UN . SERIÖS

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Der „mündige bzw. aufgeklärte Konsument“ ist ein viel gebrauchtes Schlagwort. Es passiert aber auch heute immer wieder, dass bei Verkaufspartys, die meistens in einer privaten Wohnung stattfinden, alle Arten von Waren zu überhöhten Preisen verkauft werden. So passiert es, dass bei einer Gesundheitsberatung von redegewandten Verkäufern, die Elektromatte mit Infrarotstrahlen gegen Verspannungen, an die eingeladenen Frauen zu einem Preis von € 1.200.– verkauft werden. Gleichzeitig wird als Schutz gegen den Elektrosmog der Infrarotmatte eine gesundheitsfördernde Bettwäsche verkauft, sodass dieses „Gesundheitspaket“ die staatliche Summe von € 1.700.-ausmacht.
Ich selbst habe einmal eine Verkaufsparty miterlebt und dabei wurde uns in einem Film vorgeführt, welche erschreckenden und ekelerregende Viecher die Hausstaubmilben sind. Die Suggestion der gezeigten Bilder und der Redeschwall der geschulten Verkäufer war so groß, dass einige Besucher Matratzen und Bettwäsche bei den Verkäufern bestellten. Später stellte sich heraus, dass die selben Matratzen und Bettwäsche in einem Möbelhaus um 30% günstiger erhältlich waren.
 
Null Bestellung, null Punkte.
 

21.9.05 11:52 verlinken / 2 Kommentare / kommentieren

 

SCHAU . PLATZfficeffice“ />
 
Ein Nebenschauplatz ist für mich die deutsche Bundestagswahl, Schröder gegen Merkel. In unserem medialen Zeitalter ist es so, dass es einerlei ist ob es Wahlen in der USA, in Afghanistan oder in Deutschland gibt. Auch die österreichischen Medien berichten darüber so, als wären es Nationalratswahlen in Österreich. Jeder Sender verspricht den Zuschauern die bessere Wahlberichterstattung. Welche Informationen bringen TV- Politikerduelle, außer ein paar schöne gefällige Sätze. Was bewegt die Menschen?, ich glaube der Ölpreis und die Wahlen sind Nebenschauplätze. Über diese Abwechslung im Alltagseinerlei ist man froh.
Die Aufmerksamkeit der Menschen zueinander, innerhalb der Partnerschaft, unter Freunden oder Nachbarn verändert den Tag viel mehr als Wahlprognosen und Wahlhochrechnungen. Es ist sinnvoller dem Partner zuzuhören als dem Nachrichtensprecher. Die Nachricht von einer Benzinpreissenkung von drei Cent kann die Sorge, dass der Arm nicht mehr voll funktionsfähig ist oder dass man schlecht sieht, nicht zum Schweigen bringen.
 
Vielleicht nächste Woche.   
18.9.05 19:02 verlinken / kommentieren

 

PASSIONS . SPIELE

 
Betritt man das Passionsspielhaus in Kirchschlag dann steht in der Mitte der Bühne ein Pfosten mit der Dornenkrone, der bei Beginn der Aufführung versenkt wird. Es erschallen die Posaunen und der Einzug Jesu in Jerusalem beginnt. Von allen Seiten strömen die Leute, darunter auch viele Kinder, auf die Bühne und mitten unter ihnen Jesu. Der Einzug wird von lauten Hosanna Rufen begleitet. Die bunten Kleider der Bevölkerung ergeben ein farbenfrohes Bild. Es herrscht eine freudige Stimmung auf der Bühne. Im Gespräch zwischen Jesu und den Pharisäern prallen die verschiedenen Meinungen aufeinander. Es werden Bibelstellen nachgespielt, wie Wunderheilungen oder die Stelle mit der Sünderin Maria Magdalena. Die Texte sind sehr Bibelgetreu. Spannend sind die Begegnungen zwischen Judas und dem Teufel, der sich nicht zu erkennen gibt. Die Inhalte dieser Gesprächen haben nichts an Aktualität verloren. In Judas findet sich der heutige Mensch wieder.
 
Die Szene des letzten Abendmahl ist einem Gemälde nachempfunden, sie ist so statisch wie ein Bild. Der minimale Handlungsablauf auf der Bühne erreicht zwar den Verstand der Zuschauer, sollte aber mehr die Herzen erreichen. Die Charakter wie Judas, Maria Magdalena oder die Hohen Priester sind dem menschlichem Alltag entnommen. Aber welchen Charakter gibt man Jesus, den eines Heiligen oder den eines Menschen ? Keine leichte Aufgabe.
 
Die Versuchung Jesu am Ölberg und die Todesangst gehören zu den schwierigen Szenen der Passionsspiele. Angst, die zu den schlimmsten Erfahrungen des Menschen gehört, lässt sich schwer darstellen. Über Angst spricht man im Alltag nicht.
 
Nach der Pause kommt Dramatik in die Passionsspiele. Es beginnt mit der Vorführung von Jesu vor Pontius Pilatus, das Auftreten der Soldaten und die Verwünschungen der aufgebrachten Volksmenge. Zu diesen packenden Szenen gehören auch die Geißelung und der Kreuzweg. Immer, wenn das Volk mit auf der Bühne ist, geht es emotional zu, mit vielen Zwischenrufen, Gemurmel und Unmutsäußerungen. Die Zwischenrufe aus dem Volk könnten ohne weiteres an manchen Stellen im Dialekt erfolgen, dies würde dem Passionsspiel mehr Volksnähe vermitteln. Die Kreuzigung, wo das Licht zurückgenommen wird, vermittelt körperlich spürbar die Verlassenheit des Menschen im Leid, in der Gestalt des Menschensohnes. Maria mit dem toten Jesu auf ihrem Schoß lässt die Frage aufkommen, warum gibt es immer Gewalt unter den Menschen. Jeder kann der Nächste sein, der Gewalt oder Leid erfahren muss.
 
Das strahlend gelbe Licht, welches aus dem leeren Grab den Besuchern entgegenstrahlte, hatte für mich Kultcharakter. Wenn es im Jenseits so strahlend hell sein wird, dann möchte ich auch einmal dort ankommen. Nach meinem Empfinden hätte mit dieser Szene das Passionsspiel ausklingen können. Ich kann nicht sagen, ob das gemeinsame Absingen von „Großer Gott“ wir loben dich durch die Schauspieler und die Zusehern den Glauben fördert.
 
Der Gesang und die Musik während der Aufführung ist so schön und ergreifend, dass ich mich darüber gewundert habe, dass dies während des Spieles live erfolgt.
 

