02.12.2004 KATZEN . TREUE
Es war bei der Schönwetterperiode im November, als die Katzen Undine & Charly seit Tagen das Fressen kaum anrühren. Wir fragen uns, ist daran der Föhn oder der Vollmond schuld? Am Wochenende erfahren wir, dass am Bauernhof in Politzen woher die Katzen stammen der Herr A., kurz vor seinem neunzigstem Lebensjahr, gestorben ist. Haben die Katzen sein Sterben, eine halbe Autostunde von Politzen entfernt, gespürt? Am Tag des Begräbnisses erzähle ich Friedericke, das A. zu meinen Kindheitserlebnissen gehört hat. Beim Wort A. stellen Undine & Charly ihre Ohren nach vorne, sie sind auch von ihm gefüttert worden.
Katzentreue bis in den Tod.

Kommentare:
S. am 2. Dezember 2004 um 22:01
Dies ist wirklich ein komisches Phänomen das du beobachtet hast! Vor allem, wenn man die zwei süßen „Politzner Kampf-Katzen“ kennt, ist es schwer zu glauben, dass die nix mehr fressen! Es ist durchaus möglich das die Katzen das Sterben ihres früheren „Herrchens“ gespürt haben! Es Gibt Dinge, die sich nicht wissenschaftlich erklären lassen, dessen bin ich überzeugt.

 
06.12.2004 HEIMLICH . NIESEN
Wenn im Dezember die erste Schnupfen- und Husten-Welle auftritt, sind die Wartezimmer der Ärzte voll von Patienten. In der Apotheke erhalten manche Leute so viele Medikamente, als würden sie für eine Woche Lebensmittel einkaufen. Es ist ein Rätsel warum manche an einer Grippe erkranken und andere nicht. Vor dreißig Jahren haben die Mediziner erklärt, dass es in ein paar Jahren keinen Schnupfen mehr geben wird und bis heute trifft dies nicht zu. Besonders gefährdet sind die Berufstätigen, welche bei ihrer Arbeit viele Kunden-Kontakte haben. Dazu gehören die Kassiererinnen in den Supermärkten, Arzthelferinnen oder auch Lehrerinnen und viele Andere. Diese Berufe sollten eine Gefahren-zulage während der Wintermonate erhalten. Jeder kennt ein Hausmittel oder schwört auf sein Geheimrezept um nicht an einem Schnupfen oder einer Grippe zu er-kranken. Wenn man allen Vorschlägen folgen würde, dann würde man sicher krank werden. Viele Mit-Menschen zucken zusammen, wenn in ihrer Nähe jemand laut niest.
Niese nie öffentlich.

 
09.12.2004 HUNDE . LEBEN
Das Parkcafe ist bei Kaffeetrinkern und Zeitungslesern beliebt, für beide Gruppen gibt es hier eine reiche Auswahl. Es ist auch ein beliebter Treffpunkt für Hunde-Besitzer. Da die Räume des Kaffeehauses sehr groß sind ist es möglich, nach einem Spaziergang den Hund in das Parkcafe mitzunehmen ohne dadurch die anderen Besucher zu stören. Bei einem Hund konnte ich beobachten, wie er sich vor jedem vorbeigehenden Gast auf den Rücken drehte und seinen Bauch zum Kraulen darbot. In dieser Hinsicht haben es die Hunde einfacher als die Menschen, sie können ihre Liebesbedürfnisse offen zeigen.
Kein Hundeleben.

 
13.12.2004 DIE . UNVERNÜNFTIGEN
Alle Jahre wieder kommt es an den Tagen, an denen es die ersten stärkeren Schneefälle gibt zu Autounfällen und Behinderungen durch quergestellte oder hängen gebliebene Fahrzeuge auf den Strassen. Auf den Auto-Bahnen gibt es Massenkarambolagen und kilometerlange Staus. Niemand will auf die Fahrt mit seinem Auto verzichten, auch wenn geeignete Verbindungen mit den öffentlichen Verkehrsmittel, wie Bahn und Bus zur Verfügung stehen. Beim ersten starken Schneefall habe ich mein Auto in der Garage gelassen und bin mit dem Bus zu meiner Therapie in die Therme von Warmbad Villach gefahren. Von der Bushaltestelle aus konnte ich beobachten, wie auf der nahegelegenen Kreuzung die Autos Schwierigkeiten beim Wegfahren hatten und manche sich um die eigene Achse drehten. Viele versuchten an diesem schneereichen Tag ihr Glück mit Sommerreifen. Auf der Fahrt nach Villach sah ich vom Bus aus in Abständen von drei bis fünf Kilometer immer wieder Autos, die von der Strasse abgekommen sind und im Strassen Graben oder im freien Feld gelandet sind. Es gibt Fahrten, die nur mit dem eigenen Pkw erledigt werden können und unaufschiebbar sind, aber dann mit einem Auto welches Winter fit ist und mit Winterreifen.
Die Unvernünftigen sterben nicht aus.

Kommentare:
G. am 13. Dezember 2004 um 23:03
Also mal vorweg, ich bin selber ein sehr leidenschaftlicher Autofahrer. Und zu deinem Thema kann ich nur sagen, dass es für manche wirklich besser wäre öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen. Ich finde, wer sein Auto nicht beherrscht sollte es besser stehen lassen. Wenn man sich auf die Straße wagt dann nur, wie du schon sagst mit guter Winterausrüstung und der Kenntnis der Wetterlage. Ich ärgere mich immer wieder wenn ich zur Arbeit fahre über manche, die dann einfach meinen, es ist noch Sommer und dann komischerweise quer in der Kreuzung stehen und andere behindern. Ja über das Thema könnte man lange reden, darum lasse ich es auch lieber jetzt gut sein.

schlagloch am 15. Dezember 2004 um 19:56
Für eine gute Sache zu kämpfen braucht es Leidenschaft.

 

16.12.2004 KUNST . SCHNEE
Es ergibt unterschiedliche Eindrücke, wenn man den selben Spaziergang im Sommer oder jetzt im Dezember macht. Im Sommer wächst auf der Wiese das Gras, dazwischen blühen die Blumen und rundherum haben die Bäume die verschiedensten Grüntönen. Von den Bienenstöcken fliegen die Bienen aus zur Nahrungs-Suche. Die Hunderten von Bienen erzeugen einen gleichbleibenden Ton, eine beruhigende Musik. Jetzt im Dezember sind die Gräser vom Raureif geknickt, die Bienenstöcke verschlossen und kein Laut ist zu hören. Das Leben in den Bienenstöcken läuft auf Sparflamme. Auch für uns Menschen wäre es wünschenswert, wenn wir im Winter unsere Körperfunktionen zur Regeneration drosseln könnten. Ein paar hundert Meter weiter ist jetzt im Winter das Rauschen und Surren der Schneekanonen zu hören, ein Geräusch, welches in den Ohren schmerzt. Hier kommt die Natur nicht zur Ruhe. In einer Woche kommen die Skitouristen auf die Kunstschneepiste.
Waldhonig und Kunstschnee.

 
18.12.2004 EINKAUF . FIEBER
Im Dezember besteht die größte Gefahr von einer fiebrigen Krankheit befallen zu werden. Es gibt ver-schiedene Arten von Fieber. Eine der häufigsten Krank-heiten ist das Einkaufsfieber. Statt besinnliche Advent-Stimmung zu verbreiten verwandeln sich die Märkte und Plätze in fiebrige Orte, wo die Gefahr der Ansteckung besonders groß ist. Es gibt kaum jemanden, der sich dieser Gefahr entziehen kann. Dieses Fieber wird durch die Werbung angeheizt. Versuche auf dieses Fieber aufmerksam zu machen scheitern, die Rufe gehen im Weihnachtslärm unter. Menschen die an einer Fieber-Krankheit leiden, haben nicht die Möglichkeit diese zu bekämpfen. Das innere Feuer verzehrt sie, äußerlich ist nichts zu bemerken. Der EU Raum wird geschüttelt vom Fieber, von niemanden wird es gemessen.
Das Gesunde ist das Kranke.

