mom:jan

Wie wir zu diesem Katzennamen gekommen sind? In der Autotouringzeitung wurde für Istrien eine Tour der Sinne empfohlen. Darunter befand sich auch der Ort Momjan, er liegt im kroatischen Teil von Istrien, an der Grenze zu Slowenien. Nach einem zweiten und dritten Versuch konnten wir die Abfahrt von der Landesstraße nach Momjan finden. Wie die meisten istrischen Dörfer liegt es auf einer Anhöhe. Beim Besuch von kleineren Ortschaften orientieren wir uns am Kirchturm, der meistens weithin sichtbar über die Häuser ragt. Von den haushohen Reklamesäulen der Supermärkte und den Plakatankünder, wie wir sie bei jeder Ortseinfahrt in Kärnten vorfinden, fehlt jede Spur. Bei der Kirche gab es einen Hinweis auf ein Kastell, von dem zwischen dem Gestrüb der eingestürzte Burgfried zu sehen war. Wir gehen die Häuserzeile, welche den Ortskern bildet, entlang. Ernüchternd schauen wir durch mit Brettern notdürftig vernagelte Fenster und Türen. Dahinter sind das Dach, die Zwischenmauern und -decken längst eingestürzt. Vor den bewohnbaren Steinhäusern sitzen ältere Leute auf einem Stuhl. Auf ihrem Schoss oder zu ihren Füßen zumeist eine schlafende Katze und ein paar Blumentöpfe. Durch das Hundegebell werden wir von einem Haus zum Anderem angekündigt, anderseits folgen uns die Blicke hinter dem Vorhang von einem Haus zum Anderen. Wir sind die einzigen Personen auf der Straße.

Uns kommt eine Frau mit einem kleinen schwarzen Dackel entgegen. Dessen Hinterfüße sind verletzt oder amputiert, er zieht seinen eigenen Rollstuhl hinterher. Der Hinterleib ist auf einem Gestell mit zwei Rädern aufgehängt. Soll uns dieser Hund leidtun, ist dies eine Qual für ihn? Der Hund läuft als verfüge er über vier gesunde Beine und nicht nur über zwei Vorderbeine. Er schaut uns mit lustigen Augen an und wendet den Kopf nach allen Richtungen. Das Laufen scheint im Spaß zu machen, er strahlt mehr Lebendigkeit aus, als mancher Rassehund. Neugierig zieht er seine Duftspur durch die Dorfstraße, aufgeregt wedelt er mit seinem Schweif. Die Frau hat Mühe ihm zu folgen.

Schweif einziehen.

vorteil:card III

Seit kurzem greift  in den Zügen die selbe Handymanie um sich, wie wir sie auf den öffentlichen Plätzen, in den Cafés und Schanigärten antreffen. Von den Reisenden wird ständig am Handy gewischt und nachgeguckt, ob nicht jemand etwas gepostet hat. Zumeist handelt es sich um Schüler und Studenten, welche die Zugfahrt nützen, um auf dem Laptop eine Aufgabe zu erledigen. Heute sind wir soweit, dass junge Menschen am Smartphone, kurz vor ihrer Ankunft, ein Zimmer für die nächsten Tage in der Stadt buchen. Am Zugfenster ziehen die Dörfer, die Wiesen, sowie die Berggipfel vorbei.

Ich bin mit dem Zug öfter auf längeren Strecken unterwegs, dabei kommt es immer wieder zu Situationen, die mich überraschen. Bei einer Fahrt von Villach nach Salzburg, im Spätherbst, sind in nächster Nähe drei Ehepaare gesessen, dem Reden nach Pensionisten. Mit ihrem bunten Outfit haben sie ein wenig Optimismus im Zugabteil verbreitet. Trotz dunkler Wolken und zeitweisen Regenschauern sind sie in legerer Bekleidung und ihren Fahrradtaschen im Abteil gesessen. Den Gesprächen nach waren sie mit ihren Fahrräder auf dem Weg zum Donauradweg und vertrauten darauf, dass die Niederschläge am nächsten Tag nachlassen werden. Eine allgemeine Wetterbesserung eintreten wird. Die Jüngste von den drei Frauen stellte, während der Regen gegen die Fensterscheibe spritzte, eine Flasche Sekt auf das Fensterbrett. Dazu die passenden Sektgläser aus Kunststoff und gemeinsam stießen sie im Zug auf schöneres Wetter und auf die Radtour an. Alle möglichen Getränke, Bier, Limonade, Mineralwasser, Apfelsaft und Cafe, werden während der Bahnfahrt aus den Reisetaschen gezaubert. Eine Flasche Sekt, dies war für mich einmalig. Zwischen dem Zuprosten wurde bedauert, dass sie schon überall auf der Welt gewesen sind, ihnen gehen langsam die Reiseziele aus. Ist unsere Generation im Vorteil oder haben wir uns die Vorteilscardgesellschaftsposition selbst erarbeitet?