17.9.05 15:09 verlinken / kommentieren

 

REIMICHL . KALENDER
 
Vier Monate bevor das neue Jahr 2006 anfängt liegt er da, der Reimichlkalender 2006, in der Tabak Trafik  zwischen dem unübersichtlichem Zeitungs- und Zeitschriftenangebot. Die Wände der kleinen Trafik sind vollgestopft  mit Zeitschriften aus allen Bereichen, den Garten- Wohn- Motorrad- und Computerzeitschriften. Dazwischen die Neue Post, die Freizeitrevue und die Bunte. Das Verkaufspult ist vollgeräumt mit Dosen für die Brieflose, überall stehen die Spender für die Lotto-Scheine „6 aus 45″ und ganz vorne ein Aufsteller mit den Scheinen für die Euro-Lotterie. Irgendwo ist noch Platz für eine Dose mit Einwegkugelschreiber und für den Ständer mit den Tempo-Taschentücher. Vor dem Wandregal mit den Zigaretten steht der Trafikant und beugt sich über die Sichtlade in der Feuerzeuge wahllos neben einander liegen. Es ist kaum möglich sich umzudrehen, ohne nicht am Billettständer anzustoßen. Auf der Fensterbank zwischen den Fußball- und Pferdestickers liegt der Reimichlkalender. Sein Aussehen hat sich in den letzten dreißig Jahren nicht verändert.
Soll ich den Reimichlkalender schon jetzt im September kaufen, ihn mit Geschenkpapier verpacken und ihn zu Weihnachten auspacken? In meinen Jugendjahren fehlte der Reimichlkalender unter keinem Christbaum. Alle in der Familie freuten sich schon auf die schönen Geschichten und interessanten Berichte und Bildern aus der ganzen Welt. Die große Geschichte von Reimichl wurde während den Weihnachtsfeiertagen vom Vater laut vorgelesen und die ganze Familie hörte zu. Die Lektüre des Reimichlkalender reichte den Eltern für die ganzen Wintermonate. Der Reimichlkalender war damals nur in einer Buchhandlung erhältlich und dies war einer der wenigen Anlässe eine Buchhandlung aufzusuchen. Jetzt liegt der Reimichlkalender zwischen Zigaretten, Brieflosen und Klatschzeitungen auf der Fensterbank einer Tabaktrafik und wird den Geruch nach Tabak nie mehr los.
 
Im Zigarettenrauch.
6.9.05 21:34 verlinken / 2 Kommentare / kommentieren

 

UN . GEDULD
In den meisten Kuranstalten ist es heute nicht mehr notwendig die Stiege zu benützen. Die einzelnen Stockwerke sind mit der Therapieabteilung, welche meistens unter Erdniveau liegt, mit einem Lift verbunden. So bleibt den älteren Kurgästen das zeitraubende und mühsame Stiegensteigen erspart. Wenn man jetzt annehmen kann, dass die Kurgäste das Liftfahren genießen, der kann etwas anderes erleben. Die Liftbenützer haben nicht die Geduld zu warten, bis sich die Lifttüren automatisch schließen. Es wird ungeduldig der Knopf „Sofortschließen“ gedrückt und wird dies von jemandem vergessen, so drückt ein Mitfahrer. Die gleiche Ungeduld herrscht beim Rufen des Liftes, einmal drücken ist den Meisten zu wenig.
 Die Ungeduld des Alters.
2.9.05 07:48 verlinken / 3 Kommentare / kommentieren

 

VERZERRTE . GESICHT

 Um ein verzerrtes Gesicht zu erreichen machen die Menschen verschiedene Anstrengungen. Sie lassen dafür viele verschiedene Gesichtsmuskeln spielen, ein gutes Training für eine glatte Gesichtshaut. Wer die Nackenmuskeln überdehnt oder die Kiefermuskeln verspannt, bekommt Gesichtsschmerzen. Der Maler Piere Moda hat seinen Kopf weit zurückgelehnt, wurde dabei fotografiert und hat dann die Konturen mit  einem Filzstift nachgezeichnet. So entstand eine Serie von Selbstbildnissen.
Die Furcht vor dem eigenen Gesicht befällt einem am Morgen im Bad. Wer noch nicht ausgeschlafen ist wird durch den Blick in das eigene Gesicht wach. Jetzt gibt es nur einen Ausweg, in die Dunkelheit der Nacht zurückzukehren.
 
Flucht vor dem eigenem Gesicht.    
                         

26.8.05 07:43 verlinken / kommentieren

 

SIMULIERTE . MENSCH 
Im Computerzeitalter ist es möglich durch Simulation am PC auf viele praktische Experimente zu verzichten. Es genügt, dass die Daten in den Computer eingegeben werden und das Programm gestartet wird.  Die verschiedensten Situationen können am Computer simuliert werden. Dies kommt in der Entwicklung von Flugzeugen, Motoren, aber auch bei chemischen Experimenten zum Einsatz. Es ist daher nicht überraschend, dass die Kinderärzte für jedes Baby ein Computermodell anlegen. Dies macht es möglich, nach einem Zeitraum von drei Jahren vorauszusagen, wie groß das Kind einmal als Erwachsener sein wird. Nach mehreren Jahren  gibt es dann bereits Voraussagen an welchen Krankheiten dieser Mensch einmal leiden wird und auch das voraussichtliche Alter kann das Computerprogramm errechnen. Bald wird es genügen das Leben als Computermodell zu starten
Der simulierte Mensch.   
23.8.05 22:06 verlinken / 1 Kommentar / kommentieren

 

FALSCHE . GEDANKEN

 Wer jetzt das Krastal bei Villach besucht, kann die Skulpturen der diesjährigen Teilnehmer des Bildhauersymposium besichtigen. Besonders vielsagend ist der Titel der Skulptur der Südtirolerin Erika Inger, „Falsche Gedanken“. Bei dieser Arbeit stehen schwere Marmorblöcke auf dünnen Stahlstäben. Falsche Gedanken erheben sich mit Leichtigkeit und schleichen umher, um dann mit der ganzen Schwerkraft des Marmor jemanden zu erdrücken. Bei der Arbeit von Michael Kos „Wiedergutmachung“  werden die Sprünge der Marmorblöcke mit Stahldrähten vernäht. Hier wird ,wie in einem Krankenhaus, versucht, die Verletzungen welche wir der Natur zugefügt haben mit einer Wundnaht Wiedergutzumachen.
Morgen ist auch noch ein Tag.