Kommentare:
S. am 20. Dezember 2004 um 18:37
Hallo Schlagloch, dein Text zeigt die Atmosphäre während der Vorweihnachtszeit schon sehr richtig. Eigentlich die Jahreszeit, wo man sich am wenigsten in den Innenstädten blicken lassen sollte.

schlagloch am 21. Dezember 2004 um 10:01
In der Zeit wo sich viele Menschen nach Stille und Schöpfungspause sehnen ist es am lautesten. Eine verkehrte Welt oder benehmen wir uns verkehrt?

S. am 21. Dezember 2004 um 11:30
Hallo, gute Frage. Vielleicht hängt es mit der Struktur der menschlichen Zusammenrottung / Zusammenballung auf einem Platz/ Stelle / Fleck zusammen, also diese Megacity und das nicht nur in Deutschland. Im ländlichen Bereich im Dorf, fern der größeren Städte ist es wesentlich ruhiger. Nicht umsonst spricht man im Süden Deutschlands von der staden Zeit! Auch die Landwirte zogen sich im Winter in die Stuben zurück. Im Erzgebirge wurden von den Bergleuten die Holzwaren hergestellt. Je mehr Menschen auf einer begrenzten Fläche zusammen treffen oder dort dauernd anwesend sind, um so lauter ist es. Der Platz der dem Einzelnen zusteht wird immer kleiner, die Aggressions-potentiale steigen. Dadurch wird dann auch der Bedarf an Elementen die zur Beruhigung, Erbauung, Erfreuung dienen soll immer größer. Ferner ist ein großer Teil der Menschheit so strukturiert, dass sie wie die Lemminge hinter einander herstürzen, was der eine hat ,will der andere auch. Den Individualismus, die Elitärheit des bewussten Verzichtens, des nicht Besitzens gibt es noch nicht oder nicht in nennenswertem Umfang. Jeder will das haben, was der andere besitzt, wehe einer hat mehr als der Andere. Vielleicht ist es auch so eine Art positiver Stress, um dann am Hl. Abend in einer wohligen Erschöpfungszustand zu fallen, in die weihnachtliche Besinnungslosigkeit und Bewusstlosigkeit. Stress, Lärm, Aufregung in der Megacity als Suchtmittel und als Ausweis der Mitgliedschaft, je höher der Stressfaktor umso höher der Rang in der Hierarchie der Gesellschaft.

 
21.12.2004 RAU . REIF
Der Spaziergang zum Länderdreieck beginnt mit einem steilen Wegstück, dass einen schnell in die Höhe und außer Atem bringt. Der Weg über die Hochebene wird zum Stimmungsaufheller. Die Bäume sind mit Raureif belegt und durch die Baumwipfel scheint die Sonne. Der Raureif zeigt sich auf der Fichte, der Esche, der Buche oder der Birke in unterschiedlichen Formen. Am zer-brechlichsten wirken die Zweige der Birken im Raureif . Sie glitzern in der Sonne, als hätten sich alle Sterne des Himmels auf den Zweigen niedergelassen. Im Sonnen-licht strahlt die Tanne, als wäre sie bereits ein Weih-nachtsbaum. Je höher man kommt, umso ruhiger wird es in der Landschaft. Wie unerträglich wäre es um diese Zeit, an einem Nachmittag vor Weihnachten, in einem Einkaufszentrum. Dort herrscht jetzt ein Gedränge, von überall winkt der Weihnachtsmann, aus allen Laut-Sprechern tönt die Weihnachtsmusik und die vielen zusätzlichen Scheinwerfer heizen die Atmosphäre auf. Jeder glaubt noch etwas kaufen zu müssen. Man möchte sich zwischen die Bäume stellen und warten bis man selbst mit Raureif überzogen wird. Ein paar Monate in die Winterstarre zu verfallen wäre eine Wohltat. Man sollte Weihnachten alle zwei Jahre aussetzen, dann gäbe es dazwischen einen besinnlichen Advent, wie es von allen gewünscht wird.
Weihnachten im Zweijahresrhythmus.

Kommentare:
S. am 21. Dezember 2004 um 11:37
Warum Weihnachten alle zwei Jahre aussetzen? Wer im Raureif spazieren mag, soll das auch tun. Raureif gefällt mir jedes Jahr immer wieder aufs neue sehr gut. Man muss doch in der Weihnachtszeit nicht in die Stadt fahren oder man geht nur dort hin wo man die Dinge einkauft, die wirklich benötigt werden. Warum immer alles reglementieren, ich halte gar nix davon. Wenn du in der Lage bist, schlagloch, dich vom Weihnachtstrubel innerlich und körperlich fern zuhalten, dann freu dich dessen und genieß, dass du so stark bist. Und in Winterstarre verfallen, kannst du dann trotzdem.

schlagloch am 22. Dezember 2004 um 17:39
Ich bin auch gegen (fast) alle Reglementierungen. Es war ein „schlaglochgedanke“, ein Schlagloch eben. Jetzt hoffe ich auf das Weihnachtstauwetter.

 
25.12.2004 DISKONT . LEBEN
In der St. Peter Kirche in Salzburg verkündete man in der Heiligen Nacht , wie in allen katholischen und evangel-ischen Kirchen auf der ganzen Welt die Geburt Jesu Christi , geboren in einem Stall unter armseligen Ver-hältnissen. So steht es im Weihnachtsevangelium. Heute klingt diese Begebenheit wie eine Weihnachtsgeschichte. Die Botschaft von der Geburt dieses Kindes hat sich um den ganzen Erdball verbreitet. Heute werden Kinder in den Entwicklungsländern zu Diskontpreisen angeboten. Beim Souvenirstand vor der Kirche St. Peter dreht sich eine große Mozartkugel, wie die Erde um die eigene Achse. Hier ist die Mozartkugel das Zentrum der Stadt. Die Mozartkugeln gibt es in immer neuen Verpackungen. Der neueste Schrei ist die Verpackung in Form von einer Geige. Die Packung Mozartkugeln mit achtzehn Stück gibt es zum Diskontpreis von € 5.50. Wem die Mozart-kugeln zu süß sind, der findet daneben einen Kebabstand. Ein paar Meter weiter sitzt ein Mann im mittleren Alter in abgetragenen Kleidern, mit halblangen Haaren und einem unrasiertem Gesicht auf den Stufen eines Hauseinganges und trinkt aus einer Bierflasche. Neben sich hat er eine Sechserpackung Stiegl Bierflaschen aus dem Diskontladen stehen. Überleben zum Diskontpreis.
Das Leben zum Diskontpreis.

Kommentare:
F. am 25. Dezember 2004 um 20:23
Manchmal landet jemand schneller auf dem Diskontmarkt des Lebens als die Errichtung eines neuen Diskontladen Zeit benötigt.

S. am 25. Dezember 2004 um 22:53
Das sind die schlimmen Lebenskontraste die heutzutage direkt nebeneinander zu erleben sind. Und das in den reichen europäischen Industriestaaten.

 
27.12.2004 ZEITEN . WANDEL
Nach dem Festgottesdienst am Christtag verlassen die Gläubigen den Salzburger Dom und verlieren sich in den Gassen der Altstadt. Zur selben Zeit beginnen drei Indios am Kapitelplatz ihre Verstärker, Mikrofone und Instrumente auszupacken. Sie beginnen auf ihren Flöten, Gitarren und Rasseln zu spielen, am Kopf tragen sie einen riesigen Federschmuck. Einige Menschen setzen sich bei den frühlingshaften Temperaturen auf die Sitzbänke im Freien, horchen den südamerikanischen Klängen zu und genießen dabei die Sonne. Eine Frau mit einem Hund setzt sich neben mir und erzählt , dass der Federschmuck der Indios nicht echt sei, die Federn sind aus Plastik.
Das ist der Zeitenwandel.

Kommentare:
S. am 28. Dezember 2004 um 00:49
Vermutlich ein unvermeidbarer Zeitenwandel. Denn ob es die geflügelten Viecher, Vögel, noch gibt, um einen indigenen Federschmuck herzustellen, dass wage ich doch zu bezweifeln.

schlagloch am 28. Dezember 2004 um 07:30
Erst wenn es keine Vögel mehr gibt, werden wir merken, dass wir sie brauchen. Die Stille wird unerträglich sein.