Es macht sich eine neue Lebenseinstellung breit,das Jahrzehnt der Vorteilscardbesitzer. In der um sich greifenden Nimm drei zahl zwei, der Vorteilspackungsgesellschaft und den Stammkundenrabatteinkaufswochenenden will niemand mehr den Normalpreis zahlen. Es ist kaum noch zu überbieten und doch versuchen die großen Handelsketten noch einmal kräftig zuzuschlagen. Wie wäre es mit dem größten letzten Sonderverkauf aller Zeiten?

Letztes Aufgebot.

vorteil:card II

Wer von uns Österreichern hat etwas zu verschenken? Das heimische Fernsehen zeigt TV- Spots, wo ein gut situierter Unternehmer andere darauf aufmerksam macht, man soll die richtigen Angebote nützen. Egal ob es sich dabei um die Handykosten, um Übergepäck beim Fliegen oder um den Versand von einem Paket handelt, niemand hat etwas zu verschenken. Ich weiß nicht, fallen diese TV-Spots  unter das Genre Satire, Komik oder ist es ein Drama, dass wir alle zu Groschenfuchser werden? Streift man durch die Regale eines Supermarktes, dann findet man den erhobenen Daumen, hier sind die speziellen Angebote für Mitglieder. Bei diesen Vorteilen wird man zum Vorteilscardjäger. Die Stammleser einer kleinformatigen Tageszeitung erhalten einen Reiserabatt von bis zu zehn Prozent, im Steirischen Thermenland und auf einer Kroatischen Insel.  Alles ab einem Aufenthalt von drei Tagen, klingt besser als zwei Nächte. Dazu gibt für Vorteilscardclubmitglieder einen Kuschelbademantel während des Aufenthaltes, bei der Ankunft eine Flasche Mineralwasser und eine Obstschüssel auf dem Zimmer. Kerngesund und alles gratis.

Die Generation sechzig plus würde ich als die Vorteilscardgesellschaft bezeichnen. Es ist bekannt, dass diese Personengruppe gerne verreist, soweit es ihre Finanzen erlauben. Dafür bieten die öffentlichen Verkehrsmittel eine Seniorenvorteilscard an. Damit hofft man den öffentlichen Verkehr für diese Personengruppe  attraktiver zu machen. Mir ist es unverständlich, wenn man längere Strecken, wie nach Freiburg, Ulm oder Leipzig nicht mit dem Zug fährt. Selbst für Reisen innerhalb von Österreich, sei es in den äußersten Westen oder Osten ist es bequemer die Eisenbahn statt das Auto zu benützen. Die Zugsverbindungen sind aufeinander abgestimmt und das Platzangebot ist in einem Eisenbahnwaggon um vieles größer als in einem Pkw, sei dieser noch so komfortabel. Auch bei den Fahrzeiten kann eine gute Zugsverbindung wie der Railjet und der ICE mit dem Individualverkehr gut mithalten.Wenn überhaupt, können nur die Beifahrer die Autofahrt genießen. Sie haben die Möglichkeit etwas von der Landschaft einzusaugen, soweit nicht Lärmschutzwände entlang der Autobahn jede Sicht verhindern. Für den Fahrer bleibt nur der starre Blick auf die Fahrbahn und eine nicht enden wollende Konzentration.

Ich ernte oftmals schiefe Blicke,  wenn ich verlaute, für die Fahrt nach Bludenz braucht die Bahn sechs Stunden. Was, so lange Zugfahren! Niemand regt sich darüber auf, wenn die sogenannten Durchraser im besten Fall ebenso lange brauchen. Sie machen höchstens einmal eine Pinkelpause und haben dabei das viel größere Risiko in einen Unfall verwickelt zu werden. Es besteht jederzeit die Möglichkeit das WC zu benützen und nicht erst auf eine Autobahnraststätte zu hoffen. Der Autolenker könnte währenddessen beim Bahnfahren gemütlich die Zeitung lesen, sich mit den Mitreisenden unterhalten oder die Landschaft betrachten. Zur Reiselektüre eignen sich besonders die Taschenbücher. Ich bevorzuge die Reclamhefte wie zuletzt, Was heißt denken? von Martin Heidegger.