19.8.05 11:24 verlinken / 2 Kommentare / kommentieren

HOCH . WASSER

 In diesem Herbst  kam es in weiten Teilen von Österreich zu sintflutartigen Regenfälle. Am schlimmsten waren die Vermurrungen und Verwüstungen in Vorarlberg. Jetzt, drei Monate danach, ist die Eisenbahn über den Arlberg noch immer unterbrochen. An der Wiederherstellung wird gearbeitet. Auch entlang einiger Flüsse gab es Überschwemmungen. Vorbei sind die Zeiten wo es neben dem Flussbett Überschwemmungsgebiete gab. In diesen Bereich war es völlig normal, dass die Flüsse von Zeit zu Zeit über die Ufer traten, ohne dabei Schaden anzurichten. Welche wertvolle Aufgabe Moorgebiete als  Regulator bei sintflutartigen Regenfällen haben, kann man beim Moor in der Nähe von Moeselstein beobachten. Vier  Wochen nach den letzten großen Regenfällen steht das Wasser im Schilf noch immer sehr hoch. Der durch das Moor führende Steg ist wieder begehbar. Wäre dieses Wasser direkt in die Gail geflossen, hätte es mehr Hochwasserschäden gegeben. Jahrzehntelang wurden Überschwemmungsgebiete und Moorgebiete trockengelegt, jetzt muss man nach jedem Hochwasser die Kellerräume trockenlegen.
 
Wir sitzen im Trockenen.

12.11.05 16:13 verlinken / 2 Kommentare / kommentieren

 

FRÜH . PENSION

Seit der Pensionsreform müssen wir alle länger arbeiten, um dann weniger Pension zu erhalten. Sogenannte Frühpensionisten werden jetzt argwöhnisch beobachtet. Vor allem dann, wenn sie gerade fünfzig Jahre alt sind oder auch darunter, unterstellt man ihnen gerne Arbeitsunwilligkeit. Manchmal ist es nicht ausgeschlossen, dass sich welche krank stellen. Unter den Frühpensionisten  befinden sich auch kleine Gewerbe- und Handelstreibende, die in ihrer Selbstständigkeit gescheitert sind. Sie sind nicht nur geschäftlich gescheitert, sondern auch körperlich, weil das Eine das Andere bewirkt . Für die kleinen Selbstständigen gibt es keinen Arbeitsinspektor oder Gesundheitstrainer. Die einzige Vorgabe ist, arbeiten um zu leben, auch wenn dabei die Gesundheit zu kurz kommt.
Oftmals trifft es zu, dass Kleinunternehmer bei Aufträgen für große Konzerne  oder als Subunternehmer den Geschäftsmethoden der Grossen unterlegen sind und finanziell und körperlich scheitern. Manche möchten noch gerne arbeiten, sie können es aber nicht mehr. Sie kommen dann in die Frühpension.
 
Von der Frühpension in die Depression.

12.8.05 07:48 verlinken / kommentieren

 

FEUER . STURM

 
Wer schon einmal von einem chinesischen Arzt oder Ärztin untersucht und behandelt wurde weis, dass die chinesische Medizin besonders auf den Fluss der Energien im Körper achtet und bei einer Blockade dieser Energieflüsse von Krankheit spricht. Auch mit den vier Elementen, Feuer, Wasser, Luft und Erde werden Krankheitsbilder beschrieben. Bei einer Untersuchung nach chinesischer Heilmethode fand die Ärztin, dass ich zuviel Feuer in mir habe. Diese Hitze verursache die Beschwerden. Mit Hilfe von Akupunktur könnte man die Hitze aus dem Körper ausleiten. Die Akupunkturnadeln wurden an folgenden Stellen angebracht: In der Kopfhaut, der Stirn, den Ohren, in der Bauchdecke,  im Unterarm und den Ober- und Unterschenkeln. Wenn ich die Muskeln anspannte schmerzten die Nadeln, es war wie im Fegefeuer. Nach zehn Behandlungen war das Feuer in mir noch nicht erloschen. Noch heute kämpfe ich mit dem Feuersturm in meinem Körper.
 
Der Feuersturm in mir.
 
  

10.8.05 17:07 verlinken / 4 Kommentare / kommentieren

 

STROM . FALLE

Was die Elektrizität, kurz gesagt der Strom, für eine Bedeutung im täglichen Leben hat merken wir immer dann, wenn er ausfällt und sei es nur für eine Stunde. In Möselstein ist am Samstagvormittag der Strom für eine Stunde unterbrochen gewesen und plötzlich war es in den Einkaufszentren dunkel. Dunkel im wörtlichem Sinne und auch im übertragenen Sinn, nichts war mehr möglich. In der Obst- und Fleischabteilung fielen die Waagen und Schneidmaschinen aus, die Türen konnten nicht mehr geschlossen werden und im Kassenbereich war für alle Kunden Stillstand und Endstation. Manche ließen die halbvollen Einkaufswagen stehen und verließen den Supermarkt. In einem Wohnblock war eine Frau in einem Lift eingeschlossen und musste händisch hochgekurbelt werden. Viele saßen plötzlich im WC in der Finsternis und der Schweinsbraten stand halb gebraten am Herd.
Der Stromausfall wurde zu einem öffentlichen Thema. Die Leute versammelten sich auf der Strasse und diskutierten über die Abhängigkeit vom Strom. Eine  geregelte Arbeit war ohne Strom  nicht möglich.
Der Mensch trägt sein Kraftwerk in sich, er versorgt sich selbst mit Energie. Zunehmend werden aus medizinischen und wissenschaftlichen Gründen in den Menschen Implantate eingesetzt die mit externer Energie versorgt werden müssen.
 
Wir sitzen in der Stromfalle.

7.8.05 09:34 verlinken / 3 Kommentare / kommentieren

 

DIE . ANGST

 
Im Warmbad Villach bewegte sich eine Frau im Ozonbecken, mit beiden Händen an den Laufstangen festhaltend, von einer Massagedüse zur Nächsten. Die Wassertiefe beträgt 1.40 Meter. Sie konnte nicht schwimmen und hatte Angst im Wasser frei zu gehen. Jeder Schritt im Wasser ist ein Schritt gegen die Angst und viele kleine Schritte führen weg von der Angst. Der erste Schritt in die Angst ist auch der erste Schritt aus der Angst.
 
Die begehbare Angst.

4.8.05 21:35 verlinken / kommentieren

 

LEBEN . HEISST. HANDELN
 
Mit dem Motto, Leben heißt handeln, versuchen Greenpeace Aktivisten am Villacher Hauptplatz die Menschen über die Arbeit von Greenpeace zu informieren und neue Mitglieder zu werben. Das nach einigen Regentagen heute ein Tag mit viel Sonnenschein ist sieht man daran, dass einige Studentinnen auf den Schultern einen Sonnenbrand haben. Um 18 Uhr ist für die erste Partie der Werber Schluss, jetzt kommt die zweite Partie. Sie stellen sich den Leuten, welche von der Arbeit nach Hause eilen oder noch schnell einen Einkauf erledigen wollen in den Weg. Man sieht die unterschiedlichsten Menschen mit den verschiedensten Kleidern, aber fast niemanden ohne Handy. Das Handy ist heute ein Teil der Bekleidung. Ein Unterstandloser, welcher sich mit einer sechser Packung Bierdosen auf einer Bank gemütlich gemacht hat, kommt ohne Handy aus. Am Infostand von Greenpeace steht auf einem Plakat unter dem Zitat der Name Albert Camus. Als ich die Infodame frage, ob sie weis wer Albert Camus war, ist sie völlig unwissend. Sie kennt Camus nicht, noch hat sie ein Buch vom Literaturnobelpreisträger gelesen. Sie verspricht, wenn sie wieder zu Hause ist, dies nachzuholen. Ich empfehle ihr die Bücher „Der Fremde“ und „Die Pest“.
 