 
29.12.2004 WEIHNACHTS . EIER
Mit der Weihnachtszeit sind viele Symbole verbunden. Für die Einen sind es die christlichen Symbole, die Krippe mit dem Jesuskind, Maria und Josef, den Hirten, den Schafen und dazu gesellen sich die Drei Heiligen Könige. Im Alpenraum wünscht man sich zur Weihnachtszeit eine Winterlandschaft, obwohl dies in vielen Tälern ein frommer Wunsch bleibt, den auch das Christkind nicht erfüllen kann. Im Dezember blüht der Weihnachtsstern und die Barbarazweige. Auch die Maronibrater und die Eislaufplätze in den Stadtzentren gehören zu den Weihnachtsvorboten. Zu den neuen Weihnachtssymbolen zählen die vielen Lichterketten und Leuchtsterne auf den öffentlichen Plätzen und Strassen. In den Städten machen sich das Christkind und der Weihnachtsmann gegenseitig Konkurrenz. Das bekan-nteste Symbol in Europa ist der Christbaum. Je nach Tradition wird der Baum auf verschiedene Weise geschmückt. In manchen Familien wird seit Generationen der selbe Christbaumschmuck verwendet. In anderen Häusern gibt es beim Schmücken des Baumes den neuesten Trend aus dem Möbelhaus. So verschieden wie die Familien und ihre Wohnungen sind, so verschieden sind auch die Christbäume geschmückt. Ein jeder ist stolz auf seinen Christbaum.
Wer für das nächste Jahr einen etwas anderen Christbaumschmuck sucht, der findet in der Judengasse in Salzburg ein Geschäft in welchem Eier als Christbaumschmuck angeboten werden. In diesem Geschäft findet man:
Eier, bemalt mit roten Nussknackern
Eier , bemalt mit einer blauen Winterlandschaft
Eier, bemalt mit grünen Tannenzweigen
Eier, bemalt mit Christbäumen
Eier, bemalt mit einem goldenen Engel der Geige spielt
Eier, bemalt mit einer roten Weihnachtskerze.
Diese Aufzählung ist unvollständig, es gibt bestimmt über fünfzig verschiedene Weihnachtsmotive mit denen die Eier bemalt sind.
Osterhase bringt Weihnachtseier.

 

30.12.2004 TSUNAMI . WELLE
Nach der Flutkatastrophe im Indischen Ozean steht es außer Streit, dass wir unseren Landsleuten, welche dort gerade ihren Urlaub verbringen, helfen müssen und sie so bald als möglich in die Heimat zurückfliegen. Auch der Bevölkerung von Indonesien, Sri Lanka, Indien, Malaysia und den anderen Staaten, welche von der Flutwelle betroffen sind soll, beim Wiederaufbau geholfen werden. Nach einer Aussage eines österreichischen Philosophen ist der Mensch nicht in der Lage den Tod von mehr als drei Menschen zu verarbeiten. Daher sagen uns auch die Zahlen von zigtausenden Toten so wenig. Wohl aber wird das Leid begreifbar, wenn man von Einzel-Schicksalen hört. Nach den ersten Hilfsmassnahmen müssen wir uns fragen, warum hat man in einem so großem Tourismusgebiet keine Frühwarnsysteme für Flutwellen installiert und warum sind manche Hotelanlagen von so schlechter Bauqualität? Eine Ursache liegt darin, dass die großen Tourismusver-anstalter vor allem Gewinne machen wollen und daher auf Sicherheitsvorkehrungen, wie sie in Europa vorge-schrieben wären, wenig Wert legen. Zum anderen würde die Installation von Frühwarnsystemen und Sicher-heitsvorkehrungen die Urlaubspreise erhöhen. Viele Touristen aus Europa würden ausbleiben und andere Urlaubsziele wählen. Erst der Tourismus hat die Verbauung der Meeresstrände in solchem Ausmaß be-wirkt. Jeder will billig verreisen und auch im Tourismus gilt der Spruch „Geiz ist Geil“ und bringt er auch den Tod.
Der Tod ist nicht geizig.

Kommentare:
S. am 30. Dezember 2004 um 16:54
Zukünftig wird sich kein Reiseveranstalter mehr erlauben können, billig zu bauen und vor allem wird man wohl sehr schnell ein Tsunami- Warnsystem errichten. So hoch dürften die Kosten wohl nicht sein. Wenn man sich die Satellitenaufnahmen von unseren Amis anschaut, dann sieht man das es nur eine schmaler Streifen bebautes Land war, wie mit dem Lineal gezogen, dass nun völlig entvölkert ist. Heute las ich in der Zeitung, dass in einem nahegelegenen Natur und Tierreservat kein einziges Tierkadaver zu finden sei. Die gesamte Tierschar, angefangen vom Elefanten bis zu Kleintieren, brachte sich offensichtlich in Sicherheit. Was mich sehr erstaunt, dass so viele Kleinkinder und Kleinstkinder aus Europa ein 15stündiger Flug nach Südostasien zugemutet wird. Die verlassenen und / oder verwaisten Kinder lassen einem fast das Herz stehen bleiben! Wie können Eltern so egoistisch sein?

schlagloch am 1. Januar 2005 um 16:56
Bei anderen Blogs diskutiert man derzeit die Frage, „Wie kann Gott dies zu lassen?“. Die Antwort ist, weil der Mensch dies zulässt.

 

03.11.2004 VOLK . POLITIK
Vor Jahrzehnten konnte man die Politiker regelmäßig unter der Bevölkerung antreffen. So am Samstagvor-rmittag am Gemüsemarkt oder am Sonntagvormittag am Kirchenplatz. Dies hatte besonders am Land seine Gültigkeit. Ebenso kamen die Politiker zu den Kirchtagen und Begräbnissen. Bei beiden Anlässen wird gegessen und geredet. Hier holten sich die Politiker bei einem Glas Bier die Meinung der Bürger ein. Heute sitzen die Gemeinde- und Landespolitiker isoliert mit den Funk-tionären an einem Tisch und der Meinungsaustausch mit den Bürgern bleibt aus. In den Amtsstuben lesen die Politiker besonders jene Leserbriefe, welche Bezug auf ihre Arbeit oder ihren Wirkungskreis nehmen. Die eifrigsten Leser von den Leserbriefen in den Tages-Zeitungen sind die Politiker. Ein neues Kom-munikationsforum zwischen den Politikern und den Bürgern ist das Internet. Hier kommt es aber zu keinem persönlichem Kontakt, alles ist nur virtuell. Vielleicht sind deshalb auch die heutigen Entscheidungen der Politiker so menschenfremd, als kämen sie aus einer fernen Galaxie.
Politik für das Volk, Politiker unter das Volk.

 
05.11.2004 ZU . KUNFT
Die Vorstellung wie sich die Jugend verhalten soll und wie sich die Jugend verhält klafft seit es Menschen gibt weit auseinander. Schon in der Zeit von Sokrates beklagte man den Verfall der Ordnung, der Sitten und die Respektlosigkeit der Jugendlichen gegenüber den Erwachsenen. So stoßen auch heute vielfach die Be-mühungen der Politiker den Jugendlichen offizielle „Jugendlokale“ anzubieten auf Ablehnung von Seiten der Jugendlichen. Der aktuelle Trend in Möselstein ist, dass sich die Jugendlichen am Wochenende bei Einbruch der Dunkelheit in den Wartehäuser der Bushaltestellen treffen und sich dort bis Mitternacht auf der Bank oder am Boden sitzend unterhalten. Wenn man mit dem Auto vorbeifährt, dann tauchen für einen Augenblick im Scheinwerferlicht die Gesichter der Jugendlichen auf.
Die Zukunft sitzt am Boden.

