem öffentlichen Bus ist mein Blick auf den Verbotstafeln oberhalb des Fahrersitzes hängengeblieben. Neben allgemein bekannten Verbotstafeln wie, Rauchen verboten, Telefonieren verboten und Bigmac essen verboten habe ich ein einmaliges Verbotszeichen entdeckt. Umgangssprachlich ausgedrückt, Furzen verboten.

Jetzt werden sich manche fragen, wie dies graphisch dargestellt wurde? Ich hoffe meine Beschreibung ist allgemein verständlich: Es ist eine gebückte Person abgebildet und dem Hinterteil entströmt eine Wolke. Obligatorisch wird die Wolke mit einem roten Kreuz durchgestrichen.

Siebenter Himmel.

seminar:arbeit

Der Volksmund sagt es treffend, die Zeit vergeht mit dem Älterwerden immer schneller. Unterhalten sich drei Personen über das Altern, werden sie sich nicht darüber einigen können, ab wann ist man alt? Ab welchem Geburtstag gehört man zu den Alten? Anno dazumal war es in um vieles einfacher, ab sechzig Jahren gehörte man zu den Alten und über achtzig Jahren zu den Greisen.

Als Betroffener schwanke  ich zwischen Zufriedenheit und Verzagtheit. Zufriedenheit, ein fortgeschrittenes Alter erreicht und verschiedenes im Leben umgesetzt zu haben. Verzagtheit am Älterwerden und Einbußen bei der Lebensfreude. Es wird beschwerlicher Vorhaben abzuschließen und Zukunftspläne zu fassen. Habe ich etwas vollendet, dann zögere ich, muss es wieder etwas neues sein? Mit diesem Hintergrund lässt sich teilweise erklären, warum beim SSL, dem Seniorstudium Liberale der Alpenadria Universität, trotz der regelmäßigen Teilnahme von Seniorstudenten die Zahl derer, welche das Curriculum mit einem Zeugnis abschließen, marginal gering ist. Fast nicht vorhanden. Die wichtigste Voraussetzung für ein Abschlusszeugnis ist das regelmäßige Schreiben von Seminararbeiten, um die vorgeschriebenen ECTS Punkte zu erreichen. Dazu kommt das Verfassen einer Projektarbeit. In welchem Ausmaß und zu welchem Thema ergibt sich aus den besuchten Lehrveranstaltungen.

Seit der Installierung des SSL- Lehrgang an der Alpenadria Uni machten gerade einmal zwei Studenten das Curriculum mit einem Abschlussdiplom. Eine Frau und ich. Beim Gespräch mit anderen Studienkollegen hatten wenige die Absicht eine Seminararbeit zu verfassen. Sie vertraten die Auffassung, sie haben Zeit ihres Lebens schon genug Prüfungen abgelegt. Sie wollen sich keiner Prüfungssituation mehr aussetzen, dies sei etwas für Jüngere. Das Interesse an den Lehrveranstaltungen war vorhanden, aber sich von jemandem Jüngeren, gemeint ist ein Professor, prüfen zu lassen, dies hat man nach einem arbeitsreichen Leben nicht mehr notwendig.

Philosophie