Handeln heißt auch, andere für ein Buch zu begeistern.    
2.8.05 19:20 verlinken / 2 Kommentare / kommentieren

 

BÄREN .  BRÜCKE II 

Ein Jahr nach der Eröffnung der Bärenbrücke über die Südautobahn ist bei den Naturfreunden der Bär los. Erstmals wurden auf der Bärenbrücke die Fußabdrücke von einem Braunbären entdeckt.

Wann kommt der nächste Bär.
 

VERZERRTE . GESICHT

 Um ein verzerrtes Gesicht zu erreichen machen die Menschen verschiedene Anstrengungen. Sie lassen dafür viele verschiedene Gesichtsmuskeln spielen, ein gutes Training für eine glatte Gesichtshaut. Wer die Nackenmuskeln überdehnt oder die Kiefermuskeln verspannt, bekommt Gesichtsschmerzen. Der Maler Piere Moda hat seinen Kopf weit zurückgelehnt, wurde dabei fotografiert und hat dann die Konturen mit  einem Filzstift nachgezeichnet. So entstand eine Serie von Selbstbildnissen.
Die Furcht vor dem eigenen Gesicht befällt einem am Morgen im Bad. Wer noch nicht ausgeschlafen ist wird durch den Blick in das eigene Gesicht wach. Jetzt gibt es nur einen Ausweg, in die Dunkelheit der Nacht zurückzukehren.
 
Flucht vor dem eigenem Gesicht.    
                         

26.8.05 07:43 verlinken / kommentieren

 

SIMULIERTE . MENSCH 
Im Computerzeitalter ist es möglich durch Simulation am PC auf viele praktische Experimente zu verzichten. Es genügt, dass die Daten in den Computer eingegeben werden und das Programm gestartet wird.  Die verschiedensten Situationen können am Computer simuliert werden. Dies kommt in der Entwicklung von Flugzeugen, Motoren, aber auch bei chemischen Experimenten zum Einsatz. Es ist daher nicht überraschend, dass die Kinderärzte für jedes Baby ein Computermodell anlegen. Dies macht es möglich, nach einem Zeitraum von drei Jahren vorauszusagen, wie groß das Kind einmal als Erwachsener sein wird. Nach mehreren Jahren  gibt es dann bereits Voraussagen an welchen Krankheiten dieser Mensch einmal leiden wird und auch das voraussichtliche Alter kann das Computerprogramm errechnen. Bald wird es genügen das Leben als Computermodell zu starten
Der simulierte Mensch.   
23.8.05 22:06 verlinken / 1 Kommentar / kommentieren

 

FALSCHE . GEDANKEN

 Wer jetzt das Krastal bei Villach besucht, kann die Skulpturen der diesjährigen Teilnehmer des Bildhauersymposium besichtigen. Besonders vielsagend ist der Titel der Skulptur der Südtirolerin Erika Inger, „Falsche Gedanken“. Bei dieser Arbeit stehen schwere Marmorblöcke auf dünnen Stahlstäben. Falsche Gedanken erheben sich mit Leichtigkeit und schleichen umher, um dann mit der ganzen Schwerkraft des Marmor jemanden zu erdrücken. Bei der Arbeit von Michael Kos „Wiedergutmachung“  werden die Sprünge der Marmorblöcke mit Stahldrähten vernäht. Hier wird ,wie in einem Krankenhaus, versucht, die Verletzungen welche wir der Natur zugefügt haben mit einer Wundnaht Wiedergutzumachen.
Morgen ist auch noch ein Tag.

19.8.05 11:24 verlinken / 2 Kommentare / kommentieren

HOCH . WASSER

 In diesem Herbst  kam es in weiten Teilen von Österreich zu sintflutartigen Regenfälle. Am schlimmsten waren die Vermurrungen und Verwüstungen in Vorarlberg. Jetzt, drei Monate danach, ist die Eisenbahn über den Arlberg noch immer unterbrochen. An der Wiederherstellung wird gearbeitet. Auch entlang einiger Flüsse gab es Überschwemmungen. Vorbei sind die Zeiten wo es neben dem Flussbett Überschwemmungsgebiete gab. In diesen Bereich war es völlig normal, dass die Flüsse von Zeit zu Zeit über die Ufer traten, ohne dabei Schaden anzurichten. Welche wertvolle Aufgabe Moorgebiete als  Regulator bei sintflutartigen Regenfällen haben, kann man beim Moor in der Nähe von Moeselstein beobachten. Vier  Wochen nach den letzten großen Regenfällen steht das Wasser im Schilf noch immer sehr hoch. Der durch das Moor führende Steg ist wieder begehbar. Wäre dieses Wasser direkt in die Gail geflossen, hätte es mehr Hochwasserschäden gegeben. Jahrzehntelang wurden Überschwemmungsgebiete und Moorgebiete trockengelegt, jetzt muss man nach jedem Hochwasser die Kellerräume trockenlegen.
 
Wir sitzen im Trockenen.

12.11.05 16:13 verlinken / 2 Kommentare / kommentieren

 

FRÜH . PENSION

Seit der Pensionsreform müssen wir alle länger arbeiten, um dann weniger Pension zu erhalten. Sogenannte Frühpensionisten werden jetzt argwöhnisch beobachtet. Vor allem dann, wenn sie gerade fünfzig Jahre alt sind oder auch darunter, unterstellt man ihnen gerne Arbeitsunwilligkeit. Manchmal ist es nicht ausgeschlossen, dass sich welche krank stellen. Unter den Frühpensionisten  befinden sich auch kleine Gewerbe- und Handelstreibende, die in ihrer Selbstständigkeit gescheitert sind. Sie sind nicht nur geschäftlich gescheitert, sondern auch körperlich, weil das Eine das Andere bewirkt . Für die kleinen Selbstständigen gibt es keinen Arbeitsinspektor oder Gesundheitstrainer. Die einzige Vorgabe ist, arbeiten um zu leben, auch wenn dabei die Gesundheit zu kurz kommt.
Oftmals trifft es zu, dass Kleinunternehmer bei Aufträgen für große Konzerne  oder als Subunternehmer den Geschäftsmethoden der Grossen unterlegen sind und finanziell und körperlich scheitern. Manche möchten noch gerne arbeiten, sie können es aber nicht mehr. Sie kommen dann in die Frühpension.
 