 
09.11.2004 VOR . STELLUNG
In der Kleinen Zeitung hat Wolfgang Bauer in einem Interview anlässlich der Uraufführung seines Stückes „Foyer“ gesagt:„Unser Leben sei eine Projektion unserer Gedanken, wir sitzen im Foyer des Lebens, wir leben nie wirklich unser Leben, wir schauen unserem Leben nur zu“. Wir erleben unser Leben als ein Theaterstück, wir spielen darin überhaupt keine Rolle, wir sehen nur zu. Wie wird es im Jenseits sein?, erleben wir dieses auch als eine Projektion unserer Vorstellungen.
Die Kraft der Gedanken.

 
10.11.2004 ARAFAT . TITO
Das lange Sterben von Yassir Arafat stellt die Frage, wie lange kann jemand Macht ausüben, obwohl er dazu körperlich nicht mehr in der Lage ist? Meistens sind die „Kronprinzen“ machtlose Menschen. Diese klammern sich stärker an das Leben des Machthabers, als es der Sterbende tut. Am Beispiel des Todeskampfes von Arafat sieht man, wie machtlos das Volk in Staaten mit Führer-Naturen ist. Ein ähnliches Schauspiel gab es bei dem Todeskampf von Josip Tito, der drei Monate dauerte. Ein kollektives Führungsteam zögerte die Abschaltung der lebenserhaltenden Maschinen immer wieder hinaus, weil sie fürchteten, mit dem Tod von Tito zerfällt auch Jugos-lawien. Diese Furcht war, wie es die Geschichte zeigte, berechtigt. Jugoslawien zerfiel in viele Einzelstaaten.
Zerfällt der Palästinenserstaat bevor er Geschichte schreibt?

 

16.11.2004 MACHT . MISSBRAUCH
Wenn man den Zeitungsberichten glauben kann, dann hat Arafat zu Gunsten seiner Frau Suha von den ausländischen Finanzhilfen für das palästinensche Volk Millionen von US-Dollar zu ihren Gunsten abgezweigt. Während Suha in Paris dem Shopping verfällt und im Gazastreifen Arafatmitarbeiter in deutschen Luxus-Limousinen durch die Strassen rasen, müssen die Kinder in Palästina barfuss und mit schadhafter Kleidung zur Schule gehen. Es ist ein ungleiches Verhältnis zwischen dem Luxus der Regierenden und dem Lebensstandard des Volkes. Wer an die Macht kommt, erliegt den Versuchungen der Macht, egal welche Ideologie dahinter steckt.
Macht führt zu Machtmissbrauch.

 
19.11.1004 KURZ . SICHTIG
Um dies zu schreiben brauche ich meine Gleitsichtbrille . Ich benötige eine Brille für die Nähe und eine für die Ferne, die ideale Lösung ist eine Gleitsichtbrille. Jetzt hat die österreichische Bundesregierung im Rahmen der Gesundheitsreform, Reform bedeutet immer eine Leistungskürzung, die Brillenträger in das Visier genom-men. Etwa drei Millionen Menschen tragen in Österreich eine Brille. Für die Brillenträger wird es in Zukunft von der Krankenkasse keine Zuschüsse mehr bei der Anschaffung einer neuen Brille geben. Für Gleitsicht-Brillen betrug dieser Zuschuss zwischen € 150.- bis € 250.-. Ich stelle der Bundesregierung die Frage, ob die Augen minderwertiger sind als die Zähne, Ohren oder Gelenke, bei deren Erkrankung es von der Krankenkasse weiterhin Zuschüsse für Heilbehelfe gibt?
Die Kurzsichtigkeit der Regierung.

Kommentare:
W. am 19. November 2004 um 13:08
Die Frage geht in die falsche Richtung. Die österreichische Regierung scheint sich nur an die Vorgaben der Deutschen zu halten und für Brillen wird bei uns nichts mehr bezahlt. Am Ende wird es wohl so sein, dass wir zwar noch eine Krankenversicherung haben, aber keine dazu passenden Leistungen. Vielleicht zahlen wir dann nur noch Beiträge zum Erhalt der Krankenkassen ?

 
22.11.2004 NERVEN . KAPUTT
Die Arbeit im Kranken- oder Pflegedienst ist nicht im-mer leicht. Das Personal hat mit den unterschiedlichsten Menschen zu tun, die sich in einer menschlichen Ausnahme Situation befinden. Die Patienten haben Schmerzen, sind nervös, verzagt und oft ohne Hoffnung. Selbst empfindet man den Umgang des Personal mit den Kranken- und Pflegebedürftigen oft wie eine Ent-mündigung, wenn es auch vom Pflegepersonal nicht so gemeint ist. Weniger anstrengend ist die Arbeit für das Personal in Kurheimen oder wie es heute heißt in Wellenesshotels. In Portoroz kann man in der Palace Therme auch Kuranwendungen buchen. Während einer Kuranwendung konnte ich zuhören wie sich ein Kurgast bei der Badefrau beschwerte, als im Solewasserbecken die Düsen nicht sofort in Betrieb gingen. Er fragte : „Whirlpool kaputt“ ?. Worauf die Badefrau antwortete : „Herr hat Antistressprogramm, Whirlpool nix kaputt, Nerven kaputt“.
Der Stress mit dem Antistressprogramm.

Kommentare:
U. am 23. November 2004 um 21:22
Whirlpool kaputt“ ? Worauf die Badefrau antwortete : „Herr hat Antistressprogramm, Whirlpool nix kaputt, Nerven kaputt“. Das werde ich meinen Patienten auch einmal sagen müssen.
schlagloch am 25. November 2004 um 14:15
In der Vorweihnachtszeit sollte noch Platz sein für ein Antistressprogramm. In dieser Zeit brauchen wir es besonders.

 
25.11.2004 FÜNF . STERNE
Hört man das Wort „Fünf Sterne“, so denken die meisten Menschen von uns an einen Urlaub in einem Luxushotel. Einen solchen Aufenthalt wünscht man sich, kann ihn sich aber nicht leisten. Erschwinglich ist dieser Luxus in Tunesien. In einem Fünf Sterne Hotel hat man dort ein großes Badezimmer, einen Wohn- und Schlafraum, eine große Terrasse und muss sich beim Abendbuffet zwischen der russischen, griechischen oder chinesischen Küche entscheiden. Bei einem Ausflug in das Landes-innere fährt man an Spannplattenhütten, provisorischen Kfz-Werkstätten und Kindern, die auf Feldern wo kaum Gras wächst eine paar Schafe hüten, vorbei. In Deutschland, jetzt auch in Österreich gibt es den Luxus von „Fünf Sternen“ für die Einlagerung von Autoreifen in den Hotels von Reifenmaster.
Autoreifen zu Gast im Fünf Sterne Hotel.

 
29.11.2004 JOB . CENTER
Wer bei dem Wort Jobcenter an eine innovative Ausbildungsstätte denkt, wo Leute geschult und weiter-vermittelt werden, der kennt die Jobcenter der Österreichischen Post nicht. In den Jobcenter sitzen die Angestellten der Post , welche den Rationalisierungsmaß-nahmen zum Opfer gefallen sind, acht Stunden lang. Sie werden dafür entlohnt. Niemand kann ihnen sagen ob sie noch einmal eine reguläre Arbeit die sie befriedigt, bei der Post bekommen werden. Sie sollen durch das Nichtstun verunsichert werden. Im Gegensatz dazu leidet man in vielen Postämtern als Kunde unter dem schlechtem Service und die Postzusteller klagen über zuviel Arbeit. Durch die geplante weitere Schließung von Postämtern in Österreich sollen weitere Postangestellte in die Jobcenter versetzt werden. Die Postführung spricht von weiteren Automatisierungen im Arbeitsbereich. In Wahrheit bedeutet dies für die Postkunden, dass sie vieles selbst erledigen müssen, was früher von einem Postler erledigt wurde.
Jobsuche im Jobcenter.