Abgesperrt.

flucht:fliehen III

Es ist der Fall, dass die Jugend, dank der finanziellen Ressourcen der Eltern, heute schon als Kinder viele Berührungen mit anderen Völkern haben. Durch ihre finanziell unterstützte Reisetätigkeit, den sozialen Netzwerken und den besseren Sprachkenntnissen verfügen sie über ein breiteres Spektrum an globalen Kontakten. Bei diesen unterschiedlichen Voraussetzungen braucht es gegenseitige Toleranz zwischen Jugend und Senioren. Die Jugend steht den Migranten offener gegenüber, die Senioren den großen Migrationsströmen skeptischer.

Ein anderes Element ist die Verschiedenartigkeit der Kultur  und der Religion. Dabei zeigen die Medien, egal ob Zeitungen oder Fernsehen, hauptsächlich  die Gewalttätigkeit des Islam, seine Radikalität allen anderen Kulturen und Religionen gegenüber. Ihre Gräueltaten im Namen Allahs. Nach dem Koran soll es beim Heiligen Krieg, dem Dschihad, um das Streben und das Kämpfen für das Gute gehen. Die Auslegung der göttlichen Botschaft  ist in fast allen Religionen ein Problem. Zumeist ist nicht vieles wirklich konkret formuliert und die Umsetzung der göttlichen Botschaft  fällt  dem Menschen zu, mit seiner ganzen Unzulänglichkeit. Warum hierfür von göttlicher Seite keine konkretere Struktur errichtet wurde ist mir ein Rätsel.  Es bedeutet ein menschliches Dilemma, aus dem wird nicht herauskönnen und für immer darin verfangen bleiben.

Das Fatale daran ist, dass sich die Repräsentanten der muslimischen Staaten und deren Religionsführer sich von diesen grausamen Gesetzen und Taten nicht distanzieren. Die Besorgnis, dass sich die gewalttätige Seite des Islam in der EU breitmacht, ist nicht von der Hand zu weisen. In einer TV-Sendung zum Islam hat der Islamgelehrte Ramadan davon gesprochen, dass im ursprünglichen Korantext die Scharia nicht vorhanden war. Sie wurde erst später eingefügt und ist nicht von Allah gewollt. Mir erscheint es mit der Scharia ähnlich wie mit den Dogmen in der katholischen Kirche. Diese wurden auch erst durch die Päpste oder ein Konzil der Bibel hinzugefügt. Dabei ist natürlich anzumeckern, dass im Gegensatz zu der Scharia die Dogmen für die Zivilgesellschaft, für den demokratischen Staat keine verbindliche Wirkung haben. Ein ganz großer Unterschied zur Islamgesellschaft. So ist auch jedes Ansinnen in der EU die Scharia anzuwenden strikt abzulehnen. Tief berührt hat mich ein Absatz in der letzten Rede von Muhammad.

In seiner Abschiedspredigt  sagte der Prophet Muhammad : „Die gesamte Menschheit stammt von Adam und Eva.  Ein Araber hat weder einen Vorrang vor einem Nicht-Araber, noch hat ein Nicht-Araber einen Vorrang vor einem Araber; Weiß hat keinen Vorrang vor Schwarz, noch hat Schwarz irgendeinen Vorrang vor Weiß; [niemand ist einem anderen überlegen] außer in der Gottesfurcht und in guter Tat.“

Wie weit Verständigung und Verständnis, Realität und Vorurteile schon innerhalb der einzelnen österreichischen Bundesländer auseinander liegen können, zeigte sich bei einem Besuch aus Vorarlberg.  Der Besucher kam mit der Aufgabe nach Kärnten, hier Postkarten mit dem H.- Konterfei aufzustöbern, die es in Wirklichkeit nicht einmal zu H.- Zeiten gegen hat. Mit solch einer Postkarte möchte er seine Arbeitskollegen grüßen. Die Kärntner würden H.- Fähnchen schwingend an der Wörtherseeuferstraße in Velden stehen.  Dabei scheint der Wunsch die Vorstellung beflügelt zu haben. Wie weit können erst dann die Vorstellungen über andere Kulturen in das Abseits triften.

Grenzbalken