Von der Frühpension in die Depression.

12.8.05 07:48 verlinken / kommentieren

 

FEUER . STURM

 
Wer schon einmal von einem chinesischen Arzt oder Ärztin untersucht und behandelt wurde weis, dass die chinesische Medizin besonders auf den Fluss der Energien im Körper achtet und bei einer Blockade dieser Energieflüsse von Krankheit spricht. Auch mit den vier Elementen, Feuer, Wasser, Luft und Erde werden Krankheitsbilder beschrieben. Bei einer Untersuchung nach chinesischer Heilmethode fand die Ärztin, dass ich zuviel Feuer in mir habe. Diese Hitze verursache die Beschwerden. Mit Hilfe von Akupunktur könnte man die Hitze aus dem Körper ausleiten. Die Akupunkturnadeln wurden an folgenden Stellen angebracht: In der Kopfhaut, der Stirn, den Ohren, in der Bauchdecke,  im Unterarm und den Ober- und Unterschenkeln. Wenn ich die Muskeln anspannte schmerzten die Nadeln, es war wie im Fegefeuer. Nach zehn Behandlungen war das Feuer in mir noch nicht erloschen. Noch heute kämpfe ich mit dem Feuersturm in meinem Körper.
 
Der Feuersturm in mir.
 
  

10.8.05 17:07 verlinken / 4 Kommentare / kommentieren

 

STROM . FALLE

Was die Elektrizität, kurz gesagt der Strom, für eine Bedeutung im täglichen Leben hat merken wir immer dann, wenn er ausfällt und sei es nur für eine Stunde. In Möselstein ist am Samstagvormittag der Strom für eine Stunde unterbrochen gewesen und plötzlich war es in den Einkaufszentren dunkel. Dunkel im wörtlichem Sinne und auch im übertragenen Sinn, nichts war mehr möglich. In der Obst- und Fleischabteilung fielen die Waagen und Schneidmaschinen aus, die Türen konnten nicht mehr geschlossen werden und im Kassenbereich war für alle Kunden Stillstand und Endstation. Manche ließen die halbvollen Einkaufswagen stehen und verließen den Supermarkt. In einem Wohnblock war eine Frau in einem Lift eingeschlossen und musste händisch hochgekurbelt werden. Viele saßen plötzlich im WC in der Finsternis und der Schweinsbraten stand halb gebraten am Herd.
Der Stromausfall wurde zu einem öffentlichen Thema. Die Leute versammelten sich auf der Strasse und diskutierten über die Abhängigkeit vom Strom. Eine  geregelte Arbeit war ohne Strom  nicht möglich.
Der Mensch trägt sein Kraftwerk in sich, er versorgt sich selbst mit Energie. Zunehmend werden aus medizinischen und wissenschaftlichen Gründen in den Menschen Implantate eingesetzt die mit externer Energie versorgt werden müssen.
 
Wir sitzen in der Stromfalle.

7.8.05 09:34 verlinken / 3 Kommentare / kommentieren

 

DIE . ANGST

 
Im Warmbad Villach bewegte sich eine Frau im Ozonbecken, mit beiden Händen an den Laufstangen festhaltend, von einer Massagedüse zur Nächsten. Die Wassertiefe beträgt 1.40 Meter. Sie konnte nicht schwimmen und hatte Angst im Wasser frei zu gehen. Jeder Schritt im Wasser ist ein Schritt gegen die Angst und viele kleine Schritte führen weg von der Angst. Der erste Schritt in die Angst ist auch der erste Schritt aus der Angst.
 
Die begehbare Angst.

4.8.05 21:35 verlinken / kommentieren

 

LEBEN . HEISST. HANDELN
 
Mit dem Motto, Leben heißt handeln, versuchen Greenpeace Aktivisten am Villacher Hauptplatz die Menschen über die Arbeit von Greenpeace zu informieren und neue Mitglieder zu werben. Das nach einigen Regentagen heute ein Tag mit viel Sonnenschein ist sieht man daran, dass einige Studentinnen auf den Schultern einen Sonnenbrand haben. Um 18 Uhr ist für die erste Partie der Werber Schluss, jetzt kommt die zweite Partie. Sie stellen sich den Leuten, welche von der Arbeit nach Hause eilen oder noch schnell einen Einkauf erledigen wollen in den Weg. Man sieht die unterschiedlichsten Menschen mit den verschiedensten Kleidern, aber fast niemanden ohne Handy. Das Handy ist heute ein Teil der Bekleidung. Ein Unterstandloser, welcher sich mit einer sechser Packung Bierdosen auf einer Bank gemütlich gemacht hat, kommt ohne Handy aus. Am Infostand von Greenpeace steht auf einem Plakat unter dem Zitat der Name Albert Camus. Als ich die Infodame frage, ob sie weis wer Albert Camus war, ist sie völlig unwissend. Sie kennt Camus nicht, noch hat sie ein Buch vom Literaturnobelpreisträger gelesen. Sie verspricht, wenn sie wieder zu Hause ist, dies nachzuholen. Ich empfehle ihr die Bücher „Der Fremde“ und „Die Pest“.
 
Handeln heißt auch, andere für ein Buch zu begeistern.    
2.8.05 19:20 verlinken / 2 Kommentare / kommentieren

 

BÄREN .  BRÜCKE II 

Ein Jahr nach der Eröffnung der Bärenbrücke über die Südautobahn ist bei den Naturfreunden der Bär los. Erstmals wurden auf der Bärenbrücke die Fußabdrücke von einem Braunbären entdeckt.

Wann kommt der nächste Bär.
 

ZER . STÖRT

 
Den größten Teil unseres  Leben befinden wir uns auf der Suche nach einem Lebenssinn. Worin liegt der Sinn unseres Leben? Jeder muss seinen Lebenssinn  bei sich, besser in sich suchen und nicht bei anderen Personen. Wenn einem der/die PartnerInn verlässt, verliert dann das Leben seinen Sinn?  Eine Trennung kann sehr schmerzen, aber es muss nicht bedeuten, dass das Leben zerstört ist. Eine Partnerschaft besteht, bei aller Zuneigung, aus zwei Teilen. Aus einem gemeinsamen Teil und einem ganz persönlichem Teil. Jeder sollte etwas für sich schaffen von dem er sagen kann, dies ist ein Großteil meines Lebens, meiner Persönlichkeit, die mir durch keine äußeren Einflüsse weggenommen werden kann. 
Wurde diese Vorsorge nicht getroffen, so ist dies eine persönliche Schuld. Einen Halt im Leben findet man in der Vergangenheit. Erlebnisse und Gefühle die man erlebt hat, kann einem niemand mehr wegnehmen. An diesen Erlebnissen kann man sich wieder aufrichten. Eine andere Möglichkeit für den Erhalt des Lebenssinn ist die Hoffnung auf die Zukunft. Der Gegenwart soll man keine große Bedeutung bei- messen. Wer es versäumt hat seinem Leben einen Sinn zu geben, kann dafür nicht jemand anderem die Schuld geben.
 