Kommentare:
D. am 29. November 2004 um 12:56
Seit der Privatisierung der Post werden die Filialen, welches früher das größte Logistiksystem der Welt bedeutete, aufgelassen. Alles wird wegrationalisiert. Für den Konsumenten bedeutet das: Längere Wege und Wegzeiten zum nächsten Postamt, Wegfall von Service, z.B. Braus-Zahlungen, höhere Gebühren, längere Wartezeiten, mehr Unfreundlichkeit durch Stress etc. Dazu kommt das Internet-banking und der E-Mailverkehr. Heutzutage werden weniger Briefe geschrieben. „Computer beisst Briefträger“

schlagloch am 29. November 2004 um 18:35
Dein Satz „Computer beisst Briefträger“ bringt die Situation bei der Österr. Post auf den Punkt. Heute werden die Briefträger nicht mehr vom Hofhund gebissen, sondern vom Computer im Verteilerzentrum.

 

04.10.2004 ICH . AG
Wo jetzt vieles in der Wirtschaft nicht mehr so gut funktioniert wie noch vor dreißig Jahren heißt das neue Schlagwort der Politiker zur Schaffung von Arbeits-Plätzen „Ich-AG„. Selbst dann werden in den großen Betrieben die Arbeitsplätze von sogenannten Sanierern gestrichen, wenn Aufträge und Gewinne für alle Arbeitsplätze reichen würden, wie dies bei der Semperit AG in Traiskirchen der Fall war. Die neuen Manager haben keinen Bezug zu den Menschen und den Orten wo die Betriebe angesiedelt sind. Ihr Druck-mittel ist die Drohung den Produktionsstandort in den nahen oder fernen Osten zu verlegen. Für Millionen arbeitslose Menschen soll die Ich-AG zum Allheilmittel werden. Schon das Wort Ich-AG steht im Gegensatz zum menschlichen Wesen. Der Mensch ist ein soziales Wesen und auf die Reaktionen eines Gegenüber angelegt. Die menschliche Spannkraft geht verloren, wenn ich nur für mich alleine lebe. Dies kann man bei Einzelgängern, ebenso bei manchen Einzelkindern beobachten. Bei den Ichmenschen kommt es zu Wutausbrüchen, wenn sie nicht im Vordergrund stehen. Nur was der Ichmensch selbst getan hat ist gut, jeder andere ist blöd und schlecht. Dem Ichmenschen fehlt das menschliche Gegenüber.
Ich will gestreichelt und gelobt werden.

Kommentare:
W. am 4. Oktober 2004 um 21:20
Ich fürchte, da hast du recht. Ich-AG ist so ein typisches modernes Un-Wort und liegt voll im Trend der Zeit, blöder Trend auf jeden Fall. Für mich ist das auch nix, aber für viele wird’s wohl trotzdem so enden.

H. am 5. Oktober 2004 um 00:36
Du sagst die wahren Worte, wer immer du bist.

F. R. am 5. Oktober 2004 um 01:21
Der Begriff der Ich-AG ist trauriges Indiz der zunehmenden Individualisierung unserer Gesellschaft. Stirbt ein alter Mann einsam vor seinem Fernseher und wird erst Monate später aufgefunden, könnte man, bliebe man in der selben Begriffs-Welt meinen, seine Ich-AG habe Konkurs angemeldet. Er konnte sich als Individuum nicht am Markt des Lebens halten.

schlagloch am 6. Oktober 2004 um 18:51
Zuerst ist das Wort und dann die Tat. Wehret den Anfängen, das heißt den UN-Wörtern. Der Trend zur Ich – AG wird auch einmal Konkurs anmelden.

 
04.10.2004 ER . LEICHTERUNG
Ein sicheres Zeichen das der Herbst in die Stadt einzieht ist, dass die Stühle um den Springbrunnen vor dem Rathaus in Villach leer bleiben. Die Leute sitzen jetzt dort, wo noch ein wenig die Sonne scheint. Die jungen Mädchen widersetzen sich der Jahreszeit und spazieren bauchfrei über den Hauptplatz, die Haut schön gebräunt. Je trüber mancher Tag ist, umso kräftiger wirken die Modefarben in den Schaufenstern. Durch die Fußgänger-zone fährt ein Leichenwagen mit getönten Scheiben der Marke Mercedes mit Grazer Kennzeichen. Man denkt unwillkürlich an Allerheiligen und an den Tod. Der Leichenwagen bleibt beim Maroni Stand stehen und als die Heckklappe geöffnet wird, ist im Laderaum kein Sarg, sondern es sind Juttesäcke mit frischen Kastanien. Sie werden zum Maronistand getragen. Man ist erleichtert, dass der „Kelch“ noch einmal vorübergegangen ist und bestellt aus Erleichterung ein viertel Liter Maroni.
Der Maronibrater ist da.

 
08.10.2004 VER . FÜHRUNG
Im Oktober finden in den verschiedenen Tälern von Kärnten die letzten Kirchtage des Jahres statt. Dieses Jahr werden die Veranstaltungen in einem gemeinsamen Prospekt „Heimatherbst“ beworben. Bei schönem Wetter gehören diese Veranstaltungen, die oft gemeinsam mit dem Erntedankfest gefeiert werden, zu den schönsten Festen des Jahres. Wenn alles gut verlaufen ist und die meisten Früchte des Feldes in der Scheune sind, dann kann man ausgelassen feiern. Man genießt die Musik, das gute Essen und die Fröhlichkeit mit anderen Menschen. Eine Spezialität zum Kirchtag ist der Kärntner Reindling. Dies ist ein mit Rosinen, Nüssen und Zimt gefüllter Gugelhupf. Er kommt mit dem Nachmittagskaffee, einem echten Bohnenkaffee, auf den Tisch. Auf dem Tisch steht auch ein Teller mit einem Würfel Butter und rundherum Honig mit Rosinen. Auf den deftig gefüllten Reindling gibt es dann als Brotaufstrich den Butter, den Honig und die Rosinen. So süß kann das Leben auf einem Bergbauernhof sein.
Süße Verführung.

 
11.10.2004 RUHE . PAUSE
Beim Radfahren entlang der Bahnstrecke von Hermagor nach Villach zeigt sich der Herbst in den schönsten Farben. Die grünen Blätter verfärben sich, es gibt alle Farben, gelb, orange und kirschrot. Über den Moor- gebieten liegt eine besondere Beschaulichkeit. Die Farne und Gräser haben ihre Höhe erreicht, sie wachsen nicht mehr, sie verharren in einem meditativen Zustand. Dieser Zustand überträgt sich auch auf den stillen Beobachter. Bei uns Menschen ist dies anders. Wir wollen immer weiter wachsen, wir wollen immer mehr, viele auch noch in der Pension.
Ruhe ist dem Menschen fremd.

 
13.10.2004 KIRCH . TAGE
Die Kirchtage gehören in den Gemeinden des Gailtales zu den am besten besuchten Veranstaltungen. Die deftigste Stimmung gibt es bei den letzten Kirchtagen im Oktober. Man spürt, dass diese warmen Tage die Letzten in diesem Jahr sein können. Umso heftiger wird getanzt und gefeiert. Wenn es mit der Ernte im großen und ganzen gut gelaufen ist, dann gibt man sich gerne ausgelassen und ausgabefreudig. Die Kinder bekommen einen zehn Euroschein damit sie sich beim Krämerstand etwas kaufen können. Dort gibt es vor allem Spielzeug zum Schießen für die Buben und Puppen für die Mädchen. Heute fehlen auch die Yu-Gi-Oh Karten und die Artikel von der Diddl Maus nicht, nur zu einem viel höherem Preis als im Spielwarenladen. Aber wer schaut an so einem Festtag auf den Preis? Auch bei den Süßig-keiten gibt es eine große Auswahl, von der Schaumrolle bis zu den Kokosbusserln. Die Lebkuchenherzen mit den aufgeklebten Liebesschwüren finden einen raschen Absatz. Die jungen Burschen nützen die Gelegenheit mit dem Motorrad oder wenn es der Verdienst erlaubt mit dem Golf GTI kräftig Gas zu geben, vor allem dort, wo die Mädchen zuschauen. Jetzt gilt es, bevor der Winter kommt, die Mädchen noch einmal kräftig anzubaggern. Der Alkohol ist dabei eine willkommene Verstärkung. So manches Mädchen kann diesem Ansturm aus Motorlärm, jugendlicher Kraft und Alkohol nichts entgegensetzen. So kommt es zur Einwilligung, dass man den kommenden Winter zusammenbleibt.
Wärme für den Winter.

