Über schlagloch

Er hat es sich zur Aufgabe gemacht mehrmals die Woche eine kleine Studie zu verfassen und teilt dies per Weblog „schlagloch“ einer stetig wachsenden Internetgemeinde mit. Einzelne Leser treten auf der Internetplattform mit ihm auch in eine Diskussion über das Geschriebene ein. Vom Deutschen Literaturarchiv Marbach werden ausgewählte Online-Publikationen, so auch das Blog „schlagloch“ auf der Plattform Literatur-im-Netz langzeitarchiviert. Einige „Schlaglöcher„ hat er materialisiert und zu Büchern gemacht: Zeitenwandel (2009); Die Beobachtungen (2011); Bruchstellen (2015).

fest:essen I

Ob den bevorstehenden Feiertagen mit reichlichem Essen vergessen wir oft, dass viele Menschen wenig, bis gar nichts zu essen haben. Diesen Umstand müssen wir zur Kenntnis nehmen. Jeder ist dazu aufgefordert sein Scherflein  beizutragen, damit es besser wird. Gelegenheiten gibt es dazu das ganze Jahr über, vermehrt appellieren karitative Organisationen in der Vorweihnachtszeit auf unser Mitgefühl. Ich denke, vielen von uns geht es gut und da darf es schon etwas mehr sein. Im Umkreis von den Kirchen entgeht man den Spendensammlern auf keinen Fall, hier wird für fast alles gesammelt. Eine Spende für die neue Orgel, die Dachziegel und es braucht Lebensmittel für den Sozialmarkt. Natürlich wird auch für eine Krankenstation in der Mission, die Einrichtung einer Schülerküche in Westafrika und für die Erdbebenopfer gesammelt. In den aktuellen Flüchtlingslagern sind Zehntausende vom Hungertod bedroht. Es gibt konkrete Aktionen für die Schicksal hart getroffenen Personen im Inland.

Aus Dankbarkeit für ein zumeist sorgenfreies Leben spende ich gerne dort und da. Ist es sinnvoller jedem ein wenig zu geben oder macht es mehr Sinn, einige wenige großzügiger zu unterstützen und andere abzulehnen? Bis heute habe ich es nicht geschafft  eine Liste anzulegen, was ich im Laufe des Jahres an Spenden und Unterstützungen ausgebe. Dies könnte ein Vorsatz für das neue Jahr sein.

Erlagschein

plan:los II

Von den vielen Ereignissen des Jahres ist bei mir der Terroranschlag in Barcelona hängen geblieben. Es liegt einige Jahre zurück, da sind wir bei einer Stadtbesichtigung  auf der Rambla Promenade flaniert. Im Gedächtnis geblieben wohl auch deshalb,weil wir mehrheitlich die negativen Vorfälle behalten und weil die Hausärztin  in dieser Woche in Barcelona auf Urlaub war. Dabei hat sie den gewaltigen Polizei- und Militäreinsatz miterlebt. Orakelhaft war das Eintreffen einer Ansichtskarte aus Barcelona,die genau am Tag des Terroranschlages abgesandt wurde. Der Absender war mein Bruder, von dem wir wissen, dass er kaum Urlaub macht. Keine weiter entferntere Reisen, lieber arbeitet er in seinem Urlaub in seiner eigenen Firma. Dieser Bruder befand sich mit der Familie zu der Zeit des Terroranschlages in Barcelona und hätte ein mögliches Opfer sein können. Einen unwahrscheinlicheren Zufall kann ich mir nicht vorstellen.

Da stelle ich mir die Frage, gibt es so etwas wie einen Plan, der unser Leben steuert? Wer hat diesen Plan, von dem wir selbst nichts wissen, festgelegt? Wir planen zwar, können aber gegen das Schicksal oder wie es pathetisch heißt, gegen die Vorsehung nichts ausrichten. Sind wir die Erfinder unseres eigenen Planersteller und halten alles, was wir für unvorhersehbar erleben, als dessen Absicht? Erfreulich, wenn die Ereignisse besser sind, als wir es uns vorstellen. Zerknirscht müssen wir uns fügen, wenn der Plan für uns ein Desaster ist. Zumeist retten wir uns mit der Ansage, es wird schon für etwas gut sein. Wir können uns mental helfen, wenn es nicht nach unseren Absichten verläuft.