Das nächste Leben.  
 
 
 

14.7.05 12:03 verlinken / 3 Kommentare / kommentieren

 

TERROR . RAND
In den letzten Tagen ist eine Fülle von Berichten über die Sprengstoffanschläge auf die U-Bahn in London über die Bildschirme geflimmert und in den Tageszeitungen veröffentlicht worden. Im Internet gibt es live Bilder vom Tathergang und persönliche Schilderungen. Überall wird über die Urheber und die Folgen der Terroranschläge diskutiert.
Auch bei einem so spektakulärem Ereignis, wie den Terroranschlägen in London, können die Wahrnehmungen ganz verschieden sein. Die persönliche Wahrnehmung eines so furchtbaren Ereignisses bestimmt die persönliche Befindlichkeit und Situation. Ein bekanntes Ehepaar ist am Wochenende von einem London Aufenthalt nach Österreich zurückgekehrt. Ihre Aufmerksamkeit richtet sich auf die Mutter, die nach einem Schlaganfall in das Krankenhaus eingeliefert wurde. Die Terroranschläge waren für sie ein Randereignis.
Am Rande des Terrors.    
11.7.05 17:37 verlinken / 2 Kommentare / kommentieren

 

DIE . ALTEN

 
Zu oft reden wir „Alten“ die Welt schlecht und stellen die Zukunft hoffnungslos dar. Wir wollen, dass alles beim Alten bleibt, dann bleibt uns alles bekannt und auch unsere Vorteile bleiben beim Alten. Wir haben vergessen, dass wir 1968 aufgebrochen sind alles zu verändern, besonders alles was Alt war. Jetzt müssen wir den Jungen freie Hand lassen. Bleiben wir beim Alten, aber lassen wir Platz für das Neue. Die Jugend von heute wird schneller alt sein, als sie es heute glaubt.
 
Alles beim Alten.

10.7.05 21:06 verlinken / kommentieren

 

SCHI . LEHRER
 
Erstaunt zeigte sich die Rezeptzionistin eines Hotels in der Therme Loipersdorf als sie gefragt wurde, ob es möglich sei eine Schiausrüstung und einen Schilehrer  zu buchen. Über Nacht hatte es in der Thermenregion geschneit. Die Frau versuchte zu erklären, das diese Region  kein Schigebiet ist, die Umgebung bestehe nur aus Hügeln und es gibt keine Skilifte. Die Skigebiete liegen im Norden der Stermark. In der Thermenregion gäbe es kaum Schnee und er würde auch nicht für längere Zeit liegen bleiben. Für die nächsten Tage wäre es möglich einen Schwimmlehrer zu buchen.
 
Schwimmlehrer statt Schilehrer.
9.12.05 07:58 verlinken / kommentieren

 

BIO . GEDANKE

 
Manchmal wird vergessen wer für was zuständig ist. Dies zeigt ein Beipackzettel, der einer Vorratspackung Fleisch von einem Bio Bauern beigepackt war. Darauf war folgendes zu lesen: Mit diesem Vorratspaket haben sie Qualität vom Biobauer gekauft. Diesem Satz kann ich zustimmen. Dann wird mir ein schöner und erholsamer Sommer gewünscht, sowie viel Glück und Gesundheit. Sehr erfreulich.  Weiter steht geschrieben, wir möchten Ihnen diesmal ein paar Gedanken mit auf den Weg geben:
 
Suchen wir unser Licht
In unseren Gefühlen!
In ihnen liegt eine Wärme,
die viel Klarheit in sich schließt.  J. J.
 
Vielleicht sollten Biobauern einfach gesunde Produkte erzeugen und verkaufen, die Gedanken hole ich mir anders wo.
 
Der biologische Gedanke.

7.7.05 09:42 verlinken / 7 Kommentare / kommentieren

 

ANGESAUGTE . KUH

 
Wer das Bild „Angesaugte Kuh“ von Maria Lassnig betrachtet wird in dem unförmigen Körper, mit einem dicken Filzstift gezeichnet, eine Kuh erkennen können.
Das Bild entstand im Jahre 1988. Ratlos werden manche die metallenen Ausstülpungen betrachten welche den Kühen aufgesetzt sind. Nur wer selbst auf einem Bauernhof aufgewachsen ist, wird darin den Stutzen einer Melkmaschine erkennen. Die Kuh ist reduziert auf das Abbild eines Euter mit zwei Stutzen einer Melkmaschine.
Maria Lassnig wurde 1919 in Kappel am Krappfeld im Kärntner Unterland, einer von der Landwirtschaft geprägten Landschaft, geboren. In ihrer Jugendzeit sind die Kühe noch mit der Hand gemolken worden. Während meiner Kindheit wurden die Kühe bei uns am Bauernhof von Hand gemolken. Ich saß als Kind während des Melken auf einem Melkschemel neben dem Vater und horchte seinen Geschichten zu. Als Schüler erzählte ich dem Vater was wir in der Schule gelernt haben. Nach der Installation einer elektrischen Melkanlage hörte man im Kuhstall nur mehr die Geräusche der stampfenden und saugenden Melkmaschine. Mit den Gesprächen während des Melken war es vorbei.
 
Der Melkautomat. 

12.8.05 21:16 verlinken / 3 Kommentare / kommentieren

 

CHINA . MADEN

 

Es vergeht kein Tag, an dem man nicht mit einer Meldung über die wirtschaftlichen Erfolge von China informiert wird. So erfährt man, dass im ersten Halbjahr dieses Jahres über 160 Millionen Paar Schuhe aus China in die EU importiert wurden oder dass  80 % der Spielwaren weltweit in China erzeugt werden und das China die höchsten Wachstumsraten der Welt hat. Oft aber werden dafür die Frauen, da Mädchen als Nachkommenschaft noch immer unbeliebt sind, ausgebeutet. Die unerwünschten Frauen ziehen vom Land in die Großstadt, in die sogenannten Sonderwirtschaftszonen und versuchen dort eine Arbeit zu finden. Diese Notlage wird selbst im kommunistischem China von den Industrieunternehmen ausgenützt und die Frauen als billige Arbeitskräfte eingestellt. Bei einer Arbeitszeit von zwölf Stunden täglich, an sieben Tagen die Woche, verdienen die Arbeiterinnen gerade mal € 45.—pro Monat.