Kommentare:
D. am 15. Oktober 2004 um 14:04
Wie wahr, wie wahr. Jedoch sollte der Satz mit dem Golf GTI und dem Motorrad umgedreht werden, da heutzutage das Motorrad als Luxus gehalten wird und auch in der Erhaltung teurer kommt. Ein EX-GTI 16V und Ex-Yamaha FZR 1000 Besitzer.

 

15.10.2004 SUCHT . GIFT
Die Gefahr des übermäßigen Alkoholkonsum wird, wenn über Suchtgifte geredet wird, oft nicht erwähnt. Das am meisten besprochene Suchtproblem sind die Drogen. Am Stammtisch im Wirtshaus wird gerne über das Drogen-Problem gesprochen, den sogenannten „Giftlern“ und dies bei viel Alkoholkonsum. Wer spricht schon gerne über sich selbst und die Bösen sind immer die Anderen. Ein gesunder Rausch gehört am Land zum Wochenende einfach dazu. Da gibt es keine Ausnahme, wenn der Vater mit dem Sohne ausgeht. Oft können die Burschen mit den aufkommenden Kräften und Sehnsüchten nichts anfangen und man greift zum Alkohol. Der Vater braucht den Rausch, um aus dem Tief der Woche aufzutauchen.
Unsere Kultur wäre um viele Werke ärmer, würde man die Werke von denjenigen Künstlern entfernen, seien es Maler, Schriftsteller oder Musiker , die den Drogen oder Alkohol zugetan waren. Kann es einen schöpferischen Umgang mit Drogen und Alkohol geben? Die Kultur mit Drogen und Alkohol ist sehr alt. Überschreiten wir heute in unserer Gier nur die Dosis.
Der kreative Prozess.

 
18.10.2004 JELINEK . FREI
Der heutige Sonntag ist ein trüber Herbsttag und auf den Gipfeln rund um Villach liegt der erste Schnee dieses Jahres. Wir fahren nach Villach zum Gottesdienst und dann in das Thermalbad. Der Sonntag ist der Tag der inneren und äußeren Reinigung. Das katholische Reinig-ungsritual gibt es schon seit der Kindheit . Am Sonntag in der Früh wurden wir Kinder vor dem Kirchgang in der Küche gewaschen. Die Waschschüssel wurde durch das Küchenfenster in den Garten entleert. Beim Spaziergang durch Villach kommen wir an der zerstörten Gedenktafel für die Ermordeten des Naziregime vorbei. Die Gedenktafel wird restauriert und wiederhergestellt. In keinem Schaufenster von den Buchhandlungen im Stadt-Kern von Villach findet sich ein Hinweis oder ein Buch von der diesjährigen Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek. Villach ist „Jelinek frei“. Die kritischen und schonungslosen Romane der Nobelpreisträgerin sind in der Fasching- und Kirchtagmetropole bei den Buch-Händlern scheinbar unbeliebt. Man möchte sich von Jelinek nicht den Hauptplatz aufgraben lassen, damit die Vergangenheit nicht an das Licht kommt.
Elfriede Jelinek über Heimat: „Das, was die Heimat in den Prospekten ausmacht, ist für mich das Unheimliche“

 
20.10.2004 INFO . MÜLL
Wir werden täglich mit sehr vielen neuen Informationen und Nachrichten konfrontiert. Sendete früher der ORF- Hörfunk jede Stunde Nachrichten, so gibt es jetzt im ORF-Hörfunk zusätzlich jede halbe Stunde Landes-Nachrichten und dazu noch mehrmals täglich Nach-Richtenssendungen von einer Sunde und dies alles vierundzwanzig Stunden am Tag. Ich erwähne das Radio als erstes, weil die meisten Menschen vom Aufstehen bis zum Schlafengehen, vom Radio begleitet werden. Weitere Informationsquellen sind die Tageszeitungen, Fachzeit-schriften und natürlich die Informationen aus dem Fernsehen. Auch hier hat sich in den letzten Jahrzehnten vieles gewandelt. Gab es früher nur eine Nachrichten-Sendung beim ORF, um 19.30 Uhr „Die Zeit im Bild“ , so gibt es jetzt zu mehreren Tageszeiten Nachrichten-Sendungen. Zusätzlich senden sogenannte Nachrichten-Sender rund um die Uhr und aus allen Teilen des Globus in jeder Minute des Tages Nachrichten mit den aktuellen Bildern dazu. Am schnellsten verbreiten sich die Nach-richten im Internet. Hier ist das Trennen zwischen den Nachrichten die für einen wichtig sind und solchen, die einfach nur Nachrichtenmüll sind, am schwierigstem. Was wird wirklich vom Einzelnen gebraucht ?
Es wundert mich nicht, dass viele Menschen von dieser Informationsflut überlastet sind und nicht mehr zu sich selbst finden. Das einzige Warnsignal dafür, dass unser Speicherplatz im Kopf voll ist, sind Krankheitssymp-tome und diese werden mit Tabletten bekämpft, anstatt die Ursache für die Krankheitssymptome zu beseitigen.
Der Speicher ist voll.

Kommentare:
M. am 25. Oktober 2004 um 10:20
Die westliche Welt ist voll von Waren und Infos, es fehlt oft der Sinn. Guten Tag.

 
25.10.2004 ENT . LEERUNG
Wer am PC arbeitet weis, dass von Zeit zu Zeit der Post-Eingang von den alten E-Mails und verschiedene Ordner im Speicher entleert werden müssen. Diese Entleerung gleicht der Entleerung des menschlichen Organismus, der sich auch von unverträglichen Stoffen trennt. Auch das Gehirn braucht diesen Vorgang, um sich von belastenden Vorstellungen und Gedanken zu entleeren. Wenn dieser Vorgang nicht funktioniert, führt dies zu Krankheit.
Entleerung entspannt.

 
29.10.2004 SAND . SCHRIFT
Während der österreichischen-ungarischen Monarchie wurde eine Eisenbahnverbindung von Wien nach Portoroz an der Adria gebaut. In Portoroz wurde ein künstlicher Sandstrand angelegt. Der Sand wurde mit der Eisenbahn aus Niederösterreich nach Portoroz befördert. Die Meeresküste von Istrien ist von Natur aus felsig. Noch heute wird der Ort vom alten Palace Hotel dominiert, welches jetzt unbenützt ist und dem Verfall preisgegeben wurde. Auch die Eisenbahnverbindung nach Portoroz wurde stillgelegt und abgetragen. Portoroz ist ein beliebter Bade- und Kurort für Italiener, Österreicher und Deutsche. Im Spätherbst schreiben Kinder und Verliebte ihren Namen in den Sand am Meeresstrand. Es ist ganz verschieden wie lange man die Namen lesen kann. Es hängt davon ab, ob Ebbe oder Flut herrscht, ob das Meer ruhig oder stürmisch ist. Manchmal dauert es Tage bis die Namen vom Wasser weggespült werden, dann wieder nur einen Nachmittag und es werden neue Namen in den Sand geschrieben. Es ist wie beim menschlichem Leben, manchmal hat ein Name lange Bestand, ein andermal verlischt ein Name bald.
Mein Name steht im Sand.