Oft weitet man, wenn es nicht mehr nach Plan läuft, den Plan auf andere aus. Man bezieht ihn eigennützig in seine Vorhaben ein. Ein Beispiel dafür ist, dass man das Autofahren an den Nagel gehängt hat. Das Autofahren bedarf einer regelmäßigen Übung. Gibt es keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen, kann man es bis in das hohe Alter ausüben. Dazu muss man feststellen, verliert man die Sicherheit beim Autofahren oder es wird einem der Verkehr auf der Straße zu viel, sollte man auf das Autofahren verzichten. Schon im Interesse der anderen Verkehrsteilnehmer. So ist es verständlich, ist man  selbst nicht mehr fahrtauglich, dass man nach einem Ersatzfahrer sucht. Somit kann man auch andere Aktivitäten delegieren, vor allem unangenehme  Aufgaben.

Verkehrshölle.

plan:los I

Vor uns liegen die letzten Tage im alten Jahr. Jetzt zeigt sich, dass während des Jahres über vieles  geredet wurde, aber nicht alles wurde verwirklicht. Es gab Monate, wo man nicht den Mut hatte etwas Konkretes zu planen, wie eine Reise zu buchen. Die Ursache lag zum Einem im nicht stabilen Gesundheitszustand und die Schwierigkeiten, trotz Reisestornoversicherung eine Buchung zu stornieren. So hütet man sich, sind die Aussichten nicht zu hundert Prozent erfüllt, eine Reise fix zu buchen. Wegen akuten Ischiasschmerzen konnte ich eine Pilgerreise nicht antreten. Es war vorgesehen täglich zwischen zwanzig und fünfundzwanzig Kilometer zu wandern. Wer bei Beginn der Fahrt nicht fit ist, für den besteht keine Aussicht, dass er mit der Gruppe mithalten kann. Schon die Frage auf der Schadensmeldung zur Stornoversicherung, ob man schon einmal unter den angeführten Beschwerden gelitten hat, schloss praktisch von vornherein einen Rücktritt aus. Die Ärztin formulierte, dass die Ischiasschmerzen spontan aufgetreten sind und keine sofortige Besserung der Beschwerden möglich ist. Zum Anderem, dass die Teilnahme an einem täglichen Marsch von fünfundzwanzig Kilometern unmöglich ist.

Das Reisebüro hat sich bereit erklärt für mich die Unterlagen bei der Versicherung einzureichen. Nach einer Frist von drei Monaten bekam ich von der Versicherung die Mitteilung, dass ein weiterer Fragebogen ausgefüllt werden muss. Weiteres verlangten sie, obwohl ein Attest von der Ärztin bei ihnen vorlag, nochmals eine Bestätigung der Ärztin über meine Reiseunfähigkeit. Die Ärztin beklagte bei dieser Gelegenheit, dass von den Versicherungen ärztliche Atteste mit Skepsis aufgenommen werden. Zumeist gibt Rückfragen. Diese kommen erst Monate später und man hat bis dahin schon einiges verschwitzt. Nach etwa einem halben Jahr bewilligte die Versicherung die Rückzahlung der Reisekosten, wobei davon das Reisebüro ein Drittel für das Einreichen der Stornomeldung kassierte. Alles in allem war es eine zeitaufwendige Bittstelleraktion, obwohl ich eine Reisestornoversicherung dazugebucht habe.

Alles Storno

über:kärnten II

Manche politischen Vorkommnisse in Kärnten, nach der Jahrtausendwende, wurden über die Landesgrenzen, teilweise über die Bundesgrenzen hinaus bekannt. Bewegte man sich als Kärntner im österreichischen Ausland, wurde man über Jahrzehnte auf die  Person Jörg Haider angesprochen. Ein politisches Talent, wie man es in der österreichischen Innenpolitik selten erlebte. Mit einem Talent geboren zu sein, bedeutet  für dieses Talent Verantwortung zu übernehmen. Dabei gibt es den Bibelspruch, dass man seine Talente nicht unter den Scheffel stellen soll und auch nicht vergraben. Dem Talent hat ein Verkehrsunfall ein jähes Ende bereitet. Für die negativen Folgen seines Handelns hat er keine Haftung übernehmen müssen. Wie wir es bei Schauspielerinnen und Sängerinnen erleben, dass sie ein früher Tod vor dem Alter bewahrt hat. Am Höhepunkt seines Ruhmes ist er abgetreten, für die Schattenseiten musste er nicht mehr gerade stehen.