 

Sucht man in einem Spielwarengeschäft nach einem passendem Geschenk, dann kann es passieren, dass die Begleitung ein Funkauto in die Hand nimmt und sagt „Made in China“. Ich verstehe, „heute schaue ich „Made in China“ . Ich frage zurück, „wie lange dauert die Fernsehsendung? Die Begleitung fragt, „welche Fernsehsendung?, ich sage „Made in China“.

 

Die Chinamaden im Kopf.

 

 

 

29.6.05 21:29

REISE . FIEBER

 

An den heißen Junitagen werden die Felswände des Dobratsch durch die intensiven Sonnenstrahlen aufgeheizt und der Lärm der hochtourigen Motorräder wird als Echo in das Tal zurückgeworfen. So wird die Stimmung in Moeselstein, wenn die Motorräder auf der B83 durch den Ort brausen, angeheizt. Den Motorrädern folgen mit Folgetonhorn die Einsatzwagen der Polizei. Bei einem Verkehrsunfall auf der A2 Autobahn heulen die Feuerwehrsirenen, dann kommen die Sirenen des Notarztwagen und des Rettungsautos. Jetzt ist Sommer in Moeselstein und man bekommt Reisefieber.

 

Wohin geht die Reise?

28.6.05 14:09

SPÄT . HERBST

 

Wer jetzt auf einer Bank in der Schütt sitzt und einen Blick auf die Bäume und Sträucher wirft sieht, dass die Eichenblätter erdbraun, ausgetrocknet und verdorrt sind. Im Sturzflug fliegen die Blätter von den Bäumen, um vom nächsten Windstoß aufgewirbelt zu werden. Am blassblauen Himmel fliegt ein Segelflieger lautlos den Dobratsch entlang. Auf der Wiese weiden drei Pferde. Ein Pferd kann sich nicht beruhigen, es wiehert immer wieder und hebt seinen Kopf. Vielleicht will es schon in den Stall? Der nächste Windstoß wirft die Mähne hoch, von der Ferne klingen Kuhglocken. Ein Mann läuft die Strasse entlang und kämpft dabei gegen seine Kilos und gegen das Alter. Die Sonne steht tief über dem Länderdreieck. Leise drehen sich die Räder der Fahrradfahrer und von der Autobahnbrücke hört man das Schlagen der Autoachsen. Der Verkehrsstrom reist nicht ab.

 

Der Lärm kennt keine Grenze.  

4.11.05 18:26

ZUKUNFT . ÖSTERREICH

Die Kaiserin Maria Theresia steht auf einem großen Betonsockel mit Zepter und Krone am Neuem Platz in Klagenfurt. Von einem Plakat mit rot-weis-roten Streifen auf einer Liftfasssäule strahlt der Bundeskanzler für die Zukunft Österreichs und auch für seine Eigene. Am Neuen Platz ist eine große Wäschespinne aufgebaut und die unter Sechsjährigen üben sich im Bangcamping  Springen. Fünf Minuten kosten vier Euro. Auf einer Sitzbank verabschiedet sich eine Generation mit einer Flasche Bier. Die Sandleer von Klagenfurt trinken sich in den Tod. Wo zwei junge Leute am Tisch sitzen, da liegen drei Handys. Wenn der Herkules den Lindwurm erschlagen wird und das Wörtherseemandl sein Fass öffnen wird, dann wird Klagenfurt in den Fluten des Wörthersee untergehen.

 

Zukunftsfest für Österreich.

22.6.05 21:11
ren

FÜNFZIG . JAHRE

 

Neben den offiziellen Feiern „Fünfzig Jahre 2. Republik  Österreich“, wo sich die regierenden Politiker oftmals selbst feiern, gibt es die „privaten Fünfziger“. Dies sind Frauen und Männer welche im Jahre 1955 , dem Jahr der Unterzeichnung des österreichischen Staatsvertrages geboren wurden. Ihnen kann man den Stolz ansehen, dass sie in einem „historischem Jahr“ geboren wurden, obwohl sie zur Erlangung der Unabhängigkeit nichts beigetragen haben. In die weitere Entwicklung des Staates waren sie voll eingebunden. So verlaufen die Fünfzigjahrfeiern ganz unterschiedlich.

 

Eines ist gewiss, dass der Staat mit den Jahren mehr Gewicht bekommt, während die Zeit der Fünfzigjährigen weniger wird. Viele Menschen leiden mit den Jahren an einem Zeitdefizit, obwohl sie weniger Aufgaben zu bewältigen haben. Meine Wünsche für die Fünfziger lauten, Zeit für die restlichen Dinge des Lebens und soviel Gesundheit wie zum Leben notwendig ist.

 

Gesunde Lebenszeit.  

19.6.05 22:05

DIGI . FOTO

 

Wer sich ein Jahrzehnt zurückerinnert weis, dass man bei einem Urlaub am Meer oder in den Bergen vom Urlaubsort Ansichtskarten an Verwandte und Freunde verschickt hat. Bei den Souvenirläden hat man die Kartenständer vor- und zurückgedreht und die schönsten Ansichtskarten ausgesucht. Entweder hat man laut oder leise für sich alle jene Leute aufgezählt, denen man eine Karte schicken will. So sah man die Urlauber im Gastgarten bei einem Getränk oder am Abend im Hotel beim Abendessen sitzen und dabei die Ansichtskarten schreiben.

Heute kann man beim Abendessen im Hotel beobachten, wie rundherum die Fotohandys gezückt werden und man sich gegenseitig fotografiert. Es wird so lange fotografiert, bis die Aufnahme allen gefällt, auch demjenigen, welcher fotografiert wurde. Heute ist alles wiederholbar, bis es keinen Spaß mehr macht. Das Foto wird als digitale Ansichtskarte versandt.

 

Das Ende der Spaßgesellschaft. 