 
31.10.2004 SEELEN . ANGST
In meiner Rocktasche ist ein Papierstreifen mit dem Text des Psalm 27,1.:“Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte es mir grauen?“ Unter den Kirchbesuchern wurden Zettel mit kurzen Bibelzitaten verteilt und jeder konnte, wenn er dazu bereit war, seinen Text während der Andacht vorlesen. Diesen Text habe ich laut vorgelesen. Ich hatte dabei das Empfinden, je lauter und kräftiger meine Stimme klingt, umso wahr-scheinlicher wird dieser Zustand eintreffen.
Es erinnerte mich an meinen Heimweg während meiner Berufsausbildung. Mein Weg führte von der Bahnstation im Tal durch bewaldetes und unbesiedeltes Gebiet auf den Berg. Im Herbst war es beim Nachhausegehen schon finster und der Feldweg auf den Berg unbeleuchtet. Besonders unheimlich war ein Stück des Weges, ein sogenannter Hohlweg. Der Hohlweg liegt tief einge-schnitten im Gelände, der Blick nach oben war durch Haselnussstauden verwachsen, man hatte keinen Aus-Blick. Ich hörte nur meinen eigenen Atem und spürte mein Herz klopfen. Dieses Stück war stockdunkel und ich konnte die Hand nicht vor meinen Augen sehen. Bei jedem Geräusch blieb ich stehen und wartete ab. Meistens war es ein Vogel oder ein anderes Tier, dass ich mit meinen Schritten aus der Nachtruhe aufgeschreckt habe. Wenn die Angst zu groß wurde, dann fing ich an zu singen oder laut zu sprechen.
Angst essen Seele auf.

Kommentare:
D. am 2. November 2004 um 13:53
Bei meinem Bruder war es in den Lehrjahren gerade umgekehrt: Mit 16 Jahren kaufte er sich ein altes Klein-Motorrad, Puch-Monza, da er eine Lehrstelle als Maschinen-Schlosser bei der ehemaligen BBU in Arnoldstein bekam. Bei jeder Witterung, ob 30 Grad im Sommer oder -25 Grad im Winter fuhr er damit zur Arbeit und das waren 25 Kilometer. Oft sprang das Gerät im Winter nicht an und ich hörte, noch im Bett liegend, seine Dauerläufe mitsamt dem Moped um 05:30 Uhr in der Früh. Er versuchte alles, damit das Gefährt schneller fuhr und so demontierte er auch die Schalldämpfer aus dem Auspuff. Pünktlich in aller Frühe wurde das ganze Dorf entlang der Hauptstraße aus dem Bett gehoben, als mein Bruder vorbeifuhr. Moped ersetzt Hahn.

schlagloch am 19. November 2004 um 18:38
Wenn mein Bruder mit dem Puchmoped durch Rudersdorf fuhr, dann brachten die Anrainer die Kinder und die Hühner im Straßengraben in Sicherheit.

 

02.09.2004 WEGWEISER . EVENT
Die sommerliche Eventkultur treibt seltsame Blüten. Anlässlich eines Straßenfestes wurde in Möselstein als Festauftakt ein Wegweiser eingeweiht. Unter den Klängen einer Musikkapelle und im Beisein einer Abordnung von Mädchen und Burschen in Gailtaler Tracht wurde in feierlicher Form ein Wegweiser enthüllt und seiner Be-stimmung übergeben. Ein Pfeil zeigt die Richtung zum Steinbruch an und der andere Pfeil die Richtung zum Kreuzweg. Wenn es sich hier um ein Wegkreuz oder um einen Brunnen gehandelt hätte, dann wäre dieser Festakt angebracht gewesen. Bestimmt wird die nächste neu installierte Straßenampel auch feierlich ihrer Bestimmung übergeben. Jedem Ort sein passendes Event.
Ampel frei.

 
08.09.2004 HARLEY . INVASION
Wer sich dieses Jahr beim Harley Davidson Treffen am Faakersee Anfang September 2004 nach der neuen Herbstmode kleidete, der trug einen schwarzen Leder-Anzug mit orange Streifen. Auch einige Motorräder hatten orange lackierte Teile. Die meisten Harleyfahrer trugen schwarze oder schwarzrote Motorradanzüge. Eine Woche lang dröhnte es auf- und abschwellend in Möselstein, als würde der Ort ständig von einer Flugzeugstaffel angegriffen werden, nur die Flieger-Bomben blieben aus. Es waren friedliche Motorrad-Staffeln welche durch den Ort düsten. Viele Motorrad-Fahrer trugen Helme in der Form von Wehrmacht-Helmen. Wer eine Harley Davidson besitzt will fahren und gesehen werden.
Alles fährt.

W. am 8. September 2004 um 17:03
Mir gefallen die Harley Davidsons auch wirklich supergut! Nur die Helme in Form von Wehrmachtshelmen finde ich eher verstörend. Motorradfahren finde ich immer noch toll, aber nicht in großen Städten wie München oder Wien oder Hamburg .

 
10.09.2004 STEIN . HAUS
Der Radweg R2 rund um den Ossiachersee ist ohne größere Anstrengungen zu befahren. Der Radweg verläuft immer in der Nähe des Seeufers . Selbst Anfang September wird noch im See gebadet. Die schönsten Blumen wachsen auf natürliche Weise entlang der Bahnstrecke in den Farben gelb, blau, violett und rosarot. Diese natürlich wachsenden Blumen übertreffen den künstlichen Blumenschmuck auf den öffentlichen Plätzen und auf den Balkonen der Hotels. Bei Steindorf fährt man am „Steinhaus“ vorbei, welches sich der Architekt Günther Domenig als Lebenskunstwerk errichtet. Das Haus liegt am Ufer des Ossiachersee, als hätte ein Riese vom Gipfel der Gerlitzen einige Steinblöcke und Stein-Quader zum See geschleudert und sie hier aufgetürmt. Heute sieht es danach aus, als sei das Gebilde aus Beton, Glas und Stahl unbewohnt. Eine ganz andere Atmosphäre erlebt man im Steinhaus, wenn darin ein Konzert stattfindet. Der Platz vor dem Eingang ist aufge-brochen und unter den hochgehobenen Steinblöcken quellen Seeschlangen in Chrom hervor. Ein Steg führt von den Wohnbunkern auf den Strand zu. Auf der Wiese neben dem Steinhaus hat eine Riesenspinne aus der Urzeit Rost angesetzt.
Gedanken in Stein.

 

13.09.2004 BERG . STURZ
Das letzte Erdbeben im Raum Villach am 12. Juli 2004 liegt jetzt zwei Monat zurück und ich denke noch oft an einen besonderen Zufall. Unter der Bevölkerung haben die Erdstösse viel Aufregung verursacht, da sich in vielen Wohnungen die Gläser und Lampenschirme bewegt haben. An den Gebäuden sind in Kärnten keine Schäden aufgetreten. Ein paar Tage später bemerkten wir im Wohnzimmer, dass eines der Bilder schief an der Wand hängt. Es ist dies ein Druck von Cornelius Kolig. Das Bild zeigt den Dobratsch mit seinem Absturzgebiet „Steinernes Meer„. Dieses Foto wurde von C. Kolig be-arbeitet und übermalt. Der Dobratsch wurde teilweise mit der Farbe orange übermalt und auf die Steine der Blockhalde wurden rosa Blüten gemalt. Ist es ein Zufall, dass sich gerade dieses Bild durch die Erdstösse ver-schoben hat, welches den Bergsturz des Dobratsch durch ein Erdbeben im Jahre 1348 als Motiv hat? Der Auslöser für den Bergsturz am 25. Jänner 1348 war ein schweres Erdbeben, mit der Stärke 7 bis 8 auf der 12-teiligen EMS-Skala, mit dem Epizentrum in Friaul.
Wurzel des Zufall.

 
15.09.2004 BUCH . ZUKUNFT
Was in anderen Handelssparten wie Eisenwaren, Farben-Handel oder Schuhhandel schon passiert ist, geschieht jetzt auch im Buchhandel. Die Fachgeschäfte ver-schwinden aus den Ortschaften und sind auch in den Städten kaum noch zu finden. Eine gutgeführte Buch-Handlung in Villach mit viel Atmosphäre hat in diesem Jahr, trotz schöner und feiner Buchauswahl, ihren Betrieb geschlossen. Die Buchhändlerin hat sich für die Lese-Förderung und die Verbreitung des Buches durch die Teilnahme an der Buchwoche und durch Lesungen an den Schulen stark eingesetzt. Die Konkurrenz durch die Buchkette A. war wohl zu groß. Das privat geführte Buchhandlungen unter dem Druck der Buchketten zusperren müssen bedeutet das Ende für das anspruchsvolle Buch und die Versorgung von Land-Gemeinden mit Büchern. Viele Verlage werden nur mehr solche Bücher drucken, die dem breitem Geschmack der Leser entsprechen und von denen sie annehmen können, dass diese Titel von Amazon oder Amadeus in ihr Sortiment aufgenommen werden. Viele interessante Bücher werden wegen zu kleiner Leserschaft nicht mehr gedruckt werden.
Wal Mart Verhältnisse im Buchhandel.