In diesem Zusammenhang wurde, nicht zum ersten Mal, die Psyche der Kärntner von Wiener  Psychiatern unter die Lupe genommen. Schon Erwin Ringel, der Erklärer der Österreichischen Seele, hat darauf hingewiesen, dass die Kärntner Seele sich wesentlich von den Restösterreichern unterscheidet.  Er hat die Kärntner als die Sizilianer Österreichs bezeichnet. Im Herbst 1988 hat Erwin Ringel im Schlossgarten von St. Kanzian einen denkwürdigen Vortrag gehalten. Diesem Vortrag habe ich gelauscht  und im Hermagoras Verlag ist danach das Buch, Die Kärntner Seele, erschienen. Vor zwei Jahren war ich wieder in St. Kanzian und habe dabei gesehen, wie sich das Ambiente des Schlossgartens verändert hat. Den Mittelpunkt bildet heute ein Bildungszentrum mit einem angeschlossenen Hotel und Restaurant. Manche Bäume, dachte ich mir, sind schon damals hier gestanden.

Ein Psychologe hat anlässlich des 10. Todestages von Jörg Haider erklärt, der Umgang der Kärntner mit dem verunglückten Landeshauptmann gleicht mit dem eines Heiratsschwindler. Obwohl man vom Heiratsschwindler emotional hereingelegt und finanziell ausgenommen wurde, schwärmen dessen ungeachtet viele Frauen weiterhin vom Charme und dem weltoffenen Auftreten.Dies ist eine Seite der menschlichen Psyche, wir verdrängen oftmals das Unangenehme und erinnern uns nur an die schönen Seiten. Bei Heiratsschwindlern sind die Opfer vornehmlich Frauen. Uns Männern geht es ähnlich. Jahre nach einer gescheiterten Beziehung beschwört man das Liebliche in der Verbindung, die schönen Augenblicke. Die unschönen Seiten und  Erlebnisse in der Partnerschaft, welche die Seele verletzt haben, werden ausgeblendet.

Fabrikant

über:kärnten I

Die kreative Empfindsamkeit betrifft nicht nur Musik und Gesang, sondern auch Literatur und Malerei. Kärnten wird gerne als Land der Dichter bezeichnet. Bedeutsame deutschsprachige Schriftsteller der Vergangenheit, wie auch der Gegenwart stammen aus Kärnten. Meine Favoriten, um drei Namen zu nennen: Ingeborg Bachmann, Peter Handke und Christine Lavant. Mir persönlich bekannte Literaten will ich hier nicht erwähnen. Wie in allen Künsten gibt es ein breites Fußvolk, dieses hat auch seine Berechtigung. Mitunter ändern sich die Zeiten. Es passiert, sind Personen zu Lebzeiten auch sehr bekannt, rücken sie nach dem Tod wieder in den Hintergrund. Darüber bestimmen auch die Nachlassverwalter mit. Verwandte, welche den künstlerischen Ambitionen eines Familienmitgliedes zu Lebzeiten skeptisch gegenübergestanden sind. Wo es um ein Mitspracherecht geht, in der Öffentlichkeit auf den Lorbeeren des Verstorbenen sich auszuruhen, ist man interessiert. Möglicherweise kein Buch des Familienmitgliedes aufmerksam gelesen, sie stehen zu Hause ungelesen im Bücherschrank.

Die Jungkärntner in Wien werden wahrscheinlich auf die tollen Events im Land, auf die Freizeitmarke Kärnten angesprochen. Auf das GTI-Treffen im Frühsommer zudem GTI-Fahrer aus ganz Europa anreisen, auf den Villacher Kirchtag, wo Scharen von Italiener die Innenstadt bevölkern. Weitere Events, in Verbindung mit den Kärntner Seen, verbreiten den Geschmack des lebensfrohen Kärnten. Zu dieser Marke gehört auch die Nachbarregion Friaul. Das bunte Kärntner Völklein wird als eine Mischung aus Italiener und Österreicher eingestuft, mit einer gewissen Sorglosigkeit im Alltag.

Die Kreativität zeitigt aber auch besondere Auswüchse. So gibt es das Kärntnerwasser mit Zitrogeschmack in Flaschen zu kaufen. Für Einheimische  müsste es beim Kauf eine Vergünstigung geben, handelt es sich dabei doch um das Kärntner Wasser und gehört dies nicht allen Kärntner? Die Verkäuferin im Supermarkt meinte auf eine diesbezügliche Anspielung, auch für Kärntner gibt es keinen Rabatt.

Undine