 

17.6.05 10:26

 

KIRCH . SCHLAG
Im Schlagloch meiner Erinerungen gibt es einige Begebenheiten aus Kirchschlag i. d. Buckligen Welt. Die Burgruine Kirchschlag ist trotz eines kleinen Aufstieg, zwecks der schönen Aussicht, diese Mühe wert. Es bietet sich ein rundum Blick auf die Bucklige Welt mit den vielen Waldstücken, den weiten grünen Feldern auf den Leiten und dazwischen die Bauernhöfe, mit ihrem eigenen Stolz. Dazwischen wogen die Gedreitefelder im Wind und dahinter wölbt sich der nächste Buckel.
Alle fünf Jahre haben die Kirchschläger schwer an der Welt zu tragen, wenn sie bei den Kirchschlagerpassionsspielen für Christus das Kreuz tragen. Das Kreuz tragen ist nicht etwas Vergangenes oder Geschichte. Es wird heute nur totgeschwiegen, dass auch heute im Computerzeitalter jeder von uns sein Kreuz zu tragen hat. Man braucht nur in den Onlinetagebüchern zu lesen und trifft auf viele Blogger, welche an ihrem Leben leiden. Das Leiden ist stärker in der Welt anzutreffen als sonst einmal.
Einen ganzen Sommer spielt die Bevölkerung von Kirchschlag bei den Passionsspielen die Geschichte vom Leid, vom Hass, dem Neid und der Angst. Die Passion bleibt aber nicht im Leid festgefahren, zum Schluß kündet ein strahlendes Licht aus dem leeren Grab vom Frieden für den leidenden Menschen.
Das Kreuz tragen.  

14.6.05 21:03

 

ZE . HENT
Man spricht oft von der Macht der Politiker. In der heutigen Situation der Globalisierung, wo jeden Tag Firmen aus dem EU-Raum abwandern, muß man von der Machtlosigkeit der Politiker sprechen. Wenn sie Macht haben, dann wird ihnen diese Macht von den internationalen Konzernen zur Verfügung gestellt. Die Macht und der Einfluß verschiedener Adelsgeschlechter ist heute noch grösser als die eines Landeshauptmann. Wer das Burgenland besucht trifft überall auf die Schlösser und Besitzungen des Geschlecht der Esterhazy. In Lockenhaus ist es ebenso.
Wir sind heute von der Adelsherrschaft befreit, dafür aber die Leibeigenen des Staates. Früher mußte man einen Zehent (10 Prozent) von seinem Einkommen an die Gutsherrschaft abliefern, heute zahlen wir 30 bis 50 Prozent Einkommensteuer an den Staat. Der Einfluß des Landehauptmann von Burgenland ist geringer als der Einfluß der Esterhazy.
In einem Gasthof in Lockenhaus, wo vor kurzem auch der Landeshauptmann gespeist hat, kann man gut speisen. Die Sprache der Burgenländer hat einen schönen melodischen Klang.
Wohltat Zehent.

13.6.05 11:23

 

RAND . STEIN
Am Sonntagvormittag trifft man die Jugend beim Kirchgang, am Nachmittag liefern sich die Burschen auf der engen und kurvenreichen Landstrasse zwischen Zöbern und Krumbach mit ihren Sportwagen ein Strassenrennen. Die Autos sind schon lange bevor sie zu sehen sind, zu hören. Es ist wie das Grollen von Donner, die tiefen Bässe der Schlager bringen die Luft zum Vibrieren. Sie rasen mit ihren tiefliegenden Autos vorbei an den privaten Marterln, welche hier am Straßenrand an die Opfer des Straßenverkehrs erinnern.
„Hier mußte am 16. 10. 1970 das Mädchen  G. im Alter von dreizehn Jahren unschuldig ihr Leben lassen.“ Den Betonsockel schmückt ein Engel mit gefalteten Händen.
„Hier verunglückte am 26. 1. 1952 Herr J.A. “ Ein Sockel mit Kreuz.
Würde man an den Straßen für alle Verkehrstote Marternl aufstellen, könnte man sich die Randstein ersparen.
Am Straßenrand.

9.6.05 17:07

LICHT . BLICK
Ein Lichtblick im Kuralltag war das Gitarrenkonzert der Musikschule Scheiblingkirchen im Museumsdorf Krumbach für den Verein Lichtblick Krumbach. Sie musizierten für einen wohltätigen Zweck. Der Erlös aus dem Konzert kommt der Errichtung einer „Beschützten Werkstätte“ für Kinder & Erwachsene mit besonderem Förderungsbedarf zu gute. Gespiel wurden Kompositionen von Klassik bis Pop, von M. Langer bis G. Telemann. Das Gitarrenquartett bzw. -Quartett stand unter der Leitung von Renate Hofer. Bei manchen Musikstücken konnte man sich völlig entspannen und die Augen schließen. Der Alltag wurde ausgeblendet, der fand woanderst statt.
Berührend war auch die Geschichte von einer Mutter eines mongoliden Kindes, wie sie mit ihrem Mann beschlossen haben dem Verein beizutreten. Es war ein paar Tage vor Weihnachten, als sie sich entschlossen auf gegenseitige Geschenke zu verzichten und dafür dem Verein Lichtblick eine Geldspende zu überweisen. Sie gingen gemeinsam zur Bank und verbrachten danach einen gemütlichen, statt stressigen, Vorweihnachtsvormittag im Cafe beim Reden und Cafetrinken.
Ein Lichtblick.
 

7.6.05 08:15

VER . REISEN
In einem Kurhotel ist es unvermeidbar, dass unter den Kurgästen auch ältere und gebrechliche Menschen sind mit Gehhilfen, Krücken und im Rollstuhl. Bei einem Tischgespräch stellte sich die Frage, ob es erstrebenswert ist, so alt und gebrechlich zu werden oder ob es besser wäre mit vierzig oder fünfzig Jahren „gesund“ zu sterben?
Mein Einwand gegen den „gesunden Tod“ war, dass man  vieles erst in den späteren Jahren erlebt. Gerade das Verreisen können sich viele Menschen erst in späteren Jahren leisten, oft erst nach der Pensionierung. All diese, meistens interessanten und schönen Erfahrungen hätte man bei einem frühen Tod nicht machen können. Meine Frage ist, welche Auswirkungen würde das Fehlen dieser Erfahrungen nach dem Tod haben?
Erfahrungen und Erlebnisse für das Jenseits.
 

4.6.05 13:20

SELBST . SUCHT

Es ist eine unpersönliche Welt, in der ich das Gefühl habe, dass der Tod eines Freundes mir die Zeit stiehlt. Ich hatte für mich eine Woche vorgeplant, endlich hatte ich das Gefühl, dass ich einmal für mich persönlich ein wenig Zeit haben werde und dann erreicht mich die Nachricht, dass der Freund gestorben ist. Der Wochenplan ist hinfällig. Jemand, welchen ich gerade an diesem Tage anrufen wollte um mich zu erkundigen, welche Feste anlässlich von hundert Jahre Relativitätstheorie geplant sind?  Ich habe dann doch nicht angerufen, weil die Zeit schon fortgeschritten war und eine Fahrt zum Bahnhof bevorstand. Er hat gerne telefoniert und man weiß nie wie lange wir gesprochen hätten.

Heute würde ich mich gerne mit ihm sprechen, aber es ist leider zu spät. Jetzt ärgere ich mich darüber, dass ich persönlich zu kurz kommen könnte, er kann es nicht mehr.

Selbstsüchtig bis zum Tod.