Kommentare:
W. am 15. September 2004 um 20:34
Lieber Schlagloch, es ist leider wahr, was du schreibst. Es herrscht Kampf im Buchmarkt und in Deutschland ist das nicht besser. Selbst sog. Großflächenbuchhandlungen haben Probleme und müssen Leute entlassen. Die Leute lesen weniger, diese Entwicklung zeichnet sich schon länger ab. Hinzu kommt, dass doch etliche Leute auf andere Freizeitaktivitäten umgestiegen sind, das sind z. B. Computer. Nicht zu vergessen die Konkurrenz von Amazon, dem Onlinebuchhandel. Das haben viele Buchhandlungen lange Zeit nicht ernst genommen. Statt selber ins Internet zu gehen haben sie sich konservativ wie sie nun einmal sind, ausschließlich auf den stationären Buchhandel verlassen, tja und jetzt sind sie verlassen. Vom Buchhandel ließ es sich immer schlecht leben, jetzt kann man überhaupt nicht mehr davon leben. In Zukunft wird es sicher noch mehr arbeitslose Buchhändlerinnen geben, die Verlage dürften sich auf Allerweltsprodukte beschränken. Da ist es ja nicht schwer den literarischen Niedergang zu prophezeien, traurig das Ganze!

schlagloch am 17. September 2004 um 19:55
Mit der Befürchtung „Wal Mart Verhältnisse“ im Buchhandel habe ich die „Allerweltsprodukte“ gemeint. Wal Mart ist eine große Handelskette in den USA und viele Fabriken erzeugen nur mehr solche Artikel, die eine Chance haben in das Sortiment von Wal Mart aufgenommen zu werden. Für mich ist auch schlimm, dass in den Landgemeinden die Vielfalt in der Handelsstruktur verloren geht. Man sieht nur noch Supermarktläden wie Spar, Billa oder Lidl und diese Läden sehen überall gleich aus.

 
17.09.2004 CHINA . WÄRME
Ein Bekannter feierte seinen 70. Geburtstag. Da es mir nicht möglich war bei seiner Feier in Ulm dabei zusein, weil es die Arbeit nicht erlaubte, wurde er von mir am frühen Morgen angerufen. Ich wünschte ihm zu seinem 70. Geburtstag alles Gute und Gesundheit. Gesundheit im Sinne von Dr. Manfred Lütz: „Gesund ist man, wenn man seine wesentlichen Aufgaben im Leben erledigen kann“. Ich erkundigte mich bei ihm ob er in China Bescheid gegeben hat, dass heute seine Geburtstagsfeier im Gemeinschaftsraum stattfindet. Es könnte ansonsten sein, dass der Raum nicht geheizt ist. Diese Frage hat ihn völlig überrascht. Ich habe vor kurzem in der Zeitschrift „Der Stern“ einen Artikel über die Wirtschaftsmacht China gelesen. Darin wurde berichtet, das die Heizung und die Klimaanlage von der Uni Ulm von einer chinesischen Firma errichtet worden ist und auch von China aus elektronisch gesteuert wird. Diese Fern-Steuerung kommt um vieles billiger, als würde dies eine deutsche Firma durchführen. Wenn er seine Geburtstags-Feier nicht nach China gemeldet hat, dann könnte es sein, dass der Gemeinschaftsraum nicht geheizt ist. Ich habe ihm empfohlen einfach beim „Chef“ in China anzurufen und seine Geburtstagsfeier anzumelden.
China heizt uns ein.

 
21.09.2004 GEIST . MATERIE
Nach dem ich mein Fahrrad im Kofferraum meines Autos transportiert hatte, funktionierte beim Fahrrad der Tacho nicht mehr. Sosehr ich mich auch bemühte, die Kontakte einmal in die Eine und dann in die andere Richtung verschob, es brachte alles keinen Erfolg. Dieser Vorfall liegt schon einige Wochen zurück. Ich hatte meine Bemühungen den Tacho in Gang zu bringen schon aufgegeben. Am Wochenende bin ich mit dem Fahrrad losgefahren, es gab keine Anzeige, wie auch sonst. Während des Fahrens kam mir der Gedanke, dass ein bekannter Elektriker sich einmal meinen Tachometer ansehen könnte. Kaum hatte ich dies gedacht sah ich, dass die Geschwindigkeitsmessung wieder funktionierte. Über einen Monat hatte der Tacho trotz meiner Bemühungen nicht funktioniert. Warum gerade jetzt, wo ich daran gedacht habe Hilfe in Anspruch zu nehmen? Habe ich mit meinen Gedanken und mit meinem Geist die Materie in Schwung bringen können?
Schwung in der Materie.

 
24.09.2004 FERN . WEH
Es ist fünf Minuten nach vierzehn Uhr, wenn der Euro City Zug EC31 von Villach kommend, größtenteils hinter Gebüsch und Stauden verborgen heranbraust und elegant die Kurve bei Neuhaus in leichter Schräglage durchfährt, um sich dann wieder aufzurichten, bis er in der nächsten Kurve vor Pöckau verschwindet. Mit dem Auftauchen der kirschroten Lock und den hellgrauen Waggons kommt auch mein Fernweh und meine Sehn-Sucht nach einer Zugreise in den Süden. Zwischen den grünen Blättern sieht man jetzt schon die gelben, braunen und orange Blätter hervorleuchten. Sie kündigen den Herbst in Kärnten an. Noch kann man sich an den bunten Farben der Pflanzen und Sträucher neben der Bahnstrecke und der milden Herbstsonne erfreuen, aber die warmen Tage sind gezählt. Meine Gedanken fahren mit nach Venedig wo jetzt Spätsommer ist. Humbert Fink hat in einem Roman sehr anschaulich die Sehnsucht zweier junger Burschen geschildert, die an jedem Samstag zu eben diesem Zug auf den Villacher Hauptbahnhof gegangen sind, um diesen Zug ankommen und abfahren zu sehen. Ihr sehnlichster Wunsch war mit diesem Zug Villach zu verlassen. Mir kommt vor, dass die Jugend und das Alter etwas gemeinsames haben, man hat Zeit zum Träumen und plötzlich gibt es eine Zukunft.
Zukunft Fernweh.

 
30.09.2004 CREATIV . MESSE
Auf der Creativmesse in Salzburg findet man eine große Ansammlung von Importen aus aller Welt für die Bereiche Wohnkultur, Bastel- und Floristenbedarf, Tischkultur, Trafikanten- und Esoterikartikel. Bei einem Spaziergang durch die Creativmesse hat man den Eindruck, dass die Kreativität darin besteht, wer eine Ware am billigsten aus dem Fernen Osten importiert. Die vielen Hallen übertreffen die Größe eines Einkaufs-zentrum. Der Stromverbrauch für einen einzelnen Messestand während der Messe wird höher sein, als einer Landfamilie im Fernen Osten für ein Jahr zur Verfügung steht. In den Hallen stehen die Verkäufer beim Eingang der Messestände und begrüßen die Kunden mit Euro-Freundlichkeit. Inmitten dieser vielen Import- und Konsumartikel konnte man die Scherenschnittkünstlerin Brigitte Prommegger bei ihrer Arbeit beobachten. Die Herstellung von Scherenschnitten ist eine Kunst aus der Biedermeierzeit und hat sich bis heute erhalten. Sie arbeitet an individuellen Billetts mit Scherenschnitt-Motive, die man zu den gleichen Preisen erwerben kann als die Fabrikware. Sie zeigte auch Papierobjekte in Verbindung mit Steinen. Die meiste Energie ist ihre Zeit, welche sie in die Herstellung der Papierstengel verwendet, die sie dann zu Objekten formte.
Papier und